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Wohlen Mafia

Die Entscheidung um den Aufstieg fällt in der Challenge League wohl nicht nur auf dem Rasen. Bild:

Das Rennen um die Super League ist spannend wie ein Gangsterfilm – doch beim Blick hinter die Kulissen packt einen das nackte Grauen 

Wohlen, Servette oder Lugano? Die drei Topteams der Challenge League stehen vor einem Hitchcock-Finale um den Sprung ins Oberhaus. Doch hinter der sportlichen Fassade herrscht das Chaos.



Spannung, Kampf und Nervenkitzel! Die Ausgangslage im Endspurt der Challenge League ist so packend wie seit Jahren nicht mehr. Acht Runden vor Schluss liefern sich Wohlen, Servette und Lugano an der Tabellenspitze einen packenden Dreikampf. Nur zwei Punkte trennen die Topteams – jeder Spieltag kann die Tabelle komplett durcheinanderwürfeln.

Tabellenspitze Challenge League

Challenge League Tabelle

Bild: watson

Derweil droht in der Super League die grosse Langeweile. Meister, Europa League, Absteiger? Bei allen Entscheidungen sind die Würfel scheinbar frühzeitig gefallen.

Le gardien du Wohlen Flamur Tahiraj, gauche, detourne le ballon devant le joueur  Dylan Stadelmann, centre, et du joueur du Servette Kevin Bua, droite, lors de la rencontre de football des 16emes de finale de la Coupe de Suisse entre le Servette FC et le FC Wohlen, ce dimanche 21 septembre 2014 au stade Geneve. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Die Super League ist wohl entschieden, eine Klasse tiefer geht die Post ab. Bild: KEYSTONE

Grund genug, sich für einmal intensiver mit der sonst so oft vernachlässigten Challenge League zu befassen? Nicht unbedingt. Denn die sportliche Spannung ist wohl mehr Schein als Sein. Das Rennen um den Aufstieg ins Oberhaus dürfte am grünen Tisch verschachert werden.

Die Lizenzkommission wird zum Hauptdarsteller

Am 27. April publiziert die Swiss Football League die erstinstanzlichen Entscheide im Lizenzierungsverfahren. Im Hinblick auf das Aufstiegsrennen der Challenge League interessiert dabei im Kern die Frage, ob die drei Topmannschaften die Kriterien für die «Lizenz II» erfüllen. Diese wird zur Teilnahme an der Super-League-Meisterschaft benötigt und stellt somit eine Voraussetzung für den Aufstieg dar.

Spitzenreiter Wohlen erfüllt die Anforderungen derzeit eindeutig nicht. Die Freiämter, die sich zuletzt nach zwei Niederlagen mit einem Sieg gegen Winterthur wieder gefangen haben, tragen ihre Heimspiele im Stadion Niedermatten aus. Und dieses ist, im Gegensatz zur Mannschaft, bei weitem nicht Super-League-tauglich. Mit 650 Sitzplätzen und einer Gesamtkapazität von 3734 Zuschauern scheitert Wohlens Zwerg-Arena fulminant am Mindeststandard für die zweithöchste Lizenz. Gefordert ist ein Fassungsvermögen von 8000 Zuschauern und mindestens 6500 Sitzplätze.

29.10.2014; Wohlen; Fussball Schweizer Cup FC Wohlen - FC Basel; Uebersicht Cup Spiel in den Niedermatten  (Daniela Frutiger/freshfocus)

Der FC Basel zu Gast im Stadion Niedermatten – ein Bild, das wohl weiterhin nur im Cup zu sehen sein wird. Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

«Der FC Wohlen ist in Wohlen zu Hause.»

Wohlen-Präsident Lucien Tschachtli

Obendrauf ist die Flutlichtanlage für TV-Übertragungen zu schwach auf der Brust und es fehlt eine Bewässerungsanlage. Marc Juillerat, Leiter der SFL-Rechtsabteilung und Lizenzmanager sieht für Wohlen dennoch einen Ausweg: «Es besteht die Möglichkeit, im Umkreis von 50 Kilometern in einem Ausweichstadion zu spielen.» Doch diese Variante ist für Klub-Präsident Lucien Tschachtli keine Option: «Der FC Wohlen ist in Wohlen zu Hause.» Im März beziffert er die Chance auf die Super-League-Lizenz in der «Aargauer Zeitung» auf «knapp über null Prozent».

