Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
12.03.2015; Bern; Fussball Super League - Young Boys - FC Zuerich; Choreo der YB Fans (Andreas Meier/freshfocus)

Sie sind geduldig und leidensfähig, die YB-Fans. Bild: Andreas Meier/freshfocus

Der SCB schliesst das Jahr wieder mit Gewinn ab – warum schafft das YB eigentlich nicht?

Der SC Bern hat soeben ein weiteres Geschäftsjahr mit Gewinn abgeschlossen und YB steckt gleichzeitig in einer sportlichen und wirtschaftlichen Dauerkrise. Die Differenz zwischen dem SCB und YB macht ein Name: Marc Lüthi.



Der SCB und YB sind in der gleichen Stadt beheimatet und haben in ihrem Geschäft ähnliche Voraussetzungen. Ja, ein gut geführtes YB könnte sogar noch besser wirtschaften als der SCB.

Seit 2000 hat der SCB jedes Jahr mit Gewinn abgeschlossen und vier Titel (2004, 2010, 2013, Cup 2015) geholt. YB wartet seit 29 Jahren auf einen Titel und verliert im Fussballgeschäft inzwischen viel Geld. In den letzten fünf Jahren gab es auch mal Geschäftsabschlüsse mit geschätztem zweistelligem Millionen-Minus.

Berns Eric Blum mit dem Cup Pokal nach dem Final, des Swiss Ice Hockey Cups 2014/15 zwischen dem SC Bern und den Kloten Flyers, am Mittwoch, 11. Februar 2015, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Titelsammler: Der SCB hat in den letzten fünf Jahren drei Trophäen gewonnen. Bild: KEYSTONE

Warum ist das so? Warum ist der SCB seit Jahren wirtschaftlich und sportlich erfolgreich und YB nicht? Die beiden Sportunternehmen liefern uns fast bis zur Karikatur verzerrt die Erklärung dafür, wie gross im Sportbusiness der Einfluss charismatischer Persönlichkeiten ist.

Der SCB und YB sind ähnlich strukturiert. Der SCB ist zwar nicht Besitzer, aber Generalmieter des Stadions und alleiniger Rechteinhaber für Werbung und Gastronomie. Die SCB-Gruppe mit mehreren Töchterfirmen ist mehr als ein Sportunternehmen. Die Hälfte des Umsatzes in der Höhe von rund 52.5 Millionen Franken wird mit 16 Gastronomiebetrieben generiert. Dieser Bereich wird im Laufe dieser Saison um vier weitere Betriebe erweitert. Der Gewinn aus der letzten Saison liegt vor Abschreibungen und Steuern bei knapp einer Million Franken. Ausgewiesen wird ein Reingewinn von 76'000 Franken.

Damit kommt der SCB als umsatzstärkstes Hockey-Unternehmen allerdings noch nicht an den FC Basel heran, der pro Saison rund 100 Millionen Franken umsetzt. Aber Basel generiert viel Umsatz durch die internationalen Wettbewerbe, die es im Hockey so nicht gibt.

Der Balanceakt zwischen Sport und Business

YB gehört einer Aktiengesellschaft (Sport und Event Holding AG), die auch Besitzerin des Stade de Suisse ist. Das bedeutet, dass beide, YB und der SCB, die gleiche, für Erfolg im Sportgeschäft entscheidende Voraussetzung haben: die «Bewirtschaftung» der Zuschauer (Verkauf von Bier und Wurst) während der Spiele. YB hat ein ähnliches Geschäftsvolumen wie der SCB. Die Sport und Event AG setzt zwischen 40 und 50 Millionen Franken pro Saison um.

Auch wenn es im nationalen Fussball- und Hockeygeschäft einige Unterschiede gibt, müsste YB sportlich und wirtschaftlich ähnlich erfolgreich sein wie der SCB. Aber hier haben wir ein Beispiel, dass Strukturen alleine den Erfolg nicht garantieren. Am Ende des Tages sind es Persönlichkeiten, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Die Differenz zwischen dem SCB und YB ist rein persönlicher Natur. Der SCB hat mit Marc Lüthi einen fähigen Manager. YB leidet hingegen unter Missmanagement.

