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Qatar's soccer team players celebrate after their teammate Karim Boudiaf (not pictured) scores a goal against China during their 2018 World Cup qualifying soccer match in Doha, Qatar, October 8, 2015. REUTERS/Ibrahem Alomari

Jubel in Doha: Katar schlägt letzte Woche das favorisierte China.
Bild: IBRAHEEM AL OMARI/REUTERS

Surprise, surprise! Katars Fussballer sind so gut, dass sie vielleicht schon an der WM 2018 dabei sind

Katar sollte eigentlich erst im Jahr 2022 sein WM-Debüt feiern – als Gastgeber eines umstrittenen Turniers. Doch die Nationalmannschaft überzeugt bereits in der Qualifikation für die nächste WM. Aus westlicher Sicht fast noch überraschender: Es spielen tatsächlich Einheimische mit.



Zuletzt feierte Katar einen 4:0-Sieg. Gut, der Gegner am Dienstag gehörte nicht unbedingt zur Crème de la Crème. Die Malediven findet man in der FIFA-Weltrangliste erst auf dem 176. Platz.

Katar, die Nummer 92 der Welt, wurde seiner Favoritenrolle also gerecht. Es feierte im fünften Qualifikationsspiel den fünften Sieg. Der Gruppensieg ist dem WM-Gastgeber von 2022 kaum mehr zu nehmen und damit verbunden der Einzug in die entscheidende Qualifikationsphase. In zwei Sechsergruppen ermitteln die Asiaten dort ihre vier WM-Starter, jeweils die ersten beiden Teams schaffen es nach Russland.

Qatar soccer team celebrates winning the Asian Football Confederation under-19 final soccer match at Thuwunna stadium in Yangon October 23, 2014.  REUTERS/Soe Zeya Tun (MYANMAR - Tags: SPORT SOCCER)

Bei der Jugend schon stark: Im Vorjahr wird Katar Asienmeister bei der U19.
Bild: Soe Zeya Tun/REUTERS

Wieviel Katar steckt in Katar?

Zählt Katar bereits zu den mächtigsten Teams des asiatischen Verbands, zu dem auch Australien gehört? Die «Socceroos» sind sicherlich stärker einzustufen als Katar, wie auch Japan, Südkorea, der Iran und Saudiarabien. Aber dann? Mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, mit Nordkorea, Jordanien oder Thailand scheint Katar auf Augenhöhe zu sein. Die Katarer dürfen mit berechtigten Hoffnungen auf eine Sensation in die nächste Phase gehen. Chancenlos sind sie ganz sicher nicht.

Bloss: Ist wirklich auch Katar drin, wo Katar drauf steht? Die Erinnerungen an die Handball-WM im Emirat sind noch frisch. Anfangs Jahr gewann Katar die Silber-Medaille – mit einem Team vornehmlich aus eingebürgerten Spielern bestehend.

Katars Handball-Nati an der WM 2015

Der Masterplan der Scheichs

Im Fussball sieht es auf den ersten Blick gleich aus. Beim 4:0 gegen die Malediven spielten zwei gebürtige Franzosen, ein Ghanaer, ein Uruguayer und ein Algerier für Katar. Doch es standen eben auch viele Spieler auf dem Platz, die in Katar auf die Welt gekommen sind. Vielleicht geht die grosse Vision der Scheichs tatsächlich auf.

Der Plan sieht nämlich so aus: Man gründe eine Akademie. Man schicke Talentspäher in alle Welt, vornehmlich nach Afrika. Man hole die besten dieser Talente nach Katar und bilde sie aus. Schon mehr als 3,5 Millionen junge Fussballer wurden so laut der «New York Times» bereits unter die Lupe genommen.

