Sport

Auch Erfolg bei den Kollegen: Das neu formierte Chapecoense. bild: instagram/chapecoensereal

Chapecoense stürmt ein Jahr nach dem Flugzeug-Absturz in die Champions League

Was für eine Geschichte: Vor einem Jahr sterben 19 Fussballer beim Absturz des Flugzeugs in Kolumbien – nun schafft das Team von Chapecoense einen Überraschungserfolg.

04.12.17, 07:50 04.12.17, 09:11

Sie lagen sich in den Armen und tanzten: Ein Jahr nach dem tragischen Flugzeugabsturz des Fussballteams Chapecoense hat die komplett neu formierte Mannschaft überraschend den Einzug in die südamerikanische Champions League geschafft. Mit einem umjubelten Tor in der 95. Minute durch Tulio de Melo gelang am letzten Spieltag der obersten brasilianischen Liga der notwendige 2:1 Sieg gegen Curitiba.

Da drehen sie durch: Das Siegtor spät in der Nachspielzeit.

Damit schaffte «Chape» in der Abschlusstabelle Platz 8. Der berechtigt noch zur Qualifikationsrunde der Copa Libertadores, dem südamerikanischen Pendant zur Champions League in Europa. Als Meister stand in Brasilien schon seit Wochen Corinthians São Paulo fest.

Auf dem Weg zum Endspiel in den Tod gestürzt

Der Flugzeugabsturz am 28. November 2016 war ein Ereignis von kaum zu überbietender Tragik: Der 1973 gegründete Verein war auf dem Weg zum bisher grössten Spiel seiner Geschichte: dem Hinspiel um die Copa Sudamericana gegen Atlético Nacional aus Medellin. Das ist in etwa vergleichbar mit der Europa League und ist der zweitwichtigste Vereinswettbewerb in Südamerika, nach der Copa Libertadores.

So feiert das Team in der Kabine.

Wegen Treibstoffmangels stürzte das Charterflugzeug kurz vor dem Flughafen ab, 71 Menschen starben, sechs überlebten, darunter drei Spieler. Bis heute warten die Angehörigen auf Entschädigungen. Ein Versicherungsunternehmen weigerte sich, die Police in Höhe von 25 Millionen Dollar zu zahlen, da die bolivianische Fluggesellschaft La Mia bei den Prämienzahlungen in Verzug gewesen sei.

Eben noch im Abstiegskampf, jetzt schon in der Königsklasse

Das Spiel in der Arena Conda im südbrasilianischen Chapecó fand an einem ganz besonderen Datum statt. Vor genau einem Jahr hatten hier am 3. Dezember 2016 auf dem grünen Rasen 50 Särge mit gestorbenen Spielern, Trainern und Betreuern gestanden – von der brasilianischen Luftwaffe aus Kolumbien eingeflogen. Es regnete in Strömen, das ganze Stadion weinte zum letzten Geleit.

Traurige Erinnerungen: Die verstorbenen Fussballer werden aufgebahrt. Bild: EPA/EFE

Nun gab es ganz andere Bilder. Auf dem Spielfeld des Stadions lagen sich alle in den Armen, in der Kabine ging die Feier weiter, Spieler und Betreuer hüpften wild umher. Noch vor wenigen Wochen war das mit mehr als 20 Spielern neu formierte Team im Abstiegskampf, zwei Trainer wurden entlassen.

Überlebende feierten mit

«Corinthians wird es entschuldigen, Glückwunsch zum Titel. Aber es gibt wohl keine schönere Wendung als die von Chapecoense 2017», meinte die Zeitung «O Globo». Die ersten sechs Teams sind fest für die Gruppenphase der Copa qualifiziert, der siebte und achte Platz berechtigen für die Qualifikation. Chapecoense profitiert davon, dass Gremio Porto Alegre die diesjährige Copa gewann und automatisch qualifiziert ist – Gremio wurde Vierter und machte damit den Platz für «Chape» als Achter frei – normalerweise sind nur die ersten sieben Teams dabei.

Wie der Club zuletzt mitteilte, will man nun auf juristischem Weg gegen die Versicherung der Charterfluggesellschaft LaMia und den bolivianischen Staat vorgehen, um endlich die Entschädigungen zu bekommen. Es gibt auch Vorwürfe gegen die bolivianische Flugsicherheitsbehörde, da die dort gestartete Maschine mit der zu knapp bemessenen Kerosinmenge womöglich nicht hätte starten dürfen.

Von den überlebenden Spielern feierte Alan Ruschel im August bei einem Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona ein emotionales Comeback, Abwehrspieler Neto setzt auf eine Rückkehr 2018. Dem Torwart Jackson Follmann musste der rechte Unterschenkel amputiert werden – alle drei feierten jetzt den unerwarteten Erfolg mit. (ram/sda/dpa)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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