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Schär interviewt Federer mal nicht in einem Tennisstadion, sondern öffentlich bei einem Sponsorentermin.
Bild: jura

Radiomann Berni Schär über sein Leben mit Roger Federer und einen Wechsel zum Fernsehen

Berni Schär ist die bekannteste Sportstimme von Radio SRF. Stars wie Roger Federer schätzen den 59-Jährigen genauso wie viele Hörer. Zum Auftakt der Ski-Saison erzählt Schär über seine Berufung zum Radioreporter, seine Beziehung zum Sport und zu den Sportstars.

26.11.15, 12:30 27.11.15, 10:27

klaus zaugg und bruno wüthrich

Sie sind die Stimme des Sports, die in der ganzen Schweiz zu hören ist …
Bernhard (Berni) Schär:
… nur nicht übertreiben. Es gibt auch im Oberaargau, wo ich herkomme, viele, die etwas zu sagen haben und es bloss nicht laut und vernehmlich in die Welt hinaus tragen. Der Oberaargauer ist bescheiden, fleissig, anständig, robust und sicher kein Showman.

Moment mal! Sie verkörpern als Radioreporter geradezu den Showman. Sie zelebrieren Reportagen als Show.
Nein, ich mache keine Show. Ich bin bloss ein Verkäufer. Ich muss mein Produkt, meine Reportage an den Mann bringen. Sonst hört mir niemand zu. Das ist keineswegs ein Zeichen fehlender Bescheidenheit.

Tatsache ist, dass man Ihnen gerne zuhört. Sie gelten als eine der markantesten Stimmen am Radio. Berni Schär ist Kult. Bis zu 1,3 Millionen Hörerinnen und Hörer hören Ihnen zu.
Ich habe das Glück, dass ich eine Stimme habe, die auf eine ganz natürliche Art und Weise gut rüber kommt. Ich merke das nicht nur an guten Kritiken. Wenn ich rede, hören die Leute zu, ich merke das auch privat. Der Ton aber ist für das Medium Radio entscheidend. Wenn du nicht hörerfreundlich klingst, kann dein Bericht noch so gut sein. Trotzdem wird dir kaum jemand gerne zuhören. Ich muss mit dem Ton gut umgehen und einen Effekt erzielen, damit der Hörer aufmerksam wird.

Der Zielraum von Wengen ist seit Jahren eine der «Stuben» Berni Schärs.
Bild: KEYSTONE

Sie sind ein emotionaler Radioreporter. Das ist gerade auf dem «Staatssender» eher ungewöhnlich.
Ich kommentiere so, wie wenn ich unter den Zuschauern im Stadion stehen würde. Die Stimmung im Stadion wirkt auf mich stimulierend. Ich will das an einem Beispiel erklären. Ich hatte einen Sprechausbildner, der mir sagte, dass es wichtig sei, ruhig zu bleiben und von den Emotionen runter zu kommen. Ich nahm ihn mit ans Lauberhorn in meine Reporterkabine und er setzte sich die Kopfhörer auf, durch die er die ganze Stimmung im Zielraum mitbekam. Ich forderte ihn auf, jeweils meine Hand zu drücken, wenn er das Gefühl habe, ich sei zu laut und zu emotional. Er drückte sie kein einziges Mal – weil auch er durch die Atmosphäre mitgerissen wurde.

«Radio ist so aktuell wie eh und je.»

Als das Fernsehen aufkam, wurde dem Radio der Tod prophezeit. Doch auch heute, wo in nahezu jedem Haushalt Fernsehgeräte stehen, ist Radio aktuell. Weshalb ist das so? Was macht Radio aus?
Sie haben recht. Als das Radio aufkam, sagte man die Zeitungen tot. Es gibt sie heute noch. Als das Fernsehen aufkam, schien das Ende des Radios absehbar. Radio ist so aktuell wie eh und je. Und auch das Fernsehen gibt es noch, obwohl es nach dem Aufkommen des Internets für überflüssig angesehen wurde. Mein Lieblingsmedium ist das Radio, weil es schnell und spontan ist, und weil es nie sterben wird. Während die Fernsehleute noch mitten in der Produktion einer Sendung stecken, haben wir die Meldung oder den Bericht über das Radio längst gesendet.

