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Einer der populärsten seiner Zunft: Freiburgs Trainer Christian Streich. Bild: EPA

Die 7 besten Pressekonferenzen der Saison, in denen Christian Streich die Welt erklärt

Wer soll oben bleiben: Der HSV, der VfL Wolfsburg oder der SC Freiburg? Wenn neutrale Fussballfans eines dieser Teams retten dürften, dann würden sie sich wohl immer für die Freiburger entscheiden. Auch wegen ihres kauzig-kultigen Trainers.

07.05.18, 17:11

katharina reckers

Der HSV und der VfL Wolfsburg stehen für Verschwendung, sie ballern seit Jahren Millionen heraus ohne wirkliche Erfolge zu erzielen. Der SC Freiburg steht stattdessen für ein familiäres Umfeld, hervorragende Jugendarbeit und die jährliche Herausforderung, mit wenig Geld im Zirkus der Grossen zu überleben. Dazu menschelt es – vor allem wegen Christian Streich.

Der Blick in den Keller:

Die letzte Runde: Freiburg – Augsburg, Wolfsburg – Köln, HSV – Gladbach. tabelle: srf

Streich, seit 2011 Trainer im Breisgau, ist die Konstante des SC Freiburg, die gute Seele des Profifussballs und hat am Ende des Spieltags immer noch etwas zu sagen. Selbst wenn er eigentlich nichts zu sagen hat.

Wir sind uns sicher: der Fussball wäre sehr viel besser, wenn mehr Christian Streichs vor dem Mikro sitzen würden. Und weil sein Dialekt eine so beruhigende Wirkung auf uns hat, haben wir seine klügsten, schönsten und lehrreichsten Pressekonferenz-Weisheiten der Saison rausgesucht.

Die Ronaldo-Weisheit

«Die jungen Spieler sehen Ronaldos eingeölten Muskle in irgendeinem Blättle und denken: ‹Ja, desch isch a reine Showman.›
Desch isch kein Showman, das hat er sich alles erarbeitet. Und da werden die falschen Schlüsse gezogen.»

Oberkörperfreier Menschenaffen-Jubel mit stahlhartem, glänzendem Sixpack? Streich sagt: jederzeit. Sein Motto: Wer trainiert wie Ronaldo, darf sich auch albern inszenieren. Am Ende zählt eben, wenn der Ball im Netz zappelt.

Kabinenlästereien über den Muskelmann sind also nicht gestattet, im Gegenteil: Streich sieht Potenzial und würde ausserordentlich grosszügig sowohl Ronaldo als auch Messi einen Stammplatz in der Mannschaft freiräumen. Ungnädig wie ein abgenervter Mathelehrer, äussert er sich allerdings gegenüber faulen Spielern. Wer nicht trifft, bleibt so lange auf dem Trainingsplatz, bis er trifft. Diese Regel dürfte der Mannschaft im Moment sehr viele endlose Trainingseinheiten bescheren.

Die Ode an die Frau

«Dass Frauen die Bundesliga pfeifen oder dass Frauen irgendetwas anderes machen in einer leitenden Funktion, kann uns in der Summe nur gut tun. Ich wäre froh, es wären ein paar Frauen in einigen Ländern an der Spitze. Das würde uns einiges erleichtern.»

Dass Frauen mindestens so gut pfeifen können wie Männer, ist mittlerweile auch im Profifussball angekommen. Durch Bibiana Steinhaus' Bundesliga-Debüt im September 2017 wurde diese These endgültig in Stein gemeisselt. Auch Streich äussert sich anlässlich des Debüts, mit einer solchen Selbstverständlichkeit, dass uns ganz warm ums Herz wird. Denn seiner Meinung nach sind Frauen sowohl auf dem Rasen als auch im Stadion goldrichtig – und könnten eigentlich direkt die Weltmacht übernehmen.

Die Geld-Theorie

Die englischen Fussballklubs zückten in der Wintertransferperiode wieder einmal das prall gefüllte Portemonnaie und kauften so dick ein wie keine andere europäische Liga. Die Premier League bleibt damit Spitzenreiter der Transferausgaben und behält sich den Ruf des reichen Klassenbesten aus der 8b, zu dem alle nur nett sind, weil sie weiterhin auf die coolen Poolpartys eingeladen werden wollen.

