Sport

Die grosse Frage: Jongliert Cristiano Ronaldo mit den Medien oder jonglieren die Medien mit ihm? Bild: Martin Meissner/AP/KEYSTONE

Die Chronologie der Ronaldo-Wechsel-Saga – wie ein Gerücht plötzlich Fakt wurde

Die Meldung von «A Bola» verbreitete sich am vergangenen Freitag wie ein Lauffeuer: Cristiano Ronaldo wolle Real Madrid verlassen. Das wusste die Zeitung «aus sicherer Quelle». Aus dem Gerücht wurde schnell ein Fakt – auch weil sich die Hauptperson nie dagegen gewehrt hat.

22.06.17, 13:43 03.08.17, 07:44

Was waren das für 13 Monate für Cristiano Ronaldo! Ende Mai 2016 gewinnt er mit Real Madrid den Champions-League-Titel, etwas mehr als zwei Monate später triumphiert er mit Portugal bei der EM, im Januar 2017 wird er zum vierten Mal zum Weltfussballer gekürt und Ende Saison folgt die endgültige Krönung: Vor allem dank ihm verteidigt Real als erstes Team überhaupt den CL-Titel und wird auch noch spanischer Meister. 

Bereits im November 2016 wird Ronaldo für seine herausragenden Leistungen von seinem Arbeitgeber belohnt. Sein Vertrag wird, für deutlich mehr Lohn, bis 2021 verlängert. Es sei nicht sein letzter Kontrakt mit den Königlichen, lässt CR7 verlauten, er wolle bis 41 weiterspielen. Alle sind glücklich: Real und Ronaldo.

Ronaldo mit dem Henkelpott. Bild: FACUNDO ARRIZABALAGA/EPA/KEYSTONE

Doch am 14. Juni tauchen plötzlich dunkle Wolken an Ronaldos Himmel auf. Die spanische Staatsanwaltschaft wirft ihm Steuerhinterziehung vor. Über Briefkastenfirmen auf den britischen Jungferninseln und in Irland habe der 32-jährige Portugiese zwischen 2011 und 2014 insgesamt 14,7 Millionen Euro Steuern am spanischen Fiskus vorbei geschleust. Ronaldo wird angeklagt, ihm droht im schlimmsten Fall gar eine Haftstrafe.

Real gibt Ronaldo – zumindest nach aussen hin – volle Rückendeckung und veröffentlicht eine Pressemitteilung. Ronaldo habe seit seinem Wechsel nach Madrid im Jahr 2009 «stets den klaren Willen gezeigt, alle seine steuerlichen Pflichten zu erfüllen» und «in Übereinstimmung mit geltendem Recht» gehandelt, teilen die Königlichen mit.

Die Steueraffäre rund um den besten (oder zweitbesten) Fussballer der Welt ist in aller Munde. Dann beginnt bereits die nächste Saga …

Die Bombe platzt

Freitag, 16. Juni: Die portugiesische Sporttageszeitung «A Bola» wartet mit einer fantastischen Neuigkeit auf: Cristiano Ronaldo wolle Real Madrid trotz Vertrag bis 2021 vorzeitig verlassen.

Grund für den geplanten Abschied seien die Ermittlungen gegen den Portugiesen wegen Steuerhinterziehung. Ronaldo sei «schockiert» über die Anklage der Madrider Staatsanwaltschaft, seine Entscheidung «unumstösslich» und Real-Präsident Florentino Perez bereits informiert.

Und woher weiss «A Bola» all das? «Aus sicherer Quelle.»

bild: twitter

Das Gerücht schwappt nach Spanien über

Die Meldung über Ronaldos möglichen Abgang kommt bald im Land seines Arbeitgebers an. Die in Madrid ansässige Sporttageszeitung «Marca» ist eine der ersten, die das «A Bola»-Gerücht aufnimmt. Um 8.45 Uhr ist die Meldung online.