Sie wirken spontan. So, als hätten Sie alles im Kopf.
Das Radio ist ein spontanes Medium. Es ist sehr wichtig, Resultate, Erlebnisse und Begegnungen im Kopf zu haben. Der beste Computer ist mein Gehirn. Ich muss nicht von einem Blatt ablesen, das würde gar nicht funktionieren.

Berni Schär sagt von sich: «Ich bin ein Morgenmensch.» Wer seine Stimme nicht kennt, der kann sie hier hören.
bild: srf

Sie würden sicherlich auch im Fernsehen eine gute Figur machen. Haben Sie noch nie daran gedacht, ins Fernsehen zu gehen?
Diese Frage ist mir wohl schon hundert Mal gestellt worden. Sie haben recht: Mit etwas Schminke würde ich wohl auch ein TV-Mann. Aber das Radio ist mein Medium und bringt meine Stärken, meine Spontanität voll zur Geltung. Dazu kommt, dass ich eher Einzelkämpfer bin. Ich kann meinen Tagesrhythmus selbst bestimmen. Die ganze Technik, ohne die es beim Fernsehen nicht geht, brauche ich nicht. Keinen Kameramann, keinen Techniker. Das schätze ich sehr.

Sie sind dazu in der Lage, sofort auf Sendung zu gehen?
Ich bin in fünf Sekunden bereit. Das ist sehr viel Zeit. Das merken Sie, wenn Sie in aller Ruhe zählen: Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig, vierundzwanzig, fünfundzwanzig. Das ist für mich fast eine Ewigkeit und es wäre schlimm, wenn ich fünf Sekunden am Mikrofon schweigen würde. Sie sehen daran, wie spontan und direkt das Medium Radio ist und wie wichtig es sein kann, alles im Kopf zu haben. Es muss sprudeln.

Lernen Sie Statistiken eigentlich auswendig?
Ich war Mittelschullehrer und sage heute noch: Am besten behält man das, was man selber aufgeschrieben hat. Über Jahre hinaus habe ich komplette Statistiken für meine Sportarten erarbeitet. Wenn Sie so wollen, arbeite ich jeden Tag daran und ich mache das aus Leidenschaft. So bin ich immer auf dem Laufenden und komme nicht auf einmal vor einer Grossveranstaltung wie einer Ski-WM in Stress.

Ihre Reportagen leben aber nicht nur von guten Statistiken, sondern auch durch die vielen Geschichten.
Nicht die sieben Medaillen sind wichtig, die einer gewonnen hat. Das wissen andere auch. Ich will es an einem Beispiel erklären: Slalomfahrer Daniel Yule hat zwei Jahre auf die WM hingearbeitet und dann war in fünf Sekunden alles vorbei. Er hatte den kürzesten Auftritt bei den Titelkämpfen. In zwei Jahren bei der nächsten Ski-WM in St.Moritz wird diese Geschichte noch einmal Thema sein.

«Mit Roger Federer herumzureisen ist faszinierend.»

Sie sind der Mann, der fürs Radio Roger Federer rund um den Globus begleitet.
Gerade im Fall von Roger Federer ist es wichtig, viel zu wissen. Bei einem grossen Turnier weiss ich, wann und wo Roger trainiert und bin bei jedem Training dabei. Das hilft mir.

Wie gut kennen Sie Roger Federer?
Ich kenne ihn jedenfalls schon sehr lange. Ich hatte ihn 1998 beim Fed-Cup in Genf erstmals vor dem Mikrofon. Er war als Gast bei diesem Anlass.

Wie ist Roger Federer?
Mit ihm herumzureisen ist faszinierend. Er ist in jeder Beziehung eine absolute Ausnahmeerscheinung. Wenn er mit Ihnen spricht, wird er auch Fragen stellen und er wird in zehn Minuten herausfinden, was er von Ihnen mitnehmen kann. Er ist ein sehr guter Menschenkenner. Wer weltweit mit so vielen interessanten Menschen zusammenkommt, nimmt sehr viel mit.

Wie ist denn Ihr Verhältnis mit Roger Federer?
Geprägt von grossem Respekt und Anstand. Wenn wir uns grüssen, dann sagen wir immer den Namen. Das mag Ihnen als Detail erscheinen, aber es sagt doch viel. Roger Federer ist ein sehr gut erzogener, hoch anständiger, feinfühliger Champion. Es ist absolut einzigartig, dass er im Laufe seiner Karriere, beobachtet von allen Medien der Welt, noch nie in einen Skandal verwickelt war. Das hängt eben mit seiner Erziehung, seinem Anstand, seinem Charakter und seiner Professionalität zusammen. Es ist ein Privileg, mit einem solchen Sportler zusammenarbeiten zu können.

