Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Das Duo Russi/Hüppi wird nach der Ski-WM keine Rennen mehr kommentieren.

Braucht es noch Experten? Das SRF steht vor einem Grundsatzentscheid

Matthias Hüppi und Bernhard Russi kommentierten gemeinsam 31 Jahre lang Skirennen. Nach der Ski-WM ist Schluss. Bernhard Russi löst damit beim SRF eine Diskussion aus: Braucht es noch Sportexperten bei Liveevents?

01.02.17, 10:05 01.02.17, 14:44

Silvan Hartmann / Nordwestschweiz



Sie werden nach über 31 gemeinsamen Jahren verstummen – die beliebten, vertrauten Skistimmen des SRF: Matthias Hüppi und Bernhard Russi gehen nach der Ski-WM in St. Moritz getrennte Wege. Unweigerlich kommt die Frage auf: Wer soll in ihre Fussstapfen treten? Wer ersetzt Russi als Experten? Didier Cuche? Marco Büchel? Dani Albrecht? Oder gar niemand? «Wir halten die Augen offen und werden mit geeigneten Kandidaten Gespräche führen», sagt Roland Mägerle, Leiter SRF Sport, auf Anfrage.

Comedy aus dem Labor - Hüppi und Russi haben langsam genug voneinander

Lange wurde es verschwiegen, jetzt ist es draussen. Auf uns geheim zugestellten Bänder sind die Originaltöne der beiden Kommentatoren Matthias Hüppi und Bernhard Russi zu sehen und zu hören. Erstaunlich was die beiden alles so miteinander diskutieren und uns jahrelang verborgen blieb. Video: © youtube/Schweizer Radio und Fernsehen

Das SRF steht nicht nur vor einer Herkulesaufgabe, man steht im Leutschenbach auch vor einem Grundsatzentscheid: So ist unklar, ob man überhaupt mit dem Experten-System im Skisport weiterfährt. Ein Entscheidungsfaktor sind auch die damit verbundenen Kosten. Klar ist nur, dass Hüppi durch Stefan Hofmänner ersetzt wird.

Auch Nati ohne TV-Experten

Ist das Experten-System ein Auslaufmodell? Schliesslich wurde auch der Experte bei Live-Spielen der Schweizer Fussball-Nati abgeschafft. «Experten im Skisport haben sich bewährt. Gerade im analytischen Bereich können sie einen grossen Mehrwert bieten», sagt Mägerle und ergänzt: «Grundsätzlich gibt es nicht nur ein Modell, das funktioniert. Es ist daher auch nicht ausgeschlossen, dass man sich Gedanken über Veränderungen macht.»

Old but gold ;) Günter Netzer und Beni Thurnheer beim Kommentieren eines Nati-Spiels.

Schweizer Experten im Live-Sport-TV gibt es seit den 80er-Jahren. Sie fanden erstmals in den 90er-Jahren so richtig Anklang in den Stuben der Zuschauer, als sich europäische Privatsender zu Werbezwecken mit verpflichteten Star-Experten brüsteten. Das SRF zog mit: Nicht zuletzt Bernard Thurnheer mit Experte Günter Netzer (Fussball-Nati) sowie Hans Jucker mit Jean-Claude Leclercq (Rad) entwickelten sich zu legendären Kommentatoren-Duos.

Umfrage

Braucht das SRF noch Sportexperten im Livekommentar?

  • Abstimmen

777 Votes zu: Braucht das SRF noch Sportexperten im Livekommentar?

  • 44%Ja, eine Expertenmeinung gehört beim Live-Sport einfach dazu.
  • 32%Ja, das erfrischt die Übertragungen.
  • 7%Nein, die erzählen sowieso nur Quatsch.
  • 10%Nein, die SRF-Leute machen das selbst ganz gut – der Experte stört nur.
  • 7%Mir egal, ich schaue nur sehr selten Sport im SRF.

Doch die Experten sind gerade bei Kommentatoren nicht unumstritten. In Deutschland scheint vielen Kollegen ein Zacken aus der Krone zu fallen, wenn ihnen ein Experte widerspricht, sagt TV-Legende Thurnheer: «Ich hatte mich am Anfang auch gewundert, dass sich die Experten so spielend leicht durchzusetzen vermochten. Man war immer der Meinung, dass bereits Kommentatoren zu viel sprechen würden», blickt der 67-Jährige zurück.

«Es ist schwierig, geeignete Experten zu finden, die innerhalb von wenigen Sekunden Gedankengänge fixfertig formuliert ausspucken können.»

