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YB ist Basel bislang einen Schritt voraus. Bild: KEYSTONE

«YBs Konstanz wollen wir auch» – Basels Ehrfurcht vor der neuen Berner Siegermentalität

Basel und die Young Boys haben nach einem Spitzenkampf mit wenig grossen Torchancen 1:1 remisiert. 1:1 zwischen YB und FCB. Ein Unentschieden, sieben Punkte Vorsprung – alles beim Alten? Mitnichten!

06.11.17, 07:24 06.11.17, 07:35

sebastian lavoyer / Aargauer Zeitung

Mit schmerzverzerrtem Gesicht schleppt sich Jean-Pierre Nsamé humpelnd zu seinen Teamkollegen. Gemeinsam laufen sie zu den mitgereisten Berner Anhängern und lassen sich feiern. Nicht als Sieger, aber als nach wie vor souveräne Leader der Super League. Zudem fühlt sich ein 1:1 nach einem Rückstand auch deutlich besser an, als dies umgekehrt der Fall wäre, wenn man sich den Sieg entreissen lässt.

Die Highlights der Partie im Video. Video: YouTube/BSC Young Boys

Und dann war dieses Unentschieden in Basel eben auch ein Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass hier ein anderes YB am Werk ist als in vergangenen Tagen.

«Veryoungboysen» – dieses Wort hat sich in den letzten Jahren im Sprachgebrauch der Schweizer Fussball-Fans festgebrannt wie kaum ein anderes. Die Young Boys sind der Herausforderer, der am Schluss immer den Kürzeren zieht. Zweimal haben die Berner in den vergangenen zehn Jahren den Meistertitel in einer Finalissima gegen den FC Basel verspielt.

Oft konnten sie schon gar nicht so lange mit den Baslern mithalten. YB war schlicht zu wenig konstant, zu fahrig, zu leichtsinnig. Gerade gegen kleine Gegner – und ganz sicher in den entscheidenden Spielen.

Ehrfurcht in Nebensätzen

YB hat sich das Verlierer-Image über Jahre hart «erarbeitet». Genau hier setzte YB-Sportchef Christoph Spycher im Sommer an. Er hat ältere, gesättigtere Spieler aussortiert und mit jungen, hungrigen ersetzt. Im Gespräch mit der «Nordwestschweiz» hat Spycher vor dem Spitzenkampf gegen Basel gesagt: «Wir wollten frisches Blut. Aber natürlich ging es auch darum, dass wir einen Mentalitätswandel herbeiführen wollten.»

Es macht den Eindruck, als wäre dies ganz gut gelungen. So wenigstens lässt sich das gestrige Spiel analysieren. Beide Teams haben unter der Woche auf europäischer Ebene einen herben Dämpfer einstecken müssen. YB hatte zwei Tage weniger Zeit, um sich davon zu erholen. So ist es der FCB, der das Tempo vorgibt. Auch wenn das Spiel mehr von Zweikämpfen als von Torchancen geprägt ist, geht der Meister verdient in Führung. Durch einen Weitschuss von Mittelfeld-Kampfmaschine Geoffroy Serey Die.

Hätte das Tor überhaupt zählen dürfen?

Das Joggeli bebt, der Glaube ist zurück, dass man YB vom hohen Thron stürzen kann, die sieben Punkte Rückstand auf vier schrumpfen. Es kommt anders: Elyounoussi pennt, YB-Aussenverteidiger Mbabu kann flanken und Topskorer Jean-Pierre Nsamé trifft herrlich mit der Hacke. YB-Trainer Adi Hütter spricht von einem «Weltklasse-Tor».

«YB hat eine Konstanz im Spiel, die wir auch wieder wollen.»

Raphael Wicky, FCB-Trainer

Und FCB-Flügel Renato Steffen gesteht: «Wir waren über weite Strecken spielbestimmend, aber Nsamé haut den Ball in dieser Situation rein. Das ist eine Qualität, die YB diese Saison auch hat.»

Es sind Sätze wie dieser, die ausdrücken, dass sich etwas verändert hat im Schweizer Fussball. YB hat auch in früheren Jahren anständig Fussball gespielt – aber im entscheidenden Moment waren die Berner einen Schritt zu spät oder stolperten. Kurz: Irgendetwas kam immer dazwischen. Jetzt trifft Nsamé – und YB hält sich Basel weiterhin vom Leib.