Marc Luethi, CEO des SC Bern, spricht an einer Medienkonferenz, am Montag, 31. August 2015, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Marc Lüthi hat den SCB auf die Erfolgsspur gebracht. Bild: KEYSTONE

Ein Blick zurück zeigt uns, warum das so ist. Der SCB hat mehr als 10 Millionen Schulden angehäuft und steht 1998 nach einer Nachlassstundung vor der Stunde null. Marc Lüthi übernimmt die Führung. Die Valora AG gibt mit einem Kredit in der Höhe von einer Million die Starthilfe. Entweder wird es gelingen, fortan schwarze Zahlen zu schreiben oder der SCB verschwindet von der Hockeylandkarte. Der SCB hat keinen «Götti», der den Fehlbetrag ausgleicht.

Marc Lüthi ist eine charismatische Persönlichkeit und ein begnadeter Verkäufer und Netzwerker. Innerhalb kurzer Zeit wird er zum «Mister SCB». Mit Verkaufs- und Organisationstalent schafft er rasch die Wende, seit dem Frühjahr 2000 gibt es nur noch schwarze Zahlen und die Valora-Starthilfe ist längst zurückbezahlt. Der SCB ist schuldenfrei.

Blick ins Stadtion beim Eishockey Champions Hockey League Gruppenspiel zwischen dem SC Bern und IFK Helsinki aus Finnland am Freitag, 28. August 2015, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Beim SCB stimmt auch neben dem Eis fast alles. Bild: KEYSTONE

Der heikle Balanceakt zwischen Sport und Business gelingt. Weil der SCB-General einerseits ein leidenschaftlicher SCB-Fan ist, aber andererseits auch ein knallharter Kostenmanager. Sportliche Krisen bleiben zwar nicht aus, aber sie werden rasch gelöst. Der SCB ist seit 2000 ein Spitzenteam. Inzwischen sind acht Mal hintereinander mehr als 16'000 Zuschauer im Schnitt zu den Spielen gekommen und der SCB ist vom Zuschaueraufkommen her die Nummer 1 in Europa.

Der SCB hat heute mehr als 50 Businesspartner und bereits die Silber-Sponsoren (ab 125'000 Franken) sind so zahlreich (mehr als 20), dass sie am Montag an der Bilanz-Medienkonferenz nicht mehr namentlich aufgezählt werden. Bei fast allen anderen Hockey- und Fussballunternehmen würde jeder einzelne Geldgeber in dieser Grössenordnung namentlich verdankt.

YB könnte auch so funktionieren. YB hat zwar eine ähnliche und doch andere Geschichte. Auch YB steckt in den 1990er-Jahren in einer existenziellen Krise und steigt sogar in die NLB ab. Das Unternehmen wird letztlich von den am Neubau des Stade de Suisse interessierten Kreisen «durchgefüttert» – wohl wissend, dass es ohne YB auch keinen lukrativen Stadion-Neubau gibt.

YB hat es bis heute nicht geschafft, sich aus dieser Abhängigkeit von «Göttis» zu befreien. Weil die Besitzer Andy und Hans-Ueli Rihs auch heute noch jedes Jahr das Minus ausgleichen, haben Missmanagement und Misserfolg keine Konsequenzen. Das Merkmal der Führung sind nicht klare Strukturen und Transparenz, sondern eine «Clan-Wirtschaft». YB wird nicht von einer charismatischen Persönlichkeit geführt, sondern von einer kleinen Männerrunde, die sich Posten und Pfründe sichert.

Andy Rihs, links, und Hansueli Rihs, rechts, Investoren der Sport und Event Holding AG, kommunizieren die Trennung von Kommerz und Sportbereich und die damit verbundene Reorganisation am Dienstag, 30. Oktober 2012 im Stade de Suisse Wankdorf in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)..