Streich spielt dabei allerdings nicht mit. Er bleibt gänzlich unbeeindruckt von den Geldmassen, die in England über den Rasen rennen, und schiesst sich mit seiner Kritik an der Premier League direkt in die Herzen aller verschwitzten Bolzplatzprofis und Drittligisten-Fans auf Auswärtsfahrten:

«Wenn du die Allerbesten auf einem Haufen hast und unendliches Geld, ist klar, dass das Spiel dann wahrscheinlich schneller und besser ist als Freiburg gegen Mainz. Aber das ist dann auch keine grosse Kunst.»

Der Mode-Tipp

Das neue Auswärtstrikot der Freiburger dürfte beim ersten Einsatz für betretenes Schweigen in der Kabine gesorgt haben. Es hat alles, was ein stylisches Trikot nicht haben sollte. Es zeichnet sich durch einen lilafarbenden Camouflage-Look aus, in dem ein paar possierliche Details in Form von einem Fuchs, einer Tanne, einem Wolf und einem Wanderer eingearbeitet wurden – cool.

Während die Freiburger Fashionistas vermutlich hoffen, durch das Camouflage-Muster unsichtbar zu werden, probiert Streich in einer Pressekonferenz aufmunternde Worte für das spannende Trikot zu finden. Trotz seines Alters weiss er nämlich, dass es deutlich schlimmer hätte kommen können:

«Ich bin alt. Ich brauche nicht mehr über Trikots reden. Aber wenn ich jetzt ganz ehrlich sein soll, bin ich echt richtig froh, dass wir das Neongelbe nicht haben.»

Die Kausal-Theorie

«Sie springen in den Fluss, wenn er Hochwasser hat, aber du darfst dich dann nicht wundern, wenn sie Wasser schlucken.»

Dass die Luft für die Freiburger langsam dünn wurde, war Streich vor dem Spiel gegen Wolfsburg am 7. April schon klar. Auch klar war ihm, dass seine Spieler alles tun werden, um den näherrückenden Abstieg zu verhindern. Streich wäre allerdings nicht Streich, hätte er diese Gedanken in einem faktischen Satz zwischen ein paar «Ähs» und «Ähms» verpackt.

Mit Worten wie damals bei Opa auf dem Schoss erzählt er in der Pressekonferenz von der schwierigen Saison und von seinen todesmutigen Spielern, welche sich in das Hochwasser der Bundesliga stürzen. 

Die Gesellschaftskritik

«Der Gott des Geldes wird immer grösser und irgendwann verschlingt er alles.»

Dass im Fussball fast täglich Geldsummen über den Tisch gehen, welche Normalsterbliche nicht einmal beim Monopoly in der Hand halten, ist kein Geheimnis. Als Neymar aber im August 2017 für 222 Millionen Euro vom FC Barcelona nach Paris Saint-Germain wechselte, ergriff Streich das Wort und fasste die düstere Lage des Fussballs in einer beinahe lyrischen Gesellschaftskritik zusammen.

Es sind genau die Worte, die der Fussball braucht, um lebendig zu bleiben und genau die Streich-Momente, in denen jeder Wandtattoo-Designer den Block zücken und mitschreiben sollte. Denn viel weiser geht es nicht.

Die Tatsachen-Erkenntnis

«Wenn du dann festgehalten wirst, willst du nur eins – nicht mehr festgehalten werden.»

Dass Schiedsrichter Tobias Stieler und Streich in diesem Fussballleben keine Kumpels mehr werden, steht fest. Auch beim Spiel gegen Schalke geriet der Trainer mit dem Unparteiischen aneinander. Am 31. März zeigte Stieler dem Freiburger Petersen erst die Gelbe und wenig später die Gelb-Rote Karte. Der Stürmer allerdings behauptete, die erste Verwarnung nicht wahrgenommen zu haben. 

