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Fabian Frei (l.), Steven Zuber (m.) und Remo Freuler (r.) haben sich gegen Ungarn problemlos ins Team eingefügt.  Bild: EPA/KEYSTONE

14 Torschützen vs. 15 Ronaldo-Tore – die Kaderbreite als Vorteil für die Schweiz?

Die Schweiz hat beim 5:2 gegen Ungarn bewiesen, dass sie ein breites Kader hat. Drei der fünf Tore erzielten die Ergänzungsspieler Fabian Frei und Steven Zuber. In der WM-Qualifikation haben damit schon 14 Schweizer getroffen. Bei Portugal dagegen hängt viel (zu viel?) von Cristiano Ronaldo ab.

08.10.17, 10:34 08.10.17, 13:46

Die beste Qualifikations-Periode der 122-jährigen SFV-Geschichte ist (noch) nicht gut genug. Die maximale Punktzahl nach neun Spieltagen genügt nicht zur direkten WM-Teilnahme, der prickelnde, nervenaufreibende Finish in Lissabon vom kommenden Dienstag bleibt der Auswahl von Petkovic nicht erspart.

«Wir nehmen es, wie es kommt», lässt sich Petkovic deswegen nicht aus seiner stoischen Ruhe bringen. Die Machtdemonstration im fünften makellosen Heimspiel der Kampagne liess beim Schweizer Selektionär keine Zweifel offen: «Wenn wir weiterhin so auftreten, bin ich überzeugt davon, dass wir uns als Gruppensieger für die WM qualifizieren.»

Vladimir Petkovic hat gegen Ungarn wieder einmal alles richtig gemacht. Bild: KEYSTONE

Derzeit deutet tatsächlich nahezu nichts auf einen späten Schweizer Einbruch hin. Das Selbstvertrauen der Dauersieger ist auf einen neuen Höchstwert gestiegen, die Equipe versteht sich blind und setzt die Vorgaben des Trainers mittlerweile fast zu 100 Prozent um. «Wir haben viel über Vertrauen gesprochen. Ich vertraute dem Team, und erhielt zum 9. Mal alles zurück, was ich investiert habe – von jedem Spieler.»

Am Tag vor dem Spiel gegen Ungarn sagte Nationalcoach Vladimir Petkovic: «Wir wollen zeigen, dass wir die Qualifikation für die WM mit 23 oder 24 Spieler schaffen und nicht nur mit elf.» Es kam der Samstag und das Duell mit dem EM-Achtelfinalisten und Petkovic bewies, dass er den Worten auch Taten folgen lässt.

Alle Tore im Video:

Für Ricardo Rodriguez, Blerim Dzemaili und Admir Mehmedi, die gefährdet waren, im letzten Spiel in Portugal eine Sperre absitzen zu müssen, nominierte er François Moubandje, Fabian Frei und Steven Zuber. Auf 160 Länderspiele bringt es das Stammtrio, lediglich auf 28 kamen die drei Ergänzungsspieler vor der Partie.

Nicht nur die Schweiz «on fire»!

Als der spektakuläre Abend im St.-Jakob-Park vorbei war, trat Captain Stephan Lichtsteiner vor die Medien und sagte: «Es ist unser Erfolgsrezept, dass wir ein sehr breites Kader haben. Auch diejenigen, die nicht immer spielen, bewegen sich in ihren Klubs Wochenende für Wochenende auf einem sehr hohen Level.»

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Lichtsteiner konnte das sagen, weil der Mainzer Frei und der Hoffenheimer Zuber, die Statthalter in der Offensive von Dzemaili und Mehmedi, zusammen drei Tore erzielten. Sie gehörten in einer durch und durch starken Mannschaft zu den herausragenden Figuren. «Wenn man vor dem Spiel im Hotelzimmer sitzt und sich überlegt, wie der Abend wohl laufen könnte, stellt man sich genau ein solches Szenario vor», sagte Frei, dem bei seinem ersten Pflichtspieleinsatz von Beginn weg seit sechs Jahren das 2:0 gelungen war.

Portugal = Ronaldo

Während Steven Zuber, zweifacher Torschütze und Vorbereiter des Treffers von Frei, davon sprach, alles gegeben zu haben, um dem Trainer und der Mannschaft das in ihn gesetzte Vertrauen zurückzuzahlen, lobte Frei die Arbeit des Chefs und der Kollegen. «Trotz vier Spielern, die meist nicht von Anfang an im Einsatz sind, war es, wie wenn wir ständig zusammen spielen würden. Das zeigt, wie völlig intakt diese Mannschaft ist.»

Frei und Zuber, der seine ersten Tore für die Schweiz erzielte, waren die Torschützen 13 und 14 der SFV-Auswahl in dieser WM-Qualifikation. Die Breite im Schweizer Kader lässt sich auch an dieser Zahl ablesen. 14 Spieler also für 23 Tore.

Nummer 15! Die Hälfte alle Portugal-Tore hat Cristiano Ronaldo erzielt. Video: streamable

Dies steht im krassen Gegensatz zu Portugal, dem Gegner im letzten und entscheidenden Spiel am kommenden Dienstag. Beim Europameister schoss das Sturmduo Cristiano Ronaldo (15) und André Silva (8) zusammen 23 der 30 Tore. Kann die Schweiz diese beiden Spieler – vor allem Ronaldo – am Dienstag aus dem Spiel nehmen, stehen die Chancen sehr gut, sich als Gruppenerster für die WM in Russland zu qualifizieren. (pre/sda)

Die Tabelle vor dem letzten Spieltag:

bild: screenshot srf

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • häfi der Spinat 08.10.2017 19:25
    Highlight 14 verschieden Torschützen bedeutet leider nur eines.

    Das der Manschaft eine Goalgetter à la Frei fehlt.

    Tut mir leid keinen besseren Bescheid zu geben.
    3 8 Melden
    • häfi der Spinat 09.10.2017 13:41
      Highlight Die Nati ist zu Zeit in Form.
      Das einzige was fehlt ist ein richtiger Goalgetter. Wie bei den Portugisen CR7.

      Dann währe tatsächlich alles möglich.
      1 0 Melden
  • inVain 08.10.2017 16:59
    Highlight Die Schweiz ist in WM-Quali-Spielen seit 2008 und der Niederlage zuhause gegen Luxemburg ungeschlagen. Wenn ich richtig gezählt habe also seit 27. Spielen. Diese Serie gilt es nun auszubauen!
    7 1 Melden
    • Domsh 09.10.2017 02:16
      Highlight Die Gegner Island, Slowenien, Norwegen, Albanien, Zypern, Portugal (ohne CR7, ersten Spiel nach EM-Titel), Ungarn, Färöer, Lettland und Andorra waren jetzt auch nicht die Top-Mannschaft (ja ich weiss, Portugal...)
      Trotzdem freuen wir uns auf einen Exploit unseres starken Kaders.
      0 6 Melden
  • eddie_dee3 08.10.2017 15:01
    Highlight Beim EM Finale 2016 wurde Ronaldo gleich zu Beginn verletzt ausgewechselt und niemand hat mehr mit Portugal gerechnet. Wie es am Schluss aussah, wissen wir alle.
    13 5 Melden
    • Barnaby 08.10.2017 15:22
      Highlight Da hatten sie aber auch viel Glück.
      Frankreich war eigentlich die bessere Mannschaft.
      Glück gehört zum Fussball und genau das braucht die Schweiz nun auch.
      Hopp Schwiz
      17 2 Melden

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