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GC war der achte Profiklub von Philippe Senderos, nach einem halben Jahr verliess er Zürich für die Nummer 9, die Glasgow Rangers. Bild: freshfocus

Schwarz auf weiss: Noch nie war das Fussballgeschäft so schnelllebig

Im Schnitt bleibt ein Fussballprofi gerade mal etwas länger als zwei Saisons bei einem Klub. Diese haben immer weniger selber ausgebildete Spieler im Kader, dafür immer mehr Ausländer.

08.11.16, 10:38 08.11.16, 16:53

Das Gefühl besteht schon länger und nun wird es wissenschaftlich belegt: Fussballspieler wechseln immer häufiger und immer rascher den Klub. Zu diesem Schluss gelangt das in Neuenburg ansässige International Centre for Sports Studies (CIES). Es hat 31 europäische Ligen unter die Lupe genommen und dabei folgendes festgestellt:

Transfers

Wie sehr verändert sich das Kader einer Fussball-Mannschaft? 2009 verpflichtete ein Klub der 31 untersuchten Ligen durchschnittlich 9,1 Spieler neu. Über die Jahre kletterte dieser Wert in die Höhe. Aktuell beträgt er 10,7.

Mit 10,2 ist die Schweizer Super League nahe an diesem Mittelwert. An der Spitze liegen mit mehr als 14 neuen Spielern pro Saison die Ligen Portugals, Bulgariens und Zyperns. Am anderen Ende der Skala findet man die österreichische Bundesliga, wo im Sommer 2016 im Schnitt nur 7,0 neue Spieler engagiert wurden.

Anzahl neuer Spieler 2016 in ausgewählten Ligen. cies/watson

Klubtreue

Die Dauer, während der ein Profi bei einem Klub beschäftigt ist, nimmt ab. Noch nie war sie gemäss CIES so kurz wie 2016: Ein Spieler bleibt im Schnitt noch 2,2 Jahre, bis er weiterzieht.

Akteure kommen und gehen, dazu rücken junge Spieler aus dem eigenen Nachwuchs nach. All dies führt dazu, dass die Kader sich von Jahr zu Jahr massiv ändern. Der Durchschnittswert ist beeindruckend: Er stieg von 41,2 Prozent neuen Spielern im Jahr 2009 auf mittlerweile 48,1 Prozent. Im Klartext: Jede Saison ist die halbe Mannschaft neu. Die oft beschworene Kontinuität bleibt auf der Strecke.

Im Schnitt: Manchester United ist Zlatan Ibrahimovics achter Klub in 16 Jahren. Bild: PETER POWELL/EPA/KEYSTONE

Jugendarbeit

Schweizer Klubs haben weniger Geld zur Verfügung als die Klubs der umliegenden Grossligen. Deshalb müssen sie selber Spieler «produzieren». Zahlreich sind die Ankündigungen von Präsidenten und Sportchefs, künftig vermehrt auf die eigene Jugend zu setzen.

Die Realität sieht so aus: Die Schweiz ist nur leicht überdurchschnittlich, wenn es um den Einbau von Eigengewächsen in die Kader der 1. Mannschaft geht. 21,5 Prozent der Super-League-Teams bestehen aus Spielern, die selber ausgebildet wurden. Der Schnitt der 31 Ligen beträgt 19,2 Prozent und er ist damit so tief wie nie. Während in der Slowakei 31,5 Prozent einer Mannschaft schon in der Jugend beim selben Klub war, beträgt diese Wert in der Türkei bloss 6,9 Prozent.

Eigengewächse und Stammspieler: Die beiden jungen St.Galler Verteidiger Roy Gelmi (links) und Silvan Hefti. Bild: freshfocus

Söldner

Der Trend geht also dahin, dass immer weniger Eigengewächse einen Platz in der 1. Mannschaft finden. Das ist auch so, weil die Klubs immer stärker auf ausländische Akteure setzen. Deren Anteil am Kader kletterte 2016 auf 38,7 Prozent hoch. Er ist damit erstmals doppelt so hoch wie jener der selber ausgebildeten Spieler.

cies/watson

Die Schweiz befindet sich mit 40,5 Prozent ausländischen Spielern in den Kadern der Super-League-Teams im Durchschnitt. Nur in neun Ligen ist die Anzahl Söldner noch höher. Die Rekordwerte liefern Zypern (65,4 Prozent), die Türkei (62,0) und England (61,8). Am wenigsten ausländische Spieler finden wir in Osteuropa: In Serbien (16,1) und der Ukraine (16,2).

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • dillinger 08.11.2016 20:47
    Highlight Auch "normale" Arbeitnehmer wechseln doch häufiger den Arbeitgeber als früher. Wenn man dann die ca. 15 Jahre die ein Fussballer seinen Beruf ausübt nimmt und auf die ca. 40 Jahre eines normalen Arbeitgebers hochrechnet ergibt es ca. alle 6 Jahre einen neuen Arbeitgeber. Das dünkt mich in der normalen Arbeitswelt noch so realistisch.

    Eigentlich eine unnötige Rechnung, da sich das Fussball Geschäft nur sehr schwer mit anderen herkömmlichen Berufen vergleichen lässt.
    10 1 Melden

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