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Einrücken gestern in Feusisberg: Granit Xhaka (links) und Breel Embolo. Bild: KEYSTONE

Xhaka: «Ich bin mir nicht so sicher, ob die Portugiesen jeden von uns namentlich kennen»

Die Schweiz benötigt in der entscheidenden Phase der WM-Qualifikation einen Granit Xhaka in bester Verfassung. Der 25-jährige Arsenal-Star macht sich vor dem Duell gegen Portugal auch Gedanken über Cristiano Ronaldo.

03.10.17, 13:30

Granit Xhaka, im ersten Quartal nach Ihrem Transfer zum FC Arsenal wurden Sie unter dem medialen Mikroskop begutachtet und teilweise mehrfach hart angegangen. Waren Sie irritiert?
Granit Xhaka:
Mich hat nicht beunruhigt, dass mir die ersten Monate in der Premier League etwas schwerer gefallen sind. In der Schlussphase drehte ich auf, das Team legte zu. Wir verloren in der Meisterschaft kaum mehr ein Spiel und sorgten mit dem FA-Cup-Sieg gegen Chelsea für eine neue Rekordmarke.

«The Guardian» attestierte Ihnen, sich der Challenge zu stellen, nicht zurückzuweichen. Im letzten Frühling war in der Londoner Zeitung in Ihrem Zusammenhang von einem wichtigen Big-Game-Moment zu lesen.
Manchester war lediglich einer von vielen guten Momenten. Die Kritiker und die Fans bekamen noch vor der Sommerpause zu sehen, wer ich wirklich bin und was ich bewegen kann im Mittelfeld.

Bei Arsenal gehört der Mittelfeldspieler zu den Gesetzten. Bild: EPA/EPA

Sie sind auch in dieser Spielzeit wieder permanent am Ball und lenken das Spiel der Gunners. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie das berühmte Shirt überstreifen?
Aktuell gehöre ich in einem der grössten europäischen Klubs zum Stamm. Davon träumen viele nur. Ich selber hatte als Kind ähnliche Vorstellungen, und nun sitze ich in der Kabine neben den Weltstars. Aber darauf ruhe ich nicht aus, mich interessiert, wie ich noch mehr Fortschritte machen kann. Ich will weiter vorankommen.

Im Sommer geriet der Transfermarkt aus den Fugen. Neymar wechselte für 222 Millionen zu Paris Saint-Germain. Die englischen Klubs investierten 1.4 Milliarden Euro. Ist das exzessive Wachstum gesund?
Wenn ich mir überlege, dass ein Mittelfeldklub wie Everton in diesem Sommer über 200 Millionen ausgeben kann, fehlen mir etwas die Worte – eine krasse Zahl! Schauen Sie sich Man City an, die investierten 300 Millionen. Neymar, Mbappé, Dembélé bewegten unheimlich viel Geld. Wo sind die Grenzen? Ich halte es für möglich, dass in zwei, drei Jahren die absoluten Top-Stars für 400 bis 500 Millionen transferiert werden.

Eine surreale Entwicklung.
Das hat mit Fussball eigentlich nichts mehr zu tun. Kein Spieler, ja kein Mensch auf der ganzen Welt ist so viel Geld wert, keiner!

Wie verändert die Geldflut den Fussball?
Die Klubs stecken alle in der Klemme. Wenn man heute einen Klasse-Spieler verpflichten will, muss man an die finanzielle Schmerzgrenze gehen. Unterhalb der 100-Millionen-Limite ist wohl sehr bald nichts mehr zu machen. Allerdings bezweifle ich, ob dem Fussball so mehr Emotionen und Team-Identifikation zukommen.

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Sie selber kamen vor dem Durchbruch der wirtschaftlichen Schallmauer mit einem stattlichen Preisschild in London an.
Die 45 Millionen für mich haben sich längst relativiert. Ein Beispiel dafür: Für Monacos Thomas Lemar, der bisher nur in Frankreich spielte und gemäss Fachleuten den Nachweis noch nicht erbracht hat, in einer grossen Liga eine wichtige Rolle einnehmen zu können, werden bereits unfassbare Summen geboten.

