Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Michael Lang of Switzerland's FC Basel 1893 speaks during a press conference in the Natsionalen Stadion Vasil Levski in Sofia, Bulgaria, on Tuesday, November 22, 2016. Switzerland's FC Basel 1893 is scheduled to play an UEFA Champions League Group stage Group A matchday 5 soccer match against Bulgaria's PFC Ludogorets Razgrad on Wednesday, November 23, 2016. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Für Michael Lang und den FCB kommt die Champions League «keinesfalls ungelegen». Bild: KEYSTONE

Lang über die FCB-Minikrise: «Druck, Unruhe, Negativität – das war für viele neu»

Ist der FCB in der Krise? Basels Abwehrpatron Michael Lang äussert sich im Interview mit der Nachrichtenagentur sda über den schwierigen Saisonstart in der Super League und die Chancen im Champions-League-Heimspiel gegen Benfica Lissabon.

27.09.17, 11:33 27.09.17, 11:45


War das 1:0 gegen den FC Zürich der klassische Befreiungsschlag?
Wenn ich an all die Begleiterscheinungen unseres Auftritts in St.Gallen denke, stelle ich mir lieber nicht vor, was passiert wäre, wenn wir erneut verloren hätten.

Der schwierigste FCB-Moment seit Jahren?
Der Druck, die Unruhe, die Negativität, die teilweise rund um den FCB herumschwebten, das war in dieser Dimension für viele von uns neu. Jeder erwartete von uns im Spiel gegen die Zürcher ultimativ ein positives Ergebnis, entsprechend gross ist die Erleichterung.

Der St. Galler Albian Ajeti, oben, und Basels Michael Lang, im Fussball Super League Spiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Basel, am Mittwoch, 20. September 2017, im Kybunpark in St. Gallen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Michael Lang versucht mit dem FCB wieder auf die Beine zu kommen. Bild: KEYSTONE

Sie haben von der neuen Erfahrung gesprochen, mit Fehltritten umgehen zu müssen. Rotblau war jahrelang ausschliesslich auf Sieg programmiert. Im Sommer verlor der Verein an der Spitze eine Menge Know-how, das Kader wurde verkleinert. Ist die aktuelle Situation eine Kumulierung verschiedener Gefahrenherde?
Ich würde es so formulieren: Dass wir uns nach dem 0:2 in Bern zunächst aufgefangen haben, dann aber erneut aus der Bahn geworfen wurden, ist ein Indiz dafür, momentan weniger gefestigt zu sein als in den letzten Jahren. Nach doch ziemlich einschneidenden Veränderungen im Sommer sind Schwankungen nie ganz auszuschliessen.

Machten der Mannschaft nach der 1:2-Heimniederlage gegen Lausanne Versagensängste zu schaffen?
Nein, das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Eine Meisterschaft wird weder im September noch im Oktober entschieden. Vor knapp vier Monaten haben wir den Titel mit 17 Punkten Vorsprung gewonnen und jetzt soll der Champion plötzlich nur noch ein Mittelfeldklub sein? Das ist für mich nur noch Schwarzweiss-Politik. Cool bleiben, den Kopf nicht verlieren, unsere Qualität ist nach wie vor beträchtlich.

Kritische Beobachter bringen für den Stillstand des wirtschaftlich potenten Branchenprimus kein Verständnis auf.
Wir wurden in der letzten Saison auch nach Siegen kritisiert. Daher überrascht es mich ehrlich gesagt nicht, nach einem solchen ersten Quartal im Gegenwind zu stehen. Umso wichtiger war, dass wir mit dem Messer am Hals zu einer Reaktion fähig waren. Unser Team funktionierte und wird das auch weiterhin tun.

Ist Krise der richtige Begriff für neun Runden mit Ausschlägen in alle Richtungen? Oder stufen Sie die Tragweite der Probleme anders ein?
Es war auf jeden Fall eine schlechte Phase, die sich wie eine Krise anfühlte. Wenn man mit dem FCB vier Spiele nicht gewinnt und sich im eigenen Stadion eine Niederlage gegen Lausanne leistet, ist das schon sehr unbefriedigend.

