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China U20 Tibet

Zuschauer rollten Mitte der 1. Halbzeit Tibet-Fahnen aus. Da verschwand Chinas U20. bild: dpa

Chinas U20 feierte Premiere in Deutschland. Doch dann wurden Tibet-Flaggen ausgerollt ...

Chinas U20 tingelt durch die Regionalliga Südwest: Gleich das erste Spiel hat nun für Missstimmung gesorgt. Tibetische Flaggen warfen Fragen auf, die die Delegation aus der Volksrepublik nun rasch beantworten muss.

20.11.17, 08:59

Christian Helms, mainz / spiegel online



Ein Artikel von

Der ältere Mann mit dem schwäbischen Akzent wusste sehr genau, dass er in diesem Augenblick alle Trümpfe in der Hand hielt. «Wir sind in Deutschland, nicht in China», sagte er in eine Fernsehkamera, noch immer in eine Tibetflagge gehüllt. Das Duell zwischen dem Fussball-Regionalligisten TSV Schott Mainz und der chinesischen U20-Auswahl war seit Minuten unterbrochen. Die Gäste weigerten sich, das Spiel fortzusetzen, so lange diese politische Provokation andauere.

Die Tibet-Flaggen sorgten für eine unschöne Premiere von Chinas U20 in Deutschland. bild: twitter

Die Rechtslage war jedoch eindeutig. Die sechs Aktivisten der Tibet-Initiative Stuttgart, vier von ihnen tibetische Flüchtlinge, durften dort mit ihren vier Flaggen stehen. Die Premiere der chinesischen U20 in der Regionalliga Südwest war kurz vor einem Abbruch, nach nur 25 Minuten.

Dabei hatte das Spiel doch eigentlich eine ganz andere Sollbruchstelle. Eigentlich hätte in Mainz am Samstagnachmittag der aktuelle Stand der Kommerzialisierung des Fussballs verhandelt werden sollen.

China soll nicht nur weiter zuschauen

In der Südwest-Staffel der Regionalliga spielen aktuell 19 Teams. Das heisst: In jeder Runde hat ein Team spielfrei, zum Auftakt der zweiten Saisonhälfte war es der Tabellenvorletzte TSV Schott Mainz. In diese Spielplanlücke springen nun die besten chinesischen Nachwuchskicker. Die chinesische U20 wird in der Rückrunde gegen 16 der 19 Teams antreten – ohne dabei allerdings in die Regionalliga integriert zu werden. Offiziell sind es Freundschaftsspiele, auch in der Tabelle werden die Asiaten nicht geführt. 15'000 Euro bekommt jeder Klub für seine Teilnahme an der fussballerischen Entwicklungshilfe.

China U20 Tibet

Chinas U20 soll sich in der Regionalliga Deutschlands verbessern. bild: dpa

Die A-Nationalmannschaft der Volksrepublik ist wieder einmal in der WM-Qualifikation gescheitert, Fussball aber ist auf dem kompletten Planeten eine riesige Sache – und die Chinesen sollen dabei nicht weiter nur aus der zweiten Reihe zuschauen.

Da es in der Volksrepublik zwar jede Menge Talente, aber keine anspruchsvolle Struktur unterhalb der Super League gibt, vermittelte der DFB. Über den Austausch von Fussball-Know-how wollen die Verbände, die Staaten - und natürlich auch die beiden Wirtschaftsmächte - weiter zusammenrücken. «Die Mannschaft soll sich verbessern, und die jungen Spieler sollen die deutsche Fussballkultur kennenlernen», sagte Shao Jiayi, einst Profi bei 1860 und Energie Cottbus.

China U20 Tibet

Der Protest sorgt für Aufsehen. Schon zuvor stellten sich einige Teams gegen Chinas U20 quer. bild: twitter

Nicht jeder Klub war begeistert, zu unterschiedlich sind die Interessenlagen. Waldhof Mannheim, die Stuttgarter Kickers und die TuS Koblenz lehnten ab, vorgeblich, weil sie bei Teilen der Fans «ein Unbehagen wahrgenommen» hatten. Ein Staat, der sich mit einer Auswahlmannschaft in eine ausländische Liga einkauft? Das kann Fussballromantikern nicht gefallen.