Schnell ist das Gerücht bestätigt

67 Minuten später: Jetzt weiss auch die «Marca», dass Ronaldo weg will. Real unternehme allerdings alles, um seinen Superstar zu beruhigen. Man vermeldet aber auch, dass Real keinen Spieler gegen seinen Willen halten werde.

Die Quelle: Keine eindeutige. Die «Marca» könne aber bestätigen, dass Ronaldo Real verlassen wolle.

Das Gerücht verbreitet sich wie ein Lauffeuer

Noch im Laufe des Vormittags berichten die italienische «Gazzetta dello Sport», watson.ch aus der Schweiz 😇 und die deutsche «Bild»-Zeitung von der Ronaldo-Bombe. Am Nachmittag folgt auch die französische Sportzeitung «L'Equipe».

Engländer haben eigene Quellen

Etwas länger dauert's in England. Dafür wissen es die BBC und Sky Sports wie «A Bola» und die «Marca» aus erster Hand.

Dann muss es ja stimmen!

Am späteren Nachmittag ist für die «Gazzetta dello Sport» deshalb klar: «Ronaldo verlässt Real.» Schliesslich sind ja die ersten Bestätigungen des Gerüchts gekommen. Das Gerücht ist ein Fakt geworden.

Ronaldo schweigt

Und was sagt eigentlich Cristiano Ronaldo zum überall heiss diskutierten Gerücht? Nichts. Der sonst so redselige Superstar hat sich selbst einen Maulkorb auferlegt. Die Pressekonferenz nach Portugals 2:2-Auftaktremis am Confed Cup gegen Mexiko zwei Tage nach der geplatzten Bombe schwänzt er, obwohl er als «Man of the Match» zur Teilnahme verpflichtet gewesen wäre. Der Grund: eine angebliche Verletzung.

Wilde Spekulationen

Kein Wunder also, brodelt es übers Wochenende in der Gerüchteküche. Die englische «Sun» berichtet von einem Mega-Deal zwischen Real Madrid und Manchester United: Demnach sollen Ronaldo und Alvaro Morata für 206 Millionen Euro und Torhüter David de Gea als Gegenleistung zu den «Red Devils» wechseln.

Die Rückkehr des verlorenen Sohnes – für die englischen Zeitungen ein gefundenes Fressen. Bald werden mögliche Kader-Zusammenstellungen und die Frage, ob Ronaldo überhaupt noch zu seinem Ex-Trainer José Mourinho passen würde, diskutiert. 

Doch es soll noch andere Interessenten geben. Immer wieder wird Paris St-Germain genannt und die «Gazzetta dello Sport» bringt Bayern München ins Spiel. Dort mache sich vor allem Trainer Carlo Ancelotti für eine Verpflichtung seines ehemaligen Schützlings stark.

Doch schon bald folgt das Dementi: In der Rubrik «Ente des Tages» verweist Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge das Gerücht ins «Reich der Fabeln.»

Ein Dementi und weitere «Bestätigungen» 

Am Dienstag meldet sich erstmals Real-Präsident Florentino Perez zu Wort. «Ronaldo ist ein Spieler von Real Madrid und wird es auch bleiben», sagt er der «Marca».

Doch der spanische TV-Sender will es besser wissen. In der Sendung Golazo de Gol berichtet er von einem Telefongespräch zwischen Cristiano Ronaldo und Sergio Ramos. In diesem soll CR7 seinem Captain mitgeteilt haben, dass er Real tatsächlich verlassen werden.

Unterdessen rechnet der «Tages-Anzeiger» vor, was ein Ronaldo-Transfer seinem neuen Klub bringen könnte. «Der Portugiese will Real Madrid verlassen», steht dort in der Einleitung – als scheinbar unumstösslicher Fakt.

Die erste Kehrtwende

Oder doch kein Wechsel? Die spanische Sporttageszeitung «As» – wie das Konkurrenzblatt «Marca» mit Sitz in Madrid – will von CR7-Berater Jorge Mendes erfahren haben, dass Ronaldo nun doch in Spanien bleiben will. Der 32-Jährige liess sich demnach in einem Gespräch von Florentino Perez beruhigen und überzeugen. Sein Wechselwunsch sei definitiv vom Tisch.