Basels Michael Lang nach dem Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Basel 1893 und dem FC Lausanne, im St. Jakob-Park in Basel, am Samstag, 9. September 2017. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Michael Lang nach der Heimniederlage gegen Lausanne am Boden zerstört. Bild: KEYSTONE

Ihr Präsident Bernhard Burgener warf dem Team in einem «Blick»-Interview vor, gegen den FC St. Gallen ohne Leidenschaft und überheblich gespielt zu haben. Ein brisanter Vorwurf!
Es war eine Message an die Adresse der Mannschaft. Es ist sein gutes Recht, sich nach einer schlechten Leistung klar zu äussern. Vielleicht hätte ich als Aussenstehender unsere erste Hälfte in St. Gallen gleich beurteilt, auf dem Platz war jedoch immer klar: Jeder wollte kämpfen, keinem fehlte die Lust, sich aufzulehnen. Aber mit einer öffentlichen Beurteilung muss ein Profi umgehen können. Jeder von uns steht einmal pro Woche im Schaufenster, und jeder kann sich eine Meinung über den Formstand bilden; das gehört nun mal zu unserem Job.

Wie haben Sie Raphael Wicky im ersten schwierigen Vierteljahr seiner Trainerlaufbahn bei den Profis wahrgenommen?
Seine Ansprache war deutlich, aber immer sachlich. Er machte einen abgeklärten Eindruck, obschon er zum ersten Mal auf dieser Ebene mit einer prekären Situation konfrontiert war. Er konnte perfekt vermitteln, was auf dem Spiel stand, ohne dabei nervös zu werden. Die Tragweite war immer spürbar, und doch nahm er bewusst Druck weg.

Gab es in der letzten Woche auch eine interne Aufarbeitung der Rückschläge?
Der Staff und ein paar erfahrene Spieler haben sich zusammengesetzt und ein paar Punkte angesprochen. Es war ein gutes, offenes Gespräch. Panik ist keineswegs angebracht. In der Regel ist es wenig hilfreich, überstürzte Änderungen zu veranlassen und Pläne über Bord zu werfen, die sich in besseren Abschnitten bewährt haben. Ich glaube, wir haben uns zwischen den Spielen in St. Gallen und gegen Zürich clever verhalten und jene widerlegt, die den FCB allzu schnell komplett abschreiben wollten.

Basel's head coach Raphael Wicky speaks during a press conference the day before the UEFA Champions League Group A soccer match  between Switzerland's FC Basel 1893 and Portugal's SL Benfica in the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, on Tuesday, Sept. 26, 2017. (Georgios Kefalas/Keystone via AP)

Der Sieg im Klassiker gegen den FCZ hat Raphael Wicky wieder etwas Luft verschafft. Bild: AP/Keystone

Unter welchem Gesichtspunkt empfangen Sie nun Benfica Lissabon? Welche Bedeutung hat die Champions League im Kontext mit dem erstmals seit acht Saisons komplizierteren Alltag?
Ziel muss der zweite Gruppenplatz sein. Ob wir das schaffen? Wer weiss das schon, aber Träume sollten erlaubt sein, zu viel Realismus ist nicht zielführend. Es wäre ein falscher Ansatz, nur auf die Stärken der Gegner hinzuweisen. Wie viel passieren kann, demonstrierte ZSKA Moskau mit dem Sieg in Lissabon.​

Der FCB müsste auf Champions-League-Ebene eine überraschend lange Serie beenden – seit elf Partien und bald drei Jahren ist Ihr Klub auf dieser Stufe sieglos.
Es ist an der Zeit, das zu ändern. Die letzte Kampagne verlief mit nur zwei Unentschieden gegen den Aussenseiter Ludogorez enttäuschend. In diesem Jahr ist die Konstellation anders. Jeder Kontrahent trägt einen prominenten Namen, auch jedem Aussenstehenden dürfte der Schwierigkeitsgrad weitgehend bekannt sein.

BaselÕs Michael Lang, Luca Zuffi, Dimitri Oberlin, Marek Suchy and goalkeeper Tomas Vaclik, from left, show dejection after Manchester's 3rd goal, during the UEFA Champions League Group stage Group A matchday 1 soccer match between Switzerland's FC Basel 1893 and Manchester United at the Old Trafford stadium, in Manchester, England, this Tuesday, September 12, 2017. (KEYSTONE/Anthony Anex)

In Manchester gab's für den FCB nichts zu holen. Bild: KEYSTONE

Ist der europäische Wettbewerb eine Chance, mit guten Vorstellungen gegen erstklassige Gegner das ramponierte Selbstvertrauen zu stärken?
In der letzten Saison war es umgekehrt. Wir lösten die Aufgaben national souverän und blieben trotz des frühen europäischen Outs auf Champions-League-Kurs. Nun haben wir die Gelegenheit, Überraschungen zu schaffen. Viele werden zwar eine andere Rechnung machen: Letztes Jahr war der FCB in der Super League überragend und holte im Europacup nichts, wie soll er denn jetzt bestehen können?

