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Vladimir Petkovics (Mitte) Stimme findet bei den Nationalspielern Gehör. Bild: freshfocus

«Mein Weg wird akzeptiert» – Petkovic und die Nati gehen gestärkt in das Spiel gegen Portugal

Das Topspiel zum Start der WM-Ausscheidung: Die Schweiz will in Basel gegen Portugal ihre Fortschritte unter Vladimir Petkovic bestätigen. Die SFV-Auswahl träumt vom Coup gegen den Europameister.

06.09.16, 06:21 06.09.16, 06:56


Kleinlaut sind sie nicht, die Schweizer Fussballer. «Wir wollen uns mit den Besten messen», sagt etwa Granit Xhaka, der im Premier-League-Alltag mit Arsenal ohnehin kein anderes Credo kennt. Der unumstrittene Chef im zentralen Mittelfeld verspricht 72 Tage nach dem EM-Achtelfinal-Out gegen Polen eine «noch bessere Qualifikations-Kampagne als zuletzt».

Granit Xhaka (r.) gibt sich auch im Kreis der Nationalmannschaft selbstbewusst. Bild: KEYSTONE

Im Kreis der Mannschaft, die innerhalb der letzten zwölf Jahre nur die vorletzte EM verpasst hat, ist eine ausgeprägte Zuversicht spürbar. Der Tenor zur Gruppe B mit Portugal, Ungarn, Lettland, den Färöern und Andorra: «Interessant, aber machbar.» Sie müssten angesichts ihrer Qualitäten in der Lage sein, bis zum Schluss um die Topklassierung zu spielen, hatte Stephan Lichtsteiner vor etwas mehr als 13 Monaten am Tag der Auslosung gesagt. Der Captain revidierte seine Einschätzung nach dem Titelgewinn der Portugiesen nicht. «Sie sind gut, aber launisch.»

Erfreuliche Signale

Ihre Ambitionen verheimlichen auch die Protagonisten des Schweizer Fussballverbandes (SFV) nicht. Selbst die in der Regel eher diplomatische SFV-Führung wünscht sich explizit eine vierte WM-Teilnahme in Folge. «Ziel ist die direkte Qualifikation», sagt auch Präsident Peter Gilliéron und bezeugt damit, wie viel er Team und Trainer zutraut.

SFV-Präsident Peter Gillieron ist überzeugt von der Nati. Bild: EPA/KEYSTONE

An der vergangenen EM-Endrunde bekräftigten die Schweizer mit ihrer energischen Haltung, an der erweiterten Spitze nicht nur mitspielen zu wollen. Ihr taktischer Entwurf soll die nächste Vorwärtsbewegung einleiten: «Unser Ziel ist es, gegen jeden Gegner mehr Ballbesitz zu haben», bestätigt Blerim Dzemaili am Wochenende in der Trainingsbasis den in Frankreich eingeschlagenen Kurs.

Bis zum Penalty-Drama gegen Polen in Saint-Etienne sandte die Schweizer Equipe erfreuliche Signale. Sie fand eine hervorragende Balance zwischen Angriffslust und defensiver Organisation. Die UEFA-Statistiker erhärteten die überzeugenden Impressionen. Keine andere Nation erreichte im Passspiel eine höhere prozentuale Quote (91) als Petkovics Ensemble.

Das Problem vor dem Tor

Nicht nur die blanken EM-Kennzahlen und übrigen statistischen Hochrechnungen, sondern auch die moderne Ausrichtung auf dem Rasen belegen: Lichtsteiner und Co. haben ein gewisses Selbstverständnis entwickelt und sich europaweit in den Top 16 etabliert. «Wir wollen Akzente setzen – gegen jeden!» Xhakas Sicht ist keine exklusive. Nicht nur der Arsenal-Profi ortet weiteres Wachstumspotenzial.

Um einem Kontrahenten vom Weltklasseformat Portugals auf gleicher Höhe begegnen zu können, genügt ein perfekter Auftritt in der Abwehr nicht. In ihrer Turnier-Analyse haben die Techniker festgestellt, dass der Mannschaft in der offensiven Zone «etwas fehlt», sie «zu wenig konkret» sei. Kurzum: Die Stürmer müssen ihre Effizienz markant anheben.

Einen Knipser wie Alex Frei haben die Schweizer aktuell nicht in ihren Reihen. Bild: KEYSTONE

Die zu geringe Torproduktion ist kein Thema, das innerhalb von zwei Monaten zu beseitigen ist. Deshalb strebt Petkovic vorerst im Bereich der weichen Faktoren eine weitere Optimierung an. Ihm schwebt vor, den im über vierwöchigen EM-Camp aufgebauten Spirit zu reanimieren: «Mit einer positiven Einstellung ist sehr viel möglich. Die Bereitschaft, mit vollem Herz dabei zu sein, hilft allen.»

