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Jubel im Regen: Schweizer Nationalspieler nach dem Erfolg über Andorra. Bild: KEYSTONE

8 Siege, 8 Thesen – die Zeit ist reif für ein Ausrufezeichen der Nati!

In der Qualifikation für die WM 2018 in Russland hat die Schweiz alle acht bisherigen Partien gewonnen. Nun geht's in den Endspurt gegen Ungarn und Portugal.

04.10.17, 18:49

etienne wuillemin / aargauer zeitung

Für die Schweiz ist es einfacher, die WM mit einem Punktgewinn in Portugal zu erreichen als via Barrage.

Falsch. Portugal gehört zur europäischen Spitzenklasse, auch wenn der Europameistertitel im letzten Sommer eher überraschend kam. Noch ist kaum abzuschätzen, welche Gegner die Schweiz in der Barrage gegenüberstehen könnten. Aber klar ist: Die Schweiz wäre wegen der guten Weltranglistenposition gesetzt, könnte also beispielsweise nicht auf Italien treffen. Ob Nordirland, Slowakei, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Dänemark oder wer auch immer – ein Gegner vom Formate Portugals wäre nicht dabei.

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Das Schweizer Nationalteam ist gar nicht so gut, wie es die acht Siege in der WM-Qualifikation suggerieren.

Fakt ist: Die Schweiz hat sich entwickelt, zuletzt immer einen Weg gefunden, Spiele zu gewinnen. Auch wenn sie auf Widerstand getroffen ist. Fakt ist aber auch: Konkurrent Portugal schiesst viel mehr Tore gegen kleinere Nationen. Wie gut dieses Team wirklich ist, zeigt sich tatsächlich erst in der Finalissima in Lissabon am kommenden Dienstag. Nach den Niederlagen in grossen Spielen gegen Argentinien (WM-Achtelfinal 2014) und Polen (EM-Achtelfinal 2016) ist es Zeit für ein Ausrufezeichen. Am besten schon in Portugal!

Valon Behrami ist unersetzlich.

Bild: AP

Als Leader ist Behrami zentral für dieses Team. Und derzeit nicht wegzudenken. Er hat sich einen enormen Status erarbeitet, ist ein «Idol für alle» geworden, wie Nationaltrainer Vladimir Petkovic sagt. Auch sportlich ist Behrami Gold wert. Seine Zweikampfstärke phänomenal, seine Mentalität ohnehin. All diese Attribute werden fehlen gegen Ungarn und Portugal. Und doch gilt: In Behramis Schatten gibt es einige formstarke, hoffnungsvolle Akteure wie Freuler, Frei oder Zakaria. Allein, sie brauchen noch etwas Zeit, um ihre Erfahrungen zu sammeln. Fussballerisch können sie Behramis Absenz indes kompensieren.

Der Balkan-Graben ist zugeschüttet.

Nationaltrainer Petkovic. Bild: KEYSTONE

Ja. Spieler und Staff haben sich nach der ideellen Krise im Herbst 2015 zusammengerauft. Insbesondere das Camp vor der EM 2016 hat alle zusammengeschweisst, Trainer Petkovic war ein guter Moderator, um die verschiedenen Bedürfnisse und Befindlichkeiten unter ein gemeinsames Dach zu bringen. Die Stimmung ist so gut wie lange nicht mehr.

Die Torhüter-Position ist die einzige, auf der sich die Schweiz auf Jahre hinaus keine Sorgen machen muss.

Sommer, Hitz (mit Ball) und Bürki: Drei Bundesliga-Spitzenleute. Bild: KEYSTONE

Richtig. Was die Schweiz an ihren Torhütern für ein Geschenk Gottes hat, das wird ihr wohl erst bewusst, wenn es einmal nicht mehr so sein sollte. Doch bis dahin dauert es wohl noch eine Ewigkeit. Yann Sommer ist die Verlässlichkeit in Person, dahinter wartet Roman Bürki auf eine echte Chance. Und auch Yvon Mvogo und (mutmasslich) Gregor Kobel werden eines Tages tolle Nationaltorhüter sein. Vorerst gilt schlicht und einfach: Für den Exploit in Portugal muss Sommer einen so phänomenalen Tag einziehen wie an der EM gegen Albanien.

Xherdan Shaqiri hat seine persönliche Krise überwunden und nähert sich wieder seinem Top-Niveau.

Bild: KEYSTONE

Ebenfalls richtig. Die Sorgen um seine zu häufigen Verletzungen einmal ausgeklammert, zeigt Shaqiri in den letzten Wochen vermehrt sein schönstes Gesicht – das gilt für Verein (Stoke City) und Nationalteam. Seine Einsatzfreude ist bemerkenswert, gerade in Duellen mit Gegnern ohne klingende Namen.

Die Zweifel an Abwehr und Sturm werden verschwinden.

