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epa05166189 (FILE) A file picture dated 13 August 2010 of German soccer legend Franz Beckenbauer leaving after a friendly soccer match between Bayern Munich and Real Madrid in Munich, Germany. Franz Beckenbauer was fined 7,000 Swiss francs (about 6,300 euro) and given a warning by FIFA's ethics committee. Beckenbauer, a former member of football world governing body's executive committee, failed to cooperate with an ethics committee investigation into bids for the 2018 and 2022 World Cups, the adjudicatory chamber of the ethics committee said on 17 February 2016.  EPA/MARC MUELLER *** Local Caption *** 52366557

Franz Beckenbauer wollte ein Fussballprofi sein, der alle Tricks drauf hat, und eine höhere Instanz, die so etwas nicht nötig hat. Bild: EPA/DPA FILE

Franz Beckenbauer, der Kaiser? Oder doch eher der Schlawiner? Klar ist einzig: Hätte er doch früher aufgehört

Franz Beckenbauer hatte so viel erreicht, doch er wollte noch mehr. Und zwar Geld. Und ein sauberes Image. Damit war er schon früh so, wie heute das gesamte Fussballgeschäft ist.

14.09.16, 11:15

Jürgen Dahlkamp / Spiegel online



Ein Artikel von

Man muss, wer hätte das vor einem Jahr gedacht, Franz Beckenbauer an dieser Stelle auch mal in Schutz nehmen. Was immer jetzt noch kommt: Beckenbauer hat im Fussball Grossartiges geleistet – auf dem Rasen. Da war er nicht Kunstfigur, Ideal, Projektionsfläche für Träume und Illusionen, zumindest war es nicht in erster Linie das, was seine Leistung ausmachte, wofür er gefeiert wurde. Er war der Beste seiner Ära, in Deutschland, vielleicht weltweit, ein Fussballer der wie kein anderer in seiner Zeit das Spiel lesen und lenken, durchdenken und durchdringen konnte.

West Germany's captain Franz Beckenbauer, left, kicks the ball away from advancing Polish player Robert Gadocha during the Football World Cup second round match between West Germany and Poland at the Waldstadion in Frankfurt on July 3, 1974. Players from left to right; Beckenbauer, German players Juergen Grabowski, No. 9, Berti Vogts, No2, and Polish player Kazimierz Deyna, No.12, Gadocha, and German Rainer Bonhof No. 16. West Germany defeated Poland 1-0. (AP Photo)..

Als Spieler genial: Franz Beckenbauer (l.). Bild: AP NY

Für alle anderen Fussballer seiner Generation hätte das gereicht, um eine Lebensbilanz zu ziehen. Zwar abgeschlossen mit 35, aber eine Bilanz, die das Leben eines Sportlers nicht falsch gewichtet hätte, mit den besten Jahren als den entscheidenden.

Auch Beckenbauer war kein Gott

Franz Beckenbauer aber – und hier muss man ihn nicht mehr in Schutz nehmen – wollte mehr sein, und so reihte sich an den erfolgreichen Fussballer der erfolgreiche Trainer, und an den Weltmeister-Trainer der erfolgreiche WM-Beschaffer, und an den erfolgreichen WM-Beschaffer der Status als Halbgott des heiligen Fussballreiches deutscher Nation. Beckenbauer konnte nicht nur majestätisch über den Rasen schreiten, er konnte offenbar über Wasser gehen, mit übernatürlicher Leichtigkeit. Und wer es glaubte, war selig.

Erst jetzt zeigt sich, dass auch Beckenbauer kein Gott war, eben doch ein Kaiser, also nur ein Mächtiger von dieser Welt.

FILE - In this June 29, 2006 file photo Franz Beckenbauer, then President of the German Organization Committee of the soccer World Cup briefs the media during a news conference at the Olympic Stadium in Berlin. A German newspaper says former soccer great Franz Beckenbauer has had open-heart surgery and received at least one bypass. Beckenbauer's management team has not responded to a request for comment on his health following a report in the mass-circulation Bild newspaper. Bild said the surgery took place Saturday Sept. 3, 2016  and had been planned for several weeks.  (AP Photo/Markus Schreiber, file )

Lief das alles mit rechten Dingen ab bei der WM-Vergabe 2006? Bild: MARKUS SCHREIBER/AP/KEYSTONE

Nochmals 5.5 Millionen mehr eingesackt

Ob er die WM mit sauberen Mitteln nach Deutschland geholt hat, ist seit der ungeklärten 6.7-Millionen-Überweisung an einen der korruptesten FIFA-Funktionäre in Katar mehr als fraglich. Und jetzt kommen noch diese 5.5-Millionen Euro vom staatlichen Wettanbieter Oddset hinzu: Geld, das Beckenbauer sich aus dem Sponsorentopf der Sommermärchen-WM gesichert hat, obwohl er immer beteuert hatte, ehrenamtlich für den Traum von der Heim-WM gearbeitet zu haben. Hinzu kommt, so sieht es im Moment zumindest aus, dass er nicht mal vorhatte, diese Millionen zu versteuern.

