Sport

Muskelprotze: Joshua (links) verteidigt gegen Klitschko seinen WM-Gürtel. Bild: ASSOCIATED PRESS/AP

Showdown im Wembley! Wird Klitschko vor 90'000 Fans wieder Weltmeister?

Dieser Schwergewichts-Kampf wird heute Abend die Sportwelt elektrisieren: IBF-Champion Anthony Joshua trifft auf den früheren Langzeit-Weltmeister Wladimir Klitschko. Geboxt wird auf der riesigen Bühne des Londoner Wembley-Stadions.

29.04.17, 08:30

90'000 Zuschauer im ausverkauften Londoner Wembley-Stadion werden das Spektakel vor Ort verfolgen. Etwa so viele Einwohner hat Joshuas Heimatstadt Watford im Nordwesten von London. Dort lebt der Sohn nigerianischer Einwanderer immer noch bescheiden in der Wohnung seiner Mutter. Joshua ist das Aushängeschild des britischen Boxsports.

Seine Kindheit verlief indessen nicht reibungslos. Hätte sein Cousin ihn nicht zum Boxen gebracht, Joshua wäre womöglich auf die schiefe Bahn geraten. «Ich hatte häufig Ärger, auch mit dem Gesetz», räumt er heutzutage ein. Diese «wilden Zeiten» sind aber vorbei. «Heute bin ich ein ganz anderer Mensch», sagt Joshua nach 18 vorzeitigen Siegen in ebenso vielen Profikämpfen.

Joshua gilt als ruhig, besonnen, hochprofessionell und als bodenständiger Sympathieträger. Er ist damit das absolute Gegenteil seines englischen Landsmanns Tyson Fury. Dieser fiel nach seinem Sieg im November 2015 gegen Klitschko nur durch mutmassliche Verstösse gegen Anti-Doping-Regeln und diverse andere Eskapaden auf. Er verlor sogar seine Boxlizenz.

IBF-Champion Joshua: 18 Kämpfe, 18 vorzeitige Siege. Bild: Tim Ireland/AP/KEYSTONE

Fakt 1

Geboxt wird voraussichtlich ab 23 Uhr Schweizer Zeit. Der TV-Sender RTL überträgt den Kampf live.

Olympiasieger unter sich

Der Fight Joshua gegen Klitschko ist das Duell zweier Generationen und Olympiasieger aus verschiedenen Epochen. Wladimir Klitschko gewann 1996 in Atlanta Olympia-Gold, der wie der Ukrainer 1,98 m grosse Joshua holte sich die Krone des «Amateurboxens» 2012 in London bei den Heimspielen. Kommt der Kampf für Joshua gegen den erfahrenen Klitschko zu früh? Oder für den bis 2015 elf Jahre lang ungeschlagen gebliebenen Ukrainer zu spät? Die Mehrzahl der Experten geht von Letzterem aus. Klitschko gilt gegen den jüngeren und aufstrebenden Joshua als Underdog.

Klitschko zeigt seine schnellen Hände. Video: YouTube/iFL TV

Boxt Klitschko noch einmal so eindimensional und einfallslos wie bei seinem Titelverlust beim Kampf gegen Fury? Oder vermag er über seine linke Führhand hinaus wieder einen dynamischen Zorn zu entfachen? Dann hätte der Box-Veteran trotz knapp eineinhalb Jahren Ringpause seine Chance.

Ex-Weltmeister Klitschkos Kampfbilanz steht bei 64:4 Siegen, 53 durch K.o. Bild: Tim Ireland/AP/KEYSTONE

Fakt 2

Die Kampf-Börsen sind geteilt: Beide Boxer erhalten je knapp 20 Millionen Franken. Für Ringplätze wurden mehr als 30'000 Franken bezahlt.

Gegenseitiger Respekt statt grossmäuliges Auftreten

Joshua war vor drei Jahren noch Sparringspartner von Klitschko gewesen. Der Engländer sagt: «Ich habe Klitschko sehr genau bei seinem Training beobachtet – wie er schlägt, wie er ausweicht und wie er sich verteidigt. Ich weiss, wie ich mich verhalten muss.»

Statt einander verbal anzugreifen, plauderten Joshua und Klitschko bei den letzten öffentlichen Auftritten munter miteinander und klatschten ab. Mehrfach sprach Klitschko in höchsten Tönen von seinem Gegner. «Wir sind nicht die allerbesten Freunde», stellte Joshua dennoch klar. «Aber wir haben gegenseitigen Respekt davor, was er erreicht hat und was ich erreichen will.»

Darum geht's: Um den WBA-Weltmeistergürtel. Bild: GERRY PENNY/EPA/KEYSTONE

Fakt 3

In England gab es nach Schätzungen schon Kämpfe mit inoffiziell bis zu 200'000 Zuschauern. Die 90'000 Besucher im Wembley sind aber die grösste offizielle Boxkulisse in Grossbritannien seit den Dreissigerjahren.

