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Martin Plüss gewann im Frühling dieses Jahres seine letzte Meisterschaft als Spieler. Bild: KEYSTONE

Hockey-Legende Plüss über seinen Rücktritt: «Ein Mangel an Optionen war nie ein Thema»

16.11.17, 22:57 17.11.17, 03:06

Der zurückgetretene Martin Plüss schildert im Interview mit der Nachrichtenagentur sda die Gründe, die ihn dazu bewegen, einen Schlussstrich zu ziehen.

Im April führte er den SC Bern als Captain zum Titelgewinn, rund sieben Monate später tritt die Schweizer Hockey-Ikone ab: Martin Plüss, eine der prägendsten Figuren der nationalen Szene. Während seiner brillanten Karriere gewann der 40-Jährige sieben Meistertrophäen – 2005 mit dem schwedischen Topteam Frölunda.

Gegenüber der Nachrichtenagentur sda schildert der 236-fache Nationalspieler seine Beweggründe, nach 1187 Partien und 23 Saisons auf Klubebene einen Schlussstrich zu ziehen. Und der Ex-Center spricht über seinen prägenden Lebensabschnitt in Schweden.

Warum kam der Rückzug erst nach einer längeren Bedenkfrist?
Ich hatte zunächst ein Bauchgefühl, wollte aber alles offenlassen. Für mich war immer klar, dass ich mir vor einem solchen Grundsatzentscheid eine Auszeit nehmen würde. Ich wollte im Kopf frei sein – in alle Richtungen, ohne dabei eine Verpflichtung einzugehen.

Die Möglichkeiten waren vorhanden, sofort nach der Saison weiterzumachen.
Ein Mangel an Optionen war nie ein Thema. Sportlich sprach nichts gegen eine Fortsetzung unmittelbar nach der letzten Saison, meine Fitnesswerte waren sehr gut. Ich hätte auch jetzt noch einsteigen können. Es gab mehrere Möglichkeiten – auch eine Rückkehr nach Schweden.

Martin Plüss: Eine Rückkehr nach Schweden wäre möglich gewesen. Bild: KEYSTONE

Wie und wann reifte der Entschluss aufzuhören?
Alle Komponenten richtig abzuwägen, war diffizil. Erst mit der Zeit gewann ich an Klarheit, reifte das Gefühl, der Moment könnte kommen und richtig sein. Aber eben, ein solcher Prozess dauert. Man überlegt sich genau, was Sinn macht, bevor die Würfel fallen.

Habe Sie sich mit Szenarien beschäftigt, die Sie in Zukunft beschäftigen könnten?
Es gibt natürlich zwei, drei Themen, die mich interessieren. Der Prozess geht weiter, ich will mir den Raum schaffen, mich mit Blick auf die Zukunft inspirieren zu lassen. Das Hockey bleibt einer meiner Mittelpunkte, ich schliesse nichts aus.

Sie haben ihren Rückzug via SC Bern kommuniziert. Wie stark ist die Verbindung mit ihrem letzten Klub?
Ich pflege weiterhin eine gute Beziehung mit dem SCB. Ich fühlte mich dort sehr wohl, hatte Erfolg und enorm viel Spass.

Was bleibt nach einer solchen Karriere zurück? Welche Abschnitte prägten Sie speziell? Ihre Jahre in Schweden zum Beispiel?
Die Zeit in Schweden ist für meine Karriere unglaublich wichtig. Ich erinnere mich, dass mir damals während des NHL-Lockouts sehr viele abgeraten haben, zu Frölunda zu wechseln. Ich war trotzdem mutig genug, den Transfer zu wagen, und der Entschluss zahlte sich aus.

Weshalb?
Ich kam in die beste schwedische Stadt zum besten Klub des Landes. Es war eine der wertvollsten Investitionen meiner Laufbahn, ich bin bis heute mit Menschen des Vereins in Kontakt. Diese Erfahrungen sind unbezahlbar.

Erzählen Sie ...
Ich musste mich weit weg von meiner Heimat bewähren und zurechtfinden. Ich gewann einen neuen Blickwinkel, ich sah gewisse Dinge plötzlich kritischer, ich entdeckte neue Methoden und eine andere Mentalität. Im Nachhinein profitierte ich enorm von den schwedischen Einflüssen und Eindrücken. Ich entwickelte mich als Spieler und Persönlichkeit weiter. (sda)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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