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Johan Vonlanthen will mit dem FC Wil mittelfristig in die Super League aufsteigen.
Bild: Steffen Schmidt/freshfocus

Bis heute jüngster EM-Torschütze aller Zeiten: Johan Vonlanthen bleibt ein ewiges Talent

«Offenbar hat man mich immer noch ein bisschen in positiver Erinnerung», lächelt Johan Vonlanthen. Die Souvenirs an sein 1:1-Highlight gegen Frankreich an der EM 2004 sind zeitlos. Kapitel einer Laufbahn, die statt traum- vorwiegend rätselhaft verlief.

07.06.16, 10:06

An den Telefonanruf des damaligen Selektionärs erinnert sich Vonlanthen noch genau. Ort und Zeit, nichts hat er vergessen. Zusammen mit Davide Chiumiento, der als Talent bei Juventus mit einem Aufgebot für die italienische Squadra spekulierte, sei er im Teamhotel der U21-Equipe gesessen, als sich Köbi Kuhn meldete. «In unserem Zimmer platzte eine Bombe. Ich war 18 und freute mich extrem.» Sechs Jahre nach seiner Ankunft in der Schweiz war der gebürtige Kolumbianer im Kreis der Fussball-Elite angekommen.

Was folgte, ist Geschichte. Kurz, aber schön. Estadio Municipal, Coimbra, 30'000 Zuschauer. In den Nebenrollen Daniel Gygax, ab kommendem Sommer beim viertklassigen FC Zug engagiert, Hakan Yakin, seit Januar in St.Gallen Junioren-Trainer, und Ricardo Cabanas, Student und Talentmanager – das Trio legte auf, Vonlanthen schob den Ball flach am französischen Ex-Weltmeister Fabien Barthez vorbei.

Johan Vonlanthens Tor gegen Frankreich an der EM 2004

Nach zwei tor- und trostlosen Schweizer Spielen schiesst Vonlanthen das 1:1 gegen das schillernde Frankreich um Superstar Zinédine Zidane. Die SFV-Auswahl verliert am Ende dennoch 1:3 und scheidet aus. Der Auftritt Vonlanthens hingegen bleibt haften. 2953 Tage nach Kubilay Türkyilmaz' Elfmeter an der EURO 1996 gegen England beendete «JV» wenigstens die Schweizer Torflaute – im Alter von 18 Jahren, 4 Wochen und 20 Tagen, als jüngster EM-Torschütze.

Die Scouts standen Schlange in Portugal, dem Berner Juwel des PSV Eindhoven prophezeiten die Experten eine enorme Flughöhe. Er selber träumte von Real Madrid, sein Umfeld kalkulierte mit Einkünften in Millionenhöhe. Journalisten bettelten um Termine. Der ehemalige Strassenkicker entwickelte sich rasend schnell zum Objekt europäischer Begierde.

Die exorbitanten Erwartungen

Im vergangenen Februar feierte Vonlanthen seinen 30. Geburtstag. Still und leise, keine TV-Kameras. In der «Schweizer Illustrierten» erhielt der Jubilar keine Titelgeschichte. Sein Arbeitgeber ist frei von Glamour, Vonlanthen stürmt für den FC Wil in der Challenge League und nicht wie einst geplant in Madrid.

Dem geschichtsträchtigen 1:1 gegen die Franzosen folgte keine anhaltende sportliche Erleuchtung, sondern eine vergebliche Suche nach dem dauerhaften Fussballglück. Eine Tour durch fünf Länder, kurze Hochs, ausgedehnte Phasen der Stagnation, persönliche Sinnkrisen, Comebacks, eine zweite EM-Teilnahme, weitere Enttäuschungen.

Vonlanthen spielte 2009 mit dem FC Zürich sogar in der Champions League. Doch von Erfolg war sein Engagement bei den Zürchern unter dem Strich nicht gekrönt.
Bild: KEYSTONE

«Ich habe zwei, drei Entscheide getroffen, die für mich als Mensch wichtig waren. Der Sport hingegen hat darunter gelitten», sagt Vonlanthen über die Zeit nach seiner Sternstunde in Portugal. Zehn Klubwechsel, Auf- und Abstiege hat er hinter sich. Vonlanthen trägt die unerwartete Entwicklung mit Fassung. Er lebt gut damit, die exorbitanten Hoffnungen nicht erfüllt zu haben.

Die Richtungswechsel

Verbitterung klingt anders, wenn er lapidar feststellt: «Bei mir kommt nicht das Gefühl auf, ich hätte etwas verpasst und könnte in Frankreich nun auch dabei sein.» Er werde nicht vor dem TV-Gerät sitzen und denken: «Schade, schade hat es für mich nicht gereicht. Ich gönne meinen Ex-Kollegen den Erfolg.»

Bei Servette fand Vonlanthen teilweise zu seiner alten Form zurück. Nun stürmt er für den FC Wil. Bild: KEYSTONE

Stephan Lichtsteiner ist einer von ihnen. Mit dem Juventus-Verteidiger stand Vonlanthen unmittelbar vor der EURO an der U21-Endrunde auf dem Rasen. Der zwei Jahre ältere Luzerner debütierte erst im November 2006 im Nationalteam. Vor wenigen Wochen zelebrierte er den fünften Serie-A-Titelgewinn in Serie und wird die SFV-Auswahl im Juni als Captain anführen.

«Im Fussball geht es schnell – in jede Richtung.» Im Fall von Vonlanthen hingegen verlief (zu) viel aus verschiedenen Gründen ausserplanmässig. Die Relationen haben sich verschoben. Eine Zusatzschlaufe in der Super League wäre für ihn ein Erfolg. «Ich gebe jeden Tag mein Bestes und schaue, was dabei herauskommt.»

Es ist der späte, aber wohltuende Pragmatismus eines ehemals Hochbegabten, der mit 23 das letzte seiner 40 Länderspiele bestritten hat. Vonlanthen ist angekommen, in Wil, in der schnörkellosen Realität – und er denkt ohne Reizüberflutung an die eigene Zukunft. «Ich könnte mir eine Trainerlaufbahn vorstellen.» Kurse besucht er bereits. (sda)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Pana 07.06.2016 19:48
    Highlight Vonlanthen hat mir immer sehr gut gefallen. Riesen Talent, klasse Fussballer. Würde es ihm gönnen, wenn er sich wenigstens wieder in der Schweiz durchsetzen kann.
    11 2 Melden
  • RodolfoZanzarro 07.06.2016 15:48
    Highlight Ich habe als ca 14-jähriger Junior mal gegen Johan gespielt: Was der in diesem Alter schon drauf hatte, ist unvorstellbar! Technisch der vielleicht beste Junior den die Schweiz je hatte! Schade hats im Profifussball nicht ganz geklappt.
    21 1 Melden
    • Almos Talented 07.06.2016 16:34
      Highlight Ich glaube viele Leute vergessen, dass alle Profi Fussballer unglaublich gut sind. Bei den Junioren waren die meisten stets bei den Besten. Der Erfolg an der Spitze hängt allerdings von vielen Faktoren ab.

      Wenn wir Amateure dann sagen "dä ka nit schutte" ist das eigentlich richtig lächerlich. 😅
      28 1 Melden

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