Weltstar Federer zählt rund um den Globus zu den populärsten Sportlern.
Bild: ap

Ist er sozusagen das Gegenstück zu Skirennfahrer Paul Accola, dem Weltcup-Gesamtsieger 1991/92?
Ja, aber im guten Sinne. Paul Accola ist einfach eine ganz andere Persönlichkeit. Roger Federer kann sich in wenigen Minuten beruhigen und hoch konzentriert ein Interview geben. Für Accola war es oft besser, wenn er erst am anderen Tag ein Interview gab.

Werden Sie wegen Ihrer Nähe zu den Stars oft eingeladen? Oder heisst es in Restaurants sogar: Ihre Rechnung geht aufs Haus?
Nein, so nicht. Aber ich werde viel darauf angesprochen: ‹Ah, Du bist doch der, der oft Roger Federer interviewt.›

Strahlt etwas vom Ruhm von Roger Federer auch auf Sie ab?
Ein wenig ist das wohl so. Ich schätze jedenfalls jeden Tag, den ich im Rahmen meines Berufes mit diesem einzigartigen Sportler erleben darf. Ich bin bei allen Grand Slam Turnieren dabei – ausser dem Saisonauftakt in Australien. Weil ich da mit dem Skizirkus unterwegs bin.

«Nicht nur ich, die ganze Tenniswelt wird Roger Federer als Spieler und als Mensch vermissen.»

Sie sind eben ein schlauer Kerl. Sie wissen ganz genau: Skisport wird in der Schweiz immer im Fokus bleiben, aber Tennis wird ohne Roger Federer nicht mehr interessant sein.
Das sehen Sie richtig. Auch wenn der beste Schweizer nur 17. wird, sind wir am Lauberhorn, in Kitzbühl oder bei der Ski-WM immer noch dabei. Aber wenn der beste Schweizer Tennisspieler keine Chance hat, ins Viertelfinale zu kommen, werden wir beim Tennis nicht mehr vor Ort sein. Der Skisport ist mein zweites Standbein.

Sie werden den Rücktritt von Roger Federer bedauern?
Ja sicher. Nicht nur ich, die ganze Tenniswelt wird Roger Federer als Spieler und als Mensch vermissen. Eine so charismatische und erfolgreiche Figur ist nur schwer zu ersetzen. Doch noch ist es nicht soweit. Nicht einmal Roger Federer selber weiss, wann sein Zeitpunkt des Rücktritts fällig ist. Klar ist jedoch, dass unsere Beziehung so oder so weitergehen wird.

Hören Sie eigentlich selbst auch Radio?
Nicht so viel wie ich sollte und nicht gezielt. Vor allem im Auto, wenn ich unterwegs bin, höre ich oft SRF 3. Ich höre dann aufmerksam und gezielt Radio, wenn mich etwa Kollegen um ein Feedback bitten.

Sie holen in Interviews oft mehr heraus als viele Ihrer Kollegen. Wie kommt das?
Nehmen wir als Beispiel Silvano Beltrametti (der Skirennfahrer ist seit einem Unfall 2001 querschnittgelähmt, die Red.). Ich denke heute noch jeden Tag fünf Sekunden an ihn und an sein Schicksal. Er hat mir einmal gesagt: ‹Wenn du mit mir Interview machst, dann muss ich wegen deiner prägnanten Stimme und kurzen und klaren Fragestellung einfach konzentriert sein, zuhören und antworten.› Das war ein riesiges Kompliment für mich. Wenn das Mikrofon läuft, dann plaudere ich nicht mehr. Dann bin ich professionell, ernst und konzentriert. Es geht um Respekt und Distanz gegenüber dem Interviewpartner, es geht um eine kritische Haltung, aber auch um die Würdigung der Leistung. Ich gehe davon aus, dass keiner absichtlich langsam die Lauberhornpiste hinunterfährt oder im Tennis einen Doppelfehler macht. Man darf kritisch sein, aber niemals hämisch oder von oben herab sagen, was nicht gut war.

«Ich sass wohl als erster Journalist daheim bei Bykow am Küchentisch.»

