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Nati-Trainer Vladimir Pektovic mit seiner Mannschaft beim Training im Cornaredo-Stadion in Lugano. (26. Mai 2016)
Bild: TI-PRESS

Die Nati empfängt Belgien: Zweitletzter Gradmesser vor der Euro in Frankreich

Die Schweizer Fussball-Nati positioniert sich in den letzten beiden Wochen vor dem EM-Start. Im Test gegen Belgien will die SFV-Auswahl heute Nachmittagin Genf ein Zeichen setzen. Das Spiel wird ab 16.15 Uhr auf SRF zwei übertragen.

28.05.16, 07:45


In ihrem Campo Lugano haben die Schweizer primär gute Eindrücke aufgesogen. «La Nazionale a casa» – die Tessiner haben ihren derzeit prominentesten Sport-Repräsentanten Vladimir Petkovic und seine Equipe herzlich empfangen. 3000 Tifosi jubelten der SFV-Auswahl bei ihrer öffentlichen Einheit am Tag nach Luganos Liga-Erhalt im Cornaredo zu.

Eis, zwöi, drü: Schweizer Nati-Stars wagen sich auf die Rodelbahn

Von Skepsis war wenig zu spüren. Die im März nach zwei miserablen Auftritten in Irland (0:1) und gegen Bosnien-Herzegowina (0:2) aufgeflammte Debatte um den Formstand der Schweizer flachte in der ersten Tessiner Woche ab. Petkovic erhielt im Süden der Schweiz den Zuspruch, den er sich unmittelbar vor der EM in Frankreich wünscht.

Das angenehme Ambiente färbt ab. Die Spieler tasteten sich langsam vor, der Ballast der in einzelnen Fällen schwierigen Saison fiel ab. «Jeder, der hier im Camp einrückt, muss beseelt sein davon, etwas Neues aufzubauen und die Schwierigkeiten weit hinter sich zu lassen», hat Petkovic unlängst verlangt.

Womöglich stimmt das Timing, gut möglich, dass die Mannschaft wieder Fahrt aufnimmt, dass die Spannung eine andere sein wird als im missratenen Frühling. Die Protagonisten jedenfalls verbreiteten diesbezüglich Zuversicht; sie halten eine sofortige Verbesserung der Performance für möglich.

Xhakas Signale werden geschätzt

Vielleicht hat Granit Xhaka mit wichtigen Signalen in eigener Sache vorgespurt. Zunächst war da sein unmissverständliches Bekenntnis zur Nationalmannschaft. Die Kosovo-Thematik, von der einige Schweizer Doppelbürger betroffen sein könnten, wischte der 23-Jährige vom Tisch: «Ich habe mich für die Schweiz entschieden, und dabei bleibt es.»

Seine klare Haltung wird teamintern geschätzt. Und mit seinem Transfer zum englischen Topklub Arsenal regelte Xhaka zu einem perfekten Zeitpunkt seine berufliche Zukunft. Der ab sofort teuerste Teamsportler der Schweiz hob zum einen sein Standing weiter an, andererseits ist zu erwarten, dass er nach Abschluss des 45-Millionen-Deals fokussierter denn je auftreten wird: «Die Spekulationen haben ein Ende, meine Gedanken sind zu 100 Prozent beim Nationalteam.»

Xhaka und Lichtsteiner wollen übernehmen

Xhaka will das Team zusammen mit Captain Stephan Lichtsteiner steuern. Er denkt und handelt ähnlich wie der ehrgeizige Juventino. Die beiden harten Arbeiter wollen den Lead übernehmen. Xhaka steht nicht für Zurückhaltung: «Ich bin ein ehrgeiziger junger Mensch und bin sicher, dass mit dieser Mannschaft sehr viel möglich ist.»

Die harte Kritik nach dem letzten Zusammenzug der Schweizer perlte nicht an ihm ab. Er habe durchaus Verständnis für die vielen negativen Interpretationen. «Aber», schränkt er ein, «die Anspannung kurz vor einer EM ist eine andere.»

