Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Seit sieben Monaten arbeitslos – was macht eigentlich Urs Fischer?

Urs Fischer (51) ist ein dankbarer Gesprächspartner. Kein gestelztes Gehabe, kein diplomatisches Geschwafel. Nein, Fischer sagt, was er denkt, was er fühlt, was ihn bewegt.

13.01.18, 09:40 13.01.18, 11:45

François Schmid-Bechtel / Schweiz am Wochenende



Urs Fischer wird als neuer Trainer des FC Basel vorgestellt, an einer Medienkonferenz des FCB in Basel, am Donnerstag, 18. Juni 2015. Der 49-jaehrige Zuercher folgt auf Paulo Sousa, dessen Vertrag der FCB am Mittwochabend auf Wunsch des Portugiesen nach nur einer Saison aufgeloest hat. Fischer erhielt einen Vertrag fuer zwei Jahre plus Option. Fischer war seit Januar 2013 Coach von Thun und fuehrte die Berner Oberlaender in drei Saisons zwei Mal in den Europacup. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Urs Fischer über sich selbst: «Ein Arbeiter, ehrlich und zuverlässig. Von mir aus bodenständig.» Bild: KEYSTONE

Trotz seiner Erfolge und seiner Popularität ist er normal geblieben. Und normal ist, wenn einen nach sieben Monaten ohne Job auch mal Sorgen plagen. Bei Fischer ist das nicht anders. Aber er sollte nicht öffentlich darüber reden, meint sein Manager. Also werden die entsprechenden Passagen aus dem Interview gestrichen. Dabei ist Fischer keineswegs ein seelisches Wrack. Im Gegenteil.

Als Doublegewinner mit dem FC Basel hat es nicht an Angeboten gefehlt. Warum sind Sie auch sieben Monate nach der Trennung noch ohne Job?
Urs Fischer: Wenn man viereinhalb Jahre ununterbrochen Trainer in der Super League war, braucht man etwas Abstand.

Waren Sie nach dem FCB ausgebrannt?
Nein, überhaupt nicht. Weder mental noch körperlich.

Dann hätten Sie im Sommer dem Ruf Ihres Freundes Fredy Bickel folgen und bei Rapid Wien anheuern können?
Es stimmt, dass ich unter anderem eine Anfrage aus Wien hatte. Aber sie kam zum falschen Zeitpunkt. Häufig ist man selbst der Letzte, der sich eingesteht, dass eine Pause gut tun würde. Das war wohl auch bei mir der Fall. Zum Glück habe ich gute Menschen um mich herum, denen ich vertrauen kann, die es gut mit mir meinen.

Urs Fischer, der Trainers des FC Basel stemmt an der offiziellen Meisterfeier des Clubs am Samstag, 3. Juni 2017 den Meisterpokal, links, und den Cuppokal auf dem Balkon am Barfuesserplatz in Basel in die Hoehe. (KEYSTONE/POOL FCB/Uwe Zinke) *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

Urs Fischer mit dem Pokal. Bild: POOL FC BASEL

Sie haben Ihrer Familie zuliebe pausiert?
Auch mir zuliebe. Aber es brauchte die Familie, um mich davon zu überzeugen.

Wie haben Sie die Pause bislang genutzt?
Ich habe mir Zeit genommen.

Wofür?
Für meine Frau, für die Familie, für mich. Mit meiner Frau habe ich Städte besucht. Und selbst habe ich viel gelesen, aber auch meine letzten Berufsjahre intensiv analysiert. Ich habe Dinge gemacht, die etwas zu kurz gekommen sind in den letzten Jahren.

Was?
Ich habe vor allem Biografien über Fussball-Trainer gelesen, aber auch Lektüre über Führung und Management.

Was haben Sie gelernt?
Man lernt immer, wenn man liest. Aber vor allem wurde ich in vielen Dingen bestätigt, was meine Arbeit betrifft.

Suchen Sie nach Bestätigung?
Wer nicht? Auch Ihnen ist es lieber, für Ihre Arbeit gelobt, statt kritisiert zu werden. Bestätigung gibt Sicherheit, vielleicht auch etwas Gelassenheit. Sicher wird das Selbstvertrauen gestärkt. Es ist jedenfalls schön, zu erfahren, dass punkto Teamführung – und das ist einer der wichtigen Aspekte für einen Profi-Fussball-Trainer – keine grossen Unterschiede innerhalb der Trainergilde bestehen.

