Sport

Patrice Evra versetzt einem Anhänger seines Teams einen Kung-Fu-Tritt. bild: twitter

Evras Kung-Fu-Tritt gegen eigenen Fan – diese Sprechchöre brachten das Fass zum Überlaufen

Von den Fans provoziert brannten bei Patrice Evra vor dem Europa-League-Spiel von Olympique Marseille bei Vitoria Guimarães komplett die Sicherungen durch. Mit einem Kung-Fu-Tritt streckte er einen eigenen Fan nieder. Ihm droht nun eine lange Sperre.

03.11.17, 10:09 03.11.17, 17:19

Donnerstagabend, Estadio Dom Afonso Henriques in Guimarães: Die Spieler von Olympique Marseille bereiten sich auf dem Rasen auf das Europa-League-Spiel gegen Vitoria vor. Lockeres Einlaufen, ein paar Dehnübungen. Im Stadion sind auch bereits die rund 500 mitgereisten OM-Fans. Bald setzen sie zu Schmähgesängen gegen Patrice Evra an.

Der 36-jährige Aussenverteidiger und ehemalige Captain der französischen Nationalmannschaft war im Winter 2016/17 ablösefrei von Juventus Turin zu Marseille gewechselt, konnte die Erwartungen in dieser Saison aber nicht mehr erfüllen. Nach mässigen Leistungen zum Saisonstart verzichtete Trainer Rudi Garcia immer öfter auf seine Dienste. Auch in Guimarães war Evra nicht für die Startaufstellung vorgesehen gewesen.

Den Fans stiessen neben den schwachen Leistungen auch seine zahlreichen Videos in den sozialen Medien sauer auf, die er jeweils am Montag und auch nach Niederlagen postet. Auch deshalb wurde er wohl zur Zielscheibe.

Evras Halloween-Video auf Instagram:

In Guimarães wurde Evra beim Aufwärmen rund 20 Minuten lang verhöhnt. Erst lächelte der Routinier die Beleidigungen noch weg, schickte gemäss «L'Equipe» sogar Küsschen ins Publikum. Doch die OM-Anhänger hatten kein Erbarmen. Und als sie «Hau ab aus Marseille, du bist eine Null» und «Geh zurück zu deinen Videos» sangen, ging Evra schliesslich auf Konfrontationskurs. 

Mit dem Ausdruck «Qui c'est qui parle?» forderte er die Fans auf, sich ihm zu stellen. Die Sprechchöre verstummten sofort, einige Hitzköpfe sprangen jedoch übers Plexiglas auf den Platz und es kam zu einer Rudelbildung. «Was willst du?», fragte Evra und verpasste einem Fan eine Ohrfeige. Teamkollege Luiz Gustavo konnte die Situation schliesslich beruhigen – allerdings nur kurz.

Das erste Handgemenge zwischen Evra und den Fans. Video: streamable

Wenig später kam es dann zur totalen Eskalation: Evra trat einen Zuschauer im Stile eines Kung-Fu-Kämpfers gegen den Kopf. Die Szene erinnerte an den legendären Ausraster von Eric Cantona, der im Januar 1995 einen gegnerischen Fan ebenfalls mit einem Kung-Fu-Tritt attackierte.

Die portugiesischen Ordner beendeten die Auseinandersetzung. Rolando und Doria begleiteten ihren Teamkollegen schliesslich Richtung Kabine. Evra sah für seinen Ausraster noch vor Spielbeginn die Rote Karte. Weil sich die Aktion vor dem Anpfiff ereignete, durfte Marseille trotzdem mit elf Spielern auflaufen und verlor mit 0:1.

Evras Kung-Fu-Kick gleich zu Beginn des Videos. Video: streamable

Evra selbst hat sich noch nicht zum Vorfall geäussert. Er sass während des Spiels auf der Tribüne und machte zwischendurch Selfies mit ein paar Fans.