DFB-Chef Grindel kritisiert hart

DFB-Chef Reinhard Grindel hat sich deutlich von Franz Beckenbauer distanziert. Man könne aufgrund der bekannt gewordenen Honorarzahlungen nicht mehr von einer ehrenamtlichen Tätigkeit für die WM 2006 sprechen.

«Es war bekannt, dass Franz Beckenbauer im Umfeld der WM 2006 als Werbeträger für Oddset tätig war. Es war uns bis Montagnachmittag nicht bekannt, dass er dafür die beachtliche Summe von 5.5 Millionen aus dem Topf für die Organisation der WM 2006 erhalten hat»", sagte Grindel am Rande des UEFA-Kongresses am Mittwoch in Athen.

Erst als das Finanzamt auf den Vorgang stiess, zahlte zunächst der DFB die fälligen Abgaben, um sie sich danach von Beckenbauer erstatten zu lassen. Das war immerhin vier Jahre, nachdem Beckenbauer das Geld kassiert hatte. Die Öffentlichkeit sollte von all dem 2010 nichts mitbekommen; die Wahrheit wäre geschäftsschädigend gewesen, für Beckenbauer, aber auch für einen Verband, der sich mit dem Kaiser in aller Verlogenheit verbrüdert hatte.

FILE - October 16, 2015: A newspaper in Germany has reported that it has received information suggesting that the DFB used a slush fund to secure votes during its bid to host the 2006 FIFA World Cup, which the then chief of the Organising Committee Franz Beckenbauer and the current DFB President Wolfgang Niersbach had knowledge of. SEOUL, SOUTH KOREA - OCTOBER 5: Franz Beckenbauer (L), president of the 2006 Football World Cup organizing committee, speaks with Wolfgang Niersbach (R) executive vice president of the 2006 Football World Cup organizing committee, during a presentation session for 2006 Football World Cup on October 5, 2005 in South Korea. Beckenbauer is visiting South Korea to promote the 2006 Football World Cup in Germany. (Photo by Chung Sung-Jun/Getty Images)

Der Deutsche Fussballverband verbrüderte sich mit dem Kaiser. Bild: Getty Images AsiaPac

Damit ist nun Schluss. Beckenbauer war ein Schönmaler, ein Schlawiner, ein Scheinheiliger, zumindest jenseits des Rasens. Er hat schon immer die Hand aufgehalten, wo es ging; die Höhe seiner Werbeverträge war legendär, seine Flucht ins Steuerparadies Schweiz in den 70ern Nachweis eines ausgeprägten und ausgelebten Erwerbstriebs. Damit war Beckenbauer schon früh so, wie heute das ganze Fussballgeschäft ist: vollgestopft mit Geld, aufgepumpt von Gier.

Der Unterschied ist, dass sich heute Profis dazu bekennen, zunächst mal dem grössten Vertrag und erst dann dem Ball hinterherzurennen. Beckenbauer aber wollte beides sein, ein Fussballprofi, der alle Tricks drauf hat, und eine höhere Instanz, die so etwas nicht nötig hat. Nicht das schnöde Geld, nicht die schmutzigen Tricks.

Was bleibt, wird eine Lebensbilanz sein, die besser mit dem Titel als Weltmeistertrainer abgeschlossen gewesen wäre.

FILE - The July 7, 1974 file photo shows then captain of the German national soccer team Franz Beckenbauer raising the trophy after Germany won the World Cup final in Munich, southern Germany. Beckenbauer has been banned from football duty for 90 days for snubbing an investigation into Qatar's 2022 World Cup bid. FIFA said Friday, June 13, 2014 the 90-day provisional ban was requested by ethics prosecutor Michael Garcia. Beckenbauer was a voting member of FIFA's executive committee in December 2010 when it chose Qatar, and Russia as 2018 World Cup host. (AP Photo/file)

Hätte er doch da aufgehört: Beckenbauer an der WM 1974. Bild: /AP/KEYSTONE

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