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epa05586969 Bremen's Ousman Manneh celebrates after scoring the 2-1 lead during the German Bundesliga soccer match between Werder Bremen and Bayer Leverkusen at the Weser stadium in Bremen, Germany, 15 October 2016.  EPA/CARMEN JASPERSEN (ATTENTION: Due to the accreditation guidelines, the DFL only permits the publication and utilisation of up to 15 pictures per match on the internet and in online media during the match.)

Ousman Manneh: Er kann selbst nicht glauben, was mit ihm gerade geschieht. Bild: EPA/DPA

Das Märchen von Bremen: In zwei Jahren vom Flüchtling zum Bundesliga-Torschützen 

Werder Bremen erlebt gerade seine Wiedergeburt. Nach dem Katastrophenstart mit vier Spielen, vier Pleiten haben die Werderaner aus den letzten drei Partien sieben Zähler geholt. Mittendrin und fast ein Symbol für den Aufstieg aus der Hoffnungslosigkeit steckt Ousman Manneh, 19-jähriger Flüchtling aus Gambia.

16.10.16, 11:27 16.10.16, 11:55


Es läuft bei Werder Bremen. Aus den letzten vier Spielen seit dem Trainerwechsel von Viktor Skripnik zu Alexander Nouri holten die Grünweissen sieben Zähler – nur Hoffenheim holte in der gleichen Zeitspanne mehr Punkte (9).

Matchwinner beim 2:1-Erfolg gegen Leverkusen ist ausgerechnet Ousman Manneh, der vor zwei Jahren als Flüchtling Deutschland erreichte: «Ich weiss nicht, was passiert ist. Es ist, als würde ich träumen», sagte er nach der Partie in brüchigem Englisch in die Mikrofone. Die Augen strahlten dabei hell.

Das erste Bundesliga-Tor von Manneh. Video: streamable

Zuvor genoss er das Bad in der Menge bei den Fans, gab schon auf dem Platz Interviews für Radios und TV-Stationen: «Ich hätte mir niemals vorstellen können, gegen so eine grosse Mannschaft zu spielen und zu treffen.» Klar, gab er das Lob auch weiter: «Ich muss dem Trainer danken, dass er mir die Chance gibt.»

epa05565357 Bremen's Ludovic Lamine Sane (C) celebrates his 1-1 goal with Ousman Manneh (R) and teammates during the German Bundesliga soccer match between Darmstadt 98 and Werder Bremen at the Jonathan-Heimes stadium in Darmstadt, Germany, 01 October 2016.  EPA/BORIS ROESSLER (EMBARGO CONDITIONS - ATTENTION - Due to the accreditation guidelines, the DFL only permits the publication and utilisation of up to 15 pictures per match on the internet and in online media during the match)

Ousman Manneh (r.): Plötzlich die Symbolfigur der Hoffnung. Bild: EPA/dpa

Dieser Trainer selbst, Alexander Nouri, hält seinen Verdienst für klein, er sagt bescheiden: «Ich versuche, ihn tagtäglich zu inspirieren.» Bei den Teamkollegen kommt Manneh ebenfalls gut an. Captain Clemens Fritz hat beobachtet: «Er macht unglaublich lange Wege, auch für die Defensive. Er ist ein guter Junge.» Vor knapp einem Monat war diese Entwicklung noch praktisch undenkbar.

Aufstieg innert einem Monat

Rückblick: 21. September 2016, Weserstadion, Bremen gegen Mainz, vierte Minute. Werder hat die erste Chance des Spiels. Aber Debütant Ousman Manneh scheitert am Mainzer Goalie Jonas Lössl. Es wäre fast zu kitschig gewesen, hätte der 19-Jährige getroffen. Mannehs Aufstieg zum Bundesliga-Stürmer ist aber auch ohne Torerfolg bemerkenswert.

Szenenwechsel. 6000 Kilometer südwestlich von Bremen ist Mannehs Heimat. Rund 1,7 Millionen Menschen leben in Gambia, einem kleinen Land im Westen Afrikas. Ein schönes Leben ist es nicht: Gambia zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Der seit zwei Jahrzehnten herrschende Staatspräsident Yahya Jammeh erklärte Gambia im letzten Jahr zu einem islamischen Staat; seit einiger Zeit häufen sich bei Menschenrechts-Organisationen die Berichte über Folter, Hinrichtungen und die Verfolgung von Schwulen. Man solle diese «töten wie Moskitos», forderte Jammeh, Homosexuelle seien «gefährlicher als Tsunamis und Erdbeben.»