Der Clou: Katar unternimmt den millionenschweren Aufwand nicht etwa deshalb, damit es junge Spieler in der beeindruckenden Aspire Academy ausbilden und später einbürgern kann. Sondern, so die offizielle Begründung, damit die jungen katarischen Fussballer im Soge der anderen Talente ebenfalls besser werden können.

epa04969311 Qatar team supporters cheer during the  2018 FIFA World Cup Russia and AFC Asian Cup UAE 2019 Preliminary Joint Qualification soccer match Qatar vs China at the Al Sadd Stadium in Doha, Qatar, 08 October 2015.  EPA/STR

Fussballfans in Katar.
Bild: STR/EPA/KEYSTONE

Kluge Arbeit kann sich auszahlen

Klingt gut. Vielleicht zu gut, um wahr zu sein. Andererseits passt es zu Katars eifrigen Bemühungen um ein besseres Image in der alten Welt:

Kinder aus armen Ländern «entführen», sie ausbilden, einbürgern und dann für Katar spielen lassen? 👎

Kindern aus der Armut helfen, sie ausbilden, sie fortgehen und für ihre Heimat spielen lassen? 👍

Von den rund zwei Millionen Einwohnern haben nur etwa 300'000 einen katarischen Pass. Der Talentpool ist also höchst bescheiden. Doch es gibt Beispiele dafür, dass mit kluger Arbeit sportlicher Erfolg möglich ist. Island mit seinen rund 330'000 Einwohnern hat sich gerade auf beeindruckende Art und Weise für die Fussball-EM 2016 qualifiziert.

epa04917727 Iceland's players celebrate after the UEFA EURO 2016 group A qualifying soccer match between Iceland and Kazakhstan at the Laugardalsvollur stadium in  Reykjavik, Iceland, 06 September 2015.  EPA/STRINGER ICELAND OUT

Islands Fussballer qualifizieren sich für die EM 2016.
Bild: STRINGER/EPA/KEYSTONE

Katarische Kolonie in der belgischen Provinz

Zum Masterplan gehört seit einigen Jahren auch ein kleiner Klub in Belgien. Die KAS Eupen im deutschsprachigen Osten des Landes ist eine Filiale der Aspire Academy, dort sollen junge Spieler den nächsten Schritt machen. Mittlerweile besteht die Mehrheit des Kaders aus afrikanischen Diamanten, die zuerst in Katar geschliffen wurden und nun in der zweithöchsten belgischen Liga spielen.

Dieses Engagement kann als Indiz dafür gewertet werden, dass es die Katarer wirklich ernst meinen mit ihrer Aussage, dass die Akademie nicht dazu dient, eigene Nationalspieler zu produzieren. Denn die FIFA lässt einen Nationenwechsel nur zu, wenn man fünf Jahre lang ununterbrochen in der neuen Heimat spielt. Wer also mit 15 Jahren nach Katar kommt und mit 19 nach Belgien weiterzieht, der kann nicht Katarer werden.

Im Kader von Eupen findet man aber nicht nur Afrikaner, sondern auch sechs Spieler mit einem katarischen Pass. Nicht bloss die Talente aus aller Welt sollen die Gelegenheit haben, sich in Europa weiter zu entwickeln, sondern natürlich auch die einheimischen. Die ersten Früchte der Bemühungen durfte Katar bereits ernten: Letztes Jahr wurde es U19-Asienmeister.

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Das Teamfoto des belgischen Zweitligisten KAS Eupen, der Katar gehört.
Bild: as-eupen.be

Freuen wir uns auch mit Katar?

Vielleicht ist es blauäugig, wenn man den hehren Absichten der Katarer glaubt. Vielleicht ist es aber auch überheblich zu denken, dass man alles besser weiss. Gerade im Fussball ist es mitunter das Schönste, dass man etwas nicht weiss, nämlich wie es ausgeht.

Über die EM-Qualifikation von Island, Nordirland, Wales oder Albanien freuen wir uns. Freuen wir uns auch über den Erfolg von Katar, falls es das Land schon an die WM 2018 schafft?

Alle Weltmeisterschaften in Katar

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