Trainer Garcia ging mit seinem Schützling nach dem Spiel hart ins Gericht: «Wir werden sehen, was passiert. Ich habe Informationen bekommen, aber ich habe nichts gesehen, weil ich noch in der Kabine war. Patrice ist ein sehr erfahrener Mann und darf deshalb nicht auf solche Provokationen eingehen. So schlimm diese auch sein mögen. Er muss lernen, cool zu bleiben.»

Olympique Marseille kündigte noch in der Nacht via Twitter eine Untersuchung des Vorfalls an. «L'Equipe» spekulierte, dass es womöglich der letzte Auftritt von Evra im Trikot von OM gewesen sein könnte. Das glaubt auch Ex-Nationaltrainer Raymond Domenech: «Er weiss selbst, dass es vorbei ist. Er wird nicht mehr für Marseille spielen», sagte er «L'Equipe TV».

Klar ist schon jetzt, dass Evra mit einer langen Sperre rechnen muss. Zum Vergleich: Cantona wurde nach seiner Kung-Fu-Attacke für ein halbes Jahr gesperrt.

Entscheid im «Fall Evra» am 10. November

Die UEFA will am 10. November darüber entscheiden, wie lange Patrice Evra nach seiner Roten Karte vor dem Anpfiff des Europa-League-Spiels zwischen Vitoria Guimarães und Marseille (1:0) aus dem Verkehr gezogen wird. Eine Sperre von einer Partie ist wie bei jedem anderen Platzverweis das Minimum. (sda)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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23Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Senji 03.11.2017 14:38
    Highlight Und ausgerechnet Domenech äussert sich zu Evra?! 😂

    Er hat die WM 2010 offenbar immer noch nicht verdaut. Auch dort hat sich Evra im Mittel vergriffen, in der Sache wie gestern aber wohl recht gehabt.
    7 0 Melden
  • Don Sinner 03.11.2017 13:37
    Highlight Fans (Abk. v. Fanatiker) - das sind doch die, die jedes Wochenende Züge und Städte unsicher machen und demolieren und hier in ZH+Umg. Bänke und Bäume mit "GZ" oder "FCZ" verschmieren. Randalierer und Vandalen.
    13 30 Melden
    • Datsyuk 04.11.2017 07:34
      Highlight Nein, falsch. Warum pauschalisieren Leute so gerne?
      2 1 Melden
  • Mia_san_mia 03.11.2017 11:07
    Highlight Das sollte einem so erfahrenen Spieler eigentlich nicht passieren. Aber irgendwie verstehe ich ihn auch, das geht nicht spurlos an einem vorbei. Sehr wahrscheindlich ist es ja für ihn auch nicht einfach, das es so schlecht läuft und dann kommen solche "Fans" und machen ihn noch permanent fertig, anstatt ihn zu unterstützen.
    43 10 Melden
  • Rüdiger Rasenmeier 03.11.2017 10:57
    Highlight Obwohl die (Re)Aktion falsch war, hoffe ich, das dem dämlichem Ultra der Schädel heute noch weh tut. Der Umgang mit eigenen Spielern ist teilweise bedenklich.

    Sobald aber der Erfolg kommt ist alles vergessen (Petric, Neuer zB). Wer mag sich noch an das Plakat „Alex, du bist und bleibst ein Verräter“ erinnern, welches FCB Fans während einem Länderspiel stolz hochhielten?
    44 10 Melden
    • welefant 03.11.2017 20:08
      Highlight Aber du kannst nicht alle fans in den selben topf schmeissen...🙄🙄
      2 2 Melden
  • winglet55 03.11.2017 10:50
    Highlight Da müsste man den Heimklub auch büssen, denn wenn die "Fans" die Abschrankung überwinden konnten, stehts mit der Sicherheit auch nicht zum Besten!
    Ich begrüsse die Tat von Evra nicht, aber ich kann seine Reaktion verstehen.
    36 5 Melden
  • Staatsgebeutelter 03.11.2017 10:43
    Highlight Hier haben wir wieder einmal das klassische Beispiel wie es anderswo zu tausenden in anderer Form sich abspielt. Jemand wird verbal und gestikmässlg aufs Übelste provoziert und wenn er dann mal auf irgend eine Art zurück gibt schreiben alle auf und zeigen mit dem Finger auf ihn. Niemand thematisiert die Provokationen oder Provokateure als sei die etwas vom Normalsten auf der Welt. Weit ist unsere sogenannte Zivilisation gesunken wenn man nur die Reaktionen penalisiert aber die Provokationen als normal bezeichnet.
    65 8 Melden
    • Tikvaw 03.11.2017 11:26
      Highlight Was ist denn das für ein Kindergarten-Niveau?
      Der Böse-Typ hat mich verbal beleidigt... *buuhuu*.
      Jetzt weiss ich mir nicht anders zu helfen als ihn zusammenschlagen, weil mein Gehirn zu nichts schlauerem fähig ist.
      17 44 Melden
    • Hoppla! 03.11.2017 11:31
      Highlight Rechtlich können Provokationen schon belangt werden. Die Gesetzeslage ist, auf jeden Fall in der Schweiz, klar.

