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epa06358324 Chelsea's Cesc Fabregas (L) vies for the ball with Swansea's Renato Sanches (C) during an English Premier League soccer match against Swansea at Stamford Bridge in London, Britain, 29 November 2017.  EPA/ANDY RAIN EDITORIAL USE ONLY. No use with unauthorized audio, video, data, fixture lists, club/league logos or 'live' services. Online in-match use limited to 75 images, no video emulation. No use in betting, games or single club/league/player publications

Drei gegen einen: Renato Sanches kann sich gegen Chelsea nicht durchsetzen. Bild: EPA/EPA

Ein Fehlpass als Symbol für die Krise – der steile Abstieg des Renato Sanches

Vor 18 Monaten galt Renato Sanches als kommender Superstar. Für 35 Millionen Euro wechselte der Portugiese nach der EM 2016 von Benfica Lissabon zu Bayern München. Doch bereits nach einem Jahr wurde der Youngster an Swansea ausgeliehen. Ein Transfer vom Regen in die Traufe.



0:1 gegen Chelsea: Swansea City hat seine schwarze Serie an der Stamford Bridge gestern fortgeführt und zum fünften Mal in den letzten sechs Spielen verloren. Mit neun Zählern liegen die «Swans» punktgleich mit Schlusslicht Crystal Palace am Tabellenende. 

Die Krise der Waliser wird momentan einzig und allein an einem Mann festgemacht. Anders als im Fussball-Business sonst meist üblich ist das für einmal nicht der Trainer, im Falle von Swansea Paul Clement, sondern Mittelfeldspieler Renato Sanches.

Gegen Chelsea leistete sich der 20-jährige Portugiese einen Fehlpass der Marke «haarsträubend». In der 37. Spielminute spielte Sanches den Ball im Mittelfeld auf die linke Seite, wo aber weit und breit keiner seiner Teamkollegen stand. Die Kugel trudelte ins Aus und an die Werbebande – ganz zum Entsetzen von Swanseas Trainer Clement.

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Der Fehlpass von Renato Sanches. Video: streamable

Man muss kein Lippenleser sein, um herauszufinden, was Clement an der Seitenlinie von sich gab. «Fucking hell, Renato!», fluchte der Engländer, senkte den Kopf und hielt sich die Hand vors Gesicht. In der Pause erlöste er den Portugiesen, der einen roten Fleck auf der Bande wohl für einen Mitspieler gehalten hatte, und nahm ihn vom Platz. Ein weiterer missglückter Auftritt des grossen Hoffnungsträgers.

Sanches war im Sommer leihweise von Bayern München zu den Walisern gestossen und sollte die «Swans» von den Abstiegsrängen fernhalten. Der robuste zentrale Mittelfeldspieler spielte 2016 eine fantastische EM, wurde mit Portugal schliesslich Europameister und Ende Jahr mit dem «Golden Boy Award» als bester U21-Spieler Europas ausgezeichnet.

«Was er zeigt, ist jämmerlich»

Dass es Sanches, der nach der EM für 35 Millionen Euro zu Bayern wechselte, in der letzten Bundesliga-Saison nur auf 17 Einsätze und im Schnitt 36 Minuten Spielzeit brachte und dass er grosse Probleme mit Sprache und Integration hatte, interessierte bei Swansea niemanden. Auch nicht, dass er Probleme mit dem Druck zu haben schien und stets nervös wirkte.

Portugal's Renato Sanches lifts the trophy after Portugal won the Euro 2016 final soccer match between Portugal and France at the Stade de France in Saint-Denis, north of Paris, Sunday, July 10, 2016. (AP Photo/Michael Sohn)

2016 mit 18 Jahren bereits auf dem Zenit? Renato Sanches stemmt den EM-Pokal hoch. Bild: AP/AP

Nach nur drei Monaten bläst dem jungen Sanches, der kaum Englisch spricht, nun auch auf der Insel eine steife Brise entgegen. In insgesamt neun Spielen für die «Swans» hat der Portugiese erst einen Assist erzielt und nie restlos überzeugt.

Kein Wunder, wird die Kritik immer heftiger und persönlicher. «Renato Sanches hat gerade eine der schlechtesten Einzelleistungen gezeigt, die ich in dieser Saison gesehen habe», twitterte der englische Sky-Journalist Adam Bate gestern nach seinem Fehlpass: «Nach seiner Körpersprache zu urteilen, fühlt Paul Clement auch so.»

Schon nach dem 0:0 gegen AFC Bournemouth am Wochenende stand Sanches im Zentrum der Kritik: «Wir sprechen hier über Renato Sanches, den ‹Golden Boy›, stimmt's? Ich sah ihn bei Bayern München und in der Champions League spielen. Er ist hierher gekommen und du denkst: ‹Was hat dieser Junge eigentlich?› Ich mache keine Spässe. Was er zeigt, ist jämmerlich», urteilte der ehemalige walisische Nationalspieler und «BT Sports»-Experte Robbie Savage.

Der ehemalige Aston-Villa-Trainer Tim Sherwood legte nach: «Es ist schwieriger, für Swansea zu spielen als für Bayern München. Wenn dieser Spieler aus der eigenen Jugendakademie wäre, würde er nie wieder spielen. Er spielt genauso wie in seinem ersten Spiel, er hat sich nicht verbessert. Warum geben sie ihm noch weitere Chancen?»

