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Michi Frey schiesst den FCZ in den Cup-Halbfinal, die Südkurve bebt. Bild: KEYSTONE

«Unglaublich, unglaublich» – für einmal findet selbst Uli Forte kaum Worte

Vom 1:3 zum 4:3 in den letzten zehn Minuten. Eine solche Wende ist für FCZ-Trainer Uli Forte neu. Für den Kollegen Marc Schneider von Thun ist es die Wiederkehr einer leidvollen Erfahrung.

30.11.17, 07:45 30.11.17, 09:24


Jetzt weiss Uli Forte aus eigener Erfahrung und mit der Sicht vom Spielfeldrand, welch dramatische Wendungen ein Cupspiel in der Stadt Zürich nehmen kann. Als die Grasshoppers – es war im März 2004 – in der Schlacht zum Hardturm im Halbfinal den FCZ in der Verlängerung 6:5 niederrangen, hatte Forte noch anderes zu tun. Er war Spielertrainer in der Mannschaft von Red Star Zürich, die sich im Mittelfeld der Gruppe 2 der 1. Liga tummelte. Forte spielte damals gegen GC und den FCZ. Aber die Mannschaften hiessen Grasshoppers U21 und Zürich U21.

Cup-Halbfinal 2004: GC bodigt den FCZ. Video: YouTube/ZwoelfMagazin

Jetzt hat Uli Forte also einen so turbulenten Match in seiner Vita. Die ersten Worte oder Wörter, die er an der Medienkonferenz hervorbrachte, waren: «Unglaublich, unglaublich.» Mehr kam da vorerst nicht.

Nach der ersten Sprachlosigkeit war der Italo-Zürcher in der Analyse dann ruhig und sachlich. «Unsere erste Halbzeit war schlecht. Wir waren lethargisch und träg. Dass Thun mit zwei Toren führte, war berechtigt. In der zweiten Halbzeit spielten wir dann so, wie ich es mir von Anfang an gewünscht hatte.»

Uli Forte in Aktion – was wohl das «½» auf seiner Hand bedeutet? Vielleicht Halbfinal. Bild: KEYSTONE

Forte erwähnte im Speziellen die Einwechslung von Adrian Winter, die der Offensive gut getan habe. «Nach dem 1:3 hoffte ich, dass uns wieder das Anschlusstor gelingen würde. Dann hätten wir am Schluss alles nach vorne werfen können.» Genau so kam es heraus. Forte verhehlte aber nicht: «Natürlich war dies für uns ein glücklicher Sieg.»

In der Pause wurde es, wie Forte berichtete, in der FCZ-Garderobe laut, noch bevor Forte selber überhaupt in der Kabine war. Forte schrie die Spieler also nicht an, die Spieler sagten sich untereinander deutsch und deutlich die Meinung. Wie der nicht alltägliche Meinungsaustausch wirkte, wurde nach der Pause auf dem Platz ersichtlich. In der Mannschaft des FCZ ist Leben – im wahrsten Sinne des Wortes.

Das sagen die FCZ-Spieler:

Alain Nef:

«Solche Momente machen den Cup aus. In der Pause wurden von allen Seiten die richtigen Worte gefunden und die Mannschaft hat sehr gut auf den Rückstand reagiert.»

Michael Frey:

«Das war wohl das emotionalste Spiel meines Lebens. Den Sieg in dieser Art zu holen ist verrückt, wir hätten es allerdings auch einfacher haben können. In der ersten Halbzeit lief auf unserer Seite nur wenig zusammen, Thun war uns körperlich und in beinahe jedem Zweikampf überlegen. Der zweite Durchgang war dann um Welten besser und wir sind froh, dass wir das Spiel noch zu unseren Gunsten drehen konnten.»

Roberto Rodriguez:

«Wir haben die erste Halbzeit verschlafen und keine gute Leistung abgeliefert. Uns war klar, dass wir im zweiten Durchgang alles nach vorne werfen mussten und die zweite Halbzeit begann vielversprechend. Dann kassierten wir jedoch das 1:3 und wussten, dass noch einmal ein Ruck durch die Mannschaft gehen musste. Tatsächlich ist es uns danach gelungen, die Partie nochmals zu drehen. Das ist Fussball, das sind Emotionen!»

Marc Schneiders bitteres Déjà-vu

Thuns Trainer Marc Schneider ist ein gebranntes Kind. Beim besagten 6:5 für die Grasshoppers vor mehr als 13 Jahren spielte er in der Innenverteidigung des FCZ. Genau wie Thun am Mittwoch führte seine Mannschaft damals nach 83 Minuten ebenfalls klar (5:2). Die drei Tore des Gegners führten zur Verlängerung, diesmal bedeuteten sie noch in der regulären Spielzeit die Entscheidung.

Marc Schneider, der jetzt also auch als Trainer auf der falschen Seite stand, konnte nicht umhin, einen Bezug herzustellen zwischen den beiden Spielen, die unvergesslich bleiben werden: «Es kommt mir alles irgendwie bekannt vor. Der Unterschied ist nur, dass ich damals auf der andern Seite war, beim FCZ.»

Rückblick: Im Cup-Halbfinal 2004 kommt Marc Schneider gegen Mladen Petric zu spät. Bild: KEYSTONE

Schneider hatte keinen Grund, seinen Spielern für das Einbrechen in den letzten zehn Minuten einen Vorwurf zu machen. Er weiss zu gut, dass seine Leute in diesen Wochen viel Kraft brauchen. Die zahlreichen Verletzungen machen das Kader so klein, dass Schneider kaum noch die Möglichkeit hat, sinnvolle Wechsel vorzunehmen. Im Match gegen Zürich tauschte er nur einen Spieler aus.

Tränen in den Thuner Augen

Nach Spielschluss rangen viele Thuner mit den Tränen, das Spiel kommentieren wollte nur einer: Captain Dennis Hediger. «Es ist brutal hart. Dass wir das Spiel danach noch aus der Hand geben, ist natürlich enorm bitter», sagte er, bevor die euphorisierten Zürcher in die Katakomben drängten.

Die Thuner können es kaum fassen, dass sie dieses Spiel noch aus der Hand gegeben haben. Bild: KEYSTONE

Trainer Schneider wollte das Positive herausstreichen: «Wir haben eine perfekte erste Halbzeit gespielt. Es ist klar, dass Zürich danach stark aufkam, aber auch in der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft viel von dem umgesetzt, was ich verlangt und erwartet hatte. Dass es dann so herauskommt, ist bitter für die Mannschaft. Die Spieler haben viel aus den Möglichkeiten gemacht, die wir im Moment haben.»

Marc Schneider schaute schon kurz nach dem Spiel voraus: «Wir wollen rasch wieder aufstehen, denn es geht sofort weiter. Am Sonntag spielen wir das Derby.» (pre/sda)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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