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The president of the Swiss Tennis Federation, Rene Stammbach, right, cheers with IOC member and President of the International Ice Hockey Federation, Swiss Rene Fasel during the women's doubles gold medal match Martina Hingis and Timea Bacsinszky of Switzerland against Ekaterina Makarova and Elena Vesnina of Russia at the Olympic Tennis Center in Rio de Janeiro, Brazil, at the Rio 2016 Olympic Summer Games, pictured on Sunday, August 14, 2016. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

René Fasel (l.) trifft während dem Doppel-Final von Bacsinszky/Hingis auf René Stammbach (r.), Präsident von Swiss Tennis. Bild: KEYSTONE

Kommentar

Der höchste Schweizer IOC-Funktionär hält Russland punkto Doping die Stange, und das ist gut so

Sind die Doping-Vorwürfe gegen die Russen eine anglo-amerikanische Verschwörung? Ist die Kritik an den Spielen in Rio haltlos? René Fasel (66), einer der mächtigsten Sportfunktionäre der Welt, packt aus und schwimmt gegen den Strom.

klaus zaugg, rio de janeiro



Doping, immer wieder Doping. Der Kanadier Richard McLaren hat mit seinem Report die olympische Welt in den Grundfesten erschüttert.

Richard McLaren, who was appointed by the World Anti-Doping Agency (WADA) to head an independent investigative team, walks out off the room after presenting his report in Toronto, Ontario, Canada July 18, 2016. REUTERS/Peter Power

Sein Bericht sorge für einen handfesten Dopingskandal: Richard McLaren. Bild: PETER POWER/REUTERS

Das Schweizer IOC-Mitglied René Fasel hält wenig von diesem Papier. Auf 103 Seiten beschreibt der «McLaren-Report» das Staatsdoping in Russland. Es geht auch um Ungereimtheiten rund um die Spiele von 2014 in Sotschi. Die Vorwürfe sind schwer und führten zur Forderung eines generellen Ausschlusses der Russen von Rio.

Heilige Inquisition

Aber treffen diese Vorwürfe zu? René Fasel sitzt seit mehr als 20 Jahren im IOC-Machtzentrum und ist skeptisch. «Ich zweifle den McLaren-Report an. Die Vorwürfe stützen sich in erster Linie auf die Aussagen eines Whistleblowers, dessen Glaubwürdigkeit nicht über alle Zweifel erhaben ist. Ich vermisse hieb- und stichfeste Beweise. Ich bin immer noch der Auffassung, die in einem Rechtsstaat üblich ist: Dass dem Angeklagten die Schuld zweifelsfrei bewiesen werden muss – und nicht der Angeklagte seine Unschuld zu beweisen hat.»

«Ich habe mich schon im Militärdienst über diese Art der Bestrafung aufgeregt und es ist eine Bestrafung, die mit einer rechtsstaatlichen Auffassung nicht vereinbar ist. Deshalb bin ich gegen die Kollektivstrafe und war gegen einen generellen Ausschluss der Russen für die Spiele in Rio. Es wäre absurd gewesen, beispielsweise die Tennisspielerinnen auszuschliessen, die während des ganzen Jahres auf der ganzen Welt unterwegs sind und x-mal kontrolliert werden.»

Das IOC hat es den einzelnen Fachverbänden überlassen, die Russen auszuschliessen. Der Leichtathletik-Verband (IAAF) setzte den kollektiven Ausschluss durch und René Fasel sagt: «Präsident Sebastian Coe hat in dieser Sache keine gute Figur gemacht.»

IAAF President Sebastian Coe speaks during a news conference after a meeting of the IAAF Council at the Grand Hotel in Vienna, Austria, Friday, June 17, 2016. The IAAF upheld its ban on Russia’s track and field team for the Rio de Janeiro Olympics in a landmark decision that punishes the world power for systematic doping. (AP Photo/Ronald Zak)

Machte gemäss Fasel keine gute Figur: der britische IAAF-Präsident Sebastian Coe. Bild: Ronald Zak/AP/KEYSTONE

Das Vorgehen gegen die Russen komme ihm vor die wie Heilige Inquisition und er moniert: «Diese ganze Angelegenheit hat auch einen politischen Hintergrund und dient dem Interesse der anglo-amerikanischen Welt. Sport war halt schon immer auch Politik.»