Diese Aussage vertrat auch Streich, welcher nach Petersens Platzverweis ausflippte. Als der tosende Streich daraufhin von einigen Teamkollegen festgehalten wurde, brannten bei ihm auch die letzten Synapsen durch. Den Rest des Spiels musste Streich von der Tribüne verfolgen. 

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Video: watson/nico franzoni

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    Alle Leser-Kommentare
  • Walser 07.05.2018 22:07
    Highlight Streich ist lustig, mutig und unkonventionell. Er gefällt mir meist. Beim Thema Ronaldo enttäuscht er aber. Trotz seiner genialen Fussballkünste ist Ronaldo ein 100% iger Showman. Kein Vorbild für Jungs. Da gibts zum Glück viele bessere. Die Aussage dass am Abend nur zählt wenn der Ball im Netz zappelt, ist ebenfalls eines Fussballlehrers unwürdig.
    5 39 Melden
    • satyros 07.05.2018 22:36
      Highlight Das ist jetzt auch ein bisschen verkürzt. Eigentlich sagt er ja, die Jungen sollen sich von Ronaldo den Ehrgeiz und den Fleiss abschauen, nicht die Show. Und wenn Du jede Woche triffst, darfst Du das auch zelebrieren, wenn Du nie triffst, solltest Du mehr an den Torschüssen als am Instagramprofil arbeiten. Und ja: Am Schluss muss das Runde ins Eckige. So verstehe ich Streich jedenfalls.
      30 0 Melden
  • Hans der Dampfer 07.05.2018 17:59
    Highlight Ich hoffe der HSV steigt ab. Die gurken jetzt schon so lange immer herum und schaffen es dann im letzten Spiel noch in die Barrage wo sie dann in 2 Spieen glücklich gewinnen das ist einfach zum Ko***en.
    Der Streich ist natürlich sympathisch. Schade ist einfach was sich auch an diesem Beispiel immer wieder zeigt. Da gibt es 2, 3 Artikel in der Zeitung und schon machen die Leute auf Fans. Ganz oben und unten sind die Modefans
    14 16 Melden
    • Amboss 07.05.2018 22:43
      Highlight Du hast also lieber Wolfsburg in der BL statt dem HSV?

      Das kann doch nicht dein Ernst sein...
      12 1 Melden
    • Avalanche89 08.05.2018 09:37
      Highlight Es sollen doch beide für eine Saison runter. Kiel soll auch mal Erstligaluft am Millerntor Schnuppern dürfen.
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    • Amboss 08.05.2018 11:10
      Highlight Was immer auch das Millerntor mit Kiel zu tun haben soll....

      Nein, es gehen eben nicht beide runter. Der Relegationsplatz ist gleichbedeutend mit dem Verbleib in der BL. Zu deutlich in den letzten jahren der Niveauunterschied
      1 0 Melden
    • Avalanche89 08.05.2018 14:31
      Highlight Kiel darf in der 1. Liga höchstwahrscheinlich nicht im eigenen Stadion spielen, da es zu klein ist und sie es nicht umbauen werden. Sie spielen in der 2. Liga schon mit einer Ausnahmegenehmigung. Der HSV hat bereits gesagt dass das Volksparkstadion nicht zur Verfügung steht. Bleibt also noch das Millerntor oder sie weichen einige 100 KM aus.

      Was den Niveauunterschied betrifft: Da hast du recht.
      2 0 Melden
    • Amboss 08.05.2018 15:08
      Highlight @Avalanche: Danke für die Info.
      Meein Gott, immer diese Stadien. Das ist echt tragisch, dass die Verbände so quasi steuern, wer in einer Liga spielen kann - oder es gibt dann diese absurden Situationen dass Vereine ein viel, viel zu grosses Stadion haben, zB Thun, Schaffhausen, Xamax.

      Kiel soll in Hamburg spielen, sorry, das ist absurd. Was kommen da? Vielleicht 10000 Zuschauer... Da spielen sie besser absichtlich schlecht in der Relegation und verbleiben in der 2. Liga.
      1 0 Melden
  • IDon'tHaveAName 07.05.2018 17:24
    Highlight Der wohl sympathischste Trainer der Welt! Den mag man!
    83 5 Melden

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