Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Nach schwerer Krankheit: YB-Besitzer Andy Rihs ist tot

Bild: keystone

19.04.18, 08:55 19.04.18, 11:48


Unternehmer, Radsport-Fan und YB-Patron: Andy Rihs hatte viele Gesichter. Jetzt ist er tot. «Andy Rihs ist nach geduldig und tapfer ertragener Krankheit im Alter von 75 Jahren am Mittwochabend, 18. April 2018, in der Klinik Susenberg in Zürich im Beisein seiner Familie verstorben», schreibt YB in einer Mitteilung. 

Rihs litt am Myelodysplastischen Syndrom, kurz MDS. MDS ist eine Vorstufe von Leukämie.

Andy Rihs hat jahrzehntelang für Schlagzeilen gesorgt – als Milliardär ohne Berührungsängste, als innovativer Unternehmer und als Sportverrückter, der alles mit Leidenschaft tat und sich von Rückschlägen nicht beirren liess.

Rihs wurde am 2. November 1942 in Stuttgart geboren. Nach der Schule liess er sich zum Kaufmann ausbilden, dann verbrachte er zwei unbeschwerte Jahre in Paris.

Sein wirtschaftlicher Aufstieg begann 1966. Zusammen mit einem befreundeten Techniker übernahm Rihs die konkursite Hörgeräte-Firma seines Vaters. Etwas später stiess Bruder Hansueli dazu. Die drei verwandelten Phonak in den nächsten Jahrzehnten zu einem der grössten Hörgerätefirmen der Welt.

Andy Rihs führte das Unternehmen lange Zeit als oberster Firmenchef und zugleich als Verwaltungsratspräsident. Seit 2007 befinden sich Phonak und andere Kernmarken unter dem Dach der Sonova Holding AG, die mehr als zwei Milliarden Franken Umsatz pro Jahr macht.

Rihs verdiente ein Vermögen mit den Hörgeräten, die «Bilanz» nahm ihn in die Liste der 100 reichsten Schweizer auf. Die Sonova galt unter seiner Führung als Vorzeige-Unternehmen, doch es gab auch Rückschläge. 2011 wurde Sonova von einem Skandal um unsaubere Börsengeschäfte erschüttert. Strafrechtlich blieb dieser folgenlos.

Mit jedem per Du

Andy Rihs war der Self-Made-Man zum Anfassen, so sahen ihn jedenfalls viele Porträt-Schreiber. Für den «Tages-Anzeiger» war er «der Milliardär, der mit jedem sofort per Du ist».

Das lag auch an Rihs' volksnahen Hobbys. Als Radsportfan erklomm er selber die spektakulären Pässe der Tour de France, zudem finanzierte er 2000 bis 2006 das Radsportteam Phonak. Nach einem Doping-Skandal entschloss sich der menschlich schwer enttäuschte Rihs zum Ausstieg.

Später fand er mit dem BMC Racing Team zum Profi-Radsport zurück. Und 2016 holte er zusammen mit dem Berner Stadtpräsidenten Alexander Tschäppät die Tour de France nach Bern. Auch als Besitzer der Fahrradmarke BMC machte er sich einen Namen.

Das Schweizer Fussballgeschäft mischten Rihs und sein Bruder ebenfalls auf, als sie um die Jahrhundertwende Besitzer des neuen Stade de Suisse und des Fussballklubs BSC Young Boys wurden. Als Fans fieberten sie im Wankdorf mit, wie YB Jahr für Jahr einen Titel zu ergattern versuchte.

Andy Rihs blieb dem Verein auch in schwierigen Zeiten treu. Zwar verhehlte er nicht, dass er offen wäre für einen Verkauf von Stadion und Klub – aber nicht an irgendjemanden, sondern am liebsten an solide Berner Unternehmer, die YB mit dem Herzen verbunden seien.

Gelbschwarze Ringelsocken

Fündig wurde Rihs nicht, so blieb er Besitzer und lebte seine Begeisterung für YB mitunter auch in gelbschwarzen Ringelsocken aus.

ZUM START DER FUSSBALL RUECKRUNDE IN DER SUPER UND CHALLENGE LEAGUE AM SAMSTAG, 4. FEBRUAR 2017, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Die YB-Socken von Andy Rihs, Investor der Sport und Event Holding AG, waehrend einer Medienkonferenz von BSC Young Boys am Montag, 19. September 2016, in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Socken als Statement: Rihs bei einer YB-Pressekonferenz im Jahr 2016. Bild: KEYSTONE

Andere «Hobbys» pflegte der Vater zweier erwachsener Söhne von seinen Wohnsitzen in der Schweiz und in der Provence aus ebenso hingebungsvoll, so kümmerte er sich um sein Weingut in Neuseeland und eine Rinderfirma in den USA. (sda)

Die Reaktionen

Statement YB

«Andy Rihs war nicht nur Teilhaber und Aktionär des BSC Young Boys und des Stade de Suisse Wankdorf, sondern auch ein Freund, der grosse Freude am Leben hatte und diese Freude gerne teilte. Mit ihm ist ein beispielhafter Visionär, ein begeisterter Fussballfan, passionierter Radfahrer und grosser Sportförderer von uns gegangen. Der BSC Young Boys ist Andy Rihs zu grösstem Dank verpflichtet. Als Teilhaber und Verwaltungsrat hat er gemeinsam mit seinem Bruder Hans-Ueli Rihs den BSC YB stets mit Rat und Tat unterstützt und ihm auch in schwierigen Momenten die Treue gehalten. Nicht zuletzt dank dem grossen Engagement von Andy und seinem Bruder konnte sich YB sportlich und wirtschaftlich derart gut entwickeln; dass die Mannschaft die Menschen begeistert, ist auch Andys Verdienst.»

