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Viel Verkehr um das Tor von Berns Goalie Genoni: Eishockey ist nicht nur eine Frage des Könnens. Bild: KEYSTONE

Darum spielt Glück im Eishockey eine grössere Rolle als im Fussball

Sportler bereiten sich akribisch darauf vor, am grossen Tag ihre beste Leistung abrufen zu können. Um dann festzustellen, dass das Glück einen nicht unwesentlichen Anteil am Ergebnis hat. Aber wie gross ist dieser Anteil?

14.06.17, 20:32 15.06.17, 07:57

Profisportler wollen von Glück oft nichts wissen. «Nein, das darf keine Ausrede sein», wird häufig geantwortet, wenn ein Reporter fragt, ob man nicht einfach etwas zu wenig Glück gehabt habe. Dabei gilt es als erwiesen, dass auch Glück (oder: Zufall) einen Einfluss auf das Resultat hat. Manchmal ist dieser Einfluss grösser, manchmal geringer.

Ein Beispiel: Der Schuss eines Fussballers wird von einem Gegenspieler abgefälscht. Geht er nun an den Pfosten, so ist das Glück für den Verteidiger. Geht er aber ins Tor, ist das Glück für den Schützen, dessen Versuch sonst neben dem Kasten gelandet wäre. Niemand weiss im Moment des Abfälschens, welche Richtung der Ball nehmen wird.

EM 2016: Portugals Renato Sanches schiesst den Polen Krychowiak an, der den Ball ins Tor lenkt. Bild: PETER POWELL/EPA/KEYSTONE

Kann man feststellen, welchen Anteil das Glück im Sport hat? Dieser Fragestellung ist der Sportfan Michael Mauboussin nachgegangen, im Hauptberuf Managing Director und Head of Global Financial Strategies bei der Credit Suisse. In seinem Buch «The Success Equation» («Die Erfolgsgleichung») zeigt er auf, dass der Faktor «Glück» je nach Sportart unterschiedlich gross ist.

Einzelsportler sind nur für sich verantwortlich

Am einen Ende der Skala befinden sich beispielsweise Leichtathleten oder Schwimmer. Ihre Resultate sind in erster Linie von den eigenen Fähigkeiten abhängig. Es sind Einzelsportler, und das ist ein wichtiger Punkt. Denn je mehr Menschen involviert sind, umso grösser wird der Einfluss des Glücks.

Mauboussin verglich fünf grosse Ligen: die vier grossen in Nordamerika (NFL, NBA, MLB und NHL) sowie die englische Premier League. Er kam nach Anwendung seiner Formeln zum Ergebnis, dass der Einfluss des Glücks beim Eishockey am grössten ist.

Die NHL liegt am nächsten beim Glücksspiel Roulette, während es im Basketball die wenigsten Zufälle gibt. bild: vox

Im Eishockey, zeigt Mauboussins Grafik, ist der Faktor «Glück» sogar gleich entscheidend wie die Fähigkeiten der Spieler. Weshalb ist das so?

Taktik: Einfach mal schiessen

Es gibt mehrere Gründe dafür. So wird in der NBA deutlich häufiger auf den Korb gezielt, als in der NHL aufs Tor geschossen – weil es im Basketball die «Shot Clock» gibt, vor deren Ablaufen ein Korbversuch stattfinden muss. Wer zu oft das Glück benötigt, damit sein Ball rein geht, der verliert. Denn je mehr Würfe es gibt, umso eher setzt sich das Team mit den besseren Spielern durch.

Mitentscheidend dafür, dass es im Eishockey eher zu Überraschungen kommt, ist die Anzahl der Spieler. Während die besten Basketballer fast die gesamte Partie durchspielen, sind die besten Eishockeyspieler auch im Extremfall maximal die Hälfte der Spielzeit auf dem Feld. Für sie spielen dann schwächere Akteure. Das sorgt dafür, dass Glück plötzlich etwas wichtiger wird als das reine Können. Im Fussball, wo nicht durchgewechselt werden kann, ist das kein Faktor.

Die Story als Video (englisch):

Video: YouTube/Vox

Eishockeyspieler wussten aber schon vor der Untersuchung, dass Glück in ihrem Sport eine Rolle spielt – sie haben es daher als taktisches Element in ihr Spiel aufgenommen. So wird oft unplatziert, aber hart auf das Tor geschossen, in der Hoffnung, dass der Puck von einem Mit- oder Gegenspieler noch für den Goalie unhaltbar abgefälscht wird.

