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Pep Guardiola: Zwei Meistertitel und ein Pokal-Sieg in zwei Jahren – das ist zu wenig. Bild: Kai Pfaffenbach/REUTERS

Das Hitzfeld-Phänomen: Guardiola kam als Über-Trainer, aber er hat versagt  

Es herrschte Euphorie, als Pep Guardiola als Bayern-Trainer unterschrieb. Das war im Januar 2013. Vor dem Triple mit dem scheidenden Jupp Heynckes. Jetzt muss man sagen: Nur Meister werden mit Bayern München, das könnte auch Lothar Matthäus.

07.05.15, 14:29 07.05.15, 16:02

Die Meisterschaft ist nicht genug. Das war sie bei Bayern München eigentlich nie. Und seit dem Triple-Gewinn 2013 schon gar nicht mehr. Nein, sie wird erwartet. Irgendwann ist sie einfach da. Ähnlich wie die Znüni-Gipfeli im Betrieb. Irgendjemand holt sie einfach. Gerne der Lehrling. Weil, das kann ja wirklich jeder. Die Gipfeli in Form der Meisterschale fanden in den letzten elf Saisons sieben Mal den Weg an die Säbener Strasse. In drei der vier missglückten Versuchen wurde der Trainer vor Saisonende entlassen. Nur Jupp Heynckes kam 2011/12 ungestraft davon.

Pep Guardiola erledigte seine Pflicht bisher zweimal souverän. Zweifacher Deutscher Meister darf er sich nennen. 2014 gar in Rekordzeit. Damals, im März 2014, fühlten sich viele bestätigt: Guardiola hebt Bayern auf das nächste Level. Hätte man ihn gefragt, Franz Beckenbauer hätte womöglich in Anlehnung an Deutschlands WM-Titel 1990 gesagt: «Die Bayern sind auf Jahre hinaus unschlagbar.» Zum Glück fragte ihn niemand.

Wieder nichts: Bayern dürfte die CL-Trophäe erneut verpassen. Bild: Kai Pfaffenbach/REUTERS

» Hier gibt es alle wichtigen Szenen von Bayerns 0:3 bei Barcelona.

Die höchste Heimpleite der Geschichte zerstörte die letzte Saison 

Denn die Euphorie verflog schnell. Real Madrid demütigte die Bayern im Rückspiel des CL-Halbfinals in der heimischen Allianz Arena mit 0:4. Zuvor war die höchste Heimpleite in der 48-jährigen Europa-Cup-Geschichte der Bayern ein 0:2. Der erknorzte DFB-Pokal-Titel konnte die Saison auch nicht mehr vollständig retten, aber wenigstens das Desaster verhindern. Trotzdem: Der Rekord-Saison heftete ein Makel an.

Spätestens jetzt war allen klar: Auch Guardiola hat keine übermenschlichen Kräfte. Was war das für ein Trara, als im Januar 2013 bekannt wurde, dass der Katalane Jupp Heynckes im Sommer beerben werde. Die Bundesliga war elektrisiert. Pep Guardiola, der Startrainer, der Überflieger, der Rekordjäger, der Heilsbringer, kommt zum FC Bayern München. 

Was jetzt, Guardiola? Bild: Emilio Morenatti/AP/KEYSTONE

Vor seinem Sabbatical hatte er mit Barcelona in vier Jahren 14 Titel gewonnen. Über 250 Journalisten sorgten bei der Vorstellung für die grösste Pressekonferenz der Bayern-Geschichte. Aus elf Ländern waren sie angereist, drei Dutzend Kamerateams filmten jedes Zucken der Augenbrauen. Der hochdekorierte Trainer – womöglich der beste Klubtrainer der Welt – soll die Bayern in eine neue, noch grössere, noch bessere, noch überragendere Ära führen. 

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Ähnlich wie Hitzfeld als Nati-Trainer

Irgendwie erinnerte es an Ottmar Hitzfeld und die Schweizer Nati. Als «Gottmar» (Blick) gefeiert, führte uns der Startrainer mit dem 1:2 gegen Luxemburg in eine der grössten Blamagen der Geschichte und schaffte auch nicht mehr, als sich für zwei WM-Endrunden zu qualifizieren und die EM 2012 zu verpassen. Das hätten andere wohl auch geschafft. Köbi Kuhn beispielsweise wies eine ähnliche Bilanz aus. Aber niemand wagte so richtig, den Lörracher zu kritisieren. Wer hätte sich das auch nur annähernd anmassen können, bei diesem Leistungsausweis.