Die Berner Regierungsrätin Barbara Egger (SP) ist ebenfalls bestürzt.

«Radel in Peace, Andy!»

Zum Runden Leder

«Danke für die Leidenschaft. Möge Herr Rihs im Himmel auf einem gelb-schwarzen Velo über die Wolken gleiten.»

Fan-Beitrag im YB-Forum

(amü/sda/cma)

Eine Liebeserklärung an den BSC Young Boys

Video: Angelina Graf

Das könnte dich auch interessieren:

«Die Avocado ist keineswegs böse» – Experte räumt mit Mythen um die Teufelsfrucht auf

Simuliertes Wohnen – die Influencer-Welt ist um eine bizarre Geschäftsidee reicher

Schweizer Gerichte, die die Welt nicht versteht

So verteidigt der Vater der Selbstbestimmungs-Initiative sein «Kind»

Der Küsche, der in den Tee pisste – und andere Militärerlebnisse der watson-User

Das musst du über die von Russland finanzierten Propaganda-Kanäle Redfish und Co. wissen

Mit dem Laser gegen Jugendsünden: Tattoo-Entfernung boomt – es gibt nur ein Problem

Willkommen im Dschungel der Weltpolitik

Mann beleidigt schwarze Frau im Ryanair-Flieger rassistisch – Airline sinkt in PR-Krise

Diese Frauen haben etwas zu sagen – und der SVP wird dies nicht gefallen

Wieso, verdammt, find ich mich ein Leben lang hässlich?

«Dünne Menschen sind Arschlöcher»

Norilsk no fun? «Im Gegenteil», sagt Fotografin Elena Chernyshova

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Daily Newsletter

12
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pamo91 19.04.2018 16:11
    Highlight Ich war immer schon ein großer Radsport Fan und was er für den Schweizer Radsport getan hat und auch in den letzten Jahren für YB werde ich als Radsport und YB Fän nie vergessen. Wir werden während der Meisterfeier an dich denken.
    3 0 Melden
  • Freilos 19.04.2018 12:13
    Highlight Hat das Auswirkungen auf YB oder sein Veloteam?
    5 14 Melden
  • Triumvir 19.04.2018 11:21
    Highlight Das ist wirklich tragisch. Denn ohne ihn wäre YB nicht da, wo es jetzt steht. Ich hoffe, dass die YB-Fans seine Leistungen angemessen würdigen...
    32 2 Melden
  • Gzuz187ers 19.04.2018 10:00
    Highlight Ich bin mir sicher dass er den YB Titel miterleben wird, nicht im Stadion, aber er wird ganz sicher seinen Logenplatz im Himmel haben und von dort den Titel erleben🙏
    78 18 Melden
  • Der Rückbauer 19.04.2018 09:44
    Highlight Der Geschäftsmann Andy Rihs hat viel unternommen, hat viel bewegt und war meistens erfolgreich, aber eben auch eine schillernde Persönlichkeit...... mit den Zügen eines Hasardeurs. Mit den Phonak-Aktien haben viele Geld "verdient" (er vor allem), aber auch viele haben viel Geld verloren. Ich glaube, ein Pionier wie er war muss eben so sein.
    23 4 Melden
  • andre63 19.04.2018 09:43
    Highlight r.i.p. andy 😓
    danke was du alles für bmc und das velodrome geleistet hast..
    50 2 Melden
  • Leckerbissen 19.04.2018 09:09
    Highlight Das ist richtig bitter.
    Jahrelanges Millionen Engagement und im Mai wartet einer der grösseren Berner Sportmomente und kurz davor stirbt er. Solche Geschichten schreibt nur das Leben.
    219 4 Melden
    • Aladdin 19.04.2018 12:00
      Highlight Nein, diese Geschichte schrieb nicht das Leben, diese Geschichte schrieb der Tod. ☹️
      7 16 Melden
  • Jonas Schärer 19.04.2018 09:08
    Highlight R.I.P.! Danke für Alles! HOPP YB
    64 6 Melden
  • Caligula 19.04.2018 09:04
    Highlight Das Leben ist doch einfach unfair. Jetzt hat keine Chance mehr einen YB Titel mitzuerleben

    Ruhe in Frieden
    238 5 Melden
  • Birdie 19.04.2018 09:01
    Highlight Schade kann er den wohlverdienten Titel nach all den Jahren nicht mehr miterleben. Man hätte es ihm so gegönnt. RIP
    354 6 Melden
    • Devante 19.04.2018 10:02
      Highlight wie auch den möglichen Aufstieg von Rappi im Eishockey
      25 11 Melden

2843 Tage ist Radprofi Oliver Zaugg sieglos – dann macht sich der ewige Helfer unsterblich

15. Oktober 2011: Oliver Zaugg gewinnt vorher und nachher kein einziges Profirennen. Doch mit dem Sieg an der Lombardei-Rundfahrt katapultiert er sich zumindest für einen Augenblick in die Reihe der grossen Schweizer Velorennfahrer.

2844 Tage, rechnet die NZZ vor, ist Oliver Zaugg schon Radprofi, als er erstmals ein Rennen gewinnt. 30-jährig ist er da schon und wie er selber zugibt, hat er manchmal selber nicht mehr daran geglaubt, tatsächlich einmal siegen zu können.

Aber an einem sonnigen Samstag im Herbst 2011 ist dieser Tag gekommen. Zaugg spürt, dass er in guter Form ist – wie so oft, wenn sich die Rennsaison ihrem Ende entgegen neigt. Die Spanien-Rundfahrt muss er zwar wegen einer Magenverstimmung …

Artikel lesen