Sport

Den Blick nach vorne gerichtet: Kariem Hussein. Bild: KEYSTONE

Endet Husseins Achterbahnfahrt in London mit dem ganz grossen Coup?

Kariem Hussein kämpft an den Weltmeisterschaften in London über 400 m Hürden um die Medaillen. Der 28-jährige Thurgauer hofft, dass er heute Abend (22.30 Uhr) einen Exploit schafft wie 2014, als er Europameister wurde.

09.08.17, 11:36 09.08.17, 15:46

Die bisherigen Auftritte Husseins im Olympiastadion im Queen Elizabeth Park im Nordosten Londons glichen einer Achterbahnfahrt. Nur viel Dusel verhinderte im Vorlauf das vorzeitige Aus des Europameisters von 2014. Als schwächster der 24 Athleten qualifizierte sich Hussein in für ihn mehr als bescheidenen 50,12 Sekunden für den Halbfinal – und dies auch nur, weil mehrere direkte Konkurrenten disqualifiziert worden waren.

Doch der Athlet und sein Trainer Flavio Zberg verarbeiteten die Enttäuschung schnell, schon 24 Stunden später versprühten sie wieder Optimismus, Hussein rehabilitierte sich im Halbfinal. Und wie!

Stark reagiert: Hussein nach dem Finaleinzug. Bild: AP

Dank starken letzten 100 Metern zog er in 49,13 Sekunden als Zweiter seiner Serie direkt in den Final ein, seinen ersten an weltweiten Titelkämpfen. In den Olympiajahren 2012 und 2016 plagten Hussein gesundheitliche Probleme, an den Weltmeisterschaften in Peking vor zwei Jahren fehlten ihm ein paar Hundertstel zur Final-Qualifikation.

Im Final nichts zu verlieren

Von der Papierform geht Hussein als klarer Aussenseiter in den Kampf um die Medaillen. Seine sieben Gegner sind alle schon schneller gelaufen in diesem Jahr als der angehende Arzt, der seine Saisonbestzeit von 48,79 Sekunden vor gut einem Monat bei seinem Sieg an der Athletissima in Lausanne schaffte. Mit dieser Zeit ist er nur die Nummer 21 des Jahresrankings. Und auch seine persönliche Bestzeit von 48,45 Sekunden ist nur der sechstbeste Wert im Final-Feld.

Die Highlights heute Abend

Finals:
22.30 Männer, 400 m Hürden
(mit Kariem Hussein).
22.50 Frauen, 400 m.

Vorläufe:
20.05 Frauen, 3000 m Steeple
(mit Fabienne Schlumpf).
21.55 Männer, 200 m, Halbfinals
(mit Alex Wilson).

Wie unberechenbar die lange Hürdenstrecke jedoch ist, bewiesen auch die Rennen in London. Der Jahresschnellste Kyron McMaster und die Amerikaner Michael Stigler und Eric Futch blieben auf dem Weg in den Final ebenso auf der Strecke wie Javier Culson, der zweifache WM-Medaillengewinner und Olympia-Dritte von 2012. Die Olympia-Finalisten Thomas Barr und Rasmus Mägi mussten aus gesundheitlichen Gründen die Segel vorzeitig streichen.

Hussein umschiffte die bisherigen Klippen, wenn auch mit etwas Glück. Und dass ihm die Rolle des Aussenseiters behagt, hatte er bei seinem Triumph 2014 im Letzigrund bewiesen, als er an der Heim-EM zu Gold stürmte. Die letzte Schweizer Medaille an Weltmeisterschaften gewann 2007 der Marathonläufer Viktor Röthlin, die bislang einzige über 400 m Hürden errang Marcel Schelbert 1999 in Sevilla. (ram/sda)

Ob es so eng wird? 15 fantastisch knappe Fotofinishs

18.10.1968: Bob Beamon springt so weit, dass nicht einmal das Massband reicht

06.08.1984: Carl Lewis holt sich zum ersten Mal Olympia-Gold in seiner Lieblingsdisziplin

17.08.2008: Amor trifft besser als der Sportschütze, der nur deshalb berühmt wurde, weil er auf die falsche Scheibe zielte

08.08.1992: Marc Rosset holt sich an Roger Federers 11. Geburtstag den einzigen grossen Titel, der dem «Maestro» noch fehlt

19.09.2000: Eric «The Eel» Moussambani säuft über 100 m Freistil fast ab und wird trotzdem zum grossen Star

26.08.1900: Ein Siebenjähriger wird zum jüngsten Olympiasieger aller Zeiten, aber bis heute kennt niemand seinen Namen

25.07.1908: Wyndham Halswelle wird Olympiasieger über 400 Meter – weil er im Final der einzige Läufer ist

26.07.1992: Das beste Team, das jemals Basketball gespielt hat, verzaubert die ganze Welt

16.10.1968: Tommie Smith und John Carlos sorgen für die berühmteste Siegerehrung bei Olympia

09.06.1924: Die Schweiz verpasst den Olympiasieg – aber wird Europameister!

28.07.1984: Gaby Andersen-Schiess torkelt in der Hitze von LA völlig dehydriert über die Zielgerade des Olympia-Marathons

08.05.1984: Die Sowjets boykottieren Olympia. Eine Retourkutsche, die ihre Wirkung komplett verfehlt

06.08.2012: Felix Sanchez schmuggelt Foto von totem Grosi unter die Startnummer und schafft das grösste Comeback der Leichtathletik

04.08.2012: Das knappste Finale in der Olympia-Geschichte im Triathlon gewinnt Nicola Spirig dank einer unglaublichen Willensleistung

01.10.2000: Der Abschluss der Spiele von Sydney ist der Beginn der grossen Liebe zwischen Roger und Mirka

Die Geschichte eines Bauernsohns, der im vorletzten Jahrhundert zum Olympiahelden wurde

17.09.1988: Zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Seoul gibt es geröstete Tauben

28.8.1972: Mark Spitz holt sich die ersten zwei von sieben Goldmedaillen und schwimmt in jedem Rennen Weltrekord

Alle Artikel anzeigen
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

Artikel lesen