Bernard Thurnheer

Inzwischen ist die TV-Legende der Meinung, dass Experten unverzichtbar sind: «Kein Sportjournalist kann das einem Zuschauer packender und kompetenter rüberbringen, wie es sich anfühlen muss, als Titelverteidiger im Starthaus zu stehen, als einer, der dies selber erlebt hat», sagt Thurnheer. Vor allem bei Olympischen Sommerspielen werden die Experten von allen geschätzt, weil gerade in dieser Zeit auch exotische Sportarten im Mittelpunkt stehen.

Es reiche jedoch nicht, bloss grosses Fachwissen in einer Sportart mitzubringen. «Es ist schwierig, geeignete Experten zu finden, die innerhalb von wenigen Sekunden Gedankengänge fixfertig formuliert ausspucken können. Es braucht besondere Fähigkeiten», sagt Thurnheer.

Das Duo muss harmonieren

Ob diese Didier Cuche oder Marco Büchel im Skirennsport mitbringen würden? Thurnheer will sich zu Namen nicht äussern, findet aber: «Die Initialzündung eines Engagements mit einem Experten muss zwingend vom Kommentator selber kommen. Es darf nicht bloss ein Chefentscheid sein. Denn ein Duo muss harmonieren wie ein Eiskunstlaufpaar.»

Heinz Günthardt ist DER Schweizer Tennis-Experte. Bild: EPA/KEYSTONE

Das tun auch Stefan Bürer und Heinz Günthardt seit 22 Jahren. Sie haben allein in den letzten zwei Wochen mehr als 58 Stunden Live-Tennis für SRF kommentiert. Günthardt steht dem Schweizer Fernsehen ebenfalls schon mehr als 30 Jahre als Experte zur Verfügung. Steht der nächste Rücktritt bald bevor? Urgestein Günthardt sagt dazu: «Nach diesen Australian Open denkt man als Kommentator definitiv noch nicht ans Aufhören.» 

Schweizer Wintersportorten wo der Ski-Weltcup bereits zu Gast war

Unvergessene Ski-Geschichten

Wie der Ski-Salto zu Didier Cuches Markenzeichen wurde: «Fans glaubten, es war geplant»

Eine TV-Drohne kracht um ein Haar auf Marcel Hirscher

Verrückteste Abfahrt aller Zeiten: Markus Foser macht sich mit der Nummer 66 unsterblich

Weil Hermann Maier falsch jubelt, erbt Mike von Grünigen den Sieg

06.03.1994: Heidi Zeller-Bähler stürzt sich aus dem Starthaus, wie vor und nach ihr nie mehr eine Skifahrerin

06.02.1989: Eine deutsche Eintagsfliege vereitelt in Vail einen Schweizer Vierfach-Triumph und wird Abfahrts-Weltmeister

Heinzers Bindung bricht – was für eine Blamage für den Olympia-Favoriten

31.01.1987: So wie in Crans-Montana haben wir die Österreicher nie mehr paniert

23.01.1994: Vreni Schneider steht noch nicht für den Kafi am Pistenrand, sondern ist der Evergreen im Stangenwald

19.01.2013: Nie rast einer schneller über eine Weltcup-Piste als Johan Clarey am Lauberhorn

18.01.1987: Pirmin Zurbriggen kommt zum billigsten Weltcupsieg – er ist der einzige Starter

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.