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Savage und Sherwood kritisieren Sanches. Video: streamable

Zurück nach Lissabon?

Das wird sich mittlerweile auch Paul Clement fragen, der ihn nach dem Bournemouth-Spiel noch öffentlich in Schutz nahm. «Von jämmerlich könnte man sprechen, wenn er alles falsch gemacht hätte. Dann wäre er eher vom Platz genommen worden. Er hat auch sehr gute Sachen gemacht», urteilte er am Wochenende.

Nach dem Fehlpass und der Auswechslung gegen Chelsea scheint Sanches bei Clement und den «Swans» aber auch den letzten Kredit verspielt zu haben. Ein Wechsel im Winter liegt in der Luft und würde Sanches wohl gut tun. Das glaubt auch dessen Landsmann Fernando Meira. «So macht es keinen Sinn und es wird noch schlimmer für ihn. In England geht Renato kaputt», so der Ex-Stuttgarter bei Sport1. «In Portugal könnte er bei Benfica wieder glücklich sein. Den Klub kennt er sehr gut, dort wurde er Profi und ich denke, dass er da eine wichtige Rolle spielen kann.»

epa05245627 Benfica's Renato Sanches reacts during the UEFA Champions League quarter final first leg match between Bayern Munich and Benfica Lisbon at Allianz Arena in Munich, Germany, 05 April 2016.  EPA/ANDREAS GEBERT

Eine Rückkehr nach Lissabon wäre wohl das Beste für Sanches. Bild: EPA/DPA

Bis 2021 steht Sanches allerdings noch bei Bayern München unter Vertrag. Der deutsche Rekordmeister dürfte aber nichts dagegen haben, dass der fünftteuerste Transfer in der Heimat wieder Selbstvertrauen tankt.

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    Alle Leser-Kommentare
  • kupus@kombajn 01.12.2017 08:03
    Highlight Highlight Ich glaube nicht, dass er den roten Fleck an der Bande für einen Mitspieler hielt. Es ist zwar schon so, dass man unter Druck die Zeit für genaue Blicke nicht hat und sich auf das Erkennen der richtigen Farbe im Sichtfeld verlässt. Das kenne ich noch aus meiner aktiven Eishockeyzeit. Aber Sanches hatte in dieser Situation alle Zeit der Welt. Er war wohl eher der Meinung, dass der Mitspieler, den man am linken Rand noch sieht, in die Vorwärtsbewegung geht.
  • Nelson Muntz 30.11.2017 23:14
    Highlight Highlight Zu viele werden zu schnell overhyped! All paar Monate werden „die grössten Talente“ benannt, siehe auch Bilder unter dem Artikel. Wette dass von diesen 30 max. 10 mal wirkliche Stars werden.
    Esteban, Zambrella, Chumiento sind nur schon 3 Beispiele aus der Schweiz, welche mir spontan einfallen. Jonas Elmer und Ben Khalifa gehören wohl auch dazu. Wo ist Tarashaj heute? Und den Wiler Leitwolf Vonlanthen hätte man auch eher bei Real als Wil erwartet nach der EM04.
  • redeye70 30.11.2017 22:08
    Highlight Highlight Fussball wird viel zu wichtig genommen. Dieser ständige Leistungsdruck und öffentlicher Verriss ist weit über jeglicher Vernunft. Die Fussballwelt hat nichts gelernt seit Robert Enke.
  • Yippie 30.11.2017 19:41
    Highlight Highlight Fussballprofis sind für immer mehr Zuschauer halt nur noch Maschinen, die zu funktionieren und abzuliefern haben, notfalls zieht man sich auf den Standpunkt der hohen Gehälter zurück.
    Habe den Eindruck die Rate der "gescheiterten" Talente nimmt deswegen auch zu und die Boulevardpresse treibt das Spiel gerne voran. Erst kann man wochenlang das Wunderkind hochjazzen, dann kann man darüber spekulieren welcher Weltverein sich den Spieler schnappen wird und wenn er dann auch mal Schwächephasen hat oder Anpassungsprobleme, dann kann man schön genüsslich das Scheitern dieser Spieler ausbreiten.
  • Pana 30.11.2017 19:25
    Highlight Highlight "der einen roten Fleck auf der Bande wohl für einen Mitspieler gehalten hatte"

    Augentest, sofort. Zumindest ist er nicht farbenblind.
  • Hans Maulwurf 30.11.2017 18:49
    Highlight Highlight
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  • Tartaruga 30.11.2017 18:10
    Highlight Highlight Ich denke er ist wohl eher davon ausgegangen, dass der Mitspieler links mitzieht.

    Traurig was in Bayern aus Renato wurde. Sein Management hätte ihm raten sollen sich noch ein paar Jahre in Lissabon zu entwickeln.
  • Scaros_2 30.11.2017 18:06
    Highlight Highlight Aber es erstaunt mich eben schon das so jemand kein English kann. Ich meine fehlende Integration ist überall ein Grund zum scheitern. Es gibt so viele Beispiele die aufzeigen das Integration wichtig ist. Auch scheint dem Jungen nie jemand so richtiges Mentaltraining beigebracht zu haben. Der Typ ist zum scheitern verdammt wenn der das ned in griff kriegt.

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