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Nach Umberto Barberis, Marco Grassi und Patrick Müller wird Diego Benaglio der vierte Schweizer bei Monaco in den letzten vier Jahrzehnten. bild: as monaco

Benaglio nach seinem Wechsel zu Monaco: «Habe den Hunger nie verloren»

Mit 33 Jahren ist Diego Benaglio bereit für eine neue Herausforderung. Der langjährige Natigoalie wechselt zum französischen Meister Monaco – und spricht im Interview bereits von der Rückkehr nach Wolfsburg.

21.06.17, 11:36

Diego Benaglio, warum Monaco? Für die «Süddeutsche Zeitung» sind Sie der «ewige Torhüter des VfL Wolfsburg», eine Klubikone, der Rekordspieler des Vereins.
Diego Benaglio:
Der Entscheid, Wolfsburg zu verlassen, fiel mir in der Tat unheimlich schwer. Hinter mir liegt eine lange und unglaublich intensive Zeit beim VfL. Wolfsburg wurde zu unserer Heimat. Meine Kinder sind hier geboren, die Stadt ist unser Zuhause.

Im Sommer vor einem Jahr haben Sie als Captain beim VfL bis 2019 verlängert.
Aber ich glaube, der Moment, in meiner Karriere nochmals eine grosse Herausforderung anzunehmen, ist der richtige. Dieser Gedanke reifte während Monaten.

Monaco muss gute Argumente bieten.
Mich haben die Gespräche überzeugt, der Klub hat hohe Ambitionen und exakte Vorstellungen. Es war wichtig zu hören, wie die Verantwortlichen mich in diesem Projekt sehen, was sie vorhaben mit mir. Die Challenge wird spannend und ich bin bereit, mich ihr zu stellen.

Benaglio überzeugt mit seinen Französisch-Kenntnissen. Video: YouTube/AS MONACO

Nochmals zurück zu Ihrer fast zehnjährigen Ära in der Bundesliga. Was prägte Sie, was bleibt haften?
Unter dem Strich alles. Es ist unmöglich, einen einzelnen Moment herauszuheben. Klar, der Gewinn der Meisterschaft und der Cupsieg lösten gewaltige Emotionen aus. Abgespeichert sind aber auch die schwierigen Zeiten, die wir gemeinsam bewältigt haben.

Woran denken Sie konkret?
Der Tod von Junior Malanda bewegte uns Spieler und den gesamten Verein extrem, das war ein unfassbar schwerer Abschnitt. Es war für alle Beteiligten schwierig, mit dieser belastenden Situation klarzukommen. Zweimal kämpften wir um die sportliche Existenz, zweimal gelang uns in letzter Minute die Rettung. Das gemeinsame Trauern, die vorübergehenden Zukunftsängste, die gemeinsame Erlösung, das sind Abschnitte, die man nie vergessen wird.

Ein Comeback in der Organisation von Wolfsburg nach der Laufbahn ist offenbar denkbar.
Der Klub signalisierte sofort, mir nach Abschluss meiner Karriere eine Rückkehr in anderer Funktion anzubieten. Das freut mich riesig, eine solche Reaktion ist keine Selbstverständlichkeit. Ich hoffe sehr, dass wir es hinbekommen, die Pläne dereinst zu verwirklichen. Meine Verbundenheit zum VfL wird gross bleiben.

Zum Abschied die Klasse gehalten: Benaglio nach der gewonnenen Relegation gegen Braunschweig. Bild: dpa

Monaco hat in den vergangenen Tagen kräftig investiert, um weiterhin europäisch für Furore sorgen zu können. Welche Ziele peilen Sie an, wie ist Ihre Ausgangslage?
Das Team kommt aus einer überragenden Saison. Sie haben den Titel gewonnen in Frankreich, in der Champions League erreichte Monaco den Halbfinal. Die Qualität ist vorhanden, langfristig einer der härtesten Konkurrenten von Paris Saint-Germain zu sein, dem für mich ein ähnlicher Status wie Bayern München zukommt.