Ronaldo lässt Taten sprechen

Aber erst auf dem Platz: Beim 1:0-Sieg gegen Gastgeber Russland beim Confed Cup schiesst er das einzige Tor und er wird wieder zum «Man of the Match» gewählt. Dieses Mal erscheint er zur obligatorischen Pressekonferenz. Fragen an CR7 sind allerdings keine erlaubt, er erklärt sich lediglich kurz zum Spiel. Somit lässt er auch die nächste Chance zur definitiven Ausräumung der Abwanderungsgelüste verstreichen …

Die Pressekonferenz mit Ronaldo. Video: streamable

Fazit

Die Ronaldo-Transfer-Sage bleibt eine «affaire à suive». Denn sie nützt letztendlich fast allen Beteiligten. Ronaldos Steueraffäre ist nur noch zweitrangig und die unzähligen Sporttageszeitungen füllen ihre Seiten in Zeiten sportlicher Magerkost.

Die Karriere von Cristiano Ronaldo

Das ist der moderne Fussball

Ausländer-Trios, werbefreie Trikots oder das Nasenpflaster – 16 Dinge, die aus dem Fussball verschwunden sind

Dann macht doch eure Supermegagiga-Liga! Wie meine Liebe zur Champions League erlosch

Scheichs, Tormusik oder Wappenküsser – 16 Dinge, die schleunigst wieder aus dem Fussball verschwinden sollten

Nach Robben auch noch diese erbärmliche Junioren-Schwalbe – es geht bachab mit dem Fussball 

Der Moment, in dem ich den allerletzten Glauben an den ehrlichen Fussball verlor

Alle sagen, moderner Fussball sei super. Ich sage: Im modernen Fussball haben sich Saumoden eingenistet, die mich laufend kotzen lassen

Wer noch immer nicht recht wusste, was Büne mit «Pussy-Fussball» meinte: Genau DAS hier

Jetzt also auch in der Primera Division: Sevilla spielt als erstes spanisches Team ohne Spanier

Da schmerzt das Herz, es ist schon wieder Nati-Pause! Erlöst uns endlich von diesem Müll – in vier Stunden habe ich eine bessere Lösung entwickelt

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
15
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • SaveAs_DELETE 23.06.2017 14:06
    Highlight @Philipp du magst ihn nicht so, gell?
    0 1 Melden
  • Hans der Dampfer 22.06.2017 21:18
    Highlight Am Ende wird die Klage still und heimlich zurückgezogen und er bleibt da wo er ist. 200k alleine für Ablöse plus ein fürstliches Gehalt. Ich glaube nicht dass das wirklich jemand zahlt.

    Andererseits kann der noch gut 3 Jahre auf dem Niveau spielen. Ob sich der Deal lohnt ist trotzdem fraglich
    1 5 Melden
  • Captain Downtown 22.06.2017 19:59
    Highlight Pure Spekulation meinerseits, aber von Aussen sieht das so aus:
    Superreiche(r) soll(en) endlich mal belangt werden (schliesslich tobten schon längst alle Barca-Fans, dass Messi als alleiniger Steuerhinterzieher "ganz ganz knapp" nicht hinter Gitter musste). Man stelle sich die Einnahmeeinbussen an Marketing, UEFA, etc. für die ganze Liga vor.
    Und nun Ronaldo mit dem dreifach so hohen Fehlbetrag ebenfalls nicht hinter Gitter zu stecken, wäre wohl kaum noch begründbar gewesen, also kommt die grosse Drohung der Abwanderung (sicher in Absprache mit Liga-Exekutiven, etc.)
    Bravo. Well done.
    8 1 Melden
  • Fulehung1950 22.06.2017 19:41
    Highlight Mir egal.
    Ich mag ihn nicht.
    Ein begnadeter Fussballer, einer der besten ever.
    Ich mag ihn trotzdem nicht.
    Er geht zu ManU, bleibt bei Real, oder will zum FC Basel.
    Ich mag weder ManU, noch Real noch den FCB.
    Wie gesagt, mir alles egal.
    Weil ich ihn nicht mag.
    12 9 Melden
  • Theor 22.06.2017 17:50
    Highlight Mit den ganzen zusätzlichen Werbeeinnahmen, die er durch diese Mesienpräsenz bekommt, kann er die Strafe des Fiskus dann auch locker bezahlen.
    10 2 Melden
  • CasRas 22.06.2017 16:55
    Highlight Ihr habt ja "angeblich" geschrieben, das passt schon.

