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Eindrückliche, britische Stimmung im Upton Park.
Bild: Alastair Grant/AP/KEYSTONE

Die Dernière im Upton Park könnte zum Albtraum von Pep Guardiola werden

Das heutige Nachtragsspiel in der Premier League zwischen West Ham und Manchester United ist in dreierlei Hinsicht prickelnd. Zum einen geht es für die beiden Protagonisten um Plätze im europäischen Geschäft, Manchester City könnte diesbezüglich zum grossen Verlierer werden und für die «Hammers» ist es das letzte Spiel in der altehrwürdigen Heimstätte Upton Park.

10.05.16, 13:08 10.05.16, 13:55

Die Affiche, die heute Abend um 20.45 Uhr angepfiffen wird, ist das pure Gegenteil des klassischen Kehraus-Spiels, von denen es um diese Jahreszeit in allen Ligen viele gibt. Zum einen geht es für West Ham wie auch für ManU um viel. Die Londoner würden mit einem Sieg Platz 6 von Southampton übernehmen, der zum Start in der Europa-League-Qualifikation berechtigt.

West-Ham-Stürmer Andy Carroll (Nummer 9) trifft gegen Manchester United im Cup-Viertelfinal per Kopf.
Bild: John Sibley/REUTERS

Um noch mehr geht es für die Gäste aus Manchester. Sie würden mit drei Punkten auf den 4. Platz springen, der einen Startplatz in der Champions-League-Qualifikation mit sich zieht. Besonders verlockend wäre dies, weil ausgerechnet Stadtrivale City auf den Europa-League-Platz verdrängt würde. 

Pep Guardiola elegant mit Ball.
Bild: Francisco Seco/AP/KEYSTONE

Das wäre für die «Citizens» prekär, da sie, um in der nächsten Saison in Europas Königsklasse vertreten zu sein, auf Schützenhilfe von Aufsteiger Bournemouth (aktuell 16.) angewiesen wären, der am letzten Spieltag im Old Trafford auflaufen muss. Es wäre also realistisch, dass es für den künftigen City-Trainer Pep Guardiola nächste Saison heisst: Europa League. Ein Szenario, das der jetzige Bayern-Trainer mit seinen neuen Bossen nicht allzu ausführlich besprochen haben dürfte.

Farewell Boleyn

Schwerwiegender ist aber die historische Komponente des heutigen Spiels. Zum allerletzten Mal wird West Ham United im Upton Park auflaufen. Das Stadion im Londoner East End, das offiziell Boleyn Ground heisst und bereits 1904 eröffnet wurde, wird nach Abschluss der Saison dem Erdboden gleichgemacht. Eine weitere Festung im englischen Fussball verschwindet.

Spannende Zwölf-Minuten-Doku rund um West Ham und das Stadion.

Für die Spieler, aber vor allem für die Fans der «Hammers» kein einfacher Moment. Nach 112 Jahren im Upton Park zieht West Ham knapp vier Kilometer weiter stadteinwärts ins Olympiastadion. Auch wenn die Miete stattlich ist, 3,5 Millionen Franken im Jahr, können immerhin 60'000 anstatt 35'000 Zuschauer die Heimspiele besuchen können.

«Nicht im Upton Park zu sein, wird eigenartig», meinte West-Ham-Captain Mark Noble gegenüber der BBC. Auch Trainer Slaven Bilic, früher selbst Spieler des Vereins, ist sich sicher, dass es unmöglich sein wird, die Stimmung im Olympiastadion zu replizieren. «Es ist wie mit der ersten Wohnung. Egal, wo du danach hinziehst – ob in ein ausgefallenes Apartment, ein grosses Haus oder eine Villa – die erste Bleibe wird deine liebste bleiben», schiebt der 47-jährige Kroate eine passende Analogie nach.

Sitzreihe im Upton Park.
Bild: Getty Images Europe

Souvenir gefällig?

Alles, was nicht niet- und nagelfest ist im Upton Park wird im Nachgang versteigert. Wer also einen Torpfosten, einen Stadionsitz oder ein WC-Schildchen von West Ham haben möchte, der sollte zuschlagen. Der Erlös wird der klubeigenen Akademie zugute kommen. Wer mitbieten will: hier entlang.

Der Umzug hat aber nicht nur Nachteile. Aus wirtschaftlicher Sicht macht er sicher Sinn. Die 50'000 Saisonkarten für die kommende Saison sind schon verkauft und die Warteliste mit weiteren Interessenten umfasst schon einige Tausend Fans. Ausserdem wird die Anbindung an den öffentlichen Verkehr an der neuen Stätte deutlich besser.

Das Olympiastadion, das neue Zuhause von West Ham.
Bild: AP LOCOG

Auf jeden Fall will West Ham dem Upton Park auf dem Rasen einen würdigen Abschied bescheren. Im Spiel gegen Manchester United darf Einsatz total erwartet werden. (drd)

West Ham spielt nach 112 Jahren zum letzten Mal im Upton Park

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Jaing 10.05.2016 17:57
    Highlight Die Zügeln tatsächlich in ein Stadion mit Leichtathletikbahn. Furchtbar.
    9 2 Melden
    • Alouettes 10.05.2016 18:42
      Highlight Soweit ich weiss haben sie beim Umbau mobile Tribünen eingebaut, die dann bei den Fussballspielen bis zum Spielfeldrand reichen. Die Engländer wissen eben, wie man's macht.
      13 0 Melden
    • Jaing 10.05.2016 20:11
      Highlight Danke für die Info! Dann passt's schon besser.
      7 0 Melden
    • Amboss 10.05.2016 20:35
      Highlight @Alouettes: Es mag ein bisschen besser sein für die Stimmung. Aber die meisten Plätze sind doch sehr, sehr weit weg....
      Und selbst wenn die Stimmung miserabel ist: Wurschtegal. Im Asiatischen TV merkt man keinen Unterschied.
      5 0 Melden
    • Jol Bear 10.05.2016 21:16
      Highlight Es kann auch in Stadien mit Tartanbahn eine gute Stimmung herrschen (Rom, Berlin u.a). Zürich ist bei Schweizern sofort als massgebliches Negativbeispiel präsent, doch es liegt viel mehr daran, ob die Ränge zu mehr als die Hälfte leer oder zu mindestens 80% besetzt sind.
      1 1 Melden
  • florian_berg 10.05.2016 16:03
    Highlight Eine Olympiade im Zeichen der Aufwertung von East London, zwei Geschäftsmänner, die ihr Geld irgendwie mit Pornofilmen oder so verdient haben und nun versuchen mit den Entwicklungen im englischen Fussball Schritt zu halten, eine einzigartige Strasse, Bobby Moore und ein Fussballstadion - wie faszinierend doch Fussball ist - auf und neben dem Platz
    9 0 Melden

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