Stimmt denn das Timing?
Die Champions League kommt auf keinen Fall ungelegen, für solche Partien gibt es nie einen schlechten Zeitpunkt. Sie ist die Bühne, um das Selbstvertrauen ein Stück weit wieder aufzubauen. Ich betrachte den Wettbewerb in erster Linie als riesige Challenge. Prozentual können nur wenige Spieler am Ende ihrer Karriere für sich in Anspruch nehmen, an der Champions League teilgenommen zu haben. (pre/sda)

Das meint Renato Steffen:

Die teuersten Zu- und Abgänge der Super-League-Klubs

Unvergessene Champions-League-Geschichten

21.05.2008: John Terrys fataler Ausrutscher: Im ersten rein englischen CL-Final stösst er Chelsea ins Tal der Tränen

12.11.2002: Basel spielt 3:3 gegen Liverpool und Beni Thurnheer schwärmt: «Das müsste man zeigen, wenn ich gestorben bin»

26.05.1999: Sheringham und Solskjaer – zwei Namen und du weisst sofort, worum es hier geht

28.05.1997: Lars Ricken kommt, schiesst und macht Borussia Dortmund zum Champions-League-Sieger

18.04.2001: Das berühmteste Mannschaftsfoto der Welt wird geknipst – wie sich ein ehemaliger Boxer als 12. Mann unsterblich macht

25.05.2005: Liverpool schafft gegen Milan dank «sechs Minuten des Wahnsinns» und Hampelmann Jerzy Dudek die unglaublichste Wende aller Zeiten

23.05.2001: Oli Kahn hält im CL-Final gegen Valencia drei Elfmeter und wird endgültig zum Titan

25.09.1996: Murat Yakin sticht mit seinem Freistoss mitten ins Ajax-Herz und bringt Mama Emine zum Weinen

28.05.1980: Underdog Nottingham überrascht Europa erneut und sorgt für eine kuriose Bestmarke

07.12.2011: Der FC Basel schmeisst Manchester United aus der Champions League und Steini, der Glatte, schiesst den Ball an die Latte

26.09.1995: Luganos Carrasco bringt mit seiner Banane Gianluca Pagliuca und das grosse Inter Mailand zum Weinen

30.09.2009: Dank Tihinens Hackentrick, «abgeschaut bei einem finnischen Volkstanz», bodigt der FC Zürich das grosse Milan

18.03.2003: Der FC Basel schafft gegen Juve nur die «kleine» Sensation – für die grosse fehlen dann doch vier Tore

01.04.1998: Jauch und Reif lassen beim Torfall von Madrid jeden Aprilscherz alt aussehen

29.09.1971: Statt «allzu augenfällig im Spargang» die Pflicht zu erledigen, sorgt GC für den höchsten Schweizer Europacup-Sieg aller Zeiten

04.11.1992: Sion träumt von der Champions-League-Gruppenphase, kassiert trotz ansprechender Ausgangslage in Porto jedoch eine 0:4-Klatsche

20.11.1996: Wegen 20 fatalen Minuten landet Champions-League-Überflieger GC in Glasgow auf dem harten Boden der Realität

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Daily Newsletter

2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Score 27.09.2017 13:04
    Highlight Man tut so wie wenn die Krise überstanden ist. Und das wegen einem eher glücklichen Sieg gegen den Aufsteiger. Wenn man gegen GC verlieren sollte siehts aber schon wieder anders aus...
    5 5 Melden
    • ujay 28.09.2017 05:24
      Highlight ...man kann sich auch eine Krise einreden....ich sehe keine.
      1 0 Melden

Offiziell! Koller übernimmt den FCB per sofort – Bernegger kommt als Assistent

Nun ist es offiziell: Marcel Koller wird Trainer des FC Basel und tritt damit die Nachfolge des vor einer Woche entlassenen Raphael Wicky an. Koller einigte sich mit dem FCB auf einen Zweijahresvertrag. Der 57-jährige Zürcher nimmt seine Arbeit beim 20-fachen Schweizer Meister per sofort auf. 

Assistiert wird der frühere Nationalcoach Österreichs von Thomas Janeschitz und Carlos Bernegger. Bernegger wirkte bis im August 2017 als Cheftrainer bei den Grasshoppers. Mit Janeschitz arbeitete …

Artikel lesen