«Wie die Young Boys müsst ihr es machen», sagt Wicky vielleicht seinen Spielern. bild: keystone

Wicky schaut zu YB hoch

Oder wenn Raphael Wicky gefragt wird, was er vom Auftritt von YB halte und dann sagt: «YB hat eine Konstanz im Spiel, die wir auch wieder wollen.» Wieder sagt das viel aus. Der Satz zeigt deutlich: Da schaut der aktuelle Meister zum Konkurrenten hoch.

«Wir können nicht aus eigener Kraft Meister werden.

Michael Lang, FCB-Verteidiger

Das Geschehen auf dem Platz lässt ähnliche Schlüsse zu: Basel ist zwar überlegen, aber YB wirkt reifer. Unter grossem Druck gelingt den Bernern der Ausgleich. Der FCB dagegen gewinnt nicht mehr mit der Selbstverständlichkeit der vergangenen Jahre. Sieben Punkte liegt der FCB hinter YB. Noch immer.

«Wir können nicht aus eigener Kraft Meister werden. So gesehen ist das 1:1 sicher sehr ärgerlich», sagt etwa Michael Lang. Wenige Meter neben ihm steht YB-Torschütze Jean-Pierre Nsamé mit dicker Bandage um das Knie. Er lacht, als er auf sein Tor angesprochen wird: «Das Wichtigste ist, dass wir gepunktet haben, nicht mein Tor.» Dann humpelt er davon. Entwarnung gibt es wenig später: Es sei nur ein muskuläres Problem in der Wade.

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Natürlich, YB hat noch viel Zeit, um die gute Ausgangslage und damit den Meistertitel zu «veryoungboysen». Aber irgendwie scheint es, als wäre diese Saison einiges anders in der Super League. In den Köpfen hat sich etwas geändert.

watson hat auch eine Siegermentalität. Aber reicht das gegen «Zubi»?

2m 14s

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Brikne, 20.7.2017
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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • derEchteElch 06.11.2017 09:14
    Highlight Kommt davon, wenn man das Rad neu erfindet.

    Wieso Fischer weg musste ist schleierhaft. Er wurde durch einen (vergleichsweise) Amateur ohne SL-Erfahrung ersetzt. Das ist, als ob der Lehrling Chef wird.

    Aber das gehört dazu, wenn man irgendwo Sportchef wird, man muss alles umkrempeln um zu zeigen wer der Chef ist. Streller enttäuscht mich in dieser Rolle. Als Fussballer war er top..
    9 26 Melden
  • Asmodeus 06.11.2017 08:59
    Highlight Der fcb hätte vielleicht nicht alles auf den Kopf stellen sollen. Dann müssten sie jetzt nicht zu YB hoch sehen.
    10 5 Melden
    • Pokefan 06.11.2017 09:24
      Highlight Ich sehe noch überhaupt keinen Grund dass man beim FCB irgendwo hoch sehen müsste in der schweizer Liga.
      Was sind schon 7 Punkte! Der FCB bekam in der zweiten Saisonhälfte noch jedesmal Aufwind und die gross gelobte Konstanz der Gegner brach ein.
      10 7 Melden
    • Asmodeus 06.11.2017 09:40
      Highlight Dies bleibt als fcb-fan zu hoffen.
      7 4 Melden
    • Amboss 06.11.2017 09:44
      Highlight Doch, es war nötig, das Rad neu zu erfinden. Denn das Geschäftsmodell des FCB mit der CL als Garant dafür, viel Geld und Spieler zu haben, die zu gut für die Schweiz sind, gibt es nicht mehr.

      Um das verwöhnte Publikum im Stadion zu halten auch ohne CL, ist es unbedingt nötig auf regionale Spieler zu setzen.
      9 1 Melden
    • Kaffo 06.11.2017 10:19
      Highlight Kein anderer Club hat den Mut das zu tun was der FCB getan hat. Beim FCB ist praktisch alles neu. Es ist einfach, irgendwo gute Spieler zu kaufen um eine starke Mannschaft auf die Beine zu stellen. Der FC Sion ist die Ausnahme. Wenn man es nüchtern betrachtet und alles mit einbezieht steht der FCB sehr gut da.
      9 3 Melden
    • dave1771 06.11.2017 10:37
      Highlight Praktisch alle neu bis auf die Mannschaft (nur 3 Wechsel: Delgado, Doumbia und Carsten Janker)... naja
      6 3 Melden
  • SwissMafia 06.11.2017 07:57
    Highlight "Er hat ältere, gesättigtere Spieler aussortiert und mit jungen, hungrigen ersetzt."

    Gesättigt mit was? Bitteren Niederlagen? xD

    - ein Berner
    58 10 Melden

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