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Tranquillo Barnetta ist der wichtigste Neuzugang der Super League im Winter. Mit Sejad Salihovic (nicht im Bild) holten die St.Galler noch einen Routinier.  Bild: KEYSTONE

Wenig neue Gesichter – die frostige Winterpause der Super League 

Nächstes Wochenende startet die Super-League-Rückrunde – mit wenig neuen Gesichtern. Die Gründe dafür können vielseitig sein. Zum Beispiel wird eher in den Nachwuchs als in teure Stars investiert.

02.02.17, 17:39 02.02.17, 19:10

francois schmid-bechtel und sebastian wendel



Der Spielraum für Interpretationen ist gross. Den Super-League-Klubs fehlt das Geld. Es fehlen die Transfers in den grossen Ligen, welche einen Dominoeffekt auslösen, der auch die Super League beeinflusst. Die Spieler in der Super League sind schlicht zu schlecht für einen Transfer zu einem glamourösen Klub im Ausland. In der Super League hat die Vernunft Einzug gehalten. Oder: Die Super-League-Klubs haben zuletzt derart schlecht eingekauft, dass wir nun eine Liga der Ladenhüter haben.

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Klar ist: Es gibt in der Winterpause kaum Transfers in der Super League. Die Aktivitäten sind während des kältesten Januars seit 30 Jahren quasi eingefroren. Und wenn mal etwas passiert, dann vornehmlich auf der Seite der Abgänge. Es scheint, als hätten die Klubs nicht das primäre Ziel, sich zu verstärken, sondern ihre Kader zu verkleinern. Offene Ausgänge und geschlossene Eingänge in der Super League. Das war früher anders. Was aber nicht bedeutet, dass früher alles besser war.

Ein Transfer ist häufig eine Frage der Dringlichkeit. Nehmen wir den FC Basel als Beispiel. Da besteht schlicht keine Dringlichkeit. Zwölf Punkte beträgt der Vorsprung auf den ersten Verfolger, die Young Boys. Europäisch sind die Basler nicht mehr dabei. Sowieso ist ihr Kader für die bevorstehenden Aufgaben (Meistertitel, Cupsieg) mehr als gross genug. Selbst Sportdirektor Georg Heitz räumte im Herbst ein: «Unser Kader ist um etwa zwei Spieler zu gross.» Um einen Spieler, Birkir Bjarnason (zu Aston Villa), ist es geschrumpft.

«Gut möglich», so Heitz, dass bis 31. Januar, dem letzten Tag, an dem das internationale Transferfenster geöffnet ist, «ein weiterer Abgang dazukommt.»

Nur: Wie kann es passieren, dass ein so professionell geführter Klub wie Basel zu viele Spieler im Kader hat? Ein Planungsfehler? Nicht zwingend. Im internationalen Teich ist der FCB ein kleiner Fisch. Er wird eher gefressen, als selber zu fressen. Das bedeutet: Geben Klubs aus grossen Ligen ein Angebot für einen FCB-Spieler ab, ist die Gefahr sehr gross, dass der FCB diesen Spieler verliert. Damit kein Vakuum entsteht, die Basler nicht zum Aktionismus gezwungen werden, muss der neue Spieler definiert, meist sogar schon verpflichtet sein, bevor der Abgang des «alten» FCB-Spielers definitiv ist.

Birkir Bjarnason verlässt den FC Basel. Bild: KEYSTONE

Übertragen auf den Alltag, heisst das: Der FCB füllt seinen Kühlschrank mit Joghurt, ohne absolute Gewissheit, ob im Kühlschrank überhaupt genügend Platz vorhanden ist und die alten Joghurts vor Ablaufdatum gegessen werden. Und er tut dies auch aus finanziellen Gründen: Der Preis für den neuen Spieler steigt, wenn der abgebende Klub weiss, dass der FCB in Zugzwang ist.

Die Strategie ist sinnvoll. Meist ist sie auch gut aufgegangen, weil man in der FCB-Kommandozentrale ein feines Sensorium für den Transfermarkt entwickelt hat. Auch letzten Sommer spekulierten die Basler – völlig zu Recht – mit dem einen oder anderen Abgang. Schliesslich wurden mit Xhaka, Bjarnason, Suchy, Vaclik, Janko und Lang sechs Spieler für die EM aufgeboten. Bis auf Lang allesamt Stammspieler. Nur konnte beim FCB niemand damit rechnen, dass Vaclik, Suchy, Xhaka und Janko in Frankreich nicht wirklich reüssierten, was die Chancen auf einen Transfer bestimmt nicht vergrössert hat.

Management by Moses?

Trotzdem: Das Abspecken der Kader bietet Angriffsfläche. Schliesslich verfahren viele Schweizer Klubs bei Transfers einzig nach dem Prinzip Hoffnung. Ungezielt, konzeptlos. Quasi ein Kauf ohne besseres Wissen. Nachhaltig ist diese Strategie nicht. Nehmen wir das Beispiel GC. Vor einem Jahr verpflichteten die Zürcher Philippe Senderos, Georgi Milanov, Semir Music und Haris Tabakovic. Von diesem Quartett ist heute nur noch Tabakovic im Kader.

Lange war Senderos (rechts) nicht bei GC im Einsatz. Bild: KEYSTONE

Aber auch er hat bis dato nicht mal ansatzweise den Beweis erbracht, eine Verstärkung für die Grasshoppers zu sein. Mal schauen, wie nachhaltig die beiden am Freitag getätigten Verpflichtungen von Emil Bergström (Schweden) und Patrick Olsen (Dänemark) sind. GC ist aber kein Einzelfall. Auch St.Gallen und Sion haben letzten Winter drei, vier Spieler verpflichtet, die nie eine Rolle gespielt haben und bereits wieder Geschichte sind. Selbstredend, dass diese Spieler nur gekostet und keine Transfersumme eingebracht haben.