«Sind nicht in London»

Welches sind nun die Konsequenzen aus der ganzen Affäre? Wie geht es im Kampf gegen Doping weiter? René Fasel sagt: «Wie immer, wenn man nicht mehr weiterweiss, werden Arbeitsgruppen gebildet und Kongresse einberufen. So ist es auch jetzt. Das Doping-Problem ist so komplex, dass es keine einfachen Lösungen gibt.»

In Rio gibt es inzwischen von IOC-Vertretern Kritik an den Organisatoren. Die leeren Plätze in vielen Stadien sind längst ein Thema bei den IOC-Offiziellen. Sie sehen eine Gefahr für ihr Premiumprodukt. Mangelnder Zuschauerzuspruch, den die Menschen weltweit an den TV-Bildschirmen mitbekommen, macht sich nicht gut. «Dies sind bisher die schwierigsten Spiele gewesen, die wir je erlebt haben», hat der IOC-Vizepräsident John Coates in einem Interview mit der BBC gesagt: «Ich würde mir wünschen, dass da grössere Menschenmengen wären.»

epa05476995 General view of empty stands during the morning session of the Rio 2016 Olympic Games Athletics, Track and Field events at the Olympic Stadium in Rio de Janeiro, Brazil, 12 August 2016.  EPA/ANTONIO LACERDA

Leere Plätze gab es in Rio viele. Zwei britische Anhänger während einer Morgen-Session im Leichtathletik-Stadion. Bild: EPA/EFE

René Fasel teilt diese Kritik nicht. «Diese Klagen kann ich nicht nachvollziehen. Natürlich gab und gibt es Probleme. Aber es sind zu den wirklichen Problemen in diesem Land kleine Unzulänglichkeiten. Da wird gejammert, wenn einer eine halbe Stunde irgendwo auf einen Transport warten muss. Im IOC leben zu viele in einer anderen Welt und wissen gar nicht mehr, wie die Wirklichkeit solcher Spiele ist. Wartezeiten werden auch den Zuschauern zugemutet.»

«Die Spiele hier verlaufen so, wie das vernünftigerweise zu erwarten war. Wir sind hier in Südamerika und nicht in London. Es ist ganz normal, dass bei gewissen Wettkämpfen die Stadien leer bleiben. Die Leute kaufen doch keine Eintrittskarten, um Sportarten zu sehen, die sie nicht kennen und die in Brasilien keine Tradition haben.»

Bekennender Gegner von Bach

René Fasel sitzt noch bis zum Ende dieser Spiele im IOC-Exekutivrat, der IOC-Regierung. Dann verlässt er nach acht Jahren turnusgemäss die sogenannte «Sport-Weltregierung».

International Olympic Committee (IOC) President Thomas Bach speaks at the site where the Olympic cauldron is being built in Rio de Janeiro, Brazil, July 27, 2016.  REUTERS/Kai Pfaffenbach

Hat das Heu nicht auf der gleichen Bühne wie Fasel: IOC-Präsident Thomas Bach. Bild: KAI PFAFFENBACH/REUTERS

Zwei Hintergründe helfen uns, seine kritischen Worte einzuordnen. Er ist von den hohen IOC-Herren wahrscheinlich der authentischste. Er hat den Kontakt zur «richtigen» Welt nie verloren.

René Fasel steht dazu, dass er den Russen nahesteht. Er hat eine hohe Affinität für die russische Kultur und hat sich nie um den russlandfeindlichen Mainstream gekümmert.

Nach unserem Interview wird Fasel auf dem Weg zurück in die IOC-Gemächer von einer Gruppe von Russen erkannt. Grosses Hallo. Sie feiern ihn als Helden und geben nicht Ruhe, bis er sich aufheben und auf den starken Armen seiner Verehrer fotografieren lässt. Na und? Wenigstens einer in dieser IOC-Scheinwelt, der sagt, wo er steht, was er denkt.

Fasel und Putin

Als bekennender Gegner von IOC-Präsident Thomas Bach kümmert er sich schon lange nicht mehr um sportpolitische Korrektheit und schon gar nicht lässt er sich das Reden verbieten. Lesen wir denn nicht im Buch der Bücher, des Gerechten Mund sei ein lebendiger Brunnen (Salomon)?