Bekannt sind Sie für Ihre Reportagen aus dem Ski- und Tennis-Zirkus. Aber eigentlich verdanken Sie ihren Radio-Job den russischen Eishockeystars Slawa Bykow und Andrej Chomutow.
Das stimmt. Bevor ich am 1. Februar 1991 definitiv meinen Lehrerjob aufgab und zum Radio wechselte, war ich freier SRF-Mitarbeiter für die Regionaljournale Bern, Fribourg und Wallis. Ich kenne Jean Martinet, den damaligen Präsidenten des NLA-Eishockeyvereins Fribourg-Gottéron. Bykow und Chomutow haben mich sofort fasziniert. Ich sass wohl als erster Journalist daheim bei Bykow am Küchentisch und machte Interviews. Bei den Tagessitzungen haben wir vom Regionaljournal jeweils für die nationalen Sendungen Beiträge von Bykow und Chomutow angeboten. Urs Leutert, damals Sportchef beim Radio, wurde so auf mich aufmerksam und aus dem freien Regionaljournal-Mitarbeiter Schär wurde ein Festangestellter der Sportabteilung.

Hat sich die Bedeutung des Mediums Radio verändert?
Nicht die Bedeutung, aber die Form. Radio ist unsterblich, weil es ein einfaches und schnelles Medium ist. Und weil wir Schweizer nach wie vor keine Kultur des Frühstückfernsehens haben, ist das Radio auch das Begleitmedium durch den Vormittag. Aber die Form ist anders. Die Beiträge sind im Vergleich zu meiner Anfangszeit im Jahre 1988 viel kürzer geworden.

Fan-Lob auf Twitter.

Um wie viel kürzer?
Einst waren die Beiträge vier Minuten lang, heute höchstens noch zwei. Früher hatten wir am Sonntagnachmittag mit der Sendung «Sport und Musik» vier Stunden lang für die Sportberichterstattung zu Verfügung und wir machten Interviews, die fünf bis sechs Minuten dauerten.

Ist denn diese Verkürzung notwendig?
Ja und Nein. Am Vormittag sollten Wortbeiträge nicht mehr länger als anderthalb Minuten sein. Aber am Abend sind nach 20 Uhr Hintergrundsendungen mit einem stündigen Wortblock durchaus möglich.

Sie haben ja auch den Vorteil, dass Sie einfach berichten können, was ist. Sie müssen sich nicht mit Recherchen in unangenehmen Bereichen befassen.
Das ist so. Mein Auftrag ist es primär direkt, live, eins-zu-eins zu berichten. Das wird immer so sein. Weil das Radio das schnellste Medium ist und bleibt. Aber die Wortbeiträge werden immer kürzer und es gibt weniger Hintergrund-Beiträge. Konkret: Wir hatten einst am Dienstag das Gefäss «Sport im Clinch». Da konnten wir während elf Minuten auf Ereignisse vom Wochenende eingehen. Leider gibt es diese Sendung nicht mehr.

Aber auch die Technik hat sich verändert …
… gewaltig verändert. Heute kann ich ganz alleine eine Sendung machen. Ich hole im Zielraum die Aussagen von Lindsey Vonn, thematisiere das Duell Tina Maze gegen Anna Fenninger mit Aussagen von beiden Athletinnen, dazu nehme ich die Stimmen von Fabienne Suter, Lara Gut und Dominique Gisin. Anschliessend übertrage ich die Interviews auf meinen Laptop und schneide alles zusammen auf die gewünschte Sendezeit von 2 Minuten und zehn Sekunden. Den Bericht übermittle ich dann per E-Mail ins Studio.

Wie lange dauert das Zusammenschneiden der Sendung?
Für zwei Minuten Sendezeit ist der Aufwand etwa anderthalb Stunden.

«Wird Ihr Sohn so gut wie Roger Federer?» – «Er ist erst 14, da passiert noch viel.»

Haben Sie eigentlich auch privat Kontakt mit den Sportlern?
Nein. Aber rund um die Wettkämpfe. Es kann schon sein, dass ich während der Pistenbesichtigung mit Carlo Janka ins Gespräch komme. Aber nur, wenn er mich anspricht, denn ich würde ihn bei seinen Vorbereitungen auf das Rennen nie stören.