Gambia ist etwa vier Mal kleiner als die Schweiz und hat auch etwa vier Mal weniger Einwohner. karte: wikipedia

Kein Wunder, ergreifen bei diesen Umständen viele junge Gambier die Flucht. Weil sie in der Regel als Wirtschaftsflüchtlinge eingestuft werden, haben sie in der Schweiz nur geringe Chancen, aufgenommen zu werden.

Stürmischer Rohdiamant

Mehr Glück hatte Ousman Manneh. 2014 flüchtet der Gambier aus seiner Heimat und landet in Deutschland. Wie er 17-jährig aus Afrika nach Europa fand, wollte er bislang für sich behalten. Aber wir alle kennen die Bilder von Menschen, die zusammengepfercht in Booten übers Mittelmeer fahren.

Manneh kommt im Flüchtlingsheim Lesum unter, am Rande der Stadt Bremen im Norden Deutschlands. Seine viele Freizeit verbringt er Fussball spielend, bei einem Sichtungstraining des Blumenthaler SV tritt er sofort in Erscheinung. Nur vier, fünf Minuten benötigte Trainer Fabrizio Muzzicato, um das Talent des Teenagers zu erkennen. «Das hätte sogar jemand gesehen, der nicht so viel Ahnung vom Fussball hat», sagte er dem «Weser-Kurier». In Gambia war der Landsmann von Sions Pa Modou Jagne während vieler Jahre in einer Fussball-Akademie.

Football - West Ham United v Werder Bremen - Pre Season Friendly - Upton Park - 2/8/15
Werder Bremen's Ousman Manneh warms up before the match
Action Images via Reuters / Matthew Childs
Livepic
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Mannehs grosser Traum vom Profifussball hat sich erfüllt. Bild: Matthew Childs/REUTERS

In Blumenthal darf Manneh bei den Junioren spielen, doch er fällt rasch den Talentspähern der grossen Klubs auf. Werder Bremen lässt den Stürmer mehrmals beobachten, auch der HSV, Schalke und Wolfsburg schicken Scouts. Am Ende entscheidet sich Ousman Manneh für die neue Heimat. Er bleibt in Bremen, unterschreibt einen Tag nach seinem 18. Geburtstag einen Vertrag bei Werders U23-Team. Sein Trainer dort: Alexander Nouri.

Hoffnungsträger im Kampf gegen den Abstieg

Genau dieser Nouri wurde vor einem Monat erst zum Interimstrainer des Bundesliga-Teams befördert, weil Werder Bremen sich nach drei Startpleiten von Viktor Skripnik getrennt hatte. Und weil die Grün-Weissen derzeit unter Stürmermangel leiden, nahm Nouri den 1,90 m grossen Manneh gleich mit hoch – und er liess ihn gegen Mainz auch gleich von Anfang an spielen. Während der Nationalmannschaftspause ist Nouri zum Chefcoach befördert worden.

Manneh verdiente sich in seinen ersten Partien gute Noten. Als er bei seinem Debüt zehn Minuten nach der Pause – begleitet von Standing Ovations – ausgewechselt wird, führte Bremen gegen Mainz mit 1:0, die Tore zur 1:2-Niederlage fielen erst ganz kurz vor Schluss. Werder Bremen blieb vorerst in der Krise, es droht der erste Abstieg seit 1980. Doch seit dem 21. September hat der viermalige deutsche Meister einen neuen Hoffnungsträger. Einen, den Hoffnung und Mut schon einmal in eine schönere Zukunft geführt hat.

Verwirrung ums Alter

Zu reden gaben nicht nur Mannehs Tore in Bremens U23-Elf, sondern auch sein Geburtsdatum. Offiziell gilt der Geburtstag 1. März 1997, doch es gibt auch Quellen, die den 1. März 1995 nennen. Dass Gambias Verband im letzten Jahr gesperrt wurde, weil beim Alter mehrerer Spieler betrogen wurde, kann ja auch einfach bloss Zufall sein.