René Fasel hatte dem Deutschen vor der Wahl zum IOC-Vorsitzenden offen gesagt, er werde nicht für ihn stimmen. Nun haben sich die beiden kürzlich bei einer langen Aussprache in Lausanne offiziell versöhnt. René Fasel macht sich keine Illusionen. «Einer wie Thomas Bach vergisst nie.»

Aber einer wie René Fasel auch nicht.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Against all odds 17.08.2016 16:33
    Highlight Highlight "Sport war halt schon immer auch Politik." Wenn der Fasel von dieser Ausgangslage ausgeht, erstaunen mich seine Aussagen nicht. Je "funktionärer" desto bestechlicher. Er hat ja einen guten Draht zu Putin...
  • äti 17.08.2016 14:55
    Highlight Highlight wenn ich das so lese habe ich ein schales Gefühl im Bauch. Klar darf er monieren, dass im Bericht keine Beweise vorlägen. Allerdings steht er diesbezüglich auch mit leeren Händen da. Zudem hätte er als Exekutiv-Rat Beweise einfordern können und müssen.
    • Maett 17.08.2016 19:01
      Highlight Highlight @äti: normalerweise muss die anklagende Instanz die Beweise vorbringen, und hat das bis heute in ungenügender Weise getan.

      Es gibt Indizien, es ist vorstellbar, aber das war's dann auch schon. Wenn man z.B. bei den Amerikanern suchen würde, würde man auch Indizien finden, dann könnte man gleich nochmals dieselbe Diskussion führen.
    • äti 17.08.2016 22:08
      Highlight Highlight Ja klar, ist richtig. Ich meinte, als Exekutiv-Mitglied hätte er schon längst intervenieren müssen. Nicht erst jetzt.
    • Maett 17.08.2016 22:12
      Highlight Highlight @äti: er ist aber kein Exekutiv-Mitglied, oder woran machen Sie das fest?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ignorans 17.08.2016 14:12
    Highlight Highlight Von nun hunderten angeblich gedopten Russen hat sich nur eine geoutet.
    Angst? Andere Moralvorstellungen? Oder eben doch nicht alles wahr...
  • Therealmonti 17.08.2016 13:30
    Highlight Highlight Erstens: Dopen tun wahrscheinlich fast alle. Zweitens. Fasel sägt kaum selber an dem Ast auf dem er sitzt.
  • Dä Brändon 17.08.2016 13:03
    Highlight Highlight Schweizer in hohen Positionen bei internationalen Sportverbänden haben nicht unbedingt einen guten Ruf.
  • Tobi-wan 17.08.2016 12:44
    Highlight Highlight Ach, in den Sphären der Sportfunktionäre weiss man nie, wer gerade von wem Geld bekommt für welche Meinung oder wie welche Zuneigung zustande gekommen ist. Irgendwie ist es wie mit den Dopern. Man hat immer ein ungutes Gefühl, wenn es um IOC, FIFA und UEFA-Funktionäre geht.

    Herr Fasel ist mir aber nicht unsympatisch, mehr aber wegen des Eishockeys. Er hat die IIHF deutlich vorwärts gebracht. Hat dafür gesorgt das Crosby und Co. an Olympischen Spielen dabei sind. Die CHL kommt auch immer besser. Wie er das alles gemacht hat... siehe oben :D
  • fma 17.08.2016 12:27
    Highlight Highlight Guter Artikel. Putin macht sich besser als Kumpel als Bach. Der Sport und dessen Glaubwürdigkeit und Vorbildfunktion ist dabei Nebensache. Leider.
    • TheDoc 17.08.2016 17:43
      Highlight Highlight Putin und Bach sind so ziemlich ein und derselbe im Bereich IOC... Daher finde ich Fasel hier nicht sehr glaubwürdig
  • Hockrates 17.08.2016 12:02
    Highlight Highlight Die Fans wollen die NHL-Spieler bei Olympia und die NHL-Spieler wollen an die olympischen Spiele.

