Sport

Fussball im idyllischen nordirischen Wohnviertel: Der FC Glenavon trifft auf Coleraine. Bild: Markus Brütsch/AZ

Wenn der Fan-Andrang den Anpfiff verzögert – zu Besuch in der nordirischen Liga

06.11.17, 17:23

markus brütsch / Aargauer Zeitung

Noch einmal zieht Gary Hamilton kräftig an seiner E-Zigarette. Dann beginnt er mit dem Warmlaufen. 20 Minuten bleiben noch zu spielen und sein Team braucht ein Tor, um wenigstens einen Punkt zu retten.

Hamilton war einst ein gefürchteter Torjäger und erzielte für den FC Portadown vor 13 Jahren einmal sechs Tore in einem Spiel. 2011 ist Hamilton dann Spielertrainer beim FC Glenavon geworden und mit seinen 37 Jahren noch immer für Teileinsätze bereit. Was ihn aber nicht davon abhält, auch vor dem Spiel beim «Fünf gegen zwei» zwischendurch die E-Zigarette aus der Hosentasche seines Trainingsanzugs zu fischen und zu paffen.

Auch die jungen Fans kommen zum Spitzenspiel. Bild: Markus Brütsch/AZ

«Ham» ist eine Kapazität in Lurgan. Einer Stadt mit 23'000 Einwohnern, eine halbe Autostunde von Belfast entfernt und Heimat des FC Glenavon. Von hier aus ist Hamilton einst als 17-Jähriger zu den Blackburn Rovers aufgebrochen, schaffte den Durchbruch in England aber nicht und kehrte nach Nordirland zurück, wo seine Spielerkarriere nun definitiv in jene des Trainers übergeht.

Anpfiff mit Verzögerung

Gegen Coleraine kann er an diesem saukalten Nachmittag dann aber doch auf einen Einsatz verzichten. Sammy Clingan trifft für Glenavon zwölf Minuten vor Schluss mit einem Foulpenalty zum 2:2 und verwandelt den kleinen Mourneview Park in einen Hexenkessel. «Heute hat jeder von uns die Bestnote verdient», sagt ein stolzer Hamilton nach dem Spiel. Dieses ist wegen des grossen Zuschauerandrangs mit einer Viertelstunde Verspätung angepfiffen worden.

Nur selten ist die Haupttribüne im Mourneview Park so gut besetzt wie beim Gastspiel des Tabellenführers FC Coleraine am Samstag. Bild: Markus Brütsch/AZ

Wie in der Super League mit Basel gegen YB spielt an diesem Wochenende auch in Nordirlands Danske Bank Premiership der Erste gegen den Zweiten. Mit dem FC Coleraine aus dem Norden reist der ungeschlagene Tabellenführer an, um seinen Achtpunktevorsprung auf Glenavon auszubauen.

Zwei Stunden vor dem Anpfiff deutet nichts auf ein solches Ereignis hin. Das Kleinstadion mit einem liebevoll gepflegten Rasenteppich, drei gedeckten Tribünen und einer Kapazität von 5000 Plätzen, aber ohne Anzeigetafel liegt mitten in einem Wohnquartier und wirkt in diesem Moment gottverlassen.

Dann endlich rollt der Bus des FC Coleraine an. Die lokalen Spieler kommen in ihren Privatautos. Die Fans wissen, wie rar Parkplätze sind, und jene, die ihr Auto beim Stadion haben wollen, sind nun auch da, bleiben aber noch eine Weile in ihrem warmen Gefährt hocken.

Allmählich belebt sich das Ganze. Im winzigen Fanshop stehen sich die Supporter auf die Füsse und im Stadionpub fliesst das Bier nun in Strömen. Auffallend viele Anhänger des FC Glenavon tragen eine blaue Daunenjacke mit Klublogo. Ihr Verein, der den letzten seiner drei Meistertitel vor 57 Jahren gefeiert hat, spielt bisher eine überraschend gute Saison.

Treue Fans beobachten auf der Tribüne ihren FC Glenavon. Bild: Markus Brütsch/AZ

Als das Spiel beginnt, ist die Haupttribüne bis auf den letzten Platz besetzt und auf der Gegenseite haben sich 500 Fans des FC Coleraine eingefunden. Normalerweise erscheinen hier nur gut 1000 Zuschauer zu den Spielen, jetzt sind es mehr als doppelt so viele. Sie kommen in den Genuss einer mitreissenden Partie. Geboten von Amateuren, die allesamt einem normalen Job nachgehen, für die der Fussball ein Hobby und ein Zusatzverdienst ist.

So steht denn auch kein einziger Akteur auf dem Platz, der in Trainer Michael O’Neills Nordirland-Aufgebot gegen die Schweiz figuriert. In diesem befindet sich mit dem 40-jährigen Goalie Roy Carroll von Meister und Rekordchampion FC Linfield lediglich einer, der in Nordirlands Liga engagiert ist.