Die YB-Investoren Andy und Hans-Ueli Rihs. Bild: KEYSTONE

Wenn wir Passanten in der Stadt Bern fragen, wer SCB- und wer YB-General ist, so werden alle Marc Lüthi als grossen SCB-Vorsitzenden nennen. Aber wer YB führt, wird keiner sagen können. Seit YB-General Stefan Niedermaier vor fünf Jahren abgesetzt worden ist, gibt es eine Trennung der sportlichen und kommerziellen Führung.

Sportchef Fredy Bickel und Bürogeneral Alain Kappeler haben beide den Titel eines CEO und sind hierarchisch gleichgestellt. Der eine denkt sportlich, der andere kommerziell. So ist es schwierig, die Balance zwischen Sport und Kommerz, zwischen Investieren und Sparen zu finden. Und wenn keiner die Macht hat, aufzuräumen, dann ist es schwierig, eine neue Leistungskultur aufzubauen.

Kann nur Ralph Krueger helfen?

Gibt es eine Lösung? Ja, die gäbe es. Wenn sich die YB- und Stade de Suisse-Besitzer Hans-Ueli und Andy Rihs dazu durchringen könnten, ein «House Cleaning» zu veranstalten. Diese Bezeichnung kommt aus dem nordamerikanischen Sport. Als Grundsatz gilt: das Management hat das Anrecht auf drei Trainerentlassungen. Gibt es auch dann keine Rückkehr zum sportlichen Erfolg, dann ist klar, dass das Problem nicht die Trainer sind. Sondern das Management, und nebst dem Trainer werden auch alle im Büro gefeuert. Damit eine neue Leistungskultur entstehen kann.

SOUTHAMPTON, ENGLAND - AUGUST 09: Southampton chairman Ralph Krueger and Southampton owner Katharina Liebherr before the start of the pre season friendly match between Southampton and Bayer Leverkusen at St Mary's Stadium on August 9, 2014 in Southampton, England. (Photo by Robin Parker/Getty Images)

Ralph Krueger ist seit Januar 2014 im Management des FC Southampton tätig. Bild: Getty Images Europe

Und wer könnte YB zum SCB des Fussballs machen? Nur eine Persönlichkeit, die nicht mit der aktuellen Führungsmannschaft verhandelt ist. Katharina Liebherr, die Besitzerin des FC Southampton, holt vor knapp zwei Jahren einen «Quereinsteiger», um ihr Fussballunternehmen auf Vordermann zu bringen: Ralph Krueger, zuvor Schweizer Eishockey-Nationaltrainer und NHL-Chefcoach in Edmonton. Der deutsch-kanadische Doppelbürger hat sich als charismatische Führungspersönlichkeit auch in der wichtigsten Fussball-Liga der Welt durchgesetzt.

Ralph Krueger hat seinen Wohnsitz nach wie vor in der Schweiz. Er könnte als «Marc Lüthi des Fussballs» YB sportlich und wirtschaftlich sanieren. Aber dann müssten alle gehen, die heute im Management etwas zu sagen haben. Das ist das Problem.

Der SC Bern ist Cupsieger

Abonniere unseren Newsletter

10
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rüfi 02.09.2015 04:02
    Highlight Highlight Cholemarc wie Unser genialer Chef auch genannt wird ist Gold wert für den SCB!
    Wäre die sportliche Führung nur halbwegs so stark unterwegs und würde nicht ständig die gesammelten Batzelis mit Occasionstransfer verbräteln wäre sicher der ein oder andere Titel mehr auf dem Konto!
    Bin ja gespannt wie man dann die Zukunft organisiert rund um die Goaliefrage die ansteht bzw. Weitere Gorbmotoriker mal aussortiert und vielleicht auch mal einen tollen Schweizer an Land ziehen kann?
    Wie man so aus der Bundesstadt hört ist der Traktörler Moser einzig beim feiern und rumsaufen talentiert 😂!
    User Image
  • MARC AUREL 01.09.2015 13:08
    Highlight Highlight Lieber Amboss, Źürich mag in vielen Bereichen besser zu sein als Bern aber was Tourismus anbelangt bietet der Kanton Bern vielll mehr als Zürich! Dazu einfach schöner und ruhiger. Darüber müssen wir nicht diskutieren. Auch was Eishockey anbelangt ist Bern bis auf die Juniorenausbildung Zürich voraus.. Wir brauchen kein reicher Sack der alles bezahlt (sonst hättet ihr nicht einmal die beste Juniorenausbildung ohne Herr Freys Geld)weil die Weltwirtschafts-stadt Zürich in der die ZSC Lions beheimatet sind es nicht fertig bringt wie der SCB sich selber zu finanzieren und dies mit schwarzen Zahlen!
  • Amboss 01.09.2015 10:12
    Highlight Highlight YB ist halt ein Teil der Stadt Bern. Und "Stadt Bern" heisst: Nummer 2 sein.
    Bern ist: Ob Stadtgrösse, Bedeutung, Wirtschaft, Ausgang, Kultur, Tourismus. In allen Bereichen gibt es ein Ort/eine Region, welche besser, grösser, vielfältiger, bedeutsamer ist.
    Und dies gibt der Stadt so ein melancholisches "ach, wir sind halt nur die Nummer 2"-Gefühl, welches sich auf YB überträgt.

