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KARLSRUHE, GERMANY - MAY 11: Players of Darmstadt celebrate after the Second Bundesliga match between Karlsruher SC and SV Darmstadt 98 at Wildpark Stadium on May 11, 2015 in Karlsruhe, Germany.  (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Darmstadts Spieler feiern: Noch zwei Siege trennen die Lilien vom Durchmarsch. Bild: Bongarts

Überraschungsteam Darmstadt: Der bettelarme Aufsteiger steht vor dem Durchmarsch

Der Aufstieg von Darmstadt 98 in die Fussballbundesliga rückt immer näher. Nach dem 1:0-Sieg in Karlsruhe können sich die Hessen nur noch selbst schlagen. Doch genau das wird nicht passieren. 

Christoph Ruf / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Nach Augsburg, Paderborn und Ingolstadt klopft mit Darmstadt ein nächster «Kleiner» an die Bundesliga-Pforte. Die Spieler von Darmstadt 98 verhielten sich im Karlsruher Wildparkstadion allerdings auch noch in der 110. Minute taktisch diszipliniert. 20 Minuten zuvor war das Spiel abgepfiffen worden. Doch auch nach dem 1:0-Sieg im «Endspiel» (KSC-Trainer Markus Kauczinski) wichen Spieler und Funktionäre der Hessen keinen Millimeter von ihrer Marschrichtung ab, das Wort «Aufstieg» zu meiden wie der Teufel das Weihwasser.

«Wir machen es wie immer und hauen jetzt ein paar Floskeln raus, die euch so richtig langweilen.»

Darmstadt-Mittelfeldspieler Florian Jungwirth

Dabei haben die 98er, volkstümlich die Lilien genannt, nun zwei Punkte Vorsprung auf Kaiserslautern und vier auf den KSC. Sechs Punkte sind noch zu vergeben, in denen es Darmstadt mit Fürth und St. Pauli zu tun bekommt. Es ist also mehr als wahrscheinlich, dass Darmstadt in der kommenden Saison erstklassig ist.

Doch an all das wollte Dirk Schuster keine Gedanken verschwenden: «Wir befassen uns am 24. Mai mit der Situation, die wir dann erreicht haben», sagte der Darmstädter Trainer. Und auch Mittelfeldmann Florian Jungwirth tat den Journalisten nicht den Gefallen, zuzugeben, dass sein Team beste Chancen hat, direkt aufzusteigen. «Wir machen es wie immer und hauen jetzt ein paar Floskeln raus, die euch so richtig langweilen.»

KARLSRUHE, GERMANY - MAY 11: Head coach Dirk Schuster of Darmstadt and suspended team captain Aytac Sulu (R) celebrate after the final whistle of the Second Bundesliga match between Karlsruher SC and SV Darmstadt 98 at Wildpark Stadium on May 11, 2015 in Karlsruhe, Germany.  (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Trainer Dirk Schuster (Mitte) nach dem Sieg gegen den KSC. Bild: Bongarts

Die grossen Favoriten sind düpiert: 3. Aufstieg seit 2010 bald perfekt

Warum sollten sie es auch anders halten auf der Zielgeraden einer Saison, in der man als bettelarmer Aufsteiger mit viel taktischer Disziplin und einem schlüssigen Defensivkonzept 32 Spieltage lang die grossen Favoriten wie Kaiserslautern und Nürnberg düpierte? Sie müssen schliesslich nur noch zwei Wochen lang konzentriert bleiben, um vier Jahre nachdem sie in der Regionalliga Süd gegen Pfullendorf und Weiden spielten, den dritten Aufstieg seit 2010 zu schaffen.

Wer das Spiel am Montag Abend sah, bekam im Zeitraffer all das geboten, was die «Lilien» zur Überraschungsmannschaft in dieser Saison gemacht hat. Eine einzige echte Torchance gestattete man dem KSC und hielt danach die Partie gegen eine Karlsruher Mannschaft offen, die spielerisch mehr zu bieten hatte, sich aber in der 66. Minute den alles entscheidenden Fehler leistete. Nach eigenem Eckball vertändelte Manuel Torres den Ball ohne jede Not, Romain Brégerie leitete sofort auf Marcel Heller weiter, der nach spektakulärem Spurt über das halbe Spielfeld querlegte. Tobias Kempe erzielte das Tor des Tages.

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Der entscheidende Treffer gegen Karlsruhe nach einem grossartigen Konter. gif: youtube/dfb pokal

«Ein blitzgescheiter Konter», lobte Trainer Schuster, und Kollege Jungwirth freute sich über die Sprintqualitäten Hellers, der nach eigenen Angaben früher mal 3,7 Sekunden auf 30 Meter gelaufen ist und nun im Mannschaftskreis «Usain» Heller genannt wird.

Darmstadt besticht durch seine Disziplin

Das Tor war allerdings gefallen, weil ein technisch begabter Karlsruher Spieler vor lauter kindlicher Freude am Ball vergessen hatte, dass Fussball ein Mannschaftssport ist. «Ich habe heute einen kleinen Unterschied zwischen beiden Mannschaften gesehen», sagte dann auch dessen Trainer. «So ein Ballverlust passiert Darmstadt nicht.»

KARLSRUHE, GERMANY - MAY 11: Players of Darmstadt celebrate after the Second Bundesliga match between Karlsruher SC and SV Darmstadt 98 at Wildpark Stadium on May 11, 2015 in Karlsruhe, Germany.  (Photo by Alex Grimm/Bongarts/Getty Images)

Kein Geld, aber viel Teamgeist: Darmstadt steht vor der Sensation. Bild: Bongarts

Kauczinskis Ärger war verständlich. Fraglich, ob der KSC ein Tor geschossen hätte, aber ein 0:0 hätte alle Optionen für die letzten beiden Spieltage offen gehalten. Der KSC rechnet sich nun allenfalls noch minimale Chancen auf Platz 3 aus, plant aber gedanklich schon mit der nächsten Zweitligasaison.

Gestärkt nach Rückschlägen

Darmstadt weiss hingegen ganz genau, dass es sich jetzt nur noch selbst ein Bein stellen kann. Es ahnt aber offenbar auch, dass genau das nicht passieren wird, weil dem Team bewusst ist, welche Art von Fussball bei seinen Möglichkeiten zum Erfolg führt.

Rückschläge gab es, doch man ging gestärkt daraus hervor. Am 30. Spieltag verloren die «Lilien» 1:2 bei RB Leipzig, und nicht wenige Analysten sahen die Wachablösung gekommen. Leipzig werde sich im Schlussspurt doch noch den Aufstieg sichern, hingegen werde dem wackeren Aufsteiger die Puste ausgehen, hiess es. Leipzig hat seither gegen Sandhausen und St.Pauli verloren. Darmstadt gewann gegen Kaiserslautern und den KSC.

«Vielleicht dauert ja die Rückfahrt aus Fürth am nächsten Sonntag etwas länger», hat Florian Jungwirth noch gesagt, ehe er endlich duschen durfte. Da hätte er sich fast verquatscht.

Die Bundesliga im Zeitraffer – wie sich die Liga seit 1991 verändert hat

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