Diese wird von zwölf Mannschaften bestritten, die zuerst eine Dreifachrunde austragen. Danach spielen die ersten sechs mit vollem Punktekonto um den Titel, die letzten sechs gegen den Abstieg. Es ist ein Format, das zuletzt im Rahmen der Modusdiskussionen auch in der Swiss Football League überprüft, aber abgelehnt worden ist.

Nicht nur hoch und weit

Das Spielniveau in Lurgan ist auch technisch ganz ansprechend. Es gibt nicht nur Kick and Rush. Bloss die Torhüter scheinen nicht zu wissen, dass sie den Ball auch auswerfen dürfen. Sie hauen die Kugel immer möglichst weit weg.

Früh gehen die Gäste aus Coleraine in Führung, und weil Glenavon nach einem Platzverweis wegen einer Notbremse schon nach einer Viertelstunde in Unterzahl spielt, scheint das Heimteam früh auf der Verliererstrasse zu sein. Doch die Platzherren halten dagegen, wollen etwas zeigen, wenn schon mal so viele Leute da sind. Sie gleichen aus, geraten kurz nach der Pause jedoch erneut in Rückstand.

Platzverweis: Die Spieler des FC Glenavon (r.) wollen es nicht wahrhaben. Bild: Markus Brütsch/AZ

Hamiltons Mannschaft wirft alles nach vorne, und weil der Goalie der Gäste einen seiner Stürmer über den Haufen rennt, kann Glenavon ausgleichen. Die Spieler beider Teams rennen sich die Lunge aus dem Leib, doch es bleibt beim 2:2, und am Ende eines Nachmittags, als der Mourneview Park längst im Dunkeln liegt, sagt Hamilton: «Es ist ungewöhnlich, was meine Boys heute geleistet haben.»

Grosse Fussballer, die nie an einer WM waren

Fussball-Quiz

Wer war alles dabei? Bei diesen legendären WM-Aufstellungen kannst du dich beweisen 

Du wirst dich fühlen wie ein Clown – Teil 2 des Trikot-Quiz wird schwierig

Dieses knifflige Rätsel löste mein Chef in 4:14 Minuten – bitte, bitte, sei schneller!

Dieses logische Rätsel hat noch niemand unter 10 Minuten geschafft. Bist du der erste?

Erkennst du den Fussball-Klub, wenn du nur einen Teil des Logos siehst?

Wenn du diese Trikot-Klassiker nicht kennst, musst du oben ohne spielen

Fussball-Stadien, wie sie früher ausgesehen haben. Na, erkennst du sie auch alle?

Italienischer Fussballer oder Pastasorte? Hier kannst du deine Bissfestigkeit beweisen 

Huch, da fehlt doch was! Kennst du das Logo deines Lieblingsklubs ganz genau? Wir sind skeptisch ...

Es sind nicht alle Zitate von Zlatan: Aber zu wem gehören die herrlich arroganten Fussballer-Sprüche dann?

Volume II: Erkennst du den Fussball-Klub, wenn du nur einen Teil seines Logos siehst?

In der Disco, im Kino oder beim Fluchen – finde heraus, welcher Fussball-Star du am ehesten bist

Erkennst du den Fussball-Klub, wenn du nur einen Ausschnitt seines Logos siehst?

Vom Selfie bis zum Kokser-Fake – erkennst du die Fussball-Stars anhand ihres Jubels?

Achtung knifflig! Natürlich weisst du, wo Diego Benaglio, Mats Hummels oder Gerard Piqué spielen. Aber weisst du auch, bei welchem Verein sie vorher waren?

0, 1+8, 23, 52, 618 – weisst du, wieso Fussballer teilweise so schräge Rückennummern tragen?

Volume III: Erkennst du den Fussballklub, wenn du nur einen Teil seines Logos siehst?

Dass dieser Bub Wayne Rooney ist, hast du bestimmt erkannt. Aber wie sieht es mit anderen Fussballstars aus?

Achtung, noch kniffliger! Für welchen Klub haben diese 23 Fussballer denn früher gespielt?

Wenn du von einem Fussballer nur den Lebenslauf siehst: Weisst du, wen wir suchen?

11 Fragen bis zum Henkelpott: Hast du die Königsklasse, um dir den Champions-League-Titel zu holen? Aber Achtung, es ist wirklich knifflig

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Alle sagen, moderner Fussball sei super. Ich sage: Im modernen Fussball haben sich Saumoden eingenistet, die mich laufend kotzen lassen

Gestern. Chelsea vs. PSG. Ibrahimovic foult Oscar. Rote Karte. Rudelbildung. Rudelbildung! Gefühlte 45 Minuten Rudelbildung! 

Von den Junioren bis zum Erreichen des Champions-League-Niveaus spielen Profis ungefähr eine Zillion Spiele und erleben dabei eine Zillion strittige Szenen. Und in wie vielen Fällen hat der Schiedsrichter seine Meinung geändert? Nie.

Nie.

Fucking NIE!

Meiner zweijährigen Tochter brauche ich die Dinge zwischen zwei- bis fünfmal zu sagen, bis sie es begreift. Ein Hund …

Artikel lesen