Trotz dieser Tiefstapelei ist aus dem Umfeld der Liga zu vernehmen, dass Wohlen sich längst noch nicht geschlagen gibt. Die Aargauer haben offenbar ein Dossier eingereicht, welches den Bau einer provisorischen Zusatztribüne und weitere Massnahmen vorsieht. Dieser Entwurf könnte ihnen zumindest eine vorläufige Super-League-Lizenz mit Auflagen einbringen. Ein Insider hält die Finanzierung des Projekts allerdings für fraglich: «Das kostet einen Wahninnsbetrag, der für Wohlen kaum zu stemmen ist. Es wäre auch absurd, ein Stadion für nur zwölf Monate aufzurüsten. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die Mannschaft die entscheidenden Spiele am Ende doch verliert. Trainer Ciriaco Sforza hat seine Mission erfüllt und sich mit starken Resultaten wieder in der Super League ins Gespräch gebracht.»

Der Nächste, bitte!

Eine abgeschenkte Meisterschaft? Diese Aussicht hat für jeden Fussballfan einen faden Beigeschmack. Was aber, wenn Wohlen die Meisterschaft dennoch gewinnt – und dann keine Lizenz erhält? 

«Das Regelwerk sieht den Aufstieg der nächstplatzierten Mannschaft vor.»

Dr. Martin Kaiser

Der Basler Anwalt und Sportrechtsexperte Dr. Martin Kaiser hat die Reglemente für watson analysiert. Sein Verdikt ist klar: «Wenn der sportliche Sieger der Challenge League die Lizenzbedingungen nicht erfüllt, dann sieht das Regelwerk der Swiss Football League den Aufstieg der nächstplatzierten Mannschaft vor, die dazu in der Lage ist.»

Derzeit wäre das laut der Tabelle Servette. Dort würde das Stade de Genève mit 30'084 Sitzplätzen die Kapazitätshürde locker meistern. Bloss droht den Westschweizern wieder einmal finanzielles Ungemach. Zum Monatsbeginn hat sich Präsident Hugh Quennec mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit gewendet. Laut dem Kanadier, der den Klub 2012 vor dem zweiten Konkurs gerettet hat, ist den Grenats wieder einmal das Geld ausgegangen. Es fehlen angeblich 400'000 Franken für ausstehende Zahlungen des Monats März. Bis zum Saisonende könne das Loch sogar 4 Millionen Franken betragen.

Hugh Quennec, 2nd left, President of Servette FC, speaks to reporters about the financial situation of the club, after a press conference at the Stade de Geneve stadium, in Geneva, Switzerland, Wednesday, April 1, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Präsident Hugh Quennec spricht am 1. April über Servettes erneute Finanzprobleme. Bild: KEYSTONE

Welches Spiel treibt Servette?

Diese Meldung ist auf den zweiten Blick noch dramatischer als auf den ersten. Wenn Servette in drei Monaten tatsächlich ein Defizit in der Höhe von vier Millionen einfahren kann, dann lässt sich errechnen, dass der Klub mit einem Jahresbudget von gegen 16 Millionen Franken operiert. Eine absurde hohe Summe für die Challenge League, die so von der SFL im letztjährigen Lizenzverfahren wohl kaum bewilligt wurde. Tatsächlich leistet sich Servette mit dem englischen Trainer Kevin Cooper, Assistenz-Trainer Mario Cantaluppi, Goalie-Trainer Pascal Zuberbühler und Ex-Nationalstürmer Johan Vonlanthen eine, für Challenge-League-Verhältnisse, fast schon obszön aufgeblähte Personaldecke.