Hitzfeld erledigte während seiner Amtszeit in der Nati die Pflicht. Mehr nicht, weniger auch nicht. Pep Guardiola muss nach seiner zweiten Saison ein ähnliches Fazit ziehen. Zwei Meistertitel und ein Pokal-Triumph sind okay, aber das hätte wohl selbst Lothar Matthäus als Trainer hingekriegt. Einfach billiger. Vermutlich mit weniger Charisma und diesem Gefühl von etwas «Besonderem», aber ziemlich sicher mit mehr Unterhaltung. Ja, Bayern hat viele verletzte Spieler. Aber eine Ausrede ist das nicht; darf das nicht sein, bei einem Klub wie den Bayern.

Auch Hitzfeld kam als Held zur Schweizer Nati – und ging als solider Trainer. Bild: KEYSTONE

Guardiola: «Nur das Triple ist genug»

Dass er die eigentlichen Ziele verfehlt hat, weiss Guardiola in der zweiten Saison ohne Triple – oder zumindest ohne Champions-League-Trophäe – selbst. Noch vor dem Rückspiel gegen Porto erklärte der 44-Jährige: «Ich weiss, in welchem Verein ich bin. Es ist nicht genug, Meister zu sein hier. Es ist nicht genug, Pokalsieger zu sein hier. Nur das Triple ist genug.» Dieser Traum ist mit dem peinlichen Aus im Pokal-Halbfinale eh schon geplatzt. Jetzt droht die eigentlich starke Saison gar noch schlechter zu enden als letztes Jahr. 

Klar: Noch sind die Bayern nicht raus. Porto freute sich nach dem 3:1 im Hinspiel auch zu früh und ging chancenlos 1:6 unter. Schachtar Donezk glaubte nach dem 0:0 im Heimspiel auch an eine Sensation und wurde mit 7:0 verprügelt. Und wir erinnern uns auch noch an Basels 1:0-Erfolg im Hinspiel 2012, bevor die Landung auf dem Boden der Realität mit dem 0:7 härter nicht hätte sein können. Nur wird dies Barça nicht geschehen. Es geht für die Bayern nur noch um Schadensbegrenzung.

Aber: Wenn Guardiola das jetzt wirklich noch dreht, wäre es ein ähnlicher Kraftakt, wie wenn Ottmar Hitzfeld die Nati 2014 zum WM-Titel gecoacht hätte. Dann wäre er wirklich ein Held. Ansonsten gilt: Die Meisterschaft ist nicht genug. Und man muss sich in München einige Fragen stellen. Vielleicht ist Xherdan Shaqiri nicht der einzige, der Guardiolas Taktik nicht ganz versteht? Vielleicht ist endloser Ballbesitz mit Bayerns Kader doch nicht das Richtige? Vielleicht könnte es ein anderer mit Götze besser? Oder mit Müller? Vielleicht ist Guardiola doch der falsche für Bayern München?