Nach dem eher sanften Warm-up im ersten Camp-Teil will der zweite Assistent von Skipper Lichtsteiner nun die Drehzahl der Mannschaft erhöhen. «In den Spielen gegen Belgien und Moldawien muss man bereits spüren, dass wir bereit sein werden, den Kampf gegen das beherzte und leidenschaftliche Albanien aufzunehmen.»

Mit Belgien wartet ein Weltklasse-Team

In Genf steht der Schweiz in der Tat eine Begegnung unter verschärften Wettkampfkonditionen bevor. Belgien hat sich in den letzten Jahren unter die Topteams Europas gereiht. Die spektakuläre Nummer 2 im FIFA-Ranking hat sich seit Juni 2014 mit 17 Siegen in 22 Partien definitiv für grössere Aufgaben empfohlen.

Marc Wilmots Auswahl hat nahezu in jeder Achse Professionals von Weltklasseformat zu bieten. Thibaut Courtois, Jan Vertonghen, Thomas Vermaelen, Mousa Dembélé, Kevin de Bruyne, Eden Hazard, Christian Benteke, Yannick Carrasco – die Stars von Chelsea, Barcelona, Tottenham, Liverpool oder Atletico Madrid spielen an besten Adressen erstklassige Rollen. Die Dichte an Stars ist beeindruckend hoch.

Der Viertelfinalist der letzten Endrunde in Brasilien verfolgt hohe Ziele. «Ich sagte schon nach der WM 2014, dass wir für uns in Anspruch nehmen können, einen aussergewöhnlich guten Job gemacht zu haben, wenn wir die EM-Halbfinals erreichen», betont Nationalcoach Wilmots gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Mögliche Aufstellungen

Schweiz - Belgien

Samstag, 16.15 Uhr, Stade de Genève. SR Mazzoleni (ITA).

Schweiz: Sommer (Borussia Mönchengladbach); Lang (Basel), Senderos (Grasshoppers), Djourou (Hamburger SV), Rodriguez (Wolfsburg); Behrami (Watford), Xhaka (Borussia Mönchengladbach), Dzemaili (Genoa); Shaqiri (Stoke City), Derdiyok (Kasimpasa Istanbul), Mehmedi (Bayer Leverkusen).

Belgien: Courtois (Chelsea); Ciman (Montreal Impact), Alderweireld (Tottenham Hotspur), Vermaelen (FC Barcelona), Vertonghen (Tottenham Hotspur); Fellaini (Manchester United), Dembélé (Tottenham Hotspur); Origi (Liverpool), De Bruyne (Manchester City), Hazard (Chelsea); Lukaku (Everton).

Bemerkungen: Schweiz ohne Schär und Embolo (beide verletzt).

(sda)

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Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

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    Alle Leser-Kommentare
  • themachine 28.05.2016 08:17
    Highlight Ich hätte kein Verständnis dafür, wenn Petko heute Senderos Von Bergen vorziehen würde. Senderos hat sowohl in der Superleague als auch im Nati-Spiel gegen Bosnien überhaupt nicht überzeugt. Bei GC wollte man nicht mal mit ihm verlängern. So sollte doch SVB, Captain und Leistungsträger von YB, die Chance bekommen sich zu zeigen.
    9 0 Melden

Herr und Frau Mötzli, können wir uns nicht einfach mal freuen?!

Die Schweiz schlägt Serbien hochdramatisch 2:1. Schlagzeilen machen aber die Doppeladler beim Jubel von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. Die Gesten waren unüberlegt und unnötig. Aber auch verständlich für Spieler, bei denen sich so viel um Identität und Zugehörigkeit dreht.

Als sich Xherdan Shaqiri nach seinem 2:1 in der 90. Minute gegen Serbien dazu entschied, seine Hände zum Doppeladler zu formen, da wurde er innert Sekunden vom Helden zum Deppen. 

Zumindest für ganz viele Schweizer Fans. Die Freude über den Sieg wurde schnell gedämpft. Dürfen sich Schweizer da überhaupt noch freuen? Das war doch Hochverrat!

Zum Glück, so muss man fast sagen, haben Shaqiri und Xhaka mit dem Doppeladler für einen kleinen Skandal gesorgt. Sonst, man stelle sich vor, hätten …

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