Sport

Vladimir Petković darf optimistisch sein für die Zukunft. Bild: KEYSTONE

Nationaltrainer und Team mit versöhnlichem Jahresabschluss

Petković: «Ich bin froh, dass wir unseren Teil zu einem Fussballfest beitragen konnten»

Das kapitale Spiel gegen Litauen hat zur Freude der Schweizer mit einem klaren 4:0-Erfolg geendet. Einen Grund zum Abheben sieht Nationaltrainer Vladimir Petković trotzdem nicht – auch wenn die Welt am Tag danach schon wieder ganz anders aussieht. 

16.11.14, 14:35 16.11.14, 23:16

Analog dem Wetter in St.Gallen kann man den Stimmungsbarometer von Nationaltrainer Vladimir Petković ausmachen: Nachdem gestern bei Spielbeginn Petrus die Schleusen geöffnet und die Spieler auf dem Rasen durchnässt hatte, sah die Miene von Petković nach den vielen vergebenen Chancen auch nicht nach eitlem Sonnenschein aus. Just nach einer Stunde stoppte der Regen und die Tore fielen (endlich) wie reife Äpfel und hellten die Stimmung von Petković sichtlich auf. Die Entscheidung von Petković, Josip Drmić für Admir Mehmedi einzuwechseln, erwies sich im Nachhinein als goldrichtig.

An der heutigen Pressekonferenz schien nach dem klaren 4:0-Sieg wieder die Sonne in der AFG Arena und Petković strahlte an diesem warmen Novembertag passend dazu eine tiefe Zufriedenheit aus. In den Mittelpunkt will sich Petković aber nicht stellen. 

«Ich bin nicht der Hauptverantwortliche für den Sieg.»

Vladimir Petković.

«Die Mannschaft hat Ruhe und Geduld bewahrt und schliesslich die Gegentore provoziert. Die Litauer mussten eine Stunde lang viel dem Ball hinterherlaufen und waren nach dem ersten Gegentreffer folglich nicht mehr in der Lage zu reagieren», so Petkovićs Fazit.

Die vier Tore sind seiner Meinung nach nur die logische Folge der Statistik: «Es musste so kommen, wenn man über 20 Abschlüsse verzeichnen kann und 70 Prozent Ballbesitz hat.»

Goalie Yann Sommer war mehrheitlich beschäftigungslos. Bild: freshfocus

Er bezieht auch die bisherigen Qualifikationsspiele in die Betrachtung mit ein: «Gestern ist halt einfach mehr zurückgekommen als in den Spielen zuvor.»

«Es ist nicht nur eine Befreiung für mich und die Spieler, sondern für alle, die mit der Schweiz mitfiebern.»

Vladimir Petković.

Das Schützenfest kommt ihm dabei ganz gelegen: «Mit vier Toren ist alles locker geworden. Mit einem positiven Resultat schaut man das Umfeld rund um den SFV ganz anders an und die Meinungen ändern sich wieder.»

Schon in zwei Tagen das nächste Spiel

Die Mannschaft fliegt am Montag nach Breslau, wo sie am Dienstagabend beim Freundschaftsspiel gegen Polen ein wesentlich «anderes Kaliber» erwartet. «Es geht wieder um Prestige und ein gutes Resultat» im 750. Länderspiel der SFV-Geschichte. «Gegen einen schwierigen Gegner müssen wir Möglichkeiten finden, unter Druck ins Spiel zu finden, die Partie zu dominieren, Chancen zu erarbeiten und in der Offensive konkret zu sein», so Petković. Dieser führt aus, dass er ein anderes Match erwartet: «Wir werden gegen Polen sicher mehr gefordert. Wir müssen noch schneller umschalten.»

Zum Glück hat sich kein Spieler ernsthaft verletzt. Valon Behrami, Fabian Schär sowie Johan Djourou (Schlag auf die Hüfte) haben zwar die heutige Trainingseinheit ausgelassen, sollten aber an Bord sein. Die Entscheidung, ob Petković einigen Spielern Ruhe gönnt und sie nicht mit auf die Reise nimmt, fällt er heute Nachmittag. 

Moubandje hat mit seinem Einsatzwillen überzeugt und wird wohl auch gegen Polen von Anfang an auflaufen dürfen. Bild: Andreas Meier/freshfocus

Wie viele Wechsel er im letzten Spiel des Jahres vornimmt, behält er offen, lässt aber gleichzeitig durchblicken: «Ich habe nun die Möglichkeit, andere Spieler einzusetzen. So kann ich auch im Hinblick auf die Zukunft den Kader erweitern.» 

Die Qual der Wahl

Im Vorfeld des Spiels wurde gerätselt, ob Blerim Džemaili oder Pajtim Kasami den Vorzug im defensiven Mittelfeld erhält und ob François Moubandje seine Premiere im A-Nationalteam feiern darf. Petković zeigt sich zufrieden mit seiner Wahl und begründet sie auch gleich: «Ich wollte, dass Džemaili die Offensivspieler im Strafraum unterstützt.»

«Da habe ich Džemaili mehr gesehen als andere.»

Vladimir Petković über die Wahl von Blerim Džemaili.

Blerim Džemaili in Aktion. Bild: Andreas Meier/freshfocus

«Er hat ein sehr gutes Spiel gezeigt, deshalb wollte ich ihn auch über die gesamte Spielzeit drin lassen. Ausserdem habe ich darauf gesetzt, dass die drei ehemaligen Napoli-Spieler (Anm.: Behrami sowie Gökhan Inler, der immer noch am Fuss des Vesuvs spielt) gut harmonieren würden.»

«Moubandje hat viel Potential. Er hatte gestern eine andere Rolle als im Klub, aber es ist von Vorteil für ihn, wenn er verschiedene Systeme spielen kann.»

Vladimir Petković.

Eine funktionierende Mannschaft ist auch im Hinblick auf die nächste Hürde in der EM-Qualifikation von Vorteil. Im März 2015 wartet mit Estland der nächste Gegner auf die Schweiz. Wo das Spiel stattfindet, ist unklar. In der AFG Arena hat es Petković auf jeden Fall gefallen: «Ich bin froh, konnten wir unseren Teil zu einem Fussballfest beitragen und so die Zuschauer auf unsere Seite ziehen.» Er stellt aber gleichzeitig klar, dass er «überall in der Schweiz gerne spiele.» Wenn Petkovićs Team eine Vorstellung wie in der letzten halben Stunde gegen Litauen abliefert, wird der Nationaltrainer mit seiner Mannschaft auch im Frühling im ganzen Land frenetisch empfangen werden.

Die Schweiz darf wieder auf die EM 2016 hoffen. Hier liegt der Ball zum ersten Mal im Netz. Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

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