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Dominique Aegerter trauert um seinen Teamchef Stefan Kiefer. Bild: EPA/EPA

Eine Tragödie – aber auch neue Hoffnung für Dominique Aegerter

Noch ist der Schock nicht überwunden. Aber es muss weitergehen. Für Dominique Aegerter zeichnet sich nach dem Tod seines Teamchefs Stefan Kiefer eine überraschende Lösung ab, die ihn 2018 zum Titelkandidaten machen würde – mit KTM.

28.10.17, 13:26


Dominique Aegerters Manager Robert Siegrist musste am Telefon immer wieder mit den Tränen kämpfen. Der Tod von Stefan Kiefer – er ist im Alter von 51 Jahren völlig überraschend an einem Herzversagen gestorben - hat auch ihn tief getroffen. «Ich habe in 15 Jahren in diesem Geschäft keinen ehrlicheren Geschäftspartner kennen gelernt.»

Dominique Aegerters Teamchef Stefan Kiefer war einer der letzten Aufrechten in einem rauen, oft rücksichtslosen Geschäft. Bescheiden, freundlich, kompetent und. Ein wenig auch ein Romantiker. Kein Wunder hat sich der sensible Rock’n’Roller Dominique Aegerter diese Saison in seinem Team wohl gefühlt und sein fahrerisches Potenzial nach und nach wieder ausgeschöpft.

Das grösste Problem war auch diese Saison das knappe Budget. Die zehn Testtage, die jedem Team während der Saison zustehen, konnten nicht ausgeschöpft werden. In diesem «High-Tech-Sport» ein Nachteil. Technische Probleme haben Dominique Aegerter zwei Rennen gekostet. Nicht regelmentkonformes Motorenöl die nachträgliche Aberkennung des Sieges von Misano. Ein Ärgernis. Aber angesichts der Tragödie um seinen Teamchef bloss noch eine Nebensache.

Robert Siegrist sagte auch: «Ich kann es einfach immer noch nicht glauben. Noch ein paar Stunden vorher hatten wir lange miteinander telefoniert und über ein wirklich geiles Projekt für nächste Saison gesprochen.»

Und da ist nun Hoffnung. Stefan Kiefer war der Kopf des Teams. Er hat alle Fäden gezogen und die Finanzierung organisiert. Sein Bruder Jochen kümmert sich als Techniker ums «Innenleben». Wenn also Dominique Aegerters Manager von Zürich aus lange mit Stefan Kiefer in Kuala Lumpur wegen «einer geilen Sache» telefoniert hat, dann ist da etwas am Laufen.

Da herrschte noch Freude: Aegerter feiert mit Teamkollegen seinen – inzwischen aberkannten – Moto2-GP-Titel in Misano.  Bild: EPA ANSA

Und tatsächlich zeichnet sich in dieser dunklen Stunde eine Lösung ab. Inzwischen zeichnet sich ab, dass Fred Corminboeuf nach dem Verlust von Tom Lüthi (steigt 2018 in die MotoGP-Klasse auf) grosse Schwierigkeiten haben wird, nächste Saison ein Team mit den beiden Bruchpiloten Sam Lowes (Gb) und Iker Lecuana zu finanzieren. KTM hatte dem Team die Zusage für die Lieferung der Maschinen zu einem Zeitpunkt gemacht, als der Aufstieg von Tom Lüthi in die Königsklasse noch nicht feststand. KTM will einen Siegfahrer.

Seit einiger Zeit laufen Verhandlungen, um das Kiefer-Team mit Dominique Aegerter statt die Mannschaft von Fred Corminboeuf mit KTM-Maschinen zu beliefern. Beim letzten GP in Australien feierte KTM seinen ersten Sieg in der Moto2-WM – es war gleich ein Doppelsieg mit Miguel Oliveira und Brad Binder.

Wechselt Kiefer Racing auf KTM-Maschinen? Bild: EPA/EPA

Das Problem ist, wie stets im Motorsport, die Finanzierung. Wie nun auch die bestinformierte Motorsport-Website «Speedweek.com» bestätigt, steht ein britischer Investor bereit um das «Kiefer-Team» künftig mit Geldern aus Russland finanziell abzusichern. David Pickworth beabsichtigt das Team zu übernehmen und neben Dominique Aegerter (27) als zweiten Piloten den Deutschen Sandro Cortese (28) einzusetzen.

Abenteuerlich? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Ein Team mit Dominique Aegerter würde jedenfalls funktionieren. Und KTM wäre mit ziemlicher Sicherheit konkurrenzfähige als Suter.

Sandro Cortese, der freundliche Moto3-Weltmeister von 2012, ist in der Moto2-WM nur an einem guten Tag ein Podestfahrer. Seit 2013 fährt er in der Moto2-WM und liegt aktuell in der Gesamtwertung auf dem 18. Platz. Er wäre kein Konkurrent, sondern der ideale Teamkollege für Dominique Aegerter.

Wird dieses Projekt Wirklichkeit, dann würde Dominique Aegerter in einem Team zusammen mit Sandro Cortese mit KTM statt Suter nächste Saison in der Moto2-WM zu den Titelkandidaten gehören.

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