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Patrick Fischer an der Pressekonferenz vor dem Auftaktspiel gegen Kanada. Bild: KEYSTONE

Patrick Fischer: «Vertrauen in die eigenen Kräfte aufbauen – so kann man Berge versetzen»

Vor dem Olympia-Startspiel gegen Kanada spricht Eishockey-Nationalcoach Patrick Fischer im Interview über die Vorbereitung, die Ziele und was es braucht, damit die Schweiz in Pyeongchang eine Medaille holt.

14.02.18, 09:20

Patrick Fischer, am Donnerstag geht es mit dem Spiel gegen Kanada los. Ist die Schweiz bereit?
Patrick Fischer: Auf jeden Fall. Die Teilnahme am Spengler Cup im Dezember war wertvoll, weil wir in Davos als Mannschaft zusammen wachsen konnten. In den sechs Wochen seither hat sich nur einer verletzt, Joel Vermin. Nur ein Ausfall in dieser Zeit ist gut für unseren Sport. Die Vorbereitung in Südkorea verlief ebenfalls gut. Wir konnten in Seoul drei Tage lang ungestört trainieren. Jetzt sind wir ins olympische Dorf umgezogen. Am Montag hatten die Spieler frei, um sich einzuleben. Jetzt sind wir im Plan.

Haben sich die Spieler zuletzt zurückgehalten, weil sich kurz vor den Spielen keiner mehr verletzen wollte?
Die Partie gegen Deutschland letzte Woche in Kloten (1:2 n.V. – Red.) war in der Tat ein komisches Spiel. Auch die Deutschen hielten sich zurück. Die Intensität war nicht wirklich hoch. Die letzte Partie gegen Norwegen (4:2 – Red.) gefiel mir besser. Wir zogen während 60 Minuten unser Spiel durch. Auf dieser Leistung lässt sich aufbauen. Wir spielten sogar in Überzahl gut. Der Sieg gegen die Norweger war der perfekte Abschluss unserer Vorbereitung.

An der letzten WM punktete die Schweiz gegen Kanada (3:2 n.V.), Finnland (2:3 n.V.) und Tschechien (3:1). Der Viertelfinal gegen den späteren Weltmeister Schweden ging nur knapp 1:3 verloren. Das System wurde seither wohl nicht verändert?
Wir machten an der letzten WM einen guten Schritt. Es beginnt immer mit dem ersten Pass. Aus der Defensive unter Druck gute Entscheide fällen. Deshalb selektionierten wir spielerisch starke Verteidiger. Auch offensiv gelang es uns, gute Situationen zu kreieren. Wir sind daran, zu den Top-Nationen aufzuschliessen – auch mental. Für die Winterspiele nahmen wir uns vor, in Überzahl und vor dem Tor kaltblütiger, genauer und besser abzuschliessen. Für uns wird entscheidend sein, wie wir in Über- und Unterzahl spielen werden.

Quo vadis, Patrick Fischer? Der Viertelfinal ist das Minimalziel, eine Medaille der grosse Traum. Bild: SPENGLER CUP

Mit welchen Zielen startet die Schweiz gegen Kanada ins Turnier?
Der Modus ermöglicht es, schwach ins Turnier zu starten und dennoch ab den K.o.-Spielen noch alles gewinnen zu können. Andererseits kann sich der Gruppensieger direkt für die Viertelfinals qualifizieren, was bei so vielen Spielen in kurzer Zeit ein enormer Vorteil ist. Unser Ziel muss sein, dass wir direkt die Viertelfinals erreichen. So könnten wir Vertrauen in die eigenen Kräfte aufbauen. Im Sport ist es das wichtigste, wie sehr ich mir und meinen Mitspielern vertrauen kann. So kann man Berge versetzen.

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Und eine Medaille gewinnen?
Natürlich: Das Ziel aller Sportler hier ist eine Medaille. Wir wissen: Wenn wir unser Potenzial ausschöpfen, wenn wir gesund bleiben, und wenn wir vom Schlachtenglück begünstigt werden, dann können wir jede Mannschaft schlagen. Dann ist alles möglich.

Sie wurden auch nach der letzten WM noch kritisiert. Wäre die Medaille auch eine persönliche Genugtuung?
Eine Genugtuung gegenüber den Leuten, die mich kritisiert haben? Nein, auf keinen Fall. Der Job als Nationalcoach ist erst die zweite Station in meiner Laufbahn als Trainer. Das ist ungewöhnlich. Doch in meiner Karriere ist alles immer relativ schnell gegangen. Das begleitet mich. Dass mir dabei gelegentlich auch Kritik begegnet, damit muss ich leben. Die Kritik schärft mich, hält mich wach.

Viele Spieler nehmen erstmals an Olympischen Spielen teil. Wie helfen Sie diesen Neulingen?
17 Akteure nehmen erstmals an Winterspielen teil. Ausserdem sind auch viele Betreuer zum ersten Mal bei Olympischen Spielen mit von der Partie. Aber das ist gut so. Wir sind ein hungriges Team. Ganz unerfahren sind wir ja auch nicht, denn die meisten haben an Weltmeisterschaften teilgenommen. Drei Tage im olympischen Dorf reichen, um sich an die Ambiance und die besonderen Umstände anzugewöhnen. Danach richtet sich der ganze Fokus aufs Eishockey. (sda)

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Brikne, 20.7.2017
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