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Thomas Hitzlsperger klärte gestern Abend Clarence Seedorf auf. bild: fifa

Schlicht grandios! Hitzlsperger erklärt Seedorf die Sache mit dem Schwulsein

Die niederländische Fussball-Legende Clarence Seedorf fragt, warum sich der deutsche Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger unbedingt outen musste. Dieser erklärt daraufhin unmissverständlich, weshalb sein Bekenntnis zur Homosexualität so wichtig ist.

07.03.17, 19:47 08.03.17, 16:17

Ein Artikel von

Der frühere deutsche Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat im Rahmen einer Konferenz des Fussball-Weltverbandes FIFA zum Thema Gleichberechtigung mit einer bemerkenswerten Rede beeindruckt. Der ehemalige Nationalspieler wurde während der Podiumsdiskussion vom viermaligen Champions-League-Sieger Clarence Seedorf gefragt, warum er in der Öffentlichkeit über seine Homosexualität redet.

«Ich freue mich sehr, dich wiederzusehen. Ich habe mich immer gefragt, ob es nötig ist, dass du aufstehst und über deine sexuelle Orientierung redest», sagte Seedorf. Hitzlsperger antwortete besonnen, dass «das sehr wichtig» sei. «Fussballer haben eine Vorbild-Funktion. Es gibt sehr viele Menschen, die Probleme mit ihrer eigenen Sexualität haben. Wenn Vorbilder aufstehen und offen darüber reden, können sie etwas ändern», sagte der 34-Jährige.

Das beeindruckende Statement von Thomas Hitzlsperger (englisch). Video: streamable

Seedorf, der als Profi unter anderem bei Milan und Real Madrid unter Vertrag stand, hatte zuvor behauptet, dass heterosexuelle Profifussballer nicht über ihre Sexualität reden würden. Dem widersprach Hitzlsperger: «Immer, wenn ich über einen Fussballer lese, der seine Frau betrogen hat – sorry, aber das passiert – wird über seine Sexualität geredet. Selbst wenn ich ins Büro gehe und auf dem Schreibtisch eines Kollegen ein Foto der Partnerin sehe, sagt er mir, dass er heterosexuell ist.»

Hitzlsperger selbst wollte seine Sexualität nicht zu einem grossen Thema machen, vielmehr geschah das durch die Medien: «Ich war es nicht, der gesagt hat, dass es sich um grosse Nachrichten handelt. Ich habe nur darüber geredet – und die Medien haben grosse Nachrichten daraus gemacht.»

Seedorf bedankt sich

Anschliessend erklärte Hitzlsperger, warum es für ihn so wichtig sei, über seine Homosexualität zu reden. «Die Leute sagen natürlich, dass es kein Problem sein sollte. Ich wünschte, es wäre kein Problem. Aber es ist immer noch eines. Und solange das der Fall ist, müssen Leute aufstehen und sagen, dass sie schwul sind und andere damit ermutigen», sagte der ehemalige Bundesliga- und Premier-League-Profi.

Zum Schluss seiner fesselnden Rede sagte Hitzlsperger, dass viele Leute immer noch nicht verstanden hätten, wie schwer es sei, «als schwules Kind aufzuwachsen und nicht mit seinen Eltern darüber reden zu können.» Aus diesem Grund müsse man sich weiter über das Thema unterhalten. Das sah auch Seedorf so.

