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Kevin Bua kann diese Saison endlich sein Potenzial ausschöpfen. Bild: KEYSTONE

Das Gegenteil des Fussballer-Prototyps – Kevin Bua startet beim FC Basel endlich durch

Mit Verspätung hat Kevin Bua beim FC Basel eingeschlagen. Letzte Saison hatte der Mittelfeldspieler aufgrund mehrerer Verletzungen kaum Einsatzzeit. Nun ist er die grosse Entdeckung – und anders als seine Berufskollegen.

10.08.17, 10:11 10.08.17, 12:07

Céline Feller / Nordwestschweiz



Kevin Bua ist ein Glückskind. Eigentlich. Er ist Fussballer beim FC Basel. Seine Karriere war stets ein logischer Prozess. Immer kam der nächste Schritt. Immer ging es voran. Mit 19 debütierte der Schweizer mit spanischen Wurzeln in der Challenge League, absolvierte in seiner ersten Saison 21 Spiele für seinen Stammverein Servette, im zweiten Jahr gar 30. Fünf Tore, neun Assists sowie enorme Qualitäten brachten ihn nach nur einem Jahr zum FC Zürich. Es folgte eine weitere Traum-Saison. Erneut 30 Spiele und neun Assists und gar noch ein Tor mehr.

2016 – Cupsieger und Absteiger

Bua war einer der wenigen Lichtblicke in einer Saison zum Vergessen beim FC Zürich. Doch Bua wäre nicht Bua, hätte er nicht den gegenteiligen Weg seiner Mannschaft gemacht. Der FCZ stieg ab, Bua stieg auf. Zum FC Basel. «Im Fussball geht es immer um Fortschritt», sagte er an seinem ersten Tag beim FCB. Und tatsächlich schien seine Karriere linear zu verlaufen. Er kannte nur den Fortschritt. Das Glück.

Das Gegenteil des Prototyps

Doch just in diesem Moment, in dem er mit dem Wechsel zum besten Verein der Schweiz das grösste Glück seiner noch jungen Karriere hätte erleben sollen, verliess es ihn. Plötzlich. Und vor allem ungewohnt. Sein erstes Jahr in Basel war nicht hart. Sondern «durísimo». Bua wählt die höchstmögliche Steigerungsform dieses Wortes, um seiner Situation Ausdruck zu verleihen. «Es war die schwerste Phase in meiner Karriere. Ein Jahr, in dem du kaum spielst, ist ein verlorenes Jahr.»

Das zweite Saisontor: Bua schliesst gegen Thun einen Basler Konter mustergültig ab. Video: streamable

Dass der Start beim FCB im Sommer 2016 nicht einfach werden würde, war ihm bewusst. Er kam angeschlagen, weil er sich in der Endphase beim FCZ verletzt hatte und ein operativer Eingriff am Knie unumgänglich war. Dennoch fühle er sich in Basel gut aufgenommen von der Mannschaft. «Die Kollegen machten mir Mut. Sie sagten mir immer, dass ich stärker zurückkommen werde.»

26. Oktober 2016: Kevin Bua wird im Cupspiel gegen Tuggen verletzt ausgewechselt. Bild: KEYSTONE

Unter Beweis stellen konnte er das im letzten Jahr nie. Kaum war er wieder fit, wurde er zurückgeworfen. Ende Oktober war es ein Muskelfaserriss. Im März dann der Riss des Aussenbandes im linken Knie. «Diese Verletzung war noch schlimmer. Es war hart, das zu akzeptieren.» Weil er sich zurückgekämpft hatte, die ganze Vorbereitung mit dem Team hatte machen können. Und endlich bereit war, anzugreifen.

Besondere Beziehung zur Familie

Bua, der sich als ungeduldig bezeichnet, musste lernen, ruhig zu bleiben. «Wenn du das nicht schaffst, dann erholst du dich im Kopf nie ganz.» Wenn er darüber spricht, wirkt er reflektiert und geerdet. Er ist einer, der nicht ins typische Schema passt. Im Fall eines Scheiterns im Profi-Fussball hat er eine Matura als Absicherung. Er ist nicht einer, der sich extravagant kleidet oder extrovertiert auftritt. Er sagt von sich, bescheiden, schüchtern und normal zu sein. Und liefert im Gespräch auf positive Art und Weise den Beweis dafür.