Tatsächlich?
Taktisch gibt es sicher gewisse Unterschiede. Aber bei den Führungsgrundsätzen sind sich viele Trainer sehr ähnlich. Aber verstehen Sie mich nicht falsch.

Sie werden sich wohl nicht mit einem Jürgen Klopp (Liverpool) oder einem José Mourinho (Manchester United) vergleichen. Dafür sind Sie doch viel zu bodenständig.
Nein, bitte nicht. Mir wurde vorgeworfen, bodenständig zu sein. Wobei ich bis heute nicht kapiere, was an dieser Eigenschaft schlecht ist.

Vielleicht erwartet die Öffentlichkeit von einem Trainer mehr Glitzer und Glamour, mehr Schein.
Und wozu soll das gut sein?

Zur Projektion vielleicht?
Ja, vielleicht. Aber ich kann und will den Menschen doch nicht etwas vorspielen, das ich nicht bin.

Und was sind Sie?
Ein Arbeiter, ehrlich und zuverlässig. Von mir aus bodenständig.

Wann fühlten Sie sich wieder bereit, um als Trainer zu arbeiten?
Ab sofort, aber es muss das Richtige sein. Das kann in einer Woche oder in einem Jahr der Fall sein.

Wie haben Sie die Fussball-Sehnsucht gestillt?
Ich habe bei Urs Meier in Rapperswil reingeschaut. Und ich war bei Dieter Hecking in Mönchengladbach. Ausserdem habe ich sehr viele Spiele geschaut – im Stadion, aber auch am Fernsehen.

Nur, bis dato sind Sie zum Beobachter degradiert.
Das ist nicht nur schlecht. Denn als Beobachter hat man eine andere Sichtweise, kann sehr viel dazulernen.

Spüren Sie Ungeduld?
Nein! Als Trainer muss man mit dieser Situation umgehen können. Respektive, man lernt es.

Wie unterscheidet sich Ihre heutige Situation von jener von 2012, als Sie im März beim FC Zürich entlassen wurden?
Beim FC Zürich wurde ich von einer Sekunde auf die nächste entlassen. Es war meine erste Anstellung als Profitrainer bei einem Super-League-Klub. Und es heisst ja, dass man erst nach der ersten Entlassung ein richtiger Trainer ist. Mit dieser Weisheit konnte ich damals aber nicht viel anfangen. Denn ich war ziemlich geschockt und befürchtete zudem, in der Meinung der Öffentlichkeit versagt zu haben.

Ausserdem hiess es damals, der Ur-Zürcher Fischer würde als Trainer nur beim FCZ funktionieren.
Ja, das förderte meine Zuversicht natürlich nicht. Gut war, dass ich Monate später in Thun die Gelegenheit erhielt, zu beweisen, dass der Fischer auch ausserhalb von Zürich als Trainer taugt.

Wie haben Sie die Trennung beim FC Basel erlebt?
In Basel kam die Trennung nicht Knall auf Fall. Präsident Heusler und Sportchef Heitz informierten mich im Trainingslager im Januar, dass es zu einem Führungswechsel kommen könnte. Ich konnte mich also schon früh damit auseinandersetzen, dass die neue Führung wohl auch einen neuen Trainer installiert.

Kein Groll, kein Schmerz, dass die Zeit beim FCB trotz Titelgewinnen zu Ende geht?
Nein, so ist das Geschäft. Dabei war mein Start beim FCB nicht der einfachste.

Meinen Sie die Szene mit Fans, die Sie mit dem Plakat: «Fischer, nie eine vo uns!!!» in Basel begrüssten?
Ja, das war nicht angenehm. Obwohl mir klar war, dass ich als Zürcher in Basel nicht von allen mit Wohlwollen empfangen werde.

urs fischer nie eine vo uns fc basel

«Fischer, nie eine vo uns!!», skandierten die FCB-Fans mit einem Banner vor dem Media Center des FC Basel, wo der neue Trainer Urs Fischer vorgestellt wurde.

Spüren Sie Genugtuung, es den Kritikern gezeigt zu haben?
Nein. Nach meinem letzten Spiel im St. Jakob-Park sah ich ein Plakat mit der Aufschrift: «Fischer, eine vo uns!!!». Das war eine schöne Bestätigung, nicht alles falsch gemacht zu haben.

Dabei wurden Sie für Ihren Beamten-Fussball, Ihre vermeintliche Biederkeit laufend kritisiert.
Als FCB-Trainer kann man es nie allen recht machen. Entscheidend war, dass ich intern immer die volle Unterstützung gespürt habe.