Die Premier-League-Klubs überrollten die europäischen Gegner bisher. In England ist am meisten Geld zu verdienen. Ihr Umkehrschluss?
Geld ist im Fussball eine Macht. Neymar ging ja kaum wegen der attraktiven Stadt Paris in die Ligue 1. In meinem Ranking steht der FC Barcelona aber vor dem PSG.

In sieben Tagen spielen weder das Geld noch die Klubwahl eine Rolle. So gut wie alles wird sich um Cristiano Ronaldo drehen. Wo ordnen Sie ihn ein? Was löst seine Präsenz generell aus?
Ich bewundere ihn. Er ist ein einzigartiger Spieler. Mit ihm ist Portugal eine komplett andere Mannschaft. Sein Name auf dem Papier mit der Aufstellung vergrössert das Selbstvertrauen der ganzen Mannschaft um fünf Prozent pro Position. Er ist nicht Portugal, aber Portugal ist Ronaldo. Letztlich muss oft er für den Unterschied sorgen. Auf ihm lastet ein gigantischer Druck.

In der Gruppe B fallen die Würfel wohl am letzten Tag. Wie fühlt sich diese Konstellation an?
Egal, ob wir die Ungarn schlagen, gegen sie verlieren, oder unentschieden spielen: Es wird zum Endspiel kommen in Lissabon. So spannend war eine Qualifikation wohl noch nie, von solchen Partien träumt man doch. Was will ein Fussballer mehr, als gegen ein Top-Team wie Portugal mit einem Weltstar in einem wunderbaren Stadion um den direkten WM-Platz kämpfen zu können?

Denker, Lenker, Vorbereiter und Torjäger: Ronaldo ist aus Portugals Nationalteam nicht wegzudenken. Bild: EPA/LUSA

Vom Aussenseiter-Bonus profitiert die Schweiz nach ihrem kontinuierlichen Aufstieg innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte kaum mehr.
Ich bin mir nicht so sicher, ob die Portugiesen jeden von uns namentlich kennen.

Sie sagten nach dem Sieg in Lettland, dass die bisherige Kampagne nichts mehr wert sei, wenn die Schweiz das letzte Spiel verlieren würde. Bleiben Sie dabei?
Wenn man acht Runden lang verlustpunktlos ist, gegen Ungarn vielleicht zum neunten Mal in Serie gewinnt und dann doch noch scheitert, ist der Glanz schlagartig weg.

An den letzten Endrunden ist die Schweiz ohne Ausnahme spätestens im Achtelfinal ausgeschieden. Nun spielt Ihr Team die beste Qualifikation der SFV-Geschichte. Wo steht die Mannschaft wirklich?
Die Begegnung in Portugal wird aufzeigen, wie viel Fortschritte wir tatsächlich gemacht haben. Wir müssen dieses Spiel vorbereiten, als würden wir um einen Titel spielen. Setzen wir uns durch, sind wir Helden, wenn wir verlieren, finden sich wohl schnell welche, für die wir die grössten «Bööggen» der Nation sind.

Kritische Beobachter stellen immer wieder die Qualität der Gegner in Frage.
Halt, halt! Schwächere Teams gibt es in jeder Gruppe. Fragen Sie bei Frankreich nach, was im Heimspiel gegen Luxemburg beim 0:0 passiert ist. Bosnien kommt mir in den Sinn, die führten in Zypern 2:0 und verloren 2:3. Wo ist Holland klassiert? Vielleicht wären bessere Gegner hilfreich, weil die Gruppe ausgeglichener wäre und man sich mal ein Unentschieden erlauben dürfte.

In welchen Bereichen wird die WM-Ausscheidung entschieden?
Es geht um mentale Aspekte, es geht darum, wie man innerhalb einer Partie auf neue Herausforderungen reagieren kann, wie man allfällige Rückschläge verkraftet. Spielerisch mache ich mir keine Sorgen. Wir sind gut genug, um gegen Portugal zu bestehen. Fahren wir fort wie bis anhin, bin ich davon überzeugt, dass wir die direkte Qualifikation für die WM schaffen werden.

Was ist für Sie das wichtigste Merkmal dieser Nationalmannschaft?
Die Einheit. Weichen wir davon ab, geht's garantiert schief. Persönliche Showelemente liegen nicht drin, wenn wir ganz oben angreifen wollen. Bei uns gibt es keinen CR7.