Er ist kein Lautsprecher, und auch die im Fussball so oft gesehenen Tattoos und Piercings findet man bei ihm nicht. «Ich sehe keine Notwendigkeit dafür», sagt er, ohne es wertend gegenüber seinen Kollegen zu meinen. Er war immer schon ein bisschen anders. Seine grossen Vorbilder waren nie Zidane oder Ronaldo, sondern seine Eltern und Grosseltern. Sie waren es auch, die ihm Halt gegeben haben in diesen Zeiten, in denen sich das Glück von ihm abgewandt hatte. «Meine Eltern besuchen mich fast jedes Wochenende», sagt der alleinlebende Bua, der morgen seinen 24. Geburtstag feiert.

Kevin Buas Traum ist, in Zukunft einmal in der Primera Division zu spielen. Bild: KEYSTONE

Mit seiner jüngeren Schwester und seinem jüngeren Bruder hat er ebenfalls «eine ganz besondere Beziehung». Genauso wie zu seinen Grosseltern, die er so oft wie möglich in seiner zweiten Heimat Spanien besucht. Bua ist Doppelbürger, die Mutter stammt aus Zamora, der Vater aus Galicien. Von Letzterem hat er die Liebe zum Fussball geerbt. Der in Genf geborene Bua sagt, dass es als Junge mit spanischen Wurzeln natürlich ein Traum wäre, dereinst mal in der Primera División zu spielen. «Aber befragen Sie mich noch nicht zu Dingen, die noch so weit weg sind.»

Wie ein Neuzugang

Zuerst will er in Basel den nächsten Schritt machen. Stammspieler werden. Wichtig sein. Dass er seinen neuen Trainer schon aus Servette-Zeiten kennt, helfe ihm wohl kaum, aber die Art und Weise, wie Raphael Wicky spielen lasse, «könnte gut für mich sein». Bis jetzt war sie das tatsächlich. Zweimal stand er zuletzt in der Startformation und traf ebenso oft. Für Wicky ist er «wie ein Neuzugang, der eingeschlagen hat». Mit einem Jahr Verspätung. Oder wie Bua es nach dem Spiel in Thun sagte: «Ich bin endlich angekommen.»

Macht er so weiter, dürften auch wieder die nächsten, logischen Schritte folgen, wie er sie sich so lange gewohnt war. Der nächste wäre es, in der Champions League dabei zu sein. Sein grosser Traum. «Dieses Jahr dürfte ich ja hoffentlich das Glück haben, dort zu spielen.» Vor kurzem noch unrealistisch, darf es heute gar erwartet werden. Denn nach einem Jahr Pause haben Kevin Bua und das Glück endlich wieder zusammengefunden.

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Wasmeinschdenndu? 10.08.2017 12:39
    Highlight Unsympatister Spieler der Liga: Geht von Zürich nach Basel, und wird wohl auch gleich beim nächstbesten Angebot ins Ausland abwandern und da von der Bildfläche verschwinden...
    22 57 Melden
    • Amboss 10.08.2017 13:18
      Highlight Sehe ich gleich.

      FCZ inkl. diesem jahr in der CL und jetzt in der SL wäre eine super Station gewesen, um zu reifen, Veantwortung zu übernehmen und auch mal zu beissen.

      Schade. Der Weg via Basel ist halt zu verlockend, weil er schneller ins Ausland führt - wo die Karriere ins Stocken kommt und man sich einigermassen durchschlägt oder gar die versenkung folgt.
      Beispiele gibt es zu genüge - ist bei fast allen Spielern, die diesen Weg wählten, so passiert
      15 34 Melden
    • giandalf the grey 10.08.2017 14:11
      Highlight Zum Beispiel Drmic, Mehmedi, Xhaka, Sommer ah nein warte... Da habe ich wohl was verwechselt...
      Sorry aber es sind Zürich und GC die ihre Spieler viel zu schnell ins Ausland verscherbeln wo sie dann keinen Erfolg mehr haben. Beissen musste er ja in Basel offensichtlich auch. Und wenn du die Möglichkeit erhältst vom Absteiger zum Meister zu wechseln wärst du ja blöde, würdest du's nicht tun. Von Zürich zu Basel ist schon etwas dreckig aber es ist immernoch ein Job für ihn und in dem Fall waren Zürich und Basel ja auch keine Ligakonkurrenten mehr.
      34 9 Melden
    • Amboss 10.08.2017 14:50
      Highlight @Gandalf: Wieso mischst du jetzt Spieler mit und ohne FCB-Vergangenheit?

      Naja, so schlecht machen sich FCZ/GC-Spieler nicht - zB Bürki, Rodriguez, Elvedi, aber auch Mehmedi, der es erst mit seinem Wechsel nach Vizekusen verkackt hat.