Seferovic: Neuer Schwung nach dem Wechsel zu Benfica. Bild: KEYSTONE

Das Nationalteam ist zwar tatsächlich breiter geworden. Aber es gibt noch immer berechtigte Sorgen. Noch hat die Schweiz den echten Nachfolger von Alex Frei nicht gefunden. Die Ansätze von Haris Seferovic sind gut. Aber trifft er endlich einmal über längere Zeit? Von seinen Nebenleuten ist auch stets mindestens einer in der Torkrise. In der (Innen-)Verteidigung waren Einsatzminuten nicht immer endlos vorhanden, Fehler dafür eher übermässig. Die Befürchtung ist: In naher Zukunft wird sich – vorne wie hinten – kaum alles zum Guten wenden.

Die Zeit ist reif für eine Dreierkette.

Warum nicht! Die Aussenverteidiger Rodriguez und Lichtsteiner kennen das System gut. Dazu spielt auch Xhaka bei Arsenal als Denker und Lenker vor drei Innenverteidigern. Ein Versuch wäre es wert. Aber Petkovic wird nichts ändern, solange er mit der Viererkette Erfolg hat.

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3m 18s

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Video: watson/Emily Engkent

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    Alle Leser-Kommentare
  • patnuk 05.10.2017 16:43
    Highlight Ja, ja, es ist schon komisch, haben so viel Punkte wie fast keine andere Mannschaft, am Schluss wird dann doch nichts mit der WM.
    Dies zeigt dass die südamerikanische Version der WM Quali (zum Beispiel) meines Erachtens logischer und besser der heutigen Zeit entspricht.
    3 1 Melden
  • Rekordmeister 05.10.2017 08:44
    Highlight Wieso wird schon wieder Hitz vergessen?! Der konstanteste Schweizer Goalie. Wer es nicht glaubt soll mal die Top 11 der jeweiligen Bundesliga Spieltags anschauen wer führt dort Bürki?, Sommer? oder vielleicht Neuer nein es ist Hitz!!!!!!!!.
    Hitz gehört momentan im Tor nicht Sommer, Bürki und sowieso nicht Bankwärmer Mvogo
    7 6 Melden
  • Elendil91 05.10.2017 08:30
    Highlight Wieso nicht zwei Siege? :)
    Gegen beide hat man schon gewonnen vor einem Jahr, also los nochmals gewinnen und die Sache ist geritzt.
    5 1 Melden
  • Jol Bear 04.10.2017 22:35
    Highlight Gegen Ungarn wird die Schweiz mind. einen Punkt holen. Danach: Klar, Portugal ist individuell etwas besser besetzt, kann dank Ronaldo in jedem Spiel ein zwei Tore schiessen. Trotzdem sind sie keine Übermannschaft. Technisch ausgezeichnet, sofern man sie spielen lässt, kann das für jeden Gegner sehr schwer sein. Doch die Schweizer sind stabil geworden, sind für jede Mannschaft ein unbequemer Gegner und unter Petkovic offensiv besser geworden. Sie werden die Portugiesen beim Spielaufbau unermüdlich stören, den Rhythmus brechen, die Gegner verzweifeln lassen und das Untentschieden erreichen.
    37 1 Melden
  • chnobli1896 04.10.2017 21:44
    Highlight Mein Tipp: Sieg gegen Ungarn, Unentschieden in Portugal
    35 1 Melden
    • Charlie7 04.10.2017 23:58
      Highlight Tipp oder Wunsch? ;)
      Das wäre der ideale Weg.
      Aber zuerst müssen 3pt gegen Ungarn her und nicht schon alle Gedanken bei der Finalissima in Portugal sein.
      2 0 Melden
  • Kunibert der fiese 04.10.2017 20:10
    Highlight 3-4-3! Jetzt!

    Die beiden aussenverteidiger kennen dieses system gut. Nur wer würde wohl die 3er kette hinten bilden?
    7 6 Melden
    • MykillWF 04.10.2017 22:32
      Highlight Elvedi, Akanji, Schär
      16 2 Melden
    • Kunibert der fiese 04.10.2017 23:04
      Highlight Passt.
      2 0 Melden
  • Waggis 04.10.2017 19:00
    Highlight Jetzt kommen zwei Niederlagen! Leider!
    6 96 Melden
    • SemperFi 04.10.2017 19:53
      Highlight Hey, bitte die Nati nicht mit dem FCB verwechseln.
      71 10 Melden
    • ksayu45 04.10.2017 20:06
      Highlight Müssen in diesem Land immer alle pessimistisch sein? 😒
      85 6 Melden
    • Amboss 04.10.2017 20:46
      Highlight Selbst wenn's so ist. Geht's halt in die Barrage
      30 0 Melden
    • Eine_win_ig 04.10.2017 20:53
      Highlight Einfache Formel:
      Wenn er Recht behält, kann er danach behaupten, dass er es schon von Anfang an gesagt habe.
      Sollte Waggis im Unrecht sein, kann er sich entweder: a) trotz Unrecht freuen, weil die Schweiz an die WM fähet; oder b) irgendwas von Glück und Zufall murren :)
      42 0 Melden
    • Mia_san_mia 04.10.2017 22:08
      Highlight Wieso so pessimistisch? Wie kannst Du das erklären?
      17 2 Melden

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