Le joueur genevois Johan Vonlanthen, droite, lutte pour le ballon avec le joueur vaudois Jetmir Krasniqi, gauche, lors de la rencontre de football de Challenge League entre le FC Lausanne-Sport, LS, et le Servette FC ce lundi 10 novembre 2014 a Lausanne. (KEYSTONE/Valentin Flauraud)

Johan Vonlanthen hat für Servette acht Tore und zwei Assists gebucht – und dürfte einer der Topverdiener der Challenge League sein. Bild: KEYSTONE

Hat Servette ausserhalb des Budgets gewirtschaftet und sich so wieder einmal sein eigenes Grab geschaufelt? Oder hat die Lizenzkommision im vergangenen Jahr beide Augen zugedrückt, um wieder eine welsche Mannschaft zurück in die Super League zu hieven? So, oder so: Die Zeichen stehen in Genf wieder einmal auf Sturm. Es bleibt die Hoffnung, dass Hugh Quennec, dessen Privatvermögen auf 50 Millionen Franken geschätzt wird, den Hilferuf nur als strategisches Mittel einsetzt, um Kosten zu drücken oder neue Investoren anzulocken.

«Der sportliche Erfolg darf nicht zu Lasten der Wirtschaftlichkeit erzwungen werden.»

SFL-Lizenzmanager Marc Juillerat

SFL-Lizenzmanager Marc Juillerat betont derweil, dass Servette bis und mit Februar alle Dokumente zum Nachweis der Lohn- und Sozialleistungen immer fristgerecht eingereicht hat. Diejenigen für den fraglichen Monat März sind allerdings erst Ende April fällig. Dennoch wird sich die Lizenzkommission vor der Vergabe am 27. April mit dem Thema beschäftigen müssen. Juillerat: «Der sportliche Erfolg darf nicht zu Lasten der Wirtschaftlichkeit erzwungen werden.»

Im Tessin blickt niemand durch

Falls nach Wohlen auch Servette aufgrund des finanziellen Schlamassels an der Lizenzhürde scheitern sollte, käme nach dem derzeitigen Stand der Tabelle der FC Lugano zum Aufstiegshandkuss. Dort hat sich Präsident Angelo Renzetti nach einem Treffen mit den Liga-Verantwortlichen im vergangenen Winter gegenüber dem «Corriere del Ticino» optimistisch über die Chancen auf eine Super-League-Lizenz geäussert. Mit Aufwendungen in der Höhe von 200'000 Franken könne das Stadio di Cornaredo kurzfristig für die höchste Spielklasse tauglich gemacht werden.

Dennoch hat die SFL signalisiert, dass Lugano mittelfristig nur mit einem Neubau eine Zukunft in der Super League haben kann. Ein 100-Millionen-Projekt ist seit 2008 in Arbeit, wurde aufgrund der verstrickten Zuständigkeiten im Tessin bisher aber nicht entscheidend vorangetrieben.

Auch die Organisation und die Besitzverhältnisse beim Klub selbst sind nicht einfach zu entwirren. Pablo Martin Bentancur Rubianes, ein umtriebiger Spieleragent aus Peru, hält 40 Prozent der Anteile am Football Club Lugano. Dieser ist 2003 aus der Konkursmasse des FC Lugano und dem FC Malcantone Agno entstanden.

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Undurchsichtiger Geschäftsmann: Lugano-Miteigentümer Pablo Martin Bentancur Rubianes. bild: Giornale del Ticino

Bentancur Rubianes ist eine kontroverse Figur. So wurde er einst beschuldigt, eine 16-Jährige totgefahren und anschliessend Fahrerflucht begangen zu haben. Zudem haben ihn mehrere uruguayische Klubs bezichtigt, minderjährige Fussballer eingeschüchtert zu haben. Nacional Montevideo zog seine Anzeige erst nach einer Strafzahlung von einer Million Dollar zurück.

Weitere Anteile des Klubs sollen bei diversen Offshore-Firmen mit unklarem Hintergrund parkiert sein. Gemäss der «Handelszeitung» werden Bentancur Rubianes und sein Umfeld von Argentiniens Staatsanwaltschaft seit Jahren verdächtigt, mit solchen Scheinfirmen Geld in Steuerparadiese wie die Seychellen zu schaffen. 