Woher die Bayern-Spieler stammen (seit 1963)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sivu 07.05.2015 21:57
    Highlight Hätte Barcelona auch 3:0 gewonnen, hätten Messi und Neymar gefehlt? Robben und Ribéry haben für die Bayern aktuell ca. den gleichen Stellenwert und wenn die fehlen, kann's halt schon sein, dass es mal nicht funktioniert. Lahm, Schweinsteiger, Rafinha, Alonso sind (natürlich nicht) alte Säcke und müssen langsam aber sicher ersetzt werden. Und Götze? Die Enttäuschung ad personam; hätte er nicht DAS WM-Tor geschossen, er wäre wohl längst entsorgt worden. Also: die grossen Trainer waren in der Regel gross, weil sie den richtigen Spielerkader hatten.
    13 7 Melden
  • länzu 07.05.2015 18:53
    Highlight Der Mann wird eindeutig überschätzt. Mit diesem Kader, bei dem jede Position doppelt und dreifach besetzt ist, könnte er ja 2 Mannschaften ins Rennen schicken, sber jetzt heult er dauernd wegen Ribery und Robben und lässt gleichzeitig Weltmeister Götze versauern.
    15 3 Melden
  • Tingeltangelbob 07.05.2015 18:27
    Highlight meiner meinung nach ist pep ein eingebildeter sack und es geschieht im recht dass ihn jetzt mal jemand vor den kopf stöst
    14 7 Melden
  • Jol Bear 07.05.2015 18:12
    Highlight Erstens kann auch der beste Trainer nur ungefähr das Maximum aus dem vorhandenen Kader herausholen. Das hat Hitzfeld mit der Schweizer Nati gemacht. Für Pep gilt ähnliches: sein Kader reicht für die Bundesliga locker, in der CL machen dagegen weitaus stärker besetzte Teams mit. Und da haben einige deutlich mehr individuelle Klasse im Kader als Bayern. Spieler wie z.B. Messi, Ronaldo, Neymar, Bale, Ibrahimovic oder Sanchez (Arsenal) wollten oder konnten sich die Bayern bisher nicht leisten. So gesehen ist die CL-Halbfinalqualifikation schon ganz o.k. Ausserdem wird die Offensive Kreativität durch das Fehlen von Robben und Ribéry deutlich eingeschränkt. Barca hätte gestern ohne Messi kaum diesen klaren Sieg erreicht. Es wurde deutlich, dass auf derartigem Niveau letztlich einige wenige individuell herausragende Spieler den Unterschied ausmachen. Und da verfügt die Bayern-Konkurrenz im Moment über die besseren Optionen. Das kann nicht Guardiola angelastet werden.
    8 12 Melden
    • WHU89 07.05.2015 19:25
      Highlight stimmt bale war ja auch so überragend am letzten spieltag. und jupp heynckes hatte damals ja so ein besseres kader bzw alle anderen so ein schlechteres kader
      13 1 Melden
    • Mia_san_mia 07.05.2015 21:33
      Highlight Ok Jol Bear... Du kennst das Kader von Bayern wohl nicht und darum würde ich an Deiner Stelle auch lieber nichts schreiben ;-)
      5 3 Melden
  • Moe Mentmal 07.05.2015 17:24
    Highlight Der Vergleich mit Hitzfeld hinkt. Guardiolas Spieler sind alle Weltklasse, während die Schweizer Nati solche Spieler nur phasenweise und vereinzelt hat.
    Ich habe von Hitzfeld keine Wunder erwartet, allerdings schon eine Mannschaft, die ein System mit automatismen umsetzen kann. Das habe ich leider ausser bei Standards nie gesehen. Meistens war das Prinzip 'Ich hab den Ball, lauf mal los und schau dann mal, wer frei ist.'
    Trotzdem: Auch ein Bayern kann nicht immer alles gewinnen, die CL schon gar nicht.
    21 2 Melden
  • thommy79 07.05.2015 15:41
    Highlight Sind die Bayern schon draussen? Abwarten...

    24 5 Melden
  • Amboss 07.05.2015 15:12
    Highlight Danke für diesen Kommentar, dem ich zu 100% zustimme.
    Ich bin froh, bin ich nicht der einzige, der findet, Guardiola passt nicht so richtig zu den Bayern.
    Und auch ich habe die Ära Hitzfeld in der Nati als nicht wirklich toll in Erinnerung.
    - Die Resultate stimmten einigermassen.
    - Es machte aber keinerlei Spass, die Nati-Spiele zu schauen. Gegen jeden Gegner war es ein Krampf
    30 6 Melden
  • droelfmalbumst 07.05.2015 14:46
    Highlight ich verabscheue zwar guardiola weil er einfach ein übler schauspieler ist, aber deswegen so in den dreck ziehen? was macht er schlecht bei den bayern? ultralocker meister geworden, CL halbfinal - das heisst unter den top 4 teams von europa, die hälte der stammspieler seit langer zeit verletzt. wieso soll er versagt haben? was wollen die leute? weil ein team ein jahr die CL gewinnt sind sie gezwungen die CL die nächsten 5 jahre zu gewinnen oder mind. ins finale zu kommen? schon klar sagt ein trainer dass er alles gewinnen will, aber wärs so einfach würde jeder immer das triple holen....
    20 13 Melden
    • Amboss 07.05.2015 15:44
      Highlight Sie haben doch den Artikel gelesen...? Er hat eigentlich nichts falsche gemacht. Er wird ja auch nicht durch den Dreck gezogen.
      Die Resultate stimmen einfach nicht mit den (überzogenen) Erwartungen überein.
      26 1 Melden
    • droelfmalbumst 07.05.2015 15:57
      Highlight ist ja total realitätsfremd. bayern spielt nicht alleine. da sind noch jede menge top teams unterwegs. man kann sich doch nicht einbilden dass alles ein spaziergang wird weil man jetzt ein jahr alles abgeräumt hat? jede saison ist eine neue geschichte die von neuem erzählt wird. da ist es schnuppe ob man bayern, barça oder manchester heisst. ein team welches meister wird hat grundsätzlich schon mal eine SEHR positive saison. dann noch im halbfinale der CL sein verstärkt das ganze umso mehr! mich irrtiert es dass bayern und pep als götter des fussballolymps gehyped werden!
      14 4 Melden

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