«Humans of Idomeni»: 18 Botschaften aus Europas schlimmstem Flüchtlingslager

Legendäre Bundesliga-Momente

19.5.2001: Vier Minuten feiert Schalke den Titel, dann trifft Andersson in Hamburg mitten ins königsblaue Herz

31.08.1993: Jay-Jay Okocha demütigt Oliver Kahn und drei KSC-Verteidiger mit einem Wahnsinnstanz in 11 Sekunden für die Ewigkeit

18.09.1999: Kuffour knockt Kahn aus und als Ersatzkeeper Dreher sich das Knie verdreht, werden «Tanne» Tarnat und der Kahn-Killer zu den grossen Matchwinnern

18.08.1995: St.Paulis Tier im Tor «geht einer ab», wenn er in der 1. Liga Bälle halten kann

10.12.1995: Ciri Sforza sieht im TV, wie er ohne sein Wissen transferiert wird und wie seine Mitspieler bitterböse über ihn schimpfen

06.04.2002: Bundesliga-Goalie Piplica fällt der Ball von einem Kirchturm auf den Kopf und von dort fliegt er ins Tor

20.10.2000: Christoph Daums freiwillige Haarprobe ergibt, dass er doch kein absolut reines Gewissen haben darf

04.04.2009: Nie wurden die Bayern schöner gedemütigt als durch die Hacke von Grafite

08.11.1975: Weil er betrunken ist und sich so gut fühlt, pfeift Schiedsrichter Ahlenfelder schon nach 32 Minuten zur Halbzeit 

Kultfigur Walter Frosch spielt mit einem Zigarettenpäckchen im Stutzen

07.05.1991: «Mach et, Otze!» Kölns Ordenewitz will sich in den Pokalfinal tricksen – aber der DFB findet den Ordene-Witz nicht komisch

16.05.1992: Eintracht Frankfurt verspielt den Meistertitel im letzten Moment, doch «Stepi» bleibt cool: «Lebbe geht weider»

19.08.1989: Klaus «Auge» Augenthalers Weitschusstreffer wird Tor des Jahrzehnts

03.01.2006: Der Bergdoktor ist da – Hanspeter Latour soll den 1. FC Köln vor dem Abstieg retten

10.03.1998: Trap hat fertig – diese dreieinhalb Minuten Kauderwelsch bleiben für die Ewigkeit

23.04.1994: Helmers Phantomtor, der berühmteste Nichttreffer der Bundesliga

04.05.2002: Der Beweis dafür, dass Leverkusen keinen Titel holen kann – und es kam noch viel schlimmer

13.04.1995: Andy Möller kreiert mit der Schutzschwalbe eine neue Tierart

Wolfgang Wolf wird Trainer der Wölfe in Wolfsburg – hihihi!

02.04.1974: Ob den Dortmundern bei der Einweihung schon bewusst ist, dass sie einmal das geilste Fussballstadion der Welt haben werden?

19.11.1994: Nach einer kuriosen Rote Karte und dem Last-Second-Ausgleich des KSC flippt Lothar Matthäus im Interview komplett aus

17.04.2004: Goalie Butt jubelt nach seinem verwandelten Penalty noch, als es in seinem Kasten klingelt

03.04.1999: Titan Kahn tickt komplett aus – erst knabbert er Herrlich an, dann fliegt er in Kung-Fu-Manier auf Chapuisat zu

20.05.2000: «Ihr werdet nie deutscher Meister» – Ballacks Eigentor in Unterhaching macht Bayer endgültig zu «Vizekusen»

23.09.1994: Mario Basler kommt auf die absurde Idee, eine Ecke direkt zu verwandeln und hat damit auch noch Erfolg

09.05.1998: Die grösste Bundesliga-Sensation ist perfekt: Aufsteiger Kaiserslautern darf die Meisterschale in die Höhe stemmen

29.03.1970: «Decken, decken, nicht Tischdecken, Mann decken» – so kommentiert der Moderator des «Aktuellen Sportstudio» einen Beitrag über Frauenfussball 

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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