Joshuas Ziel ist klar: alle vier grossen Schwergewichts-WM-Titel wieder vereinen. Aktuell dürfte ihm indes kein Sieg mehr Wertigkeit bringen als einer über Klitschko. Dafür hat er 13 Wochen lang geschuftet. «Ich pushte mich in einen Bereich, in dem ich noch nie war», sagt Joshua, der auch der erste Schwergewichtler seit langem scheint, der Klitschko von der Athletik her übertrumpft. Bei gleicher Körpergrösse ist die Reichweite von Joshua zudem leicht grösser (2,08 m gegenüber 2,06 m).

Klitschko empfindet es als Vorteil, dass er für einmal wieder Herausforderer ist. «In dieser Rolle kann ich meine beste Leistung bringen. Ich will nun einfach das, was Joshua hat – den Titel.» Neben dem IBF-Gürtel von Joshua geht es auch noch um den vakanten Superchampion-Titel der WBA. (ram/sda/ap/dpa)

Fakt 4

Der offiziell bestbesuchte Kampf in der Geschichte des Profiboxens datiert vom 20. Februar 1993. Damals befanden sich 132'247 Zuschauer im Azteken-Stadion in Mexiko-City, als Julio Cesar Chavez eine WM-Titelverteidigung im Halbweltergewicht gegen den Amerikaner Greg Haugen absolvierte.

Das Leben und die Karriere von Muhammad Ali in Bildern

22.01.2010: Beim Einmarsch ist «Uzzy» mindestens Ali oder Tyson – dann fällt er wie ein Sack

21.06.1969: Boxer Norbert Grupe gibt das lustigste «Interview» der Geschichte, indem er einfach schweigt

28.06.1997: Mike Tyson beisst im legendärsten Boxkampf aller Zeiten ein Stück von Evander Holyfields Ohr ab

24.06.1998: Ein MMA-Fight mit 196 Kilo Gewichtsunterschied – und einem unerwarteten Ende

01.10.1975: Der «Thrilla in Manila» zwischen Ali und Frazier wird zum (ewigen?) Höhepunkt der Box-Geschichte

13.12.1997: Stefan Angehrn zermürbt Torsten May und träumt vom grossen Geld – stattdessen landet er in der Schuldenfalle

11.02.1990: Gegen 42:1-Aussenseiter James Douglas geht Mike Tyson im 38. Kampf erstmals k.o.

30.10.1974: Die «Biene» Ali sticht «Bär» Foreman im «Rumble in the Jungle»

05.11.1994: 20 Jahre nach dem «Rumble in the Jungle» wird George Foreman ältester Boxweltmeister aller Zeiten

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

20.08.1931: Happy Birthday, Don King! Die schrägste und kontroverseste Figur der Sportwelt erblickt das Licht der Welt

08.03.1971: Der «Kampf des Jahrhunderts» und die Auferstehung eines Champions

04.01.2010: Stucki Christian fliegt nach Japan, um sich mit Sumoringern zu messen – dabei entsteht dieses witzige Bild

22.08.2010: Wenger stürzt König Abderhalden und darf sich selber krönen lassen

25.01.1995: King Cantona flippt aus – er setzt zum legendärsten Kick der Fussball-Geschichte an

06.02.1988: Der berühmteste Griff in die Eier 

13.09.1985: Gabet Chapuisat zertrümmert Lucien Favres Knie – das schlimmste Foul im Schweizer Fussball lässt beide bis heute nicht los

07.03.2007: Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

03.04.1999: Titan Kahn tickt komplett aus – erst knabbert er Herrlich an, dann fliegt er in Kung-Fu-Manier auf Chapuisat zu

24.09.1983: Der «Schlächter von Bilbao» setzt Maradona mit der «brutalsten Blutgrätsche aller Zeiten» für 108 Tage ausser Gefecht

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Max Havelaar 29.04.2017 10:39
    Highlight Wusste gar nicht, dass er noch aktiv boxt. Na dann: Let's get ready rumbleeee!
    2 1 Melden
    • Max Havelaar 29.04.2017 13:35
      Highlight TO rumble, meinte ich... lol
      0 0 Melden

Chancenloses Wüsten-Team? 5 Zahlen, die beweisen, wie Vegas der Konkurrenz auf's Maul gibt

Viel Kredit erhielt die NHL-Franchise aus Las Vegas vor der Saison nicht. Das neu gegründete Team aus Nevada startete als Aussenseiter in die Saison, überraschte positiv und liegt zur Saisonhälfte ganz weit vorne. Die Golden Knights um den Schweizer Luca Sbisa können sogar historisches schaffen.

Kein einziges Expansionsteam der letzten 26 Jahre hat in seiner ersten NHL-Saison die Playoffs erreicht. Wieso sollte es also ausgerechnet bei den Vegas Golden Knights, der Franchise mitten in der Wüste, klappen? 

Bereits nach dem gelungenen Saisonstart rieben wir uns verwundert die Augen. Unser «NHL-Chronist» Adrian Bürgler analysierte die Situation damals wie folgt: 

Nun ist aber bereits die Hälfte der Regular Season vorbei und die Vegas Golden Knights grüssen immer noch von ganz …

Artikel lesen