Petkovics Erkenntnis

Anders als vor zwei Jahren bei seinem missratenen SFV-Debüt gegen England (0:2) und in Slowenien (0:1) sind Petkovics Ideen und Art im Kern verankert. Es gibt keinerlei Irritationen oder Interpretationsspielräume. Jeder hat verstanden, wie der Chef an der Linie funktioniert; im zwischenmenschlichen Bereich sind keine relevanten Störfaktoren wahrnehmbar.

Und in der medialen Aussendarstellung wird Petkovic inzwischen deutlich weniger oft als «Nachfolger von Ottmar Hitzfeld» apostrophiert. Der um Nuancen couragiertere Stil des Tessiners mit Wurzeln in Sarajevo ist mehrheitsfähig. «Mein Weg wird akzeptiert», sagte der Nationalcoach kürzlich zur Nachrichtenagentur SDA. «Wir haben einen Punkt erreicht, an dem ich sagen kann, dass man mir mehr Kredit einräumt.»

Petkovic wurde bei den Swiss Football Awards als Trainer des Jahres ausgezeichnet. Bild: PPR

Neben dem Vertrauen schwillt auch die Erwartungshaltung an, der Fokus ist schärfer als in anderen nationalen Teamsportarten – das lässt sich nicht nur anhand der TV-Quoten belegen. Für den Pulsschlag des Nationalteams interessiert sich auch während einer profanen Vorbereitungswoche ein Millionen-Publikum. Petkovic bekommt den Hype mit: «Unser Projekt löst enorm viel aus.» (sda/drd)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Luca Brasi 06.09.2016 10:39
    Highlight Direkte Qualifikation? Eher Wunschdenken, wenn man gegen den aktuellen Europameister spielt. Portugal und portugiesische Clubs liegen den Schweizern meist gar nicht. Von daher bin ich skeptisch. Ich schätze Portugal zwar auch als launisch ein, aber finde es ein besseres Team als beispielsweise die Engländer. Und gegen die hat die Schweiz auch nicht brilliert. Aber die Schweizer können ja mal auf dem Platz zeigen, dass sie wirklich in einem Ernstkampf gegen einen Grossen auch gewinnen können. ;)
    Ich tippe auf ein 0:0.
    2 1 Melden
  • Therealmonti 06.09.2016 08:06
    Highlight Die Grenzen zwischen gesundem Selbstvertrauen, Überheblichkeit und Grössenwahn sind fliessend. Der Auftritt der Schweizer Nati an der EM hat meine Meinung nicht geändert: Die Schweiz hat den falschen Nati-Trainer. Lasse mich aber gerne eines Besseren belehren durch die heute anlaufende WM-Kampagne.
    5 9 Melden
  • länzu 06.09.2016 07:52
    Highlight Ich weiss nicht, woher die Zuversicht kommt, die Schweiz könnte diese Gruppe gewinnen. Es wird immer auf die Leistungen an der EM Bezug genommen. Die waren aber alles andere las berauschend. Als es um die Wurst ging, hat die Nati einmal mehr versagt. Und der Rest war doch einfach nur Pflicht. Zuversicht und Selbstvertrauen sind ja schon gut. Wenn es dann aber in Überheblichkeit mündet, dann wird es gefährlich.
    4 10 Melden
    • Merengue 06.09.2016 15:43
      Highlight Überheblichkeit orte ich bei der Nati keine. Eher eine Gewinner-Mentalität, oder zumindest erste Wurzeln davon. Genau das, was der Schweiz so lange gefehlt hat, genauer genommen bis Hitzfeld den ersten Schritt machte. Petkovic hat da angesetzt und diese Mentalität gefördert. Es darf nicht reichen, gegen die Grossen einfach nur mitzuspielen und nach einem 0:2 zu sagen, wan habe gut dagegengehalten. Der Sieg muss das Ziel sein. Grosse Ziele setzen. Für sich, innerhalb des Teams. Man muss dies auch nicht den Journalisten so mitteilen. Die Nati darf und soll hohe Ansprüche haben. Das Team ist gut.
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Herr und Frau Mötzli, können wir uns nicht einfach mal freuen?!

Die Schweiz schlägt Serbien hochdramatisch 2:1. Schlagzeilen machen aber die Doppeladler beim Jubel von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. Die Gesten waren unüberlegt und unnötig. Aber auch verständlich für Spieler, bei denen sich so viel um Identität und Zugehörigkeit dreht.

Als sich Xherdan Shaqiri nach seinem 2:1 in der 90. Minute gegen Serbien dazu entschied, seine Hände zum Doppeladler zu formen, da wurde er innert Sekunden vom Helden zum Deppen. 

Zumindest für ganz viele Schweizer Fans. Die Freude über den Sieg wurde schnell gedämpft. Dürfen sich Schweizer da überhaupt noch freuen? Das war doch Hochverrat!

Zum Glück, so muss man fast sagen, haben Shaqiri und Xhaka mit dem Doppeladler für einen kleinen Skandal gesorgt. Sonst, man stelle sich vor, hätten …

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