Oder um es mit den schönen Worten von watson-Eismeister Klaus Zaugg zu sagen: Eishockey ist ein unberechenbares Spiel auf einer rutschigen Unterlage.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • WhoRanZone 15.06.2017 13:43
    Highlight Man braucht grundsätzliche Skills um Eishockey überhaupt ausüben zu können (Schlittschuhlaufen, Schiessen, Checken etc.) Was hierbei gemessen wird ist, wie viel Glück man braucht um ein Tore zu schiessen. Auf dem Eis geht es zum Teil auch chaotisch zu und her (Stellungsspiel stimmt nicht mehr, Gerammel vor dem Tor etc.), dass dann eine Scheibe "glücklich" im Tor landet ist durchaus gegeben. Heisst aber nicht, dass man irgendwelche Amateure aufs Eis schicken kann und man dann das Glück entscheiden lässt...
    21 4 Melden
  • Ohniznachtisbett 15.06.2017 13:27
    Highlight Bin ich nicht einverstanden. Im Eishockey oder auch im Handball ist es als unterklassige Mannschaft kaum möglich auch nur den Hauch einer Chance zu haben. Dies sieht man an Cupresultaten. Während jedes Jahr irgendein 1. Ligist oder gar 2. Inter einem grossen ein Bein stellt - B-Ligist W'thur war sogar im Halbfinale - ist dies im Handball oder Eishockey fast undenkbar. Ja, Dübendorf schlug Davos, welches aber Arnos Order hatte nicht zu gewinnen ;). So gesehen ist Eishockey planbarer und somit weniger vom Glück abhängig.
    17 4 Melden
  • Pajassfan 15.06.2017 11:50
    Highlight Überzeugt mich nicht. Wenn Glück 50 Prozent ausmachen soll, müsste ein Viertligist reelle Chancen gegen ein NHL Team haben. So a la "Schiessen wir oft aufs Tor, irgendwann geht er schon mal rein"
    18 4 Melden
  • Der müde Joe 15.06.2017 06:41
    Highlight Auch Glück muss man sich erarbeiten, sogar ein Lottospieler.😉
    18 2 Melden
  • Socceroo04 15.06.2017 06:22
    Highlight Sicherlich alles richtig. Unberechenbarkeit macht es in diesen Sportarten eben gerade aus und dadurch spannend. Am Ende ist es aber dennoch so, dass in der Regel eben doch das bessere Team den Pott stemmt.
    18 0 Melden
  • Warumdennnicht? 14.06.2017 23:54
    Highlight Im Eishockey wird oft gesagt, " Du musst das Glück erzwingen".
    Dies bedeutet, hart arbeiten und denn Puck vors Tor bringen, und ihm eine Chance geben ins Tor zu gehen.
    35 1 Melden
    • Pitlane 15.06.2017 09:17
      Highlight Jetzt hast du aber tief ins Eishockey-Phrasen-Handbuch geschaut. ;) Aber im Ernst, du hast sicherlich recht. Glück kann, gerade im Eishockey, auch etwas mit der Brechstange erzwungen werden.
      8 0 Melden
    • WhoRanZone 15.06.2017 13:44
      Highlight "You miss 100% of the shots you don't take. -Wayne Gretzky" - Michael Scott
      3 0 Melden
    • Warumdennnicht? 15.06.2017 15:45
      Highlight @Pitlane

      So tief nun auch wieder nicht. ;)
      1 0 Melden
    • Pitlane 15.06.2017 16:10
      Highlight Hätte ein Coach sein können, den man vor dem Spiel gefragt hat, was man heute besser machen wolle. ;P
      0 0 Melden
  • Guido Kluge 14.06.2017 22:17
    Highlight Ich mag es persönlich nicht, wenn man im Sport von Glück oder Pech spricht. Wenn ein Team immer wieder aufs Tor schiesst und irgendwann der Puck oder Ball reinkullert, ist das Glück oder einfach das Ergebnis einer konsequenten Spielweise? Auf der anderen Seite wenn ein Spieler nur den Pfosten trifft, ist das Pech oder einfach zu wenig genau gezielt? Ich finde Glück des Gegners oder eigenes Pech wird meistens verwendet um sein Scheitern zu erklären. Ist halt einfacher als zuzugeben, dass die eigene Leistung nicht gut genug war.
    32 17 Melden
    • Tubel500 15.06.2017 06:53
      Highlight Bist du dir sicher, dass du den artikel gelesen hast?
      19 5 Melden
  • greeZH 14.06.2017 21:39
    Highlight Habe ich auch immer behauptet dass im Basketball Glück eine weniger grosse Rolle spielt als im Fussball und Eishockey. Meine Begründung war die Anzahl Tore bzw. Punkte. Daher bin ich überrascht dass sich Football und Baseball links vom Fussball in der Skala befinden.
    8 4 Melden
  • Gelöschter Benutzer 14.06.2017 21:11
    Highlight Sportarten in denen Glück eine grössere Rolle zukommt sind dafür auch weniger vorhersehbar, was grössere Spannung und Ausgeglichenheit zur Folge hat. Man vergleiche etwa die diesjährigen NHL-Playoffs mit denen der NBA, wo ohnehin jeder wusste wer gewinnen würde.
    49 5 Melden
    • Hoppla! 15.06.2017 06:06
      Highlight Diw letztjährigen Play-Offs widerlegen dies aber dann.
      5 4 Melden
    • qumquatsch 15.06.2017 07:15
      Highlight Interessanterweise wird im Hockey Glück sogar statistisch erfasst (nein, hab das Buch nicht und nur den Artikel gelesen):

      Es gibt den Liga Schnitt von Trefferquote + Fangquote (PDO). Wenn ein Team zu sehr davon abweicht nach oben gilt es als glücklich, wenn es nach unten abweicht als vom Pech verfolgt (Grenzwerte sind im Normalfall 98 und 102, da meist 100 ziemlich nahe an die Summe des Schnittes kommt).

      7 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 15.06.2017 07:23
      Highlight In der NBA hat zuletzt 2012 nicht entweder der Eastern oder Western Conference Winner die Playoffs gewonnen, während in der NHL in den letzten 15 Jahren nur zwei Gewinner der President's Trophy (Regular season champ) die Playoffs gewannen. Es gibt Ausnahmen, aber in der Regel ist die NHL unvorhersehbarer.
      4 0 Melden
    • Tom Foolish 15.06.2017 07:50
      Highlight Nein, nicht wirklich. Dreimal in Folge Warriors vs Cavs im Final. Gähn 😪😴
      0 0 Melden
    • Hoppla! 15.06.2017 08:10
      Highlight Mag sein. Dass 2016 ein 57-25-Team ein 73-9-Team schlägt ist aber doch eher überraschend.
      0 0 Melden

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