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15.06.2014; Brasilia; Fussball - WM Brasilien 2014 - Schweiz - Ecuador; (l-r) Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri, Valon Behrami (Li Ming/Zuma Press/freshfocus)

Kann sich die Schweizer Nati in Zukunft tatsächlich nach oben orientieren?
Bild: Li Ming/freshfocus

Die Nati hat die EM-Qualifikation vor Augen, trotzdem die Frage: Ist die goldene Generation von ihrem Weg abgekommen?

Die Rechnung ist einfach: Vier Punkte aus den Spielen gegen San Marino und Estland, dann reist die Schweiz an die EM nach Frankreich. Wobei vier Punkte kein Anlass zur Freude wären, sondern eher zur Sorge. Nur zwei überzeugende Siege sind gut genug.

09.10.15, 15:54

etienne Wuillemin / Aargauer Zeitung



In der Woche der Vorbereitung auf die zwei letzen WM-Qualifikationsspiele war ein Scheitern rund um die Schweizer Nationalmannschaft kaum je ernsthaft ein Thema. Das ist gut so. Weil ein Scheitern in dieser Qualifikationsgruppe nicht akzeptabel ist. Geschähe es trotzdem, würde das den Schweizer Fussball in seinen Grundfesten erschüttern. Der Weg mit Trainer Vladimir Petkovic wäre abrupt zu Ende.

Genügend Selbstvertrauen, nein, daran mangelt es diesem aktuellen Schweizer Team bestimmt nicht. Das ist gut. Denn der Glaube an sich selbst ist die Voraussetzung dafür, näher an die Weltspitze zu kommen. Nur sollte das Selbstvertrauen etwas anderes nicht ausschliessen: Selbstkritik. Genau daran aber mangelt es dieser Auswahl zuweilen. Niederlagen gegen England und Slowenien? Alles halb so schlimm, der Auftritt war ja gut! Spektakuläre Wenden gegen Litauen (0:1 zum 2:1) und Slowenien (0:2 zum 3:2) mit teilweise fürchterlichen Phasen drin? Kein Problem, am Ende zählt der Sieg!

05.09.2015; Basel; Fussball EM Quali - Schweiz - Slowenien;
Jubel Schweiz Ricardo Rodriguez (SUI), Xherdan Shaqiri (SUI), Valentin Stocker (SUI), verdeckt und Valon Behrami (SUI)
(Urs Lindt/freshfocus)

Wie gegen Slowenien: Das wichtigste sind die drei Punkte.
Bild: Urs Lindt/freshfocus

Das kann man natürlich so sehen. Aber es besteht die Gefahr, dass man die Augen vor der Realität verschliesst. Als Beispiel könnte manch einem Nationalspieler Kevin Kampl dienen. Als die Slowenen im letzten Herbst in Maribor die Schweiz 1:0 besiegten, sagt er danach: «Das war richtig schlecht von uns. Wir spielen ja gar keinen Fussball.»

Es ist offensichtlich, die Schweiz befindet sich gerade in einer ziemlich wegweisenden Phase. Es geht derzeit um mehr als nur um die Ergebnisse gegen San Marino oder Estland. Es geht darum, zu beweisen, dass die sanfte spielerische Evolution gelingt. Und es geht darum, zu beweisen, dass der eigens formulierte Anspruch, den Abstand zu den führenden Nationen Europas zu verringern, erfüllt werden kann. Das Problem ist: Antworten auf diese Fragen kann es erst bei der EM geben. In dieser Qualifikationsgruppe gibt es ausser England keine echten Gradmesser für die Schweiz.

Die Frage nach dem Fortschritt

Gerade in diesen Spielen gegen England war die Schweiz erstaunlich chancenlos. Vielleicht waren die Erwartungen übertrieben hoch. Denn die Schweiz hat zwar Brasilien und Deutschland in Testspielen geschlagen und mit allem Glück der Welt an der WM 2010 Spanien 1:0 besiegt (um dann in der Vorrunde doch kläglich zu scheitern …).

Aber die Schweiz hat in einem Qualifikationsspiel für die EM oder WM seit 1993 (1:0 gegen Italien) nie mehr einen Gegner von vergleichbarem Renommee besiegt. Trotzdem haben die Spiele gegen England eine gewisse Ernüchterung ausgelöst. Weil das Gefühl entstand, es sei eine gar mutlose Schweiz am Werk. Eine Schweiz eben, die auf dem Platz nicht hält, was sie verbal immer wieder ankündigt.

