Sport

Marathon-Reisender: «Ich konnte am Anfang nicht weiter als einen Kilometer joggen» – jetzt wird Zürich sein 35. Rennen im 20. Land 

John Kinchen beschloss im Jahr vor seinem 50. Geburtstag jeden Monat einen Marathon zu absolvieren. Jetzt will er in jedem europäischen Land ein Rennen bestreiten. Mit dem Zürich-Marathon kann er die Schweiz abhaken. 

03.04.15, 16:23

«Ich kann ehrlich sagen, dass ich bis jetzt jede Minute genossen habe. Es gibt nicht viel Schöneres, als das Gefühl am Ende eines Marathons.» Das sagt einer, der es wissen muss: John Kinchen bestritt in den letzten neun Jahren 34 Marathons – 25 davon in den letzten dreieinhalb Jahren. Das macht fast einen Marathon pro Monat; eine schier unfassbare Quote.

Jetzt kommt er erstmals in die Schweiz. Am 19. April rennt der 52-Jährige den Zürich Marathon. Er feiert dabei ein kleines Jubiläum: Die Schweiz ist das 20. Land, in welchem er einen Marathon bestreitet. Bis 2019 sollen alle 39 europäischen Länder mit einem offiziellen IAAF-Marathon auf der Liste abgehakt sein (siehe Infobox unten).

John Kinchen Marathons

2006: London (Apr.). 2007: London (Apr.). 2008: London (Apr.). 2010: Paris (Apr.), London (Apr.). 2011: Somme (Fr, Sept.), Portsmouth (Dez.). 2012: Napoli (Jan.), Malta (Feb.), Rom (März), Brighton (Apr.), Salzburg (Mai), Caen (Juni), Isle of Man (Juli), Helsinki (Aug.), Amsterdam (Sept.), Portsmouth (Dez.). 2013: Scheveningen (März), Riga (Mai), Luxemburg (Juni), Berlin (Sept.), Istanbul (Nov.), Portsmouth (Dez.). 2014: Sevilla (Feb.), Thessaloniki (Apr.), St.Petersburg (Juni), Reykjavik (Aug.), Vilnius (Lit, Sept.), Budapest (Okt.), Portsmouth (Dez.). 2015: Paphos (Zypern, März).
Geplante Marathons:
2015: Zürich (Apr.), Kopenhagen (Mai), Dublin, Barcelona (beide Okt.), Porto (Nov.), Portmouth (Dez.). 2016: Jerusalem (März), Krakow (Apr.), Prag (Mai), Tallinn (Est, Sept.), Sofia, Ljubljana (beide Okt.). 2017: Belgrad (Apr.), Skopje (Mai), Oslo (Sept.), Bukarest, Podgorica (beide Okt.). 2018: Bratislava (Apr.), Stockholm (Mai), Zagreb (Okt.). 2019: Kiew (Apr.), Tifilis (Okt.). 
Noch ohne Daten:
Monte Carlo, Prishtina, Sarajewo, Chisinau (Mol), Jerewan (Arm), Tirana, Baku, Minsk.

Noch 19 Länder fehlen

Die Frage, die sich unweigerlich stellt: Warum? Kinchen erklärt gegenüber watson: «Als ich 49 wurde, habe ich mich entschieden, für mein 50. Jahr etwas Spezielles zu machen. Ich wollte zwölf Marathons in zwölf Monaten laufen, um für das lokale Pflegeheim «The Rowans Hospice», das sich fantastisch um meinen Vater gekümmert hatte, Geld zu sammeln.» Es sei schwierig gewesen, jeden Monat ein Rennen zu finden, weshalb er durch verschiedene Länder reisen musste. 

Zürich wird der 35. Marathon für John Kinchen. Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Während diesem Jahr hat ihn das Marathon-Fieber definitiv erreicht: «Ich genoss es zu reisen und traf viele sehr interessante Menschen in diesem Jahr. Deshalb beschloss ich zu schauen, ob es möglich ist, in jedem europäischen Land einen Marathon zu laufen. Nach einer kurzen Recherche fand ich heraus, dass es tatsächlich in 39 Länder einen IAAF-anerkannten Marathon gibt.» Und so sammelt der Brite aus Portsmouth fleissig Marathons. 34 ist er bisher in 19 Ländern gelaufen. Zürich ist das 20. Land. Danach folgen im Jahr 2015 mit Dänemark, Irland und Porto drei weitere Nationen. Auch der Plan für die nächsten Jahre steht zumindest provisorisch: Israel, Polen, Mazedonien, Georgien und die Ukraine stehen unter anderem auf dem Programm. 