«Das ist für uns ein mittelgrosser Sponsor»

Das Projekt begann am Wochenende auf der Bezirkssportanlage Mombach in Mainz. Wenige Kilometer südlich trugen am selben Tag Mainz 05 und der 1. FC Köln ein Bundesligaspiel aus. Kaum einer der daran beteiligten Spieler dort dürfte ein Jahressalär beziehen, das unterhalb des Etats des TSV Schott liegt. «Eine sehr niedrige sechsstellige Summe», sagte Kevin Schwarz, der bei den Mainzern die Pressearbeit organisiert. «Wenn uns jemand 15'000 Euro gibt, dann nehmen wir die. Das ist für uns ein mittelgrosser Sponsor.» Fanproteste wurden erwartet, Ausschreitungen befürchtet. Es kamen aber in erster Linie: Medienvertreter.

70 Akkreditierungen wurden für dieses Spiel vergeben, bei einem normalen Schott-Regionalliga-Heimspiel sind es acht. Doch niemand kam, um kapitalismuskritische Sprechchöre anzustimmen.

China U20 Tibet

so hat China Freude. bild: dpa

Stattdessen gab es Regionalliga-Alltag: Alte Männer ohne ersichtliche Funktion standen rauchend vor dem Eingang zu den Umkleidekabinen. Die Chinesen bauten ihr Videoequipment auf, direkt dahinter biss ein Mann in einer mittelgrauen Jacke herzhaft in sein Wurstbrötchen. In anderen Worten: Wenn Shao Jiayis Kicker irgendwo die deutsche Fussballkultur kennenlernen, dann in Mombach.

«Gegen den modernen Fussball» musste diesmal niemand protestieren

Trotz Verletzungssorgen standen beim TSV Schott ausschliesslich Spieler aus dem Regionalliga-Kader auf dem Feld, so war es vereinbart worden, kein Gemauschel mit Jugendspielern. Das Spiel plätscherte auf beruhigende Art vor sich hin, nicht einmal die vier tibetischen Flaggen, die in der Nordwestecke des Feldes hingen, schienen ein Problem zu sein. Bis zur 25. Minute.

Plötzlich gestikulierte ein Funktionär wild. Alle Spieler verliessen unverzüglich das Feld. Es gab ein kleines Handgemenge, als ein Mann versuchte, der Gruppe die Flagge zu entreissen. Dann stand man sich gegenüber. Womit wir wieder beim zu Beginn dieses Textes beschriebenen Dilemma wären: den blau-rot-gelb-weissen Trümpfen in den Händen der Tibet-Initiative.

Der Mann mit dem schwäbischen Akzent hielt seinen Vortrag nicht zum ersten Mal. Er beklagte die «unrechtmässige und gewaltsame Besetzung Tibets und die Unterdrückung der fundamentalen Menschenrechte». Die Aufmerksamkeit war ihm sicher. «Wir könnten hier jetzt einen Spielabbruch provozieren.» Aber man wolle anderen nicht das Fussballvergnügen nehmen. Nach 20 Minuten im Rampenlicht falteten sie ihre Flaggen friedlich zusammen und das Spiel ging weiter.

Was passiert am kommenden Samstag beim FSV Frankfurt?

Die Regionalliga-Kicker gewannen das Duell übrigens 3:0. Gegen technisch starke, aber wenig robuste und noch weniger zielstrebige Chinesen. Doch eine Frage blieb: Was, wenn sie ihre Flaggen nicht entfernt hätten? Was wenn am kommenden Samstag auf der Anlage des FSV Frankfurt weniger kompromissbereite Zaungäste auftauchen?