Am Ende begreift es auch Clarence Seedorf. bild: fifa

«Es war das erste Mal, dass jemand mir die Sache auf diese Weise erklärt hat. Sonst reden alle immer nur darüber, dass sie die gleichen Rechte haben wollen. Ich würde mir wünschen, dass mehr Leute so eine Einstellung hätten», sagte der Niederländer. (mru/pre)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Waedliman 09.03.2017 18:19
    Highlight Hitzlsperger hat es leicht. Er ist ein kluger Mensch und nicht mehr aktiv im Fussball tätig. Natürlich ist eine Welt ohne Vorurteile eine schöne Vorstellung, aber gerade Sportarten, die von Männlichkeitswahn geprägt sind, bieten dazu eine wirklich schwierige Plattform. Diejenigen, die den Sport lieben und ihn nicht für ihre Aggressionen missbrauchen, sollten Hooligans zeigen, wie es geht und wie nicht, indem auch sie Flagge zeigen, sobald es zu unflätigen Ausbrüchen kommt, gleich aus welchem Grund oder gegen wen. Momentan scheint das (noch) eine Utopie zu sein.
    1 1 Melden
  • chilli37 08.03.2017 08:36
    Highlight
    4 0 Melden
    • Calvin WatsOff 08.03.2017 21:09
      Highlight Superbe 👍🏻❤️
      1 0 Melden
  • Tom Garret 08.03.2017 01:59
    Highlight Es wäre vor allem wichtig es würde sich mal ein aktiver outen. warum immer erst nach der Karriere? Kann es mittlerweile nicht mehr nachvollziehen dass das nicht passiert. Es gibt weiss Gott viele bekannte Leute die sich geoutet haben, ich bin mir sicher das Feedback wird grössten Teils positiv sein...
    22 9 Melden
    • Mia_san_mia 08.03.2017 04:01
      Highlight Schon gut so, ist echt nicht nötig sich während der Karriere zu outen.
      5 54 Melden
    • bimchen 08.03.2017 09:20
      Highlight Nunja tom, sein wir doch mal ehrlich: fussball ist ein maennersport mit derart grosser kulturellen tragweite- da haben es schwule immernoch sehr schwer akzeptiert zu werden, erst recht wenn du berufssportler bist, quasi ein no go. Dann kommen noch die klischees in der umkleidekabine hinzu mit "der seife am boden" und du baust dein eigentor;)!
      Es geht ja nicht darum oeffentlich zu sagen ich bin schwul, .., und jetzt? Sondern einfach um akzeptanz als mensch-und dann sollte das thema gegessen sein: hey ich bin wir ihr, nur steh ich auf männer-na und!
      3 1 Melden
    • Danyboy 08.03.2017 09:40
      Highlight Bimchen: "und du baust dein Eigentor"😄 Herrlich. Ich glaube auch, dass ich mir als aktiver Fussballer dreimal überlegt hätte, ob ich da den Winkelried mit meinem Outing spielen will. Da wär man ständig in den Medien.
      4 1 Melden
    • Tom Garret 08.03.2017 12:21
      Highlight @Binchen ich bin überzeugt es würde eine grosse Sympathiewelle geben. Klar die Medien würden sich darum reissen, aber sie würden nicht negativ sondern positiv berichten. Und ich denke es wäre dann auch anderen möglich sich zu outen und dann ists plötzlich nicht mehr so speziell. Schau dir mal das schweizer tv an, da hat es so viele schwule Moderatoren, da stört sich ja niemand mehr... Jemand muss halt mal der Anfnang machen...
      1 2 Melden
    • Danyboy 08.03.2017 13:22
      Highlight Ja Tom, es würde bestimmt eine Welle positiver Reaktionen geben. Gleichzeitig aber auch einen Schwall von Hass und Provokationen. Und das muss man aushalten können. Und sich dann gleichzeitig weiter auf den Fussball konzentrieren. Ich werde denjenigen, der diese Rolle einmal als Aktiver übernehmen wird, sehr bewundern.
      4 1 Melden
    • bimchen 08.03.2017 17:39
      Highlight @danyboy da gebe ich dir recht;) zudem wenn mann selber nicht in der haut steckt ist es ein leichtes so leicht darüber zu reden;).
      Hey, krieg ich auch ein like, anyone;)?
      5 1 Melden
    • lilie 09.03.2017 10:52
      Highlight Ich habe schon gehört, dass die aktiven schwulen Fussballer weniger die Reaktionen der Öffentlichkeit fürchten, sondern vor allem diejenigen anderer Fussballer. In der Umkleide ist man irgendwelchen Hassattacken vermutlich ziemlich ausgeliefert...
      0 1 Melden
  • DinoW 08.03.2017 00:17
    Highlight Bravo Hitzlsperger!

    Aber auch bravo Seedorf. Die Haltung "Ich verstehe deinen Standpunkt nicht (verständlich, wenn er selber nicht schwul ist), bitte erkläre mir mal deine Sicht" und dann wirklich zuhören und die Sicht des Gegenübers zu akzeptieren, das ist meiner Meinung nach vorbildliche Diskussionskultur.

    Gerade bei solchen Themen entsteht oft so viel Streit aus dem Fehlen von solchen Aktionen, weil A glaubt, er wisse, wie sich B fühlt; und B denkt, sein Standpunkt sei doch selbstverständlich und sich zu schade ist, es A zu erklären. Schönes Gegenbeispiel.
    135 2 Melden
    • dr9 08.03.2017 09:48
      Highlight Ich habe genau das Gleiche gedacht.

      Die Unterhaltung und Erklärungen der beiden war sehr respektvoll und zeigt von beiden viel Grösse. Die Frage in einem öffentlichen Raum fand ich mutig. Die Antwort von Hitzlsperger ist richtig gut, sachlich und doch mit viel Überzeugung. Auch der anschliessende Dank von Seedorf zweigt mir, dass die Frage ernst gemeint und keinen Angriff war.
      Ganz grosses Kino.
      8 1 Melden
  • Jason84 07.03.2017 21:40
    Highlight Super! Ich bin stolz auf Thomas Hitzelsperger.
    81 5 Melden
  • Calvin WatsOff 07.03.2017 20:40
    Highlight Chapeau Herr Thomas Hitzlsperger, ich zieh meinen Hut vor Ihnen. 🎩👍🏻👍🏻
    135 5 Melden

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