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Team captain of German soccer champion Kaiserslautern, Ciriaco Sforza, displays the trophy in Hamburg's Volkspark Stadium on Saturday May 9, 1998, prior to the season's last match Hamburg vs Kaiserslautern. Kaiserslautern decided the chamiponship already last week but the trophy was traditionally handed over on the last match. Left coach Otto Rehhagel, right Andreas Brehme. (AP Photo/Michael Probst)

Als Aufsteiger wird Kaiserslautern 1998 Meister: Trainer Rehhagel, Sforza mit der Schale, Weltmeister Brehme (von links). bild: ap

Macht's gut, ihr «Roten Teufel» vom Betzenberg!

Heute Abend kann Historisches eintreffen. Wenn der 1. FC Kaiserslautern nicht den ersten Teil eines riesigen Fussballwunders schafft, dann stürzt er erstmals seit Bestehen der Bundesliga in die Drittklassigkeit ab.



Drei Runden vor Schluss hat der 1. FC Kaiserslautern einen Rückstand von acht Punkten auf den Relegationsplatz. In der Pfalz wissen sie: Das war's. Der Absturz in die 3. Liga ist nicht mehr zu vermeiden. Um 20.20 Uhr könnte er feststehen, wenn Lautern heute bei Arminia Bielefeld, das noch leise Hoffnungen auf den Aufstieg hat, nicht gewinnt. «Gefühlt sind wir ja seit vier Monaten abgestiegen. Es war klar, dass diese Situation kommt», sagt Trainer Michael Frontzeck nüchtern.

Der Blick in den Tabellenkeller:

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tabelle: bundesliga.de

Der tiefe Fall des 1. FCK macht auch viele neutrale Fussballanhänger traurig. Denn sie waren sympathisch, die «Roten Teufel vom Betzenberg». Kaiserslautern, das war: Ein Aufsteiger, der Meister wurde. Ciri Sforza. Olaf Marschall und sein Nasenpflaster. Trainer-Ikone Otto Rehhagel. Sein Wechselfehler und das Schauspiel mit Hany Ramzy. Harry Koch. Ratinho, das brasilianische Mäuschen mit Schweizer Vergangenheit. Kaiserslautern, das war aber auch: Fritz Walter, natürlich, die Über-Legende. Andy Brehme. Mario Basler. Und die beiden Tschechen Miroslav Kadlec und Pavel Kuka.

JAHRESRUECKBLICK 2002 - PEOPLE - FRITZ WALTER, GESTORBEN AM 17. JUNI 2002: A photo dated 1954 of German soccer legend Fritz Walter. The former national team player and honorary leader of the team died on Monday, 17 June 2002, aged 81. Walter led German national team in 1954 World Cup in Bern when the team beat Hungary 3-2 to win their first of three world titles. (KEYSTONE/EPA PHOTO/DPA/Schlosser)[FKM06]

Kaiserslauterns Fritz Walter, der Kapitän der Weltmeister von 1954: Einer von Deutschlands grössten Fussballern. Bild: EPA DPA

Wie die Endstation einer stillgelegten Bahnlinie

Es war auf dem Betzenberg, als die Bundesliga einen ihrer bekanntesten Fan-Songs erhielt: «Zieht den Bayern die Lederhosen aus!». Er entstand Ende der 70er-Jahre dank dem Stadionsprecher des «Betze». Jener Udo Scholz war ohnehin eine Legende seiner Zeit. «11 Freunde» erinnerte einst an seine Aktion im Mai 1991. Auf dem Weg zum Meistertitel lag Kaiserslautern gegen Karlsruhe 0:2 hinten, holte auf 2:2 auf, doch die Zeit rann davon. Als Coach Kalli Feldkamp in der 90. Minute einen Spieler auswechselte, sprach Scholz durchs Mikrofon von der 85. Minute.

KSC-Trainer Winnie Schäfer behauptete danach, nur deswegen habe der Schiedsrichter sieben Minuten nachspielen lassen und Lautern noch das 3:2 erzielen können. Scholz log ein Versehen vor, gab aber mit Jahrzehnten Abstand zu: «Ich habe so etwas bei vier oder fünf Spielen gemacht. Wir mussten doch gewinnen!»