Die DFB-Funktionäre versicherten im Anschluss, man werde nun ganz sicher nicht anfangen, zu kontrollieren, ob Besucher rechtlich nicht zu beanstandende Nationalflaggen mit ins Stadion schmuggelten. Die Meinungsfreiheit steht nun einmal sehr weit vorn im Grundgesetz, auch 15'000 Euro können daran nicht rütteln. So etwas auszuhalten, das ist dann auch Teil der Fussballkultur.

Trainer Sun Jihai, nach seinen Jahren als Spieler bei Manchester City einer der populärsten Sportler seines Landes, kommentierte: «Wir hoffen, dass es in der Folge wieder nur um Sport geht.» Es wäre allerdings verwunderlich, wenn am kommenden Wochenende die tibetische Flagge nicht zum Bestseller avancieren würde. Der DFB hat recht: Der Ball liegt bei den Gästen aus China.

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • TanookiStormtrooper 20.11.2017 21:37
    Highlight Test... Test...
    (ich wollte hier eigentlich einen Kommentar hinterlassen, bekomme aber immer wieder "This discussion has been closed" zu lesen...)
    2 1 Melden
  • Zaungast 20.11.2017 12:16
    Highlight Respekt an Waldhof Mannheim, die Stuttgarter Kickers und TuS Koblenz, die diesen Promo-Scheiss gegen Chinas U20 nicht mitmachen!
    69 12 Melden
  • giandalf the grey 20.11.2017 10:47
    Highlight Pff dieser Trainer ist doch ein Witz... Wenns ihm wirklich nur um den Sport ginge, würden ihn die Fahnen doch auch nicht interessieren? Die Fans müssen gar nichts. Wenn er keine Politik will, soll er trotz Tibet-Fahnen spielen oder zurück nach China gehen wo man politische Meinungen zensieren darf.
    61 3 Melden
    • Luca Brasi 20.11.2017 13:50
      Highlight War gar nicht der Trainer...

      "Das Spiel plätscherte auf beruhigende Art vor sich hin, nicht einmal die vier tibetischen Flaggen, die in der Nordwestecke des Feldes hingen, schienen ein Problem zu sein. Bis zur 25. Minute.
      Plötzlich gestikulierte ein Funktionär wild. Alle Spieler verliessen unverzüglich das Feld."

      Ich bin mir ziemlich sicher, daß es der sportlichen Leitung der U-20 Chinas egal war oder sie die Flagge gar nicht kannten und ein übereifriger Funktionär nun dafür sorgt, daß bei jedem Spiel der Chinesen jemand eine Tibet-Fahne mitbringt und protestiert. Klassisches Eigentor.
      18 0 Melden
    • giandalf the grey 20.11.2017 14:58
      Highlight "Trainer Sun Jihai, nach seinen Jahren als Spieler bei Manchester City einer der populärsten Sportler seines Landes, kommentierte: «Wir hoffen, dass es in der Folge wieder nur um Sport geht.»"
      8 0 Melden
    • Luzi Fair 21.11.2017 08:36
      Highlight @Gandalf
      Wo steht, dass der Trainer die Fahnen meint und nicht seinen Funktionär?
      4 1 Melden
    • JoeyOnewood 21.11.2017 11:55
      Highlight Ein Funktionär hat die Spieler vom Feld runter geholt, steht im Text. Nicht der Trainer. Und dieser Funktionär ist ziemlich sicher ein Aufpasser...
      7 0 Melden
  • maxi 20.11.2017 09:25
    Highlight Wenn die Chinesen Probleme mit Tibet-Fahnen haben sollten die vllt bei jedem Spiel rausgehängt werden...
    103 11 Melden
    • Nikite 20.11.2017 13:03
      Highlight Könnte mir vorstellen, dass mit der Aktion vom 18. November ein ganz schöner Streisand-Effekt ausgelöst wurde.
      16 0 Melden
    • Ozy 20.11.2017 13:28
      Highlight Ja. Oder die Chinesen sollten vielleicht einfach in China bleiben.
      13 1 Melden

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