      Klar, Xhaka und Sommer, die habens geschafft.
      Aber sonst, gibt einige, denen es nicht richtig läuft, zB Schär, F.Frei, Stocker, Shaqiri,





      http://pie
      8 15 Melden
    • giandalf the grey 10.08.2017 19:19
      Highlight Diese Spieler waren aber mit Ausnahme von Shaqiri alle jahrelang in Basel. Da muss irgendwann der nächste Schritt kommen. Bei FCZ oder GC reicht eine gute Saison von einem Nachwuchstalent und er wird wenn möglich gleich verkauft. Ausserdem geht es dabei ja nicht nur um eigene Talente sondern auch um andere Spieler die den Klub als Sprungbrett nutzten, und auch da steht Basel zB mit einem bei Arsenal konstant spielenden Elneny besser da als die Zürcher. So oder so: Wenn du die Karriereleiter hoch willst bist du beim Meister sicher besser bedient als beim Absteiger sofern du die Qualitäten hast.
      6 4 Melden
    • dave92 10.08.2017 21:58
      Highlight drmic jahrelang bei basel? 😉
      3 2 Melden
    • dave92 10.08.2017 21:59
      Highlight mehmedi jahrelang bei basel? 😉
      3 2 Melden
    • Amboss 10.08.2017 22:28
      Highlight Hää? Du machst es "Gnusch".
      Shaqiri hat seine ganze Ausbildung beim FCB gemacht. Mehmedi und Drmic haben nie beim FCB gespielt, sondern gingen vom FCZ aus ins Ausland.

      Schau, was ich sagen möchte ist das: Klar ist der FCB das bessere Sprungbrett. Wird ja auch häufig genutzt. Aber beim FCB haben die Spieler Erfolg und lockere Saisons. In der BL erleben sie dann den Chrampf im Mittelfeld der Tabelle. Wo man verliert und dennoch weitermachen muss.. ganz andere Situationen, die sie nicht kennen. Deshalb finde ich, bua hätte es gut getan, sich beim FCZ einer solchen Situation zu stellen
      2 3 Melden
    • giandalf the grey 11.08.2017 10:02
      Highlight Mann, das ist der Witz! Mehmedi und Drmic sind Beispiele für Zürcher die sehr jung in die BL sind und da versumpfen. Ich spreche ausserdem von der ersten Mannschaft, in der hat Shaqiri nicht so lange gespielt, sondern ist ebenfalls sehr schnell nach Deutschland.

      Jäso, weil der FCZ in der CL im Morast des Tabellenmittelfelds festgesteckt wäre und seltener 3 Punkte geholt hätte? Wenn dann hätte er das vlt bei YB oder Sion erlebt.
      Ausserdem hat er durch seine Verletzungen denke ich durchaus gelernt, wie es ist, weiter machen und an sich glauben zu müssen auch wenns nicht gut aussieht.
      1 3 Melden
    • giandalf the grey 11.08.2017 10:06
      Highlight Ausserdem lernt der FCB in der Champions League ja regelmässig und vor allem letzte Saison, was es heisst nicht erfolgreich zu sein.
      2 2 Melden
    • Amboss 11.08.2017 11:04
      Highlight @gandalf:
      Falsch. Mehmedi und Drmic waren an ihrer ersten Station in der BL (Freiburg/Nürnberg) gesetzt, Leistungsträger, unverzichtbar, haben viele Tore geschossen.

      Die waren bereit, als sie in die BL wechselten.
      Ihre Karriere haben sie danach in den Sand gesetzt, weil sie nicht bereit waren, mit ihrem Verein in die 2. BL zu gehen. Gerade bei Mehmedi in Freiburg ein Riesenfehler.

      Insgesamt stehen Spieler, die vom FCZ in die BL gewechselt haben sicher nicht schlechter da als diejeinigen, die vom FCB aus gewechselt haben.

      Nebenbei: Shaqiri war drei Jahre in Basel. Ist das "sehr schnell"?
      1 0 Melden
    • giandalf the grey 11.08.2017 13:40
      Highlight In der ersten Saison sind die meisten mindestens einigermassen am Spielbetrieb beteiligt weil niemand seinen Fans erklären will weshalb der teure Transfer auf der Tribüne sitzt, aber auf Dauer landen (stammklubunabhängig) leider viele Schweizer auf dem Abstellgleis. Trotzdem behaupte ich, dass ein Rodriguez oder ein Elvedi eher Ausnahmen sind. Das hängt aber vielleicht auch damit zusammen, dass der FCB im Moment einfach die besseren Spieler hat und diese deshalb auch später erfolgreicher sind. Ich glaube auf jeden Fall nicht dass es Buas Karriere geschadet hat zum FCB zu wechseln.
      1 2 Melden
    • giandalf the grey 11.08.2017 14:20
      Highlight Über die Qualität der Transferpolitik kann man vermutlich lange diskutieren und vieles ist dabei wohl Spekulation. Einen grossen Einfluss haben vermutlich auch Spieler und Berater (Negativbeispiel Shaqiri).