    Und wegen der Egos von ein paar Funktionären sollen wir drauf verzichten? Fasel, Bach und Bettman: Nehmt euch mal zusammen! Es geht um die Fans und die Sportler, nicht um euch!
    • Fumo 17.08.2016 12:45
      Highlight Highlight NHL Spieler sind doch bei Olympia dabei. Wo liegt hier genau dein Einwand?
    • Natürlich 17.08.2016 12:58
      Highlight Highlight Und wieso spielen die nhl spieler nicht an den olympischen spielen?
    • michiOW 17.08.2016 13:00
      Highlight Highlight Ääääh dir ist bewusst, dass das Problem bei den geldgeilen Klubbesitzer aus der NHL liegt?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Winschdi 17.08.2016 11:51
    Highlight Highlight Ist ja logisch dass Fasel so denkt. Ist ja ein Putin-Kumpan, das ist der EINZIGE Grund.
    • Maett 17.08.2016 12:25
      Highlight Highlight @Winschdi: seine Argumentation bzgl. der rechtstaatlich korrekten Handhabung sind also von der Hand zu weisen? Befürworten Sie damit Kollektivstrafen?

      Gäbe es stichhaltige Beweise, wären sie ja längst vorgetragen worden, ein auf der Aussage einer einzigen Person basierender WADA-Bericht reicht nicht.

      Dopen die Russen systematisch? Vorstellbar. Aber ist west. Institutionen wenn es um Russland geht zu trauen? Meiner Erfahrung nach nicht, es wird geschossen was das Zeug hält, irgendwas bleibt schon hängen.

      Wenn man den Medaillenspiegel betrachtet, sind sowieso ganz andere Nationen verdächtig.
    • whatthepuck 17.08.2016 15:57
      Highlight Highlight Wenns gegen ungeliebte Gegner geht ist halt auch in Westeuropa schnell mal fertig mit Rechtsstaatlichkeit. Hier wird gerade ein Land auf übelste Weise schikaniert und allen ist's recht. Dass man damit die falschen Leute trifft geht kaum jemandem in den Kopf. Man lässt hier das Russische Volk die Fehler seiner Regierung ausbaden.
    • Beobachter 17.08.2016 16:51
      Highlight Highlight Grundsätzlich teile ich Fasel's Auffassung punkto Rechtstaatlichkeit. Es kann nicht sein, dass jemand beweisen muss, etwas nicht getan zu haben. Die anklagende Instanz hat zu beweisen, dass jemand etwas getan hat. Und zwar im Einzelfall, und nicht im Kollektiv. Wenn das nicht mehr gegeben ist, dann herrscht die reine Willkür, denn jeder kann jedem ohne Grundlage alles vorwerfen. Die Einzige Frage ist die nach Fasel's Motiv für diese Aussage. Ein Dankeschön an die Russen, mit deren Stimmen er im Mai in Moskau als Präsident der IIHF wiedergewählt wurde? Reine Spekulation, wie so vieles.
    Weitere Antworten anzeigen
  • N. Y. P. D. 17.08.2016 11:14
    Highlight Highlight Herr Fasel,
    sie vermissen hieb- und stichfeste Beweise, obwohl sie den Dokfilm in der ARD gesehen haben ?
    Also, ich weiss nicht. Das ist doch nur noch zum lachen...
    • N. Y. P. D. 17.08.2016 11:53
      Highlight Highlight @Radiochopf
      Bin gerade am Mittagessen.
      Dir en Guete. Die Beweise gehe ich nach meinem Kaffee suchen.. :-)
    • smoking gun 17.08.2016 12:14
      Highlight Highlight @N.Y.P: Ich hab die ARD-Doku auch gesehen. Soweit ich mich erinnern kann, geht es in diesem Film vor allem um afrikanische Sportverbände und deren Doping-Mauscheleien. Die Russen kommen auch vor, aber warum spricht man heute nur noch von den russischen Sportlern, und kaum mehr von den karibischen und afrikanischen? Komisch, nicht war?
    • bärn 17.08.2016 12:53
      Highlight Highlight @radiochopf.... schon mitgekriegt dass die russen alle athleten welche das land verlassen getestet werden und wenn sie positiv sind dann nicht ausreisen, resp. offiziell als "verletzt" gemeldet werden??
    Weitere Antworten anzeigen
  • Cool Beans 17.08.2016 11:12
    Highlight Highlight Na endlich!
    • michiOW 17.08.2016 13:04
      Highlight Highlight Also das Herz gabs nur für den zweiten Teil.

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