Der FC Luzern hat eben einen Trainer gesucht, sich aber nicht für Sie entschieden. Machen Sie sich Sorgen, als Trainer überhaupt noch gefragt zu sein?
Nein. Wie gesagt, ich bin wieder bereit und gehe erst wieder ran, sobald das richtige Projekt für mich kommt.

Ist die Rückkehr in den Nachwuchs eine Option?
Im Moment nicht.

ZU DEN GERUECHTEN, DASS URS FISCHER NEUER TRAINER DES FC BASEL WIRD, STELLEN WIR IHNEN AM DONNERSTAG, 18. JUNI 2015, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG  -  Thuns Trainer Urs Fischer, rechts, und Thuns Ridge Munsy feiern den Einzug in die Europaleague nach dem Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Thun und dem FC Zuerich, am Sonntag, 17. Mai 2015, in der Stockhorn Arena in Thun. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Urs Fischer will momentan nicht im Nachwuchsbereich arbeiten. Bild: KEYSTONE

Warum nicht, wenn es doch allein darum geht, wieder als Fussballtrainer zu arbeiten?
Ich war beim FCZ sieben Jahre im Nachwuchs tätig. Das war eine schöne und sehr lehrreiche Zeit. Aber heute würde mir der Druck fehlen, den man bei den Aktiven hat.

Resultatdruck als Lebensqualität?
Wenn Sie so wollen, ja. Insbesondere der hohen Erwartungshaltung in Basel ausgesetzt zu sein war nicht immer einfach. Da war ja schon nach zwei Niederlagen Feuer im Dach. Aber es gibt auch den positiven Druck. Und dieser hat bei weitem überwogen.

Oder Druck als Ersatzdroge?
So weit würde ich nicht gehen. Aber eine Sehnsucht nach dem Resultatdruck verspüre ich schon. Der Druck ist ein wichtiger Aspekt der Leidenschaft, die man als Fussball-Trainer ausleben darf.

Betrinken und Beklagen mit Quentin

Video: watson/Quentin Aeberli, Emily Engkent

Fussball-Quiz

Jetzt mal eine ganz wichtige Frage: Welcher Ball bist du?

Wer war der häufigste Mitspieler in der Karriere von …?

Was weisst du über die Sponsoren der Premier-League-Klubs?

Wer war alles dabei? Bei diesen legendären WM-Aufstellungen kannst du dich beweisen 

Du wirst dich fühlen wie ein Clown – Teil 2 des Trikot-Quiz wird schwierig

Dieses knifflige Rätsel löste mein Chef in 4:14 Minuten – bitte, bitte, sei schneller!

Dieses logische Rätsel hat noch niemand unter 10 Minuten geschafft. Bist du der erste?

Erkennst du den Fussball-Klub, wenn du nur einen Teil des Logos siehst?

Wenn du diese Trikot-Klassiker nicht kennst, musst du oben ohne spielen

Fussball-Stadien, wie sie früher ausgesehen haben. Na, erkennst du sie auch alle?

Italienischer Fussballer oder Pastasorte? Hier kannst du deine Bissfestigkeit beweisen 

Huch, da fehlt doch was! Kennst du das Logo deines Lieblingsklubs ganz genau? Wir sind skeptisch ...

Es sind nicht alle Zitate von Zlatan: Aber zu wem gehören die herrlich arroganten Fussballer-Sprüche dann?

Volume II: Erkennst du den Fussball-Klub, wenn du nur einen Teil seines Logos siehst?

In der Disco, im Kino oder beim Fluchen – finde heraus, welcher Fussball-Star du am ehesten bist

Erkennst du den Fussball-Klub, wenn du nur einen Ausschnitt seines Logos siehst?

Vom Selfie bis zum Kokser-Fake – erkennst du die Fussball-Stars anhand ihres Jubels?

Achtung knifflig! Natürlich weisst du, wo Diego Benaglio, Mats Hummels oder Gerard Piqué spielen. Aber weisst du auch, bei welchem Verein sie vorher waren?

0, 1+8, 23, 52, 618 – weisst du, wieso Fussballer teilweise so schräge Rückennummern tragen?

Volume III: Erkennst du den Fussballklub, wenn du nur einen Teil seines Logos siehst?

Dass dieser Bub Wayne Rooney ist, hast du bestimmt erkannt. Aber wie sieht es mit anderen Fussballstars aus?

Achtung, noch kniffliger! Für welchen Klub haben diese 23 Fussballer denn früher gespielt?

