Sport

Vier Bohrinseln stehen heute vor der Küste Port-Gentils. Doch die Öl-Wirtschaft kriselt. bild: watson

Vom abgelegenen Fischerdorf zur Wirtschaftsmetropole – und bald eine Geisterstadt?

Port-Gentil ist einer der Spielorte des Afrika-Cups 2017 in Gabun. Öl verwandelte das abgelegene Fischerdorf in die Wirtschaftsmetropole des Landes. Doch die Zukunft sieht nicht rosig aus.

21.01.17, 14:50 21.01.17, 16:02

reto fehr, gabun

Port-Gentil war in den Anfangszeiten vielleicht noch nett (gentil). Damals war das Nest ein Fischerdorf im Delta des Ogooué. Abgeschieden von der Welt, nur per Schiff erreichbar. Den Namen erhielten die paar Hüttchen aber nicht wegen der netten Lage, sondern eher, weil der ehemalige Verwalter des damaligen Französisch-Äquatorialafrika, Emile Gentil, sich anfangs des 20. Jahrhunderts verewigen wollte. Heute ist nicht mehr viel «nett» hier. Das beschauliche Örtchen explodierte, nachdem man 1970 vor der Küste Öl fand. Statt einem verträumten Kaff ist Port-Gentil heute mit rund 140’000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt Gabuns und die Wirtschaftsmetropole des Landes.

Die einzige Öl-Raffinerie des Landes steht im Norden von Port-Gentil, der Stadt im Zeichen des schwarzen Goldes. bild: watson

Was aber mit Sicherheit noch immer «nett» ist, ist die Tatsache, dass hier viel Geld verdient wird – obwohl die Stadt noch immer nur per Schiff oder Flugzeug zu erreichen ist. Eine Strasse für die einfachere und billigere Verbindung nach Libreville soll zwar seit drei Jahren gebaut werden. Aber niemand weiss, wann und ob diese wirklich je eröffnet wird. So bleibt Port-Gentil – weil alles mühsam angeliefert werden muss – vorerst nicht nur Goldgrube, sondern auch das teuerste Pflaster Gabuns.

Das einzige, was es hier im Überfluss gibt, ist Öl. Mehr als 50 Prozent der Staatseinnahmen der Nation sind vom Rohstoff abhängig. Das schwarze Gold sorgte dafür, dass sich das zentralafrikanische Land zu einem der reichsten des Kontinents wandelte. Das Jahreseinkommen pro Kopf von über 10’000 Dollar spricht dafür. Allerdings mangelt es – wie so oft – an der fairen Verteilung. Aber das ist ein anderes Problem.

Das alte Spital von Port-Gentil. Heute wird ein neueres einige 100 Meter weiter die Strasse runter benutzt. bild: watson

Denn seit 2014 plagt auch die begünstigte Oberschicht ein Problem: der Zerfall des Ölpreises. Kassierte man vor drei Jahren noch rund 150 Dollar pro Barrel, wird heute noch etwas über 40 Dollar bezahlt. Zwischenzeitlich lag der Preis gar unter 30. Diese Tatsache stürzte das ganze Land in die Krise.

watson am Afrika-Cup

Reto Fehr besucht für watson seinen dritten Afrika-Cup. Nachdem mit der Einreise alles geklappt hat, ist klar: Es wird in den nächsten drei Wochen in unregelmässigen Abständen Berichte aus Gabun geben. Dabei soll der Fussball nicht immer im Vordergrund stehen. Hier geht es zur gesamten Story-Sammlung aus Gabun.

Der in Port-Gentil tätige französische Ölriese Total braucht hier einen Preis von ca. 50 Dollar, damit die schwarze Null steht. Das Unternehmen hat sich ein riesiges Gelände erbaut. Die Mitarbeiter wohnen in einem eigenen Viertel mit Swimmingpool, Tennisplatz und anderen Annehmlichkeiten. Man sagt, es gibt zwei Arten von Menschen in Port-Gentil: Diejenigen, die für Total arbeiten und die anderen.

Aber viele der Wohnblocks stehen mittlerweile halb leer. Denn die Firma muss sparen. Expats werden weniger eingestellt, lokale Arbeitskräfte wurden (vorübergehend) entlassen. Viele von ihnen versuchen jetzt als Taxifahrer ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die vier Offshore-Bohrinseln fördern Öl zwar weiterhin aus der Tiefe, aber nach neuen Feldern wird nicht gebohrt: «Das lohnt sich bei den aktuellen Preisen nicht», sagt ein Mitarbeiter.

So hoffen hier alle: Möge der Ölpreis wieder ansteigen. Denn bleibt er tief, ist die Zukunft Gabuns alles andere als rosig. Klar, man hat auch noch den Wirtschaftszweig Holz, aber damit wird ein Land nicht mehr reich.

Präsident Ali Bongo kurbelt den Verkauf von Edelhölzern trotzdem an. Die mögliche Grossrodung des Regenwalds wird natürlich nicht überall gerne gesehen. Und dass der Tourismus bald zur grossen Einnahmequelle wird, davon ist nicht auszugehen. Flora und Fauna wären zwar da, aber die Infrastruktur steckt in den Kinderschuhen. Aktuell ist die Anreise zu den Nationalparks kompliziert, langwierig und teuer.

Das neue Stadion in Port-Gentil. Nach dem Afrika-Cup wird es wohl sich selbst überlassen. bild: watson

Bleibt also vorerst doch nur das Öl übrig. Wie lange die Vorräte noch reichen, weiss niemand. Es hat schon noch, aber alle wissen, dass das nicht für ewig sein wird. Und eben: Wenn man mit Öl kein Geld mehr verdienen kann, macht alles eh nur noch wenig Sinn hier. Was mit Port-Gentil geschieht, wenn das schwarze Gold nicht mehr sprudelt, daran wollen die Menschen hier gar nicht erst denken. Es dürfte zur Geisterstadt werden. Vielleicht noch mit ein paar netten Fischerhüttchen, abgeschieden im Ogooué-Delta. So wie damals, vor dem Boom.