Die Zeit ist nicht mehr wichtig

Angefangen mit Marathons hatte Kinchen schon fünf Jahre vor der «12 in 12»-Challenge. Er sei damals nicht ganz so sportlich gewesen: «Ich konnte am Anfang nicht weiter als einen Kilometer joggen. Ich war nie der Läufer. Also habe ich mir im Internet einen Trainingsplan gesucht. Ich wurde immer besser und habe mir gesagt: Das muss funktionieren. Nach etwa sechs Monaten war ich soweit.» In London absolvierte Kinchen die Strecke 2006 in 4:28 Stunden. «Anfangs wollte ich immer eine neue Bestzeit aufstellen. Aber das endete eher in kleinen Verletzungen als in Zeitrekorden. Bald sah ich ein, dass ich ein 4h-Läufer bin. Wichtiger ist mir, dass ich in jedem Land einen Marathon beenden kann.» 

Bei über 30 Grad am Marathon in Riga: John Kinchen hat noch jedes Rennen beendet. Bild: john Kinchen

Erlebt hat der Laufbegeisterte bei seinen Versuchen bisher einiges. Ob beim «Sandrennen» in Scheveningen (Holland) am Meer, bei über 30 Grad in Riga, beim «Nachtrennen» in Luxemburg oder bei der chaotischen Organisation in Istanbul. Der heikelste Moment durchlebte Kinchen in Malta, bei seinem siebten von zwölf Marathons in einem Jahr: «Ich verspannte kurz davor einen Muskel im Rücken. Ohne Physio und Akupunktur hätte ich es nicht geschafft.»

Kennst du schon die watson-App?

Über 100'000 Menschen nutzen bereits watson für die Hosentasche. Unsere App hat den «Best of Swiss Apps»-Award gewonnen und wurde unter «Beste Apps 2014» gelistet. Willst auch du mit watson auf frische Weise informiert sein? Hol dir jetzt die kostenlose App für iPhone/iPad und Android.

Der Geheimtipp gegen «die Wand»

Was bei so vielen verschiedenen Marathons immer gleich bleibt, ist «die Mauer». Bekannt unter Langstreckenläufern als derjenige Punkt, an dem man eigentlich nicht mehr kann: «Bei mir kommt der immer zwischen 25 und 32 Kilometern. Am Anfang, war das brutal hart. Jetzt weiss ich: Ich kann Marathons beenden und kämpfe mich da einfach durch. Es ist eine Willensfrage.» 

Zürich Marathon 2014. Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Einen Universal-Tipp, um die Mauer schneller zu überwinden, hat Kinchen nicht. Aber vielleicht hat er im letzten Oktober in Budapest das Wundermittel gefunden: «Ich habe in eine Zitrone gebissen. Kurz danach ging's mir besser.»

«Wenn ich einen Marathon beenden kann, kann es jeder»

Auch für Neueinsteiger hat der 52-Jährige Tipps bereit. «Man sollte es nicht unterschätzen, aber wenn du dich reinhängst, schaffst du es. Und was wirklich wahr ist: Laufen kann einsam sein. Darum sollte man sich einen Trainingspartner suchen.» 

Aber kann denn wirklich jeder einen Marathon beenden? «Glaub an dich. Wenn du willst, kannst du das. Ich bin kein geborener Athlet und mir geht es nicht um den Wettkampf. Wenn ich es kann, kann es jeder.»

Smog-Schlacht beim Peking Marathon

Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 04.04.2015 00:13
    Highlight Wer zwischen 4-5 Stunden einplant, kann mit etwas Training die Strecke laufen. Die sogenannte Wand oder Hammer ist bei diesen Laufzeiten rasch überwindbar.
    0 0 Melden

Neymar, Götze und Co.: Diese Topstars schlug die U17-Nati auf dem Weg zum WM-Titel

Acht Jahre ist es nun schon her, seit die Schweizer U17-Nationalmannschaft Weltmeister wurde. Mit Granit Xhaka, Ricardo Rodriguez oder Haris Seferovic gehören heute einige zu den Ankern der A-Nati. Das ist bei den damaligen Gegnern nicht anders. Wen wir da alles schlugen!

Diese Story ist zweigeteilt. Zunächst blicken wir auf den Turnierverlauf der Schweiz zurück und schauen, welche Spieler des Gegners den ganz grossen Durchbruch geschafft haben. Weiter unten in der Story findest du weitere Akteure, die an der U17-WM 2009 in Nigeria im Einsatz standen und heute Stars sind.

Die Schweiz gewinnt das erste Gruppenspiel dank einem Treffer von Pajtim Kasami (derzeit beim FC Sion) und einem Eigentor der Mexikaner mit 2:0.

Im zweiten Gruppenspiel feiert die Schweiz einen …

Artikel lesen