    Cristiano Ronaldo ist durch die ganzen Gerüchte-"Berichte" viel präsenter in den Medien als er es sonst wäre. Zumindest kommen diese Gerüchte ihm sicher nicht ungelegen, mehr Präsenz und gleichzeitig weniger Platz für angebliche Steueraffären.
    16 0 Melden
  • Tavares 22.06.2017 15:59
    Highlight Alles von CR7 (oder seinem Umfeld) arrangiert um nicht wegen der Steuerhinterziehung in den Medien zu stehen?
    18 2 Melden
  • Gretzky 22.06.2017 14:54
    Highlight Es gibt eine Bezeichnung dafür. Sommerloch...
    57 5 Melden
  • Loe 22.06.2017 14:36
    Highlight "...und Watson 😇"
    Herrlich 🙏😁 genau wegen solchen Einschüben les ich dieses Newsportal.
    54 8 Melden
  • elmono 22.06.2017 14:29
    Highlight Am Schluss wird Ronaldo ne Lohnerhöhung erhalten. Immer der gleiche Scheiss. Messi genauso. Kriegen den Hals nicht voll.
    45 6 Melden
  • Grigor 22.06.2017 14:26
    Highlight Zeigt auch das der Journalismus immer mehr an Qualität gewinnt. Witzig ist auch wie ihr jetzt aus dem Druchdrehen der Medien nochmals eine Geschichte macht. Ohne das Durchdrehen der Medien darin zum grossen Thema zu machen. Es schwingt am Rande mit, aber angesprochen wird es nicht.
    42 2 Melden
  • Army Neilstrong 22.06.2017 14:10
    Highlight De Gea wechselt nicht zu den Red Devils (͡° ͜ʖ ͡°)
    7 7 Melden
    • Martinov 22.06.2017 14:34
      Highlight Hab auch gedachte sie haben es falsch geschriben, aber steht Ronaldo & Morata für 206 mio & de gea zu United ✋🏼
      7 1 Melden
  • Lowend 22.06.2017 13:58
    Highlight Wenn die Verfolgung von Steuersündern im Fussball so weitergeht, gewinnt schon bald ein Knastverein mit seiner Startruppe die Champions League. ;-)
    71 5 Melden

Das ist der nächste Hischier – für ihn riskieren NHL-Teams sogar den Absturz

Er ist der designierte Nachfolger von Nico Hischier als Nummer-1-Draft, das grösste Verteidigertalent der Gegenwart und Olympia-Teilnehmer. Rasmus Dahlin lässt die schlechtesten NHL-Teams träumen. 

So früh so klar wie in diesem Jahr war die Ausgangslage vor einem NHL-Draft seit drei Jahren nicht mehr. Damals hatte Connor McDavid mit Jack Eichel zwar ernsthafte Konkurrenz, wirkliche Zweifel am Ausgang des Drafts gab es aber nicht. 

Die wird es auch dieses Jahr nicht geben. An Talent mangelt es auch dieses Jahr nicht. Andrei Svechnikov (Russland), Adam Boqvist (Schweden) Filip Zadina (Tschechien) und Brady Tkachuck (USA) sind alles vielversprechende Spieler.

Doch einer überstrahlt sie …

Artikel lesen