77 legendäre afrikanische Fussballer in der Schweiz

Unvergessene Fussball-Geschichten aus Grossbritannien

01.01.2007: Schöner als beim Neujahrsspringen fliegen sie nur noch in der Premier League

14.04.1999: Ryan Giggs schiesst ein Wahnsinns-Tor und entblösst sein Brusthaar. Arsène Wenger hat davon noch immer Alpträume

Als der «Prinz des Dribblings» den allerersten Cupwettbewerb entschied 

23.12.2006: Paul Scholes zimmert das Leder mit einer Volley-Rakete unter die Latte – und Ferguson fordert danach eine Entschuldigung von Mourinho

Singen statt streiten – wie dieses magische Lied ein ganzes Stadion vereinte

25.11.1964: Dank Bill Shanklys Geistesblitz wird aus dem FC Liverpool ein für alle Mal die Reds

14.10.2006: Petr Cech bangt nach einem üblen Zusammenprall um sein Leben und wird danach nie mehr ohne Helm im Tor stehen

25.01.1995: King Cantona flippt aus – er setzt zum legendärsten Kick der Fussball-Geschichte an

21.04.2001: Die späte Rache des Roy Keane – «Schitzo» begeht das böswilligste Foul der Fussball-Geschichte

23.03.2009: José «The Special One» Mourinho wird Doktor – und überrascht mit seiner Dankesrede die Fussballwelt

12.02.2011: Wayne Rooneys perfekter Fallrückzieher gegen ManCity lässt sogar Sir Alex schwärmen

28.04.1923: Ein weisses Pferd (das gar nicht weiss war) rettet die chaotische Wembley-Eröffnung – und ist dann angeblich auch noch Schuld am Resultat

23.08.2003: Nach dem Traumtor von Blackpools Neil Danns jubelt der Schiedsrichter kräftig mit – oder etwa doch nicht?

09.10.1996: Schottland spielt in Estland gegen sich selber und wird von der «Tartan Army» lautstark gefeiert

01.03.1980: Everton trauert um Dixie Dean – die Klublegende war so gut, dass ihm ein hässiger Verteidiger einen Hoden zerstörte

11.11.2011: Der estnische Ersatzspieler, der hier den Ball weitergereicht hat, ist in Wahrheit ein cleverer irischer Fussballfan

26.12.1963: 10 Spiele, 66 Tore – ein Hattrick in dreieinhalb Minuten krönt die unfassbare Torflut am Boxing Day

09.11.1997: Der Windarsch kassiert in einem einzigen Fussball-Spiel gleich drei Rote Karten – und ist auch sonst ein liebenswerter Rüpel

05.05.1956: «Traut the Kraut» spielt den FA-Cup-Final trotz Genickbruch zu Ende und wird vom Kriegsgefangenen zum besten City-Torhüter aller Zeiten

15.05.1974: Im Suff stecken schottische Natifussballer ihren Star in ein Boot – das sofort von der Strömung weggetrieben wird

21.10.2013: Pajtim Kasami hämmert «einen der schönsten Volleys überhaupt» ins Crystal-Palace-Tor und verzückt sogar Andy Murray

Das berühmteste Mannschaftsfoto der Welt oder der Tag, an dem die Geschichte des Mannes mit den grössten Eiern beginnt

28.09.2004: «Der Messias kam nach Manchester» – Wayne Rooney skort in seinem ersten Spiel für die United gleich einen Hattrick

22.04.2006: Newcastle-Legende Alan Shearer muss abtreten – ausgerechnet wegen Erzrivale Sunderland

16.03.2002: Ein Knochenbrecher-Foul macht aus einem fast gewöhnlichen Fussballspiel die «Battle of Bramall Lane» 

02.01.1998: Paul Gascoigne erhält Morddrohungen, weil er einen Flötenspieler imitiert

13.05.2012: Zu früh gefreut! City schnappt United den Titel im grössten Herzschlag-Finale der englischen Geschichte weg

12.05.2013: Der Wahnsinn von Watford: «Ja, Sie haben gerade die dramatischste Schlussminute aller Zeiten gesehen!»

04.02.1997: Goalie Peter Schmeichel erzielt ein Fallrückzieher-Tor – aber es endet im Drama

22.12.2007: Arsenal-Bad-Boy Nicklas Bendtner schiesst 1,8 Sekunden nach seiner Einwechslung das schnellste Joker-Tor aller Zeiten

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Homes8 21.01.2017 21:57
    Highlight Kapitalismus ist wie Wanderheuschrecken.
    Fressen und dann eine Wüste zurücklassen und zum nächsten Profit, um alles kaputt zu machen was langsam nachhaltig heran gewachsen ist.
    17 3 Melden

Wer auch immer gegen Seferovic gepfiffen hat – schaut in dieses Gesicht und schämt euch!

Es läuft die Schlussphase im Basler St.Jakob-Park, Nordirland rennt – je länger das Spiel läuft – immer mehr an. Die Schweiz wird in die Defensive zurückgedrängt, zittert sich regelrecht an die WM. In der Nachspielzeit sollte Rodriguez gar auf der Linie klären müssen.

Vladimir Petkovic reagiert spät. Erst in der 86. Minute nimmt er den völlig ausgepumpten und während der ganzen Partie glücklos agierenden Haris Seferovic vom Platz. Als der Schweizer den Rasen verlässt, wird er tatsächlich …

Artikel lesen