Abonniere unseren Daily Newsletter

9
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • hienli 02.02.2017 10:48
    Highlight Hab mich krank gelacht mit Boris Becker als Co-Kommentator auf Eurosport bei den AO2017 😂
    0 0 Melden
  • Pingu80 01.02.2017 11:50
    Highlight Es ist doch viel unterhaltsamer mit zwei Kommentatoren. Es wäre wünschenswert, wenn beim Eishockey auch wieder Mario Rottaris als Experte bei den Spielen dabei sein würde und nicht nur als Studiogast.
    29 2 Melden
  • Roaming212 01.02.2017 11:05
    Highlight Die Experten müssen in der Tat auch fürs Kommentieren geeignet sein. Aber generell braucht es schon welche. Im Ski und im Tennis sind Russi und Günthardt sehr erfrischend. Aber im Fussball sind Huggel, Spycher und Sermeter nur langweilig und scheinen sich in der Rolle auch nicht wohl zu fühlen(?). Sie klingen jedenfalls immer so zurückhaltend und monoton.
    64 1 Melden
  • saukaibli 01.02.2017 11:03
    Highlight Das mit dem Harmonieren ist eine Sache, was im SRF halt immer ein Störfaktor ist, ist dass die Kommentatoren und Experten meistens nicht in ihrer Muttersprache kommunizieren. Ich meine, mir würde es auch komisch vorkommen wenn ich mich mit einem Kumpel plötzlich auf Deutsch unterhalten müsste. Ich denke deswegen kommen Schweizer Kommentatoren immer so unecht und humorlos daher. Aus dem Grund schaue ich Sport meistens auf ORF, dort klingt's wirklich wie Kumpels die zusammen Sport schauen und kommentieren. OK, es liegt evtl. auch daran, dass Ösis einfach ein bisschen lockerer sind als Schweizer.
    16 4 Melden
    • jules_rules 01.02.2017 13:14
      Highlight habs auch mal versucht mit Skirennen auf dem ORF aber das geht ja gar nicht. Meistens sind die Kommentatoren damit beschäftigt, den Rennanzug, den Helm, die Brille, die Stöcke, die Ski und weiss ich sonst noch was zu beschreiben. Das ist doch keine Modenschau, die sollen lieber mal was zum Sport sagen ;)
      10 5 Melden
  • Jol Bear 01.02.2017 10:50
    Highlight Kosten: unlängst standen die extrem hohen, fragwürdigen Honorare von Fussballexperten (in De) zur Diskussion, auch im Zusammenhang mit "Gebühren-Steuern". Das sollte jedenfalls nicht überborden. Andererseits kann, sofern Experten, wie Beni sagt, geeignet sind, der Wert der Übertragung massiv besser werden. Siehe z.B. Kunstturnen bei Olympia. Die TV-Kommentatoren haben bei div. Sportarten schlicht zu wenig Fachwissen oder es fehlt ihnen die Nähe zum betreffenden Wettkampf. Russi und Günthardt sind Musterbeispiele dafür, dass der Zuschauer einen echten Mehrwert erhält.
    26 0 Melden
  • lilie 01.02.2017 10:19
    Highlight Ich guck hauptsächlich Tennis auf SRF, und da muss ich sagen, dass ich die Kommentare von Bürer und Günthardt unübertroffen finde: ruhig, unaufgeregt, sachlich und trotzdem persönlich.

    Ich schätze auch, dass sie sich wirklich auf das konzentrieren, was auf dem Bildschirm läuft. Ich hab auch schon Becker auf Eurosport gehört, und der schwadroniert gerne über irgendwas und ignoriert das Spiel dabei völlig.

    Ausserdem schaffen die beiden es, sowohl die Basics für Tennisneulinge zu erläutern, als auch Feinheiten von Taktik und Technik auszuführen für die Cracks.

    Von daher: bitte weitermachen! :)
    71 3 Melden
    • Blaugrana 01.02.2017 10:58
      Highlight Hm, interessanter Blickwinkel... mir geht's be den beiden ganz anders. Finde Günthard immer ein wenig schnöslig-überheblich, und Bürer macht auf mich den Eindruck eines willigen Adjudanten, der ohne seinen Meister keinen 2-Sätzer durchstehen würde... BBC finde ich da um einiges besser. Aber gut, werde mich beim nächsten Match um eine unvoreingenommene Bewertung der beiden bemühen...
      9 18 Melden
    • Coffey 02.02.2017 11:40
      Highlight Ich finde Günthardt/Bürer auch top, fand aber auch, dass Matthias Stach/Boris Becker bei Eurosport durchaus einen guten Job abliefern. Ich fand überhaupt nicht, dass Becker "schwadroniert" hat. Er hat ein paar interessante Einblicke geliefert, was in den Katakomben, Players Lounge, Garderobe so abläuft.
      2 0 Melden

Warum unser Eishockey international inzwischen besser ist als der Fussball

Das WM-Abenteuer ist bereits in der ersten K.o.-Runde zu Ende. Wie immer. Die Eishockey-Nationalmannschaft ist besser. Weil die Fussballer nach wie vor offensive Hinterbänkler sind. Eine Polemik.

Hinkt ein Vergleich zwischen einer Fussball- und Eishockey-WM? Auf den ersten Blick ja. Weil Fussball ein globaler Sport ist. Im Eishockey ist die Weltklasse hingegen auf weniger als zehn Länder auf der nördlichen Halbkugel beschränkt.

Auf den zweiten Blick macht ein Vergleich hingegen Sinn. Denn am Ende, wenn die Titanen unter sich sind, ist es im Eishockey gleich schwierig wie im Fussball, bei einem Titelturnier weiterzukommen. Ja, die Hierarchie ist im internationalen Eishockey eher noch …

Artikel lesen