Head coach Vladimir Petkovic of Switzerland is pictured during a training session prior to the UEFA EURO 2016 qualifying soccer match Switzerland against San Marino, on Thursday, October 8, 2015, at the AFG stadium in St. Gallen, Switzerland. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Keine Frage: Trainer Vladimir Petkovic hat die Nati weiter gebracht.
Bild: KEYSTONE

Dieses Team ist also quasi unterwegs auf Bewährung. Und man fragt sich, ob die goldene Generation etwas von ihrem Weg abgekommen ist. Ob der Fortschritt eben doch stärker ins Stocken geraten ist, als man dies für möglich gehalten hätte. Auf der Suche nach Antworten lassen sich durchaus positive Ansätze finden. Wenn Trainer Petkovic die Ästhetik im Schweizer Spiel erwähnt, die sich jüngst gebessert hat, dann tut er das mit Recht.

Es hat Zeiten gegeben, da waren Spiele gegen Mannschaften, die sich dem Fussball verweigerten und sich nur vor dem eigenen Tor verbarrikadierten, eine Qual. Das ist mittlerweile kaum mehr je der Fall. Und es hat bestimmt Zeiten gegeben, da hätte eine Schweizer Auswahl Spiele wie gegen Litauen oder Slowenien, in denen sie 0:1 oder gar 0:2 zurücklag, nicht mehr gewonnen. Gleichwohl gibt es einige Alarmzeichen, die Petkovic besser nicht missachtet.

Die fatale Abhängigkeit von Shaqiri

Von niemandem ist die Schweiz mehr abhängig als von Xherdan Shaqiri. Am Samstag wird Shaqiri 24 Jahre alt. Er kommt ins beste Fussballalter. Aber er befindet sich in der schwierigsten Phase seiner Karriere. Seit seinem Wechsel vom FC Basel zu Bayern München hat ein schleichender Abstieg begonnen. Der einstige Hoffnungsträger ist zum Rätsel geworden. Ein Rätsel überdies, das an Bewunderung bei den Fans verloren hat.

08.09.2015; London; Fussball EM Quali - England - Schweiz;
Xherdan Shaqiri (SUI) 
(Matthew Ashton/AMA/freshfocus)

Xherdan Shaqiri ist der Key-Player, aber seine Karriere verläuft derzeit alles andere als geradlinig.
Bild: Matthew Ashton/AMA

Nach dem missglückten Intermezzo bei Inter Mailand ist er nun auf dem Nebengleis bei Stoke City gelandet. Kaum ein Schweizer Nationalspieler spielt bei einem Verein mit weniger Glamour. Das könnte je länger, desto fataler werden für die Schweiz. Es gilt das Prinzip Hoffnung, dass Shaqiri wider Erwarten seine Karriere doch neu lancieren kann.

Probleme an allen Ecken und Enden

Überhaupt gibt es derzeit wohl keinen Schweizer Mannschaftsteil, der frei von Problemen ist. Torhüter Sommer hat die Nase gebrochen, wobei dies noch der geringste Anlass zur Sorge ist, Bürki wird ihn gut vertreten. In der Abwehr haben mit Klose und Schär jene beiden Innenverteidiger im Klub ihren Stammplatz verloren, auf die Petkovic zuletzt setzte. Djourou ist zwar zurück, kann aber den Ruf des Hasardeurs nie gänzlich abschütteln.

Der bei Hertha BSC Berlin gesetzte Lustenberger hat im Nationalteam derweil noch nie eine echte Chance erhalten. Im Mittelfeld bahnt sich der Machtkampf zwischen Captain Inler und Xhaka an. Weil Behrami nun ausfällt, dürfte das Thema etwas vertagt werden. Das kommt Petkovic entgegen. Es bleibt zu hoffen, dass er die Chef-Frage irgendwie bis nach der EM vertagen kann – vielleicht kann diese Ausgangslage aber in den entscheidenden Momenten in Frankreich auch zum Problem werden.

08.09.2015; London; Fussball EM Quali - England - Schweiz;
Josip Drmic (SUI) 
(Cathriene Ivill/AMA/freshfocus)

Kurios: Meistens treffen die Stürmer, die nicht von Anfang an spielen.
Bild: Matthew Ashton/AMA

Im Sturm schliesslich sind derzeit immer jene besser, die den Match auf der Ersatzbank beginnen. Es ist zwar gut, auf der Bank starke Kräfte zu haben, auf Dauer aber ist die Schweiz wieder angewiesen auf einen regelmässigen Torschützen, wie es Alex Frei war.

