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epa06277530 Swiss Moto2 rider Dominique Aegerter (C) of the Kiefer Racing team speaks with team officials during free practice of the Australian MotoGP Grand Prix 2017 on Phillip Island, Victoria, Australia, 20 October 2017. The Australian motorcycling Grand Prix takes place on 22 October 2017.  EPA/JOE CASTRO AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT  EDITORIAL USE ONLY

Dominique Aegerter sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. Bild: EPA/AAP

Dominique Aegerter und das bange Warten auf russische Millionen

Mit russischen Millionen und KTM im nächsten Jahr auf Titeljagd. Das ist der Plan. Allerdings sagt Dominique Aegerters bisheriger Maschinen-Lieferant Eskil Suter: «Ich befürchte, dass das alles eine Fata Morgana ist.»



Wie geht es 2018 weiter? Das ist die Frage, die Töff-Pilot Dominique Aegerter (27) seit Wochen umtreibt. Sicher ist bisher eigentlich nur, dass er wieder im «Kiefer Team» in der Moto2-WM antreten wird.

Nach dem Tod von Teamchef Stefan Kiefer – er erlag während des GP von Malaysia einem Herzversagen – ist nun alles in Frage gestellt. Sein Bruder Jochen will weitermachen. Aber mehr denn je steht die Frage im Raum: Woher das Geld nehmen?

Dieses Problem schien eigentlich gelöst. Am Rande des GP von Valencia wollte man am letzten Wochenende alles klären: der britische Geschäftsmann David Pickworth kauft das Team mit dem Geld russischer Investoren und sorgt in den nächsten drei Jahren für eine ausreichende Finanzierung für den Rennbetrieb, Tests und technische Entwicklungsarbeiten. KTM liefert die Maschinen – das österreichische Fabrikat ist zurzeit der heisseste Moto2-Ofen – und als neuer Teamkollege kommt der freundliche Deutsche Sandro Cortese. Unter diesen Voraussetzungen würde Dominique Aegerter 2018 zum Kreis der Titelanwärter gehören.

Switzerland's Moto2 rider Dominique Aegerter gestures as he steers his Suter during qualifying for the Australian Motorcycle Grand Prix at Phillip Island near Melbourne, Australia, Saturday, Oct. 21, 2017. (AP Photo/Andy Brownbill)

Die bange Frage: Kriegt Dominique Aegerter tatsächlich die Chance, nächste Saison um den Titel zu fahren. Bild: AP/AP

Würde. Hätte. Könnte. Sollte. David Pickworth ist in Valencia zum vereinbarten Termin mit Jochen Kiefer, Dominique Aegerters Manager Dr. Robert Siegrist und den Abgesandten von KTM nicht erschienen. Robert Siegrist sagt: «Wir machen uns Sorgen.»

Eine Überraschung ist das allerdings nicht. Der britische Gentleman, der sich als Investment-Banker bezeichnet, tauchte in den letzten Jahren hin und wieder im GP-Zirkus auf. Er hat allerdings keines seiner angekündigten Projekte je realisiert.

Wenn alles Geld, das im internationalen Töff-Business schon definitiv zugesichert und versprochen worden ist, auch tatsächlich bezahlt worden wäre, dann wäre der GP-Zirkus ein Milliardengeschäft und jeder Fahrer, Teambesitzer, Teammanager und Mechaniker Multimillionär.

Russische Millionen oder «Team light»?

Kommen die russischen Millionen? Inzwischen ist ein neuer Termin vereinbart. Der ehrenwerte David Pickworth wird zur Beerdigung von Stefan Kiefer am Mittwoch in Wilthen (Sachsen) erwartet und am Donnerstag sollen dann die noch vom verstorbenen Stefan Kiefer ausgehandelten Verträge rechtskräftig unterschrieben werden. Angeblich sei das Geld für das Team bei einer Bank in Holland deponiert und blockiert. Dominique Aegerter sagt: «Ich hoffe, dass wir diese Woche alles klären können.»

epa06167093 Swiss Moto2 rider Dominique Aegerter of the Keifer Racing Suter team on the grid during the Moto2 race of the 2017 British Motorcycling Grand Prix at the Silverstone race track, Northampton, Britain, 27 August 2017.  EPA/TIM KEETON

Für den Notfall hat Dominique Aegerter einen Plan B. Bild: EPA/EPA

Und was, wenn nicht? Zu den Überlebensstrategien gehört im internationalen Motorsport ein Plan B. Diesen Plan B gibt es. Kommen die russischen Millionen nicht, dann ist ein «Kiefer Team light» vorgesehen. Nur mit einem Piloten (Dominique Aegerter) und weiter mit Suter.

Im Karate noch keinen schwarzen Gürtel:

Eskil Suter ist bereit, auch nächste Saison die Maschinen zu liefern, wenn der Deal mit KTM doch noch platzen sollte. Der Turbenthaler glaubt ohnehin nicht an die russischen Millionen. «Mister Pickworth hat sich schon früher herumgetrieben. Ich befürchte, dass sich die schöne Geschichte mit den russischen Millionen als Fata Morgana erweisen wird.» Das sei für ihn kein Problem. «Wir stehen bereit und haben die Kapazitäten um Dominique Aegerter auch nächste Saison mit konkurrenzfähigem Material auszurüsten.»

Riesenparty als «Crowdfunding»

Ein «Kiefer Team light» könnte auch ohne russischen Geldsegen finanziert werden. Robert Siegrist sagt: «Aber vielleicht müsste Dominique dann halt auch einen Teil seiner persönlichen Sponsoreneinnahmen investieren ...»

Es geht also wieder einmal ums finanzielle Überleben. Zur Ergänzung der klassischen Finanzierung über Sponsoren betreibt Dominique Aegerter sowieso seine ganz eigene Form des «Crowdfunding»: Jahr für Jahr organisiert er nach Saisonschluss eine Riesensause, zu der inzwischen die Gäste aus der ganzen Schweiz anreisen.

Dieses Jahr findