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Länger als ein Schatten in der untergehenden Sonne: Die Geschichte des Niedergangs vom Grasshopper Club Zürich. Bild: Christian Pfander/freshfocus

Eine Chronik des Niedergangs: Seit Jahren stehen die beiden Buchstaben GC nur noch für «Grosses Chaos»

Rekordmeister, das ist er noch, der Grasshopper Club. Aber die Zeiten, in denen er als «Nobelverein» betitelt wurde, sind vorbei. Schon seit einiger Zeit vergeht kaum ein Monat ohne einschneidende Änderung im Umfeld.

08.05.15, 19:58 08.05.15, 20:14

Diese Personalie kommt überraschend: GC trennt sich per sofort von seinem Sportchef Axel Thoma. Der Deutsche mit grossem Leistungsausweis hatte sein Amt erst im Oktober angetreten und muss nun bereits wieder gehen.

GC liegt in der Meisterschaft fünf Runden vor Schluss auf Rang 8. Während der Abstieg nur noch theoretisch möglich ist, sind die Europacup-Plätze nicht mehr in Reichweite. Die Trennung von Thoma ist der vorerst letzte Akt in einem Stück, das seit Jahren aufgeführt wird.

Die GC-Vereinschronik seit 2009

April 2009: Die «Affäre Eckel»

Sportchef Erich Vogel gibt seinen Rücktritt bekannt. Er ist dem Hochstapler Volker Eckel auf den Leim gekrochen, der vorgibt ein arabischer Prinz zu sein und 300 Millionen Franken in GC investieren zu wollen. Bild: KEYSTONE

Sommer 2009: Trainerwechsel

GC beendet die Saison auf Rang 4, mit grossem Rückstand auf das Spitzentrio FCZ/YB/Basel. Hanspeter Latour muss gehen, Ex-GC-Star Ciriaco Sforza ersetzt ihn. Bild: KEYSTONE

Februar 2010: Präsidentenwechsel

Goalie-Legende Roger Berbig (Bild) tritt als Präsident zurück. Für ihn rückt der bisherige GC-Geschäftsführer Urs Linsi nach. Bild: KEYSTONE

Dezember 2010: Das Vorrunden-Schlusslicht

Der Rekordmeister geht als Tabellenletzter in die Winterpause. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine riesige Lücke. Die Saison wird GC auf Rang 7 abschliessen. Bild: KEYSTONE

Januar 2011: Sportchef-Entlassung

Sportchef Georges Perego (links) muss gehen. Präsident Urs Linsi (rechts) verzichtet darauf, die Stelle neu zu besetzen. Bild: KEYSTONE

April 2011: Präsidentenwechsel

Urs Linsi hat nach einem Jahr bereits genug. Roland Leutwiler (Bild) von der Sponsorenvereinigung «Owner's Club» übernimmt. Bild: KEYSTONE

Mai 2011: Die neuen Alten

Der Klub holt die langjährigen Nationalspieler Alain Sutter (Bild) und Johann Vogel zurück. Sutter wird Berater, Vogel U15-Trainer. Bild: KEYSTONE

Januar 2012: Überraschungs-Comeback

Drei Jahre nach seinem letzten Match kehrt Johann Vogel auf den Rasen zurück, um die GC-Defensive zu stabilisieren. Bild: KEYSTONE

März 2012: Comeback-Abbruch

Drei Spiele, drei Niederlagen – dann hat Johann Vogel schon wieder genug von seiner Rückkehr auf den Platz. Bild: KEYSTONE

März 2012: Präsidentenwechsel

Es kommt zum grossen Sesselrücken. Geschäftsführer Marcel Meier, ein knappes Jahr im Amt, muss gehen. André Dosé wird neuer GC-Präsident – mehrere Verwaltungsräte und Berater Alain Sutter geben ihren Rücktritt bekannt. Reinhard Fromm und Martin Keller sind neue Verwaltungsräte. Bild: KEYSTONE

April 2012: Trainerwechsel

Dosé gibt bekannt, dass Ciriaco Sforza Ende Saison gehen muss. Der Trainer tritt daraufhin noch vorher zurück … Bild: KEYSTONE

… und wird wenige Tage später durch Uli Forte ersetzt. Bild: KEYSTONE

Mai 2012: Fast-Abstieg

Auf dem Rasen sind die Grasshoppers abgestiegen. Sie bleiben nur in der Super League, weil Xamax in der Winterpause die Lizenz verloren hat und Sion 36 Punkte abgezogen werden. Bild: KEYSTONE

Dezember 2012: Auferstehung

Der neue Trainer Forte baut auf die Achse Grichting-Salatic-Gashi und wird dafür belohnt. Zur Winterpause ist GC auf Rang 3. Dragan Rapic, erst 31-jährig, wird zum Sportchef befördert. Bild: KEYSTONE

Mai 2013: Cupsieg

Im Penaltyschiessen bezwingt GC den FC Basel und gewinnt erstmals nach zehn Jahren wieder einen Titel. In der Meisterschaft fordern die Hoppers den FCB bis zuletzt und werden Vizemeister. Bild: KEYSTONE

Juni 2013: Trainerwechsel

Erfolgstrainer Uli Forte zieht es zu den Young Boys. Den Wechsel gibt er unmittelbar nach einem Interview bekannt, in dem er Pläne einer rosigen GC-Zukunft skizziert. Bild: KEYSTONE

Wenige Tage später wird schon der Nachfolger bekanntgegeben: Es ist der Deutsche Michael Skibbe. Bild: KEYSTONE

Dezember 2013: Sturz des Präsidenten

André Dosé muss als Präsident gehen. Mit hochtrabenden Plänen habe er dafür gesorgt, dass GC erneut grosse finanzielle Sorgen habe, heisst es aus dem Umfeld. Bild: KEYSTONE

Februar 2014: Neuer Präsident

Stephan Anliker heisst der neue starke Mann bei GC. Er ist der siebte Präsident in zehn Jahren, parallel bleibt er Präsident des Eishockeyclubs SC Langenthal. Sportchef Dragan Rapic und der 26-jährige Manuel Huber übernehmen die Geschäftsführung. Bild: Claudia Minder/freshfocus

Mai 2014: Sportchef muss weg

Die Tage von Dragan Rapic sind gezählt. Der Verwaltungsrat entscheidet nach einem Misstrauensvotum, sich von ihm zu trennen. Er habe kein Durchsetzungsvermögen, die Spieler lachten über ihn, und er sei zu nachgiebig mit ihnen in Verhandlungen, so der Vorwurf. Bild: KEYSTONE

Mai 2014: Verwaltungsrat tritt ab

Geldgeber Reinhard Fromm zieht sich aus dem Verwaltungsrat zurück. Er hatte als einziger gegen die Entlassung Rapics gestimmt und zieht seine Konsequenzen. Als «Owner» bleibt er GC indes erhalten. Bild: GCZ

Mai 2014: Noch ein Abgang

Heinz Spross übernimmt nach der Entlassung von Rapic gemeinsam mit Trainer Skibbe die sportliche Führung – aber nicht für lange. Dann gibt auch Spross seinen Rückzug aus dem Verwaltungsrat bekannt, bleibt ebenfalls nur noch «Owner». Spross nervte sich über die Berichte, er plappere nur nach, was die graue GC-Eminenz Erich Vogel ihm einflüstere. bild: Keystone

Juni 2014: Wieder Platz 2

Trotz all der Wirren im Umfeld läuft es auf dem Rasen. GC wird erneut hinter Basel Vizemeister. Es kann sich in der Champions-League-Qualifikation versuchen, wo es jedoch chancenlos bleibt. Bild: KEYSTONE

August 2014: Suspendierung des Captains

Vero Salatic kritisiert öffentlich Trainer Michael Skibbe. Der Verwaltungsrat suspendiert den Mittelfeldspieler daraufhin. Im Stadion ist Salatic trotzdem, aber nur noch als stets lächelnder Zuschauer. Bild: KEYSTONE

September 2014: Rückkehr des Suspendierten

Dank einer superprovisorischen Verfügung des Bezirksgerichts Dielsdorf darf Salatic wieder am Training der ersten Mannschaft teilnehmen. Chancen auf einen Einsatz hat er kaum, Trainer Skibbe hatte betont, das Tischtuch zwischen ihm und dem Spieler sei zerschnitten. Bild: KEYSTONE

Oktober 2014: Neuer Sportchef

Axel Thoma, der während Jahren erfolgreich in der Challenge League bei Wil gearbeitet hat, soll GC wieder auf Vordermann bringen. Das Experiment, ohne Sportchef zu bestehen, wird abgebrochen. Bild: Claudia Minder/freshfocus

November 2014: Sensations-Comeback

Überraschend gibt GC bekannt, die Suspendierung von Vero Salatic aufzuheben. Die Hoppers sind zu diesem Zeitpunkt Zweitletzter. Prompt steht der Ex-Captain wenige Tage später in der Startelf gegen St.Gallen und schiesst beim 3:0-Sieg gar das Führungstor. Bild: KEYSTONE

November 2014: Nachbeben

Verwaltungsrat Martin Keller gibt einen Tag nach der Rückkehr Salatics auf den Rasen seinen Abgang bekannt. Er ist offenbar nicht einverstanden mit der Begnadigung des Spielers. GC hat damit nur noch zwei Verwaltungsräte: Präsident Stephan Anliker und Michael Schwarz. Bild: KEYSTONE

Januar 2015: Skibbe reicht's

Michael Skibbe bittet die GC-Führung darum, seinen Vertrag aufzulösen. Der Deutsche nimmt lieber ein Angebot des türkischen Erstligisten Eskisehirspor an. Dort war Skibbe schon einmal, doch er verliess den Klub damals wegen ausstehender Lohnzahlungen. Offenbar ist ihm der Arbeitgeber in Anatolien dennoch lieber als GC, wo er den Machtkampf gegen Vero Salatic verloren hat. Bild: KEYSTONE

Februar 2015: Auch Salatic ist weg

Vero Salatic trötzelt so lange, bis ihn GC ziehen lässt. Er wechselt zum FC Sion, nachdem er in einem Interview schonungslos mit GC abgerechnet hat. Salatic spielte seit 1999 beim Klub, unterbrochen nur von einem einjährigen Abstecher zu Omonia Nikosia. Bild: Christian Pfander/freshfocus

Februar 2015: Neue Medienchefin

Medienchef Adrian Sutter verlässt GC, an seine Stelle rückt die 27-jährige Soraya da Fonseca. Sie leitete bei den Grasshoppers bis anhin den Bereich Spielbetrieb, Projekte und Events. Da Fonseca wird vom ehemaligen FIFA-Kommunikationsdirektor Hans Klaus unterstützt. Bild: GCZ

April 2015: Neue Verwaltungsräte

Der Klub gibt bekannt, dass er seinen Verwaltungsrat erweitert. Präsident Stephan Anliker und VR Michael Schwarz waren zuletzt nur noch zu zweit im Gremium. Neue Verwaltungsräte werden Volero-Zürich-Präsident Stav Jacobi (Bild), Rechtsanwalt Andras Gurovits, Unternehmer Hans-Peter Domanig und Ex-Sportchef Georges Perego. Bild: Claude Diderich/freshfocus

Mai 2015: Thoma schon wieder weg

Kaum mehr als ein halbes Jahr ist Axel Thoma Sportchef bei GC – dann wird er per sofort freigestellt. Die Hoppers begründen den überraschenden Entscheid mit «unterschiedlichen Auffassung des sportlichen Planungs- und Führungsprozesses für die laufende Saison, insbesondere aber bezüglich der mangelnden Fortschritte und der Systematik im Management». Bild: Andy Mueller/freshfocus

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Donalf 09.05.2015 17:32
    Highlight GC hat von ZUOBERST bis ZUUNTERST Leute die weder genügend von Fussball verstehen, noch einen Sportverein führen können. Und solange noch der "Vogel" unbemerkt seine Kreise zieht, ist es nicht schade, wenn der Verein verschwindet. Es wird ihn nur der Sensationsjournalismus vermissen, ernsthafte Sportjournalisten sollte dieser "Verein" nicht interessieren.
    1 7 Melden
  • dave1771 10.11.2014 14:44
    Highlight EIN WITZ!
    23 2 Melden
  • LubiM 10.11.2014 14:29
    Highlight Und da soll noch einer sagen, Sion sei das Pulverfass der Liga!
    27 3 Melden
    • Tom Garret 11.05.2015 15:25
      Highlight Sion ist insofern das Pulver, als dass der FC wohl verschwindet sobald CC keine Lust mehr hat (gab es bereits einmal für diejenigen mit Kurzzeit Gedächtnis). Genau genommen gibt es in der Schweiz fast nur Chaos Clubs, egal ob Sion, GC, FCZ oder Luzern. Nur weil es hie und da mal eine kurze Zeit ruhig ist heisst das nicht das es wieder Probleme geben wird (zur Zeit trifft dies auf Luzern zu). Ausnahmen sind neben dem FCB vor allem der FC Thun...
      2 1 Melden

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