Auch die Tessiner erscheinen in diesem Licht nicht gerade zwingend als verlässlicher Aufstiegskandidat. Die Challenge League ist sportlich hochspannend, droht aber aufgrund der strukturellen Schwierigkeiten komplett zur Farce zu werden.

Die Super League im Zeitraffer – wie sich die Liga seit 1980 verändert hat

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    Alle Leser-Kommentare
  • ramooon 11.04.2015 16:26
    Highlight Highlight 100 Millionen für ein neues Stadion in lugano? krank! dafür dass nachher 4000 Zuschauer kommen? stadionauflagen sind ein Witz. kleines Beispiel: der fc wil musste ein neues Stadion bauen um überhaupt noch in der chl spielen zu können. absurd! das altehrwürdige bergholz hätte locker gereicht. ich habe das Gefühl, dass die sfl aus der Super League einen sicheren Hafen machen wollen...
  • jk8 11.04.2015 11:31
    Highlight Highlight dann kommt hald endlich Winti!
    Winterthur wäre unter den Superligisten sicher der beliebteste Aufsteiger!
    • zettie94 12.04.2015 18:35
      Highlight Highlight Die Schützenwiese ist sicher Supi-League tauglich...
  • kuhrix 10.04.2015 20:49
    Highlight Highlight Der SFV übertreibt es auch mit seinen Anforderungen für die Nati A. Es braucht nicht jeder Verein ein top modernes Stadion, dass nur zur Hälfte gefüllt ist. Da habe ich lieber die alten Stadien, als diese neuen Plastik-Arenen die alle gleich aussehen und nur noch aus Stehplätzen bestehen. Die einzigen Vereine welche die Nati A bereichern würden, wären Xamax und Winterthur. Servette hat ständig Probleme und für so ein riesen Stadion kaum Zuschauer, Lausanne ist eine Eishockey-Stadt und von den Tessinern wird, wie im Artikel schon steht, eh niemand mehr schlau.
  • cavo 10.04.2015 18:55
    Highlight Highlight die sfl sollte doch einfach mal ihre auflagen ein wenig lockern. braucht jeder verein ein super-modernes neues stadion? mitnichten! wir reden von der nla und nicht von der bundesliga!
    • stadtzuercher 11.04.2015 11:00
      Highlight Highlight wenn spekulanten aus peru mit offshore-firmen-konstrukten challange-league-clubs besitzen, dann hat das nicht mehr viel mit lokalem gekicke und 'weisch, nid so viel uflage und awält und so' zu tun. dann können auch die auflagen entsprechend sein.
  • droelfmalbumst 10.04.2015 16:59
    Highlight Highlight fakt ist doch dass in der CH einfach zu wenig in den fussball investiert wird oder nicht? ausser die üblichen 3-4 teams (fcb, fcz, yb...) hat echt kein verein überhaupt kohle für die super league und all die lizenzen... hier müsste evtl. auch der staat etwas nachhelfen. wie ist es mit den TV rechten? wird da was gemacht? irgendwo muss man anfangen. ein club alleine kann nicht von heute auf morgen genug geld zusammen haben um an der spitze mitkicken zu dürfen...
    • Jol Bear 10.04.2015 18:49
      Highlight Highlight Fragt sich nur, wie "der Staat hier nachhelfen soll". Angesichts der undurchsichtigen Geschäftspraktiken, wie im Artikel zu Lugano und Servette erwähnt, kann das Engagement des Staates nur in Form von Abklärung auf illegale Aktionen erfolgen. Sollten sich die obersten zwei Ligen tatsächlich in einem maroden Zustand befinden, wäre ein Kollaps mit all seinen dramatischen Folgen längerfristig wahrscheinlich ein positives, reinigendes Gewitter. Aus Fehlern lernen nur jene, welche die Konsequenzen selber tragen müssen.

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