Ihr soziales Umfeld sind also nicht primär die Sportler?
Nein. Mein soziales Umfeld besteht aus meiner Familie und guten Kumpels. Die sind zwar sportinteressiert, sind aber selber nicht im Sport tätig.

Ihr Sohn Jonas ist ein sehr talentierter Tennis-Spieler. Er ist 14 Jahre alt und erreichte bei den 16-Jährigen den Final der Schweizer Meisterschaft. Wird er so gut wie Roger Federer?
Dieser Einzug in den Final war für Jonas tatsächlich ein überaus schöner und wertvoller Erfolg. Aber bei Vergleichen nehme ich das Wort «Federer» nicht in den Mund.

Wird er ein Tennisprofi?
Er ist wie gesagt erst 14-jährig und da passiert noch viel. Er ist ein leidenschaftlicher Spieler und liebt den Tennissport. Er geht in die normale öffentliche Schule, wird aber, weil er im Tennis-Nationalkader ist, mit bis zu maximal 13 Lektionen entlastet.

Schärs Sprössling Jonas ist ein Tennistalent im Nationalkader.
bild: jonasschaer.ch

Aber er hat ein grosses Potenzial?
Ja, er hat eine sehr gute Technik und eine hohe Spielintelligenz. Weil er in einer Wachstumsphase steckt, happert es jedoch noch etwas mit der Koordination.

Dann kann er wenigstens in die Top 100 der Welt kommen?
Schauen Sie, ich bin seit 25 Jahren im Weltsport Tennis hautnah dabei und weiss genau, wie enorm schwierig, ja fast unmöglich, es ist, in die Top 100 vorzustossen. Es braucht ein ausserordentliches, wirklich ausserordentliches Talent und einen grossen Willen und es kostet hunderttausende von Franken. Richtig gutes Geld verdienen am Schluss jedoch nur die Top 30.

Sie sind Mittelschullehrer mit Abschluss in Geographie und Mathematik. Hilft die Präzision der Mathematik bei Ihrem Beruf?
Ja. Bei einer Rechenaufgabe kommen sie auf ein Resultat, das sie doppelt unterstreichen. Bei einem Radiobeitrag müssen sie ebenso präzis arbeiten und exakt auf die vorgegebene Zeit fertig werden.

Sie sind auch Offizier. Hat das «Weitermachen» geholfen?
Ich war Hauptmann und habe somit die Offiziersschule und die Zentralschule absolviert und diese militärische Ausbildung hat mir durchaus geholfen. Es hat geheissen: ‹Schär, zum Vortrag, drei Minuten!› Dann hat der Instruktionsoffizier genau nach drei Minuten mitten im Satz gestoppt und befohlen: ‹Schär, setzen!› Das ist mir nur einmal passiert. Ich habe gelernt, exakt auf die Zeit zu formulieren. Und ich habe gelernt, ohne Angst vor Leuten aufzutreten und zu reden.

Dann sollte also jeder Radiomann in der Armee weitermachen?
Falsch, Sie versuchen mir eine Aussage unterzujubeln! Ich sage es so: Eine militärische Ausbildung ist kein Nachteil.

Sie haben Mathematik und Geographie studiert. Welche Rolle spielt Ihre Ausbildung bei Ihrer heutigen Tätigkeit?
Vor allem die Mathematik ist Gold wert. Sport besteht aus Zahlen. Sie einordnen und vergleichen zu können, ist wichtig. Ich kann mit Zahlen umgehen und ich kann sie im Kopf behalten. Dies ist für die spontane Moderation sehr wichtig. Doch auch bei der Analyse hilft mir meine Ausbildung. Der frühere Spitzenspieler und heutige Experte Heinz Günthardt betrachtet Tennis als Physik. Ich bin einer derjenigen, die mit ihm auf Augenhöhe über Prozesse, wie sie im Tennis stattfinden, diskutieren können.

Eine Glanzstunde in Berni Schärs Karriere: Die Schweiz holt den Davis Cup

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Friendo-86 26.11.2015 14:38
    Highlight Gutes Interview, aus dem hervorgeht, warum dieser Mann so gut ankommt: nebst einer guten Stimme verfügt er auch über die Fähigkeit, zu differenzieren.
    24 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 26.11.2015 18:04
      Highlight Ja, an der Englischaussprache kann es nämlich nicht liegen. Ich krieg jedesmal fast Ohrenkrebs, wenn er "Ändi Mörri" sagt...🙉
      18 2 Melden

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