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FILE - In this Jan. 31, 2017, file photo, IBF heavyweight champion Anthony Joshua, left, and former heavyweight champion Wladimir Klitschko pose for photos during a news conference at New York's Madison Square Garden. This week, British Olympic gold medalist Joshua meets  Klitschko in a title fight that figures to put a charge into a division that has been neglected for far too long. (AP Photo/Richard Drew, File)

Muskelprotze: Joshua (links) verteidigt gegen Klitschko seinen WM-Gürtel. Bild: ASSOCIATED PRESS/AP

Showdown im Wembley! Wird Klitschko vor 90'000 Fans wieder Weltmeister?

Dieser Schwergewichts-Kampf wird heute Abend die Sportwelt elektrisieren: IBF-Champion Anthony Joshua trifft auf den früheren Langzeit-Weltmeister Wladimir Klitschko. Geboxt wird auf der riesigen Bühne des Londoner Wembley-Stadions.

29.04.17, 08:30


90'000 Zuschauer im ausverkauften Londoner Wembley-Stadion werden das Spektakel vor Ort verfolgen. Etwa so viele Einwohner hat Joshuas Heimatstadt Watford im Nordwesten von London. Dort lebt der Sohn nigerianischer Einwanderer immer noch bescheiden in der Wohnung seiner Mutter. Joshua ist das Aushängeschild des britischen Boxsports.

Seine Kindheit verlief indessen nicht reibungslos. Hätte sein Cousin ihn nicht zum Boxen gebracht, Joshua wäre womöglich auf die schiefe Bahn geraten. «Ich hatte häufig Ärger, auch mit dem Gesetz», räumt er heutzutage ein. Diese «wilden Zeiten» sind aber vorbei. «Heute bin ich ein ganz anderer Mensch», sagt Joshua nach 18 vorzeitigen Siegen in ebenso vielen Profikämpfen.

Joshua gilt als ruhig, besonnen, hochprofessionell und als bodenständiger Sympathieträger. Er ist damit das absolute Gegenteil seines englischen Landsmanns Tyson Fury. Dieser fiel nach seinem Sieg im November 2015 gegen Klitschko nur durch mutmassliche Verstösse gegen Anti-Doping-Regeln und diverse andere Eskapaden auf. Er verlor sogar seine Boxlizenz.

IBF heavyweight champion Anthony Joshua during a public training session at the Wembley Arena in London, Wednesday April 26, 2017. Anthony Joshua and Wladimir Klitschko will fight for the IBF title in London on April 29. (AP Photo/Tim Ireland)

IBF-Champion Joshua: 18 Kämpfe, 18 vorzeitige Siege. Bild: Tim Ireland/AP/KEYSTONE

Fakt 1

Geboxt wird voraussichtlich ab 23 Uhr Schweizer Zeit. Der TV-Sender RTL überträgt den Kampf live.

Olympiasieger unter sich

Der Fight Joshua gegen Klitschko ist das Duell zweier Generationen und Olympiasieger aus verschiedenen Epochen. Wladimir Klitschko gewann 1996 in Atlanta Olympia-Gold, der wie der Ukrainer 1,98 m grosse Joshua holte sich die Krone des «Amateurboxens» 2012 in London bei den Heimspielen. Kommt der Kampf für Joshua gegen den erfahrenen Klitschko zu früh? Oder für den bis 2015 elf Jahre lang ungeschlagen gebliebenen Ukrainer zu spät? Die Mehrzahl der Experten geht von Letzterem aus. Klitschko gilt gegen den jüngeren und aufstrebenden Joshua als Underdog.

Klitschko zeigt seine schnellen Hände. Video: YouTube/iFL TV

Boxt Klitschko noch einmal so eindimensional und einfallslos wie bei seinem Titelverlust beim Kampf gegen Fury? Oder vermag er über seine linke Führhand hinaus wieder einen dynamischen Zorn zu entfachen? Dann hätte der Box-Veteran trotz knapp eineinhalb Jahren Ringpause seine Chance.

Former heavyweight world champion Wladimir Klitschko during a public training session at the Wembley Arena in London, Wednesday April 26, 2017.  Klitschko and Anthony Joshua will fight for the IBF title in London on April 29. (AP Photo/Tim Ireland)

Ex-Weltmeister Klitschkos Kampfbilanz steht bei 64:4 Siegen, 53 durch K.o. Bild: Tim Ireland/AP/KEYSTONE

Fakt 2

Die Kampf-Börsen sind geteilt: Beide Boxer erhalten je knapp 20 Millionen Franken. Für Ringplätze wurden mehr als 30'000 Franken bezahlt.

Gegenseitiger Respekt statt grossmäuliges Auftreten

Joshua war vor drei Jahren noch Sparringspartner von Klitschko gewesen. Der Engländer sagt: «Ich habe Klitschko sehr genau bei seinem Training beobachtet – wie er schlägt, wie er ausweicht und wie er sich verteidigt. Ich weiss, wie ich mich verhalten muss.»

Statt einander verbal anzugreifen, plauderten Joshua und Klitschko bei den letzten öffentlichen Auftritten munter miteinander und klatschten ab. Mehrfach sprach Klitschko in höchsten Tönen von seinem Gegner. «Wir sind nicht die allerbesten Freunde», stellte Joshua dennoch klar. «Aber wir haben gegenseitigen Respekt davor, was er erreicht hat und was ich erreichen will.»

epa05930741 The WBA Heavyweight Super Championship belt is seen during a press conference for the title bout between Britain's Anthony Joshua and Vladimir Klitschko of Ukraine at Sky Sports studio, London, Britain, 27 April 2017. The fight is to be held at Wembley Stadium on 29 April 2017.  EPA/GERRY PENNY

Darum geht's: Um den WBA-Weltmeistergürtel. Bild: GERRY PENNY/EPA/KEYSTONE

Fakt 3

In England gab es nach Schätzungen schon Kämpfe mit inoffiziell bis zu 200'000 Zuschauern. Die 90'000 Besucher im Wembley sind aber die grösste offizielle Boxkulisse in Grossbritannien seit den Dreissigerjahren.

Joshuas Ziel ist klar: alle vier grossen Schwergewichts-WM-Titel wieder vereinen. Aktuell dürfte ihm indes kein Sieg mehr Wertigkeit bringen als einer über Klitschko. Dafür hat er 13 Wochen lang geschuftet. «Ich pushte mich in einen Bereich, in dem ich noch nie war», sagt Joshua, der auch der erste Schwergewichtler seit langem scheint, der Klitschko von der Athletik her übertrumpft. Bei gleicher Körpergrösse ist die Reichweite von Joshua zudem leicht grösser (2,08 m gegenüber 2,06 m).

Klitschko empfindet es als Vorteil, dass er für einmal wieder Herausforderer ist. «In dieser Rolle kann ich meine beste Leistung bringen. Ich will nun einfach das, was Joshua hat – den Titel.» Neben dem IBF-Gürtel von Joshua geht es auch noch um den vakanten Superchampion-Titel der WBA. (ram/sda/ap/dpa)

Fakt 4

Der offiziell bestbesuchte Kampf in der Geschichte des Profiboxens datiert vom 20. Februar 1993. Damals befanden sich 132'247 Zuschauer im Azteken-Stadion in Mexiko-City, als Julio Cesar Chavez eine WM-Titelverteidigung im Halbweltergewicht gegen den Amerikaner Greg Haugen absolvierte.

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Yanik Freudiger, 23.2.2017
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