Ob Sejad Salihovic einschlägt? Oder ergeht es ihm wie vielen Neuzuzügen St.Gallens und sie sind bald wieder Geschichte. Bild: DADO RUVIC/REUTERS

Man könnte das Management by Moses nennen. Ab in die Wüste gehen und auf Wunder hoffen. Gewiss kann man das mit dem engen finanziellen Korsett begründen, in dem mit Ausnahme von Basel, YB und Sion alle Super-League-Klubs stecken. Es beginnt beim Scouting, das aufgrund der begrenzten Mittel zu oberflächlich ist. Und es endet am Wühltisch, wo hektisch nach Restposten gegriffen wird.

Sommer statt Winter

Der FC Thun, der im Begriff ist, den finanziellen Kollaps abzuwenden, kommt gar nicht erst in Versuchung, einen Spieler zu verpflichten. Trotzdem sagt sein Sportchef Andres Gerber: 

«Ich glaube, in vielen Klubs ist die Erkenntnis gereift, dass sie viel Geld in den Nachwuchs investieren. Deshalb bedienen sie sich heute eher im eigenen Lager als auf dem Transfermarkt.»

Dölf Früh, Präsident des FC St.Gallen, sagt: «Ich spüre bei vielen Schweizer Klubs, dass sie zurückbuchstabieren. Wir investieren etwas mehr als die Hälfte dessen, was wir für die erste Mannschaft ausgeben, in den Nachwuchs. Deshalb werden wir künftig voraussichtlich weniger Transfers tätigen. Denn es ist unser Ziel, pro Saison einen oder zwei Junioren bei den Profis zu integrieren. Nachwuchsförderung ist nicht nur wichtig für das Image, sondern hat beim FC St. Gallen einen wichtigen Hintergrund. Schliesslich betreiben wir Nachwuchsförderung für die gesamte Ostschweiz

Der FC St.Gallen mit Präsident Dölf Früh investiert viel Geld in den Nachwuchs. Bild: KEYSTONE

Bei der Akquise auf Restposten zu verzichten und stattdessen auf den eigenen Nachwuchs setzen, ist ein vernünftiger Ansatz. Doch ein einflussreicher Spielervermittler glaubt nicht daran, dass die Klubs langfristig dem Weg der Vernunft folgen. «Vernunft tönt mir zu plakativ», sagt er. «Ich begründe die Zurückhaltung auf dem Transfermarkt damit, dass viele Schweizer Klubs ihr finanzielles Pulver schon im Sommer verschossen haben. Ausserdem werden in der Tendenz immer weniger Transfers im Winter gemacht.» Warum? «Weil im Winter eher kurzfristig bereinigt, während im Sommer strategisch gehandelt wird.»

Die Super League im Zeitraffer – wie sich die Liga seit 1980 verändert hat

Was auch erklärt, warum in der aktuellen Transferphase kaum Spieler aus der Schweiz den Weg in eine europäische Top-Liga finden. Denn Transfers in diesen Ligen haben meist einen Dominoeffekt, der auch die Schweiz erfasst. Beispiel Yann Sommer, der von Basel zu Gladbach gewechselt ist, nachdem Marc André ter Stegen von Gladbach zum FC Barcelona transferiert wurde. Bis dato aber beschränken die Klubs aus Deutschland, England, Italien oder Spanien ihre Aktivitäten auf ein absolutes Minimum. Und so sind die Wechsel von Bjarnason vom FC Basel zum englischen Zweitdivisionär Aston Villa und Yuya Kubo von YB zum belgischen Klub Gent die aufregendsten.

Kubo kickt lieber in Gent als in Bern. Bild: KEYSTONE

Insbesondere die Geschichte mit Kubo hat einen bitteren Nachgeschmack. Der 23-jährige japanische Nationalspieler wechselt, weil Gent mehr bietet als YB; mehr Lohn und bessere Perspektiven für einen Wechsel in eine Topliga. Das gibt aus Schweizer Sicht zu denken. Bildet aber auch die Wirklichkeit wieder: Die Super League hat zwar einen neuen TV- und Marketingvertrag, der ihr ab nächster Saison 40 statt 24 Millionen Franken einbringt. Trotzdem droht sie den Anschluss an Länder wie Belgien zu verlieren, die bisher in Reichweite lagen.

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Herr und Frau Mötzli, können wir uns nicht einfach mal freuen?!

Die Schweiz schlägt Serbien hochdramatisch 2:1. Schlagzeilen machen aber die Doppeladler beim Jubel von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. Die Gesten waren unüberlegt und unnötig. Aber auch verständlich für Spieler, bei denen sich so viel um Identität und Zugehörigkeit dreht.

Als sich Xherdan Shaqiri nach seinem 2:1 in der 90. Minute gegen Serbien dazu entschied, seine Hände zum Doppeladler zu formen, da wurde er innert Sekunden vom Helden zum Deppen. 

Zumindest für ganz viele Schweizer Fans. Die Freude über den Sieg wurde schnell gedämpft. Dürfen sich Schweizer da überhaupt noch freuen? Das war doch Hochverrat!

Zum Glück, so muss man fast sagen, haben Shaqiri und Xhaka mit dem Doppeladler für einen kleinen Skandal gesorgt. Sonst, man stelle sich vor, hätten …

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