    Und der SCB hat Erfolg, weil er zwar dort beheimatet ist, aber nicht der Verein der "Stadt Bern" ist. Sondern der Umgebung Bern, ja der halben Schweiz. Die urbanen Bern-Städter intressieren sich doch nicht für Hockey
  • Polder 01.09.2015 02:17
    Highlight Highlight Mit 120 Mio. CHF an TV-Geldern jährlich (fortan ca. 180 Mio.) ist es für Ralph Kruegers Southampton ziemlich einfach, Gewinn einzufahren. Das schaffen fast alle Premier-League-Klubs. Ob Krueger das auch bei YB mit gänzlich anderer (und deutlich schwieriger) Ausgangslage schaffen würde, ist eine andere Frage.
  • Fly Boy Tschoko 31.08.2015 23:22
    Highlight Highlight General, General, General... Kann man dies nicht ausdeutschen? Als nicht-Eishockey-Kenner bin ich ob all der Generäle überfordert. Kannte die bisher nur aus der Armee als militärischer Rang.
    • Hayek1902 01.09.2015 08:39
      Highlight Highlight General Manager ist ein normaler Begriff in der Arbeits- und Sportwelt. Auf Deutsch: Sportchef mit erweiterten Befugnissen.
  • Wele Housi 31.08.2015 22:43
    Highlight Highlight Endlich werden die Probleme klar benannt. Hoffentlich lesen die Geldgeber watson.
  • TheMan 31.08.2015 21:51
    Highlight Highlight Wenn wir Passanten in der Stadt Bern fragen, wer SCB- und wer YB-General ist, so werden alle Marc Lüthi als grossen YB-Vorsitzenden nennen. Aber wer YB führt, wird keiner sagen können. Müsste das nicht Lüthi als SCB Vorsitzenden heissen? Da Lüthi doch bei SCB und nicht bei YB ist.
  • MARC AUREL 31.08.2015 21:12
    Highlight Highlight Da kann man der SCB nur gratulieren! YB ist in allen Belangen (sportlich, fast immer, wirtschaftlich)nur noch peinlich!
  • Illuminati 31.08.2015 21:10
    Highlight Highlight Starker Artikel!
    Es wird genau aufgezeigt, wie wichtig eine gute und verhandlungsfähige Führung ist!
    Es liegt nicht immer am Trainer!

Der Tag ist gekommen – Arno Del Curto ist nicht mehr Trainer des HC Davos

Paukenschlag beim HC Davos: Der «ewige» Trainer Arno Del Curto hat seinen Rücktritt erklärt. Er stand beim Rekordmeister seit 1996 an der Bande und führte den Klub in dieser Zeit zu sechs Meistertiteln.

Der Klub schwärmt in einer Mitteilung vom langjährigen Coach: «Einzigartig die leidenschaftliche Art, mit der er seine Spieler formte. Und mit einem ausgeprägten, offensiven Tempospiel hat er nicht nur die HCD-Fans, sondern sämtliche Anhänger von attraktivem, spektakulärem Eishockey …

Artikel lesen
Link to Article