Aber vielleicht wird aus Hoffnung ja bald Erlösung. Breel Embolo, dieses Basler Wunderkind, dem gerade so viele Herzen des Publikums zufliegen, steht vor seinem Debüt in der Startelf. Es gibt wohl keinen besseren Zeitpunkt dafür als ein Spiel gegen San Marino. Ein Tor oder zwei könnten seine Nati-Karriere endgültig so richtig lancieren. Und die Schweiz vor der EM in Frankreich zum Träumen verleiten.

Die 20 besten Nati-Spieler aller Zeiten

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Brikne, 20.7.2017
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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Phipster 10.10.2015 22:25
    Highlight Ich glaub einfach petkovic kann nicht soviel aus den Spielern rausholen und vorallem resultate erziehlen(!) wie hitzfeld das konnte. aber was weiss ich schon..? den unterschied wird man erst in frankreich sehn wos wirklich hart auf hart kommt
    1 0 Melden
  • Skipper 09.10.2015 18:33
    Highlight "Goldene Generation"? Hab ich da was verpasst?
    9 9 Melden
  • revilo 09.10.2015 16:40
    Highlight Bitte, lasst Breel sein Spiel machen und nicht schon von 1 oder 2 Tore reden, auch wen es gegen San Marino ist. Er soll einfach sein Spiel machen und alles kommt gut.
    38 3 Melden
  • Pana 09.10.2015 16:36
    Highlight Was heisst hier "keine Gradmesser"? Es gibt in Europa keine einfachen Gegner mehr. Island, Wales, Nordirland etc qualifizieren sich souverän für die EM. Das sind keine Zufälle, es werden überall Fortschritte gemacht. Oder ein Färöer das in der Tabelle vor Griechenland liegt, und in 9 Spielen nur 14 Treffer kassiert hat.
    33 3 Melden
    • Aufblasbare Antonio Banderas Liebespuppe 09.10.2015 18:51
      Highlight in unserer gruppe gibt es keine gradmesser das meinte er
      9 2 Melden
  • Tom Garret 09.10.2015 16:23
    Highlight Naja es ist halt auch so das wir als kleine Schweiz wohl oder übel seit Jahren eher über als unter den Verhältnissen spielen. Es ist verrückt wie schnell man sich an EM und WM Qualis gewöhnt. Wir sind aber noch immer ein eher kleines Land das sich trotzdem seit Jahren regelmässig für grosse Turniere qualifizieren kann. Das ist keine Selbstverständlichkeit und auch kein Selbstläufer. Zumal wir leider nur auf wenige Spieler zählen können die eine Konstanz in der Karriere zeigen und von Verletzungen verschont bleiben (wie Benaglio oder Lichtsteiner bis vor kurzem).
    26 6 Melden
  • DerDude 09.10.2015 16:08
    Highlight Es stellt sich ganz klar die Frage was ein Drmic, Mehmedi oder auch Seferovic immer noch oder grundsätzlich in der Startformation zu suchen haben? Ein dreier Pack vorne mit Shaqiri, Embolo und Stocker wäre in meinen Augen eine Aufstellung die unsere Nati wieder auf die solide Bahn lenken würde. Aber ich werde das Gefühl nicht los das Petkovic der Mut für so eine Aufstellung fehlt und ob er wirklich der richtige Trainer für unsere Nati ist bezweifle ich nach wie vor sehr stark … Lange Rede kurzer Sinn: HOPP SCHWIIZ!
    17 25 Melden
    • Nicosinho 09.10.2015 17:02
      Highlight Mehmedi ist super in Form, der gehört ganz klar in die Startformation :-) Hopp Schwiiiz!
      12 6 Melden
    • Nosgar 09.10.2015 17:18
      Highlight Grundsätzlich sollte niemand einen Stammplatz auf sicher haben. Aber Mehmedi z.B. ist in sehr guter Form. Auch bei Hitzfeld waren viele Spiele alles andere als top, er hatte halt ein anderes Renomme als Petkovic und war fast unkritisierbar.
      15 3 Melden
    • Devante 09.10.2015 19:46
      Highlight drmic und mehmedi sind in form und haben absolut etwas in der startformation verloren. der xherdan aus stoke on trent wiederum def. nix.... und auch stocker ist mal hopp mal flop und wäre als joker besser aufgehoben.
      8 1 Melden

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