      Die Frage ist dann halt wie eng man Provokationen sieht bzw. was alles darunter fällt. Der Träger der roten Socken, die mich so unheimlich provozieren, wird nach meinen Schlägen wohl kaum bestraft. Als übertriebenes Beispiel.
      11 2 Melden
    • Fendant Rüpel 03.11.2017 12:42
      Highlight wie war schon wieder deine Meinung zum Fall CC / Fringer?
      7 0 Melden
    • winglet55 03.11.2017 15:00
      Highlight @ Fendant Rüpel, CC hatte ja auch den Richtigen getroffen :)
      2 0 Melden
  • elalbi 03.11.2017 10:38
    Highlight Fussballer sind auch nur Menschen.
    28 8 Melden
  • Phipsli 03.11.2017 08:51
    Highlight Es gibt Fans die sind keine Fans sondern einfach nur Idioten. Klar ist Evras Reaktion nicht die beste, aber wieso Reisen Marseille Fans nach Portugal um dann eine halbe Stunde lang gegen einen eigenen Spieler zu pöbeln..?..
    241 28 Melden
    • Mia_san_mia 03.11.2017 11:07
      Highlight Einfach nur primitiv.
      12 4 Melden
  • elmono 03.11.2017 08:11
    Highlight Recht hat der gute Evra. Wer austeilt, kann auch einstecken.
    139 26 Melden
    • AL:BM 03.11.2017 15:17
      Highlight Sie würden also Beleidigungen ebenfalls mit Tritten Richtung Kopf kontern?
      2 7 Melden
    • elmono 03.11.2017 15:30
      Highlight Zuerst mit Beleidigungen den Dicken markieren, dann in der Gruppe die Konfrontation suchen und danach per Highkick auf die Bretter geschickt werden. Absolut verdient.
      7 2 Melden
    • Jol Bear 03.11.2017 18:48
      Highlight Da wird Ihnen Monsieur Constantin zweifellos zustimmen.
      1 0 Melden
    • elmono 03.11.2017 19:22
      Highlight Ist wohl bisschen ne andere Situation mit Evra und CC. Als hätte CC die Eier sich allein einer Meute zu stellen. Evra nimmt es mal locker mit ein paar affigen Ultras auf. Das verdient auf jeden Fall Respekt.
      5 0 Melden
    • AL:BM 03.11.2017 21:33
      Highlight Ja, ein potenziell tödlicher Angriff auf Grund von verbalen Provokationen, sehr angemessen. Bravo.
      2 3 Melden
  • Illuminati 02.11.2017 23:21
    Highlight Nehme an er wurde wegen seiner Vergangenheit bei Nizza und Monaco beschimpft oder weiss jemand mehr?
    66 4 Melden
    • Kanalisationsschachtdeckelnummerexpert 03.11.2017 08:28
      Highlight Die schwachen Leistungen von Patrice sind wohl der Auslöser. Zudem sind die Fans sauer, weil er jeden Montag lustige Videos postet, auch wenn das Team am Wochenende zuvor verloren hat.
      47 1 Melden

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