Wenn du von einem Fussballer nur den Lebenslauf siehst: Weisst du, wen wir suchen?

11 Fragen bis zum Henkelpott: Hast du die Königsklasse, um dir den Champions-League-Titel zu holen? Aber Achtung, es ist wirklich knifflig

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

Abonniere unseren Daily Newsletter

7
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pamayer 13.01.2018 16:41
    Highlight Eindrückliches Interview. Danke.
    18 2 Melden
  • mikel 13.01.2018 16:35
    Highlight Immer einä vo ois!
    15 3 Melden
  • Imfall 13.01.2018 12:45
    Highlight Was man damals beim FCZ mit dir gemacht hat, war eine riesen Sauerei!

    Ich wünsche dir viel Erfolg!!!
    59 7 Melden
  • Zeit_Genosse 13.01.2018 12:25
    Highlight In einer Zeit wo Spieler-Frisuren auf dem Fussballplatz immer wichtiger werden, wo Emotionen den Wert eines Clubs mitbestimmen, braucht es keine stillen, sondern schrille Trainer. Leute die auf- und neben dem Platz etwas hergeben. Die Digitalisierung und mediale Multichannelvernetzung lechzt nach Drama, Schweiss, Emotion und Andersartigkeit. Das befeuert die Spieler, Fans und die neue Fusballwelt. Resultate sind wichtig, kommen aber nur über das über sich hinauswachsen zustande. Ein Team über seine Grenzen zu bringen kollidiert mit der bodenständigen Manier. Mir ist er zu sympathisch. Paradox!
    10 13 Melden
    • Jol Bear 13.01.2018 14:52
      Highlight Letztlich zählt der Erfolg, ob er mit ausgefallenen Frisuren und Tatoos zustande kommt oder ohne ist nicht relevant. Beispiel: Fussball-WM in Brasilien. Die Brasilianer mit schrillem Tamtam, Superstars und hochstilisierten Emotionen auf der einen Seite, auf der andern Seite Deutschland: alles sachlich, gründlich vorbereitet, vollkommen dem Team und dem Ziel untergeordnet. Wer letztlich den Erfolg auf seiner Seite hatte und als grosser Sieger in die WM-Geschichte eingegangen ist, ist hinlänglich bekannt.
      21 7 Melden
    • Zeit_Genosse 13.01.2018 21:48
      Highlight Jol Bear: Ich erinnere mich an einen sich an den Eier kratzenden Trainer der polarisiert. Und ich erlebe deutschen Fussball alles andere als sachlich, sondern emotional. Nicht im südamerikanischen, sondern im deutschen professionellen Stil. Ausserordentliche Resultate werden von Mannschaften mit emotionalen Ressourcen geschafft. Dazu braucht es Domteure. Wir sprechen von Fischer der nie in solche Höhen kommt, sondern selbst für die untere Ligen nicht der Reisser ist. Er wäre ein gutes und erfolgreiches und wertvolles Nr2, das sich momentan noch als Nr1 positioniert.
      0 8 Melden
    • Jol Bear 13.01.2018 23:00
      Highlight Weil Löw sich bisweilen selber vergisst, ist er trotzdem kein schriller Traner, der neben dem Platz für Schlagzeilen sorgt. Genausowenig wie z.B. Ancelotti, Ranieri, Pochettino oder gar der spröde Arsene Wenger, aber alle sind sie erfolgreich. Fischer ist vielleicht nicht mit all denen zu vergleiche. Aber in einem Verein mit vernünftiger Führung kann er zumindest in der Superleague sehr erfolgreich sein, hat er ja alles schon bewiesen.
      3 0 Melden

Luka Modric ist Fussballer des Jahres – beim Tor des Jahres sind wir überrascht 🤔

Erstmals seit 2007 heisst der Weltfussballer des Jahres weder Cristiano Ronaldo noch Lionel Messi. Ausgezeichnet wurde in London der Kroate Luka Modric.

Er hat mit Real Madrid die Champions League gewonnen und ist mit Kroatien bis in den WM-Final gestürmt. Nun hat Luka Modric die Auszeichnung zum Spieler des Jahres gewonnen.

Cristiano Ronaldo, der neben Mohamed Salah ebenfalls nominiert war, erschien gar nicht erst am Gala-Abend. Die offizielle Begründung fürs Fernbleiben war der dichte Spielplan von Juventus Turin.

Nach sieben Jahren holt sich Marta die Auszeichnung als beste Spielerin der Welt zurück. Bei der Preisübergabe zeigte sich die …

Artikel lesen