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Imagefilm mit viel Pathos, erzählt vom 54er-Weltmeister Horst Eckel: «Nur zusammen sind wir unzerstörbar.» Video: YouTube/1. FC Kaiserslautern

All das ist pure Nostalgie. In der ewigen Tabelle der Bundesliga liegt der 1. FC Kaiserslautern, der vierfache deutsche Meister und zweifache Pokalsieger, immer noch auf Rang 10. Aber sein Fall begann schon vor mehr als einem Jahrzehnt, mit dem Abstieg in die 2. Bundesliga 2006. Zuletzt gab's dort die Abschlussplatzierungen 10 und 13. In der 2. Liga gibt's wenigstens die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Aber die 3. Liga? Die kommt einem vor wie die Endstation einer stillgelegten Bahnlinie.

Tradition alleine schiesst halt keine Tore

Als Hauptgrund für Kaiserslauterns sportlichen Abstieg gilt als ausgemacht, dass man sich nach den Erfolgen der 90er-Jahre finanziell übernommen hat. Nach dem für die WM 2006 erfolgten, teuren Stadionausbau war der Klub nahe der Insolvenz. Mittlerweile gehört das Stadion der hoch verschuldeten Stadt, der Klub muss sich strecken, um wenigstens einen Teil der Miete bezahlen zu können. Vom «Ergebnis einer jahrzehntelangen Fehlentwicklung in nahezu allen Bereich des Klubs» ist die Rede, liest man sich durch die deutsche Presse.

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«Fanomen Kaiserslautern» – Dokumentarfilm von 1998. Video: YouTube/Harry Meier

Am 2. Mai ist es exakt 20 Jahre her, seit Kaiserslautern als erster und bisher einziger Bundesliga-Aufsteiger deutscher Meister wurde. Ein Ereignis, das es womöglich nie wieder geben wird. Dass die «Roten Teufel» nun in die Bedeutungslosigkeit der 3. Liga abdriften ist ein herber Verlust. Denn so geht ein weiterer Klub verloren, der irgendwie einfach immer zur Bundesliga gehörte. Und das ist schade. Aber Tradition alleine schiesst halt keine Tore.

Macht's gut, ihr Roten Teufel vom Betzenberg! Ihr hinterlässt eine grosse Lücke.

Bayern und? Diese Klubs wurden schon deutscher Meister

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Video: srf/SDA SRF

09.05.1998: Die grösste Bundesliga-Sensation ist perfekt: Aufsteiger Kaiserslautern darf die Meisterschale in die Höhe stemmen

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    Alle Leser-Kommentare
  • Freilos 27.04.2018 18:17
    Highlight Highlight Die Stadt Kaiserslautern diskutiert derzeit ob das Stadion abgerissen werden soll und stattdessen Wohnüberbauungen entstehen sollen auf dem Betzenberg. Das wäre dann wohl der endgültige k.o. Für den Verein.
  • Mia_san_mia 27.04.2018 16:06
    Highlight Highlight Schade...
  • Dynamischer-Muzzi 27.04.2018 15:32
    Highlight Highlight So eine Saison wie diese, hat es in der 2. Bundesliga noch nie gegeben. Das Leistungsniveau ist extrem ausgeglichen und praktisch jeder hat der Konkurrenz immer wieder die Punkte geklaut. Auch die Düsseldorf sind der schlechteste Erstplatzierte in der Geschichte der 2. Bundesliga mit 56 Punkten nach 31 Spielen.
    Es gibt noch 9 Punkte und 2/3 der Liga könnte theoretisch noch Absteigen. Einen grossen Anteil an dem allem haben auch die Aufsteiger Kiel, Regensburg und Duisburg. So konstant gepunktet wie die, hat selten ein Aufsteiger bisher. ¨
    Es ist aber geil, wenns so spannend ist.
    Nur die SGD!
    • Pana 27.04.2018 16:43
      Highlight Highlight Definitiv eine spezielle Saison. Düsseldorf spielt gefühlt eine beschissene Saison, aber steigen wahrscheinlich auf :D
  • Rheinpfeil 27.04.2018 14:34
    Highlight Highlight Es gibt kaum einen unsympathischeren Club (wenn wir mal die Plastikclubs wie Leverkusen, Wolfsburg, Leipzig ausblenden). Einmal pro Saison ist man nach Kaiserslautern auf den Betzenberg gefahren, um dort verpfiffen zu werden. Spätestens ab der 85. Minute hatte das Pfälzer Publikum die meisten Referees weichgekocht...
  • maxi 27.04.2018 14:31
    Highlight Highlight Fun fact zur zweiten Liga.

    Es stehen erst zwei Mannschaften fest dir nächstes Jahr definitiv in der zweiten Liga Spielen. Dies sind Mgdeburg und Paderborn die zwei Augsteiger aus Liga drei. Für alle anderen ist rechnerisch noch ein Auf/Abstieg drinn:)

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