Danijel Subasic ist derzeit die Nummer 1. Der kroatische Nationalgoalie spielt seit Jahren für die Monegassen – wie beurteilen Sie Ihre Ausgangslage?
Zum einen spielte Subasic eine überragende Saison, andererseits gibt es für den Coach nach dem Titelgewinn und dem europäischen Höhenflug keine Veranlassung, während der Sommerpause alles umzukrempeln. Grundsätzlich will der Klub zwei Spieler auf der Goalieposition haben, die sich auf ähnlichem Level bewegen. Eine solche Konstellation streben die meisten europäischen Topvereine an.

Ihre Rolle ist noch nicht klar definiert?
Es geht für mich nun darum, mich so schnell wie möglich gut zu integrieren und meine langjährige Erfahrung einzubringen. Ich werde versuchen, täglich mein bestes Niveau abzurufen. Alles andere liegt nicht in meinen Händen.

Mit welchen persönlichen Ambitionen wechseln Sie in die Ligue 1?
Ich war nie der Typ, der öffentlich etwas eingefordert hat. Ich habe immer im Sinn der Mannschaft gehandelt und probiert, die Leute mit Leistung zu überzeugen. Wenn ich allerdings den Ehrgeiz nicht mehr hätte, selbst mit 33 Jahren jeden Tag Fortschritte zu machen, dann wäre ich fehl am Platz – den Hunger habe ich nie verloren.

Diego Benaglio

Geboren am 8. September 1983.
61 A-Länderspiele.

2002-2005 VfB Stuttgart Amateure.
2005-2008 Nacional Funchal.
2008-2017 VfL Wolfsburg.
Ab Sommer 2017 AS Monaco.

Es kommt zum Wiedersehen mit Lucien Favre.
Lucien Favre beeindruckt mich. Er vermittelt sein Wissen unglaublich gut. Die letzte Saison mit Nizza zeigte einmal mehr, dass er seine Philosophie fast 1:1 auf ein Team übertragen kann. Wie sich sein Klub innert Kürze entwickelt hat, spricht natürlich für seine Arbeit. Für ihn wird in Deutschland immer wieder eine Tür aufgehen, er geniesst einen erstklassigen Ruf.

Von Ihnen war in Wolfsburg trotz der zweimaligen Degradierung zum Ersatzkeeper nie ein negatives Wort zu hören. Sie gelten als der perfekte Teamplayer.
Ich bin der Meinung, dass es im Mannschaftssport darum geht, die zugeteilte Rolle am Ende so gut wie nur möglich auszufüllen. Klar ist es mir äusserst schwer gefallen in Wolfsburg, nach bald zehn Jahren einen anderen Status zu akzeptieren, plötzlich draussen zu sitzen, nicht mehr aktiv mithelfen zu können im Abstiegskampf. Aber man kann sich auch in anderer Form nützlich machen. Und wichtiger als alles andere ist: Wolfsburg spielt auch in der nächsten Saison in der Bundesliga.

Benaglios neue Heimat Monaco mit dem Stade Louis II. bild: andrea einaudi/wikipedia

Ortswechsel: Monaco, ein exquisiter Fussball-Stadtstaat an bester Lage, ein Verein mit erstklassigem finanziellen Background.
Ich habe einen hervorragenden Eindruck erhalten. Der Verein ist perfekt aufgestellt, die Infrastruktur lässt keine Wünsche offen. Die Bedingungen sind vorhanden, um auch in Zukunft vorne mitspielen zu können. Ich freue mich darauf, eine neue Liga zu entdecken, nach so vielen Bundesliga-Jahren nochmals eine andere Mentalität kennenlernen zu dürfen.

Freut sich die Familie mit?
Wir werden direkt im Zentrum wohnen. Die Gegend ist wunderschön, wir freuen uns auch als Familie auf den neuen Abschnitt. Auf uns kommt in jeder Beziehung eine spannende Geschichte zu. (ram/sda)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • abc10 21.06.2017 14:17
    Highlight sehr sympathischer Typ :)
    7 0 Melden

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