      Auf jeden Fall danke dafür, dass diese Unterhaltung so sachlich blieb. Ist wenn's um Fussball geht und vor allem in Kommentarspalten nicht selbstverständlich!
      1 1 Melden
    • Amboss 11.08.2017 15:16
      Highlight @Gandalf: Danke auch :)

      Nein, seiner Karriere schadet dieser Wechsel bestimmt nicht. Es ist halt der "einfache"Weg.
      Kann er sich beim FCB durchsetzen, winkt Europa, wenn nicht ist er sowieso zu wenig gut.

      Aber man muss natürlich auch realistisch sein. Es gibt locker 50 oder mehr Vereine in der Stärke und Grösse des FC Basel.
      Wenn man vom FCB kommt ist man also erst mal "nichts besonderes", sondern muss sich erstmal durchsetzen.

      Aber irgendwo hapert es schon. so der eine oder andere CH-Spieler bei einem grossen Verein könnte es schon sein, schau dir zB mal die belgische Fussballnati an...
      1 0 Melden
    • giandalf the grey 11.08.2017 19:05
      Highlight Also auf der UEFA-Rangliste ist der FC Basel immerhin auf Platz 24, wobei da natürlich noch von den Punkten aus 13/14 gezehrt wird. Aber ja klar, um europäisch von Bedeutung zu sein muss man sich noch eine Stufe höher durchsetzen.

      Und das gelingt den Belgiern wirklich besser als den Schweizern. Aber ich weiss nicht so recht an was das liegt. Goalie-Technisch funktioniert es bei uns ja auch wunderbar. Aber ich bin zu wenig mit der Schweizer Juniorenförderung vertraut um sagen zu können wieso es auf anderen Positionen irgendwie nicht so wirklich klappt.
      1 1 Melden
    • Amboss 13.08.2017 00:10
      Highlight Ja gut, dieses Ranking ist völlig nichtsaussagend, weil Mittelfeldteams der grossen Ligen, die dem FCB mindestens ebenbürtig sind, international nicht dabei sind.
      Der FCB dagegen ist (noch) jedes Jahr gratis dabei...

      Ja , woran liegt es? I ch Glaube weniger bei der Juniorenförderung. Auch die U-Natis zeigen regelmäßig Top Leistungen.
      Ich denke, die Ursache liegt Anfangs Profikarriere, im Alter von Ca 18-23.

      Zu wenig Verantwortung zB beim SL-Verein, zu wenige wichtige Spiele, zu frühe Wechsel, zu fest gehyped, zu wenig Biss?

      Ich kann nur mutmassen...
      0 0 Melden
    • giandalf the grey 13.08.2017 13:25
      Highlight Stimmt...

      Aber zu wenig Biss... Um überhaupt einen Profi-Vertrag zu bekommen braucht man schon viel Biss. Der Druck ist schon bei Junioren verdammt hoch. Und gehyped werden Talente doch in jeder Liga. Und wichtigere Spiele als Liga und Cup kriegst du bei Freiburg oder Hertha auch nicht.
      Vielleicht haben die Spieler einfach alle das Gefühl sie hätten es geschafft wenn sie in der höchsten Spielklasse ihres Landes angekommen sind, wobei das bei deutschen Talenten eher stimmt als bei Schweizer.
      Vielleicht hängt das auch mit der Ausgeglichenheit einer Liga zusammen. Mutmassungen über Mutmassungen
      0 0 Melden
  • Illuminati 10.08.2017 11:42
    Highlight Vom FCZ zum FC Basel nach dem Abstieg, mehr muss man nicht sagen.
    Ehrlich gesagt habe ich gehofft dass er in der Versenkung verschwindet...
    19 46 Melden
    • Wasmeinschdenndu? 10.08.2017 14:43
      Highlight Genau meine Meinung!
      11 20 Melden
    • Wasmeinschdenndu? 12.08.2017 15:47
      Highlight Und alle basler Modefans am Blitze verteilen. Merci!
      2 2 Melden

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