Xhaka (rechts) und Ricardo Rodriguez im ersten Nati-Training vor den Partien gegen Ungarn und Portugal. Bild: KEYSTONE

Nationaltrainer Vladimir Petkovic ist zu Beginn auf viel Skepsis gestossen – nicht nur ausserhalb der Mannschaft. Inzwischen hat er eine sehr hohe Akzeptanz und seinen Vertrag um eine dritte Amtsperiode verlängert.
Sein Start nach der Hitzfeld-Ära mit zwei Niederlagen war unglücklich. Aber das ist längst Schnee von gestern. Das Team hat sich verändert, er hat seinen Stil verändert. Der Trainer geht mit uns anders um. Er vertraut uns enorm, er räumt uns viele Freiheiten ein. Es wäre ein grosser Fehler gewesen, mit ihm nicht zu verlängern.

Was würden Sie als typischen Petkovic-Input bezeichnen?
Unsere Einheit, der Team-Spirit, ist für ihn ganz wichtig. Ich erinnere mich genau an das erste Training mit ihm. Er hat von der ersten Minute an verlangt, uns in jeder Lage solidarisch zu verhalten. Wenn sich jemand nicht an dieses Prinzip hält, setzt er immer wieder Zeichen – und zwar sofort. (ram/sda)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Loco Floco 03.10.2017 17:08
    Highlight Mit einem Spieler wie Xhaka in den eigenen Reihen haben wir durchaus das Potential auch mal weiter als die Achtelfinals zu kommen. Nicht nur wegen seinen Fähigkeiten als Regisseur sondern auch als Leader, welche er schon so jung in Gladbach unter Beweiss gestellt hat. Und man merkt deutlich das er reifer und kalkulierter wirkt als früher obwohl er immer noch relativ jung ist! Wenn sich jetzt noch Embolo, Zakaria und co. gut entwickeln sehe ich viel positives in der Zukunft. Auch Sefe, Shaqiri und Rodriguez haben noch viele Jahre vor sich.
    21 1 Melden
  • droelfmalbumst 03.10.2017 16:04
    Highlight Ziehe als Portugiese mein Hut von der Quali der CH Nati. Bei der Finalissima bin ich aber überzogen dass Portugal der CH die Grenzen aufzeigen wird/muss. Ganz einfach weil mehr Erfahrung im Spiel ist. Würde es aber der CH gönnen, direkt an die WM zu fahren. Bei Portugal bin ich es mir gewohnt mit Barrage und beim letzten Mal wurden wir sogar Europameister :)

    Was ich dennoch nicht verstehe: Wieso stellt sich der CH immernoch als "kleines Fussballland" hin? Seit einigen Jahren mit Basel gut in der CL vertreten. Bei den EM und WM immer dabei. Die CH hat sich längst im Weltfussball integriert!
    20 1 Melden
    • Luca Brasi 03.10.2017 18:39
      Highlight Die Schweiz hat halt einfach noch nicht in einem KO-Spiel bewiesen, dass sie sich durchsetzen kann. Sie ist zwar immer dabei, aber mittlerweile ist ja auch die Teilnehmerzahl für EM und WM gestiegen. Gut, besser als die Holländer scheinen sie momentan zu sein, aber das sind ja mittlerweile viele...
      Aber ich stimme zu, dass das Niveau sich im Vergleich zu anfangs der 90er kontinuierlich gesteigert hat (wenn auch mit Rückschlägen ab und zu)
      5 1 Melden
  • Ohniznachtisbett 03.10.2017 14:50
    Highlight Xhaka ist ein sehr guter Fussballer, doch das ist nur 50% der Miete. Er ist eben auch ein Vorbild, ein Leader, einer mit einer Winnermentalität, wie es in der Schweiz selten zu sehen ist. Wenn ich mir die Interviews der letzten Zeit mit Ihm anschaue und lese (dieses eingeschlossen), scheint mir er mir auch menschlich weiter gereift. Ich hoffe er macht uns noch lange Freude. Und ein Kritikpunkt natürlich: Bitte stell mal diese dummen Gelb-Fouls im Mittelkreis ab...
    54 0 Melden
  • IMaki 03.10.2017 14:15
    Highlight Von wegen beste Qualifikation aller Zeiten, bestes Team, Rekordserie und das geradzu neurotische Hochschreiben einer im besten Falle durchschnittlichen Mannschaft aus dem globalen Mittelfeld: am Ende des Tages steht die Niederlage gegen eine wirklich gute Mannschaft, die diesmal mit ihrem besten Spieler antreten wird. Dann kommt die Barrage - und dann gute Nacht. Die emotionale Falltiefe wird im umgekehrten Verhältnis zur irrationalen Ueberhöhung eines Teams und dessen Trainers stehen.
    5 100 Melden
    • Amboss 03.10.2017 14:43
      Highlight Och schlechter Tag heute? Es Dösli Mitleid und es Schöggeli für dich bald gohts besser, Chopf hoch!
      Nun, beste Qualifikation und Rekordserie ist nicht Hochschreiben, sondern Fakt.
      Wo ich dir recht gebe ist das "globale Mittelfeld" Ausser Xhaka und Lichtsteiner spielt niemand bei einem TopClub. Das sieht bei anderen Nationen ganz anders aus.

      Umso bemerkenswerter die aktuelle Rekordserie und die regelmässige Teilnahme bei EM/WM. Man darf das Team also schon Hochschreiben. Was die aus den Möglichkeiten machen, ist super.
      Und gegen andere Gruppenzweite kann man schon gewinnen, siehe WM 2006
      39 3 Melden
    • IMaki 03.10.2017 15:23
      Highlight Amboss: Einfach kühl bleiben, nicht aufregen. Den 10. Oktober 2017, 22:45 Uhr und den Schlusspfiff abwarten. Und falls es dann eben nicht klappt mit dem Ticket nach Russland, werde ich der Letzte sein, der den Spielern einen Vorwurf machen würde (habe selbst Fussball gespielt). Aber über die dämliche Sportberichterstattung, die uns seit über einem Jahr eine Fata Morgana vorgaukelt (von wegen Heldentaten gegen Andorra, Färoer, Lettland), über die werde ich mich halb totlachen.
      4 19 Melden
    • Amboss 03.10.2017 16:08
      Highlight Nähme mich jetzt wunder, wen du konkret meinst, wer da konkret von Heldentaten etc.. spricht...

      Nein, natürlich sind es keine Heldentaten. Aber es ist dennoch eine beeindruckende Serie. Denn es sind Siege, und Siege muss man wirklich erstmal einfahren. Kommt dazu: sie wurden, wenn auch nicht gerade locker, aber doch ziemlich ruhig und überzeugend eingefahren. Da hat sich doch einiges getan, wenn man zB an die Hitzfeld-Ära zurückdenkt (diese traurige Zeit wird wirklich immer voll überhöht dargestellt), mit dem Geknorze zB gegen Zypern, Montenegro

      11 0 Melden
    • Fabio74 03.10.2017 18:11
      Highlight nimmt mich schon Wunder warum du alles klein reden musst. Es sind Punkte die eingefahren wurden, die muss man zuerst mal machen.
      Wenn man andere anschaut, wie es dort aussieht, kann man zufrieden sein mit dem jetzigen Resultat.
      Wie es weiter geht, werden wir sehen, aber das Miesmachen ist ehrlich gesagt dumm.
      2 0 Melden
  • gupa 03.10.2017 13:54
    Highlight Gutes Interview! Xhaka ist definitiv gereift.
    77 1 Melden
  • Walti Rüdisüli 03.10.2017 13:47
    Highlight Ohne Xhaka geht gar nichts. Hopp Schwiiz!🇨🇭
    46 2 Melden
  • Theor 03.10.2017 13:46
    Highlight Die Ironie an der Sache ist doch eben genau, dass die Nationalmannschaft die beste Qualifikation ihrer Geschichte spielt und dennoch mit einer Niederlage gegen Portugal in die Barrage muss.

    Da kann doch was am Qualifikationsmechanismus nicht stimmen.
    15 20 Melden
    • Amboss 03.10.2017 14:18
      Highlight Was soll da nicht stimmen? Wo ist das Problem?
      Wird man Gruppenzweiter, so muss man in die Barrage, so einfach ist es.

      Ein bisschen ärgerlich ist nur, dass nicht mehr wie früher der Gruppensieger + der beste Gruppenzweite qualifiziert sind. In diesem Falle wäre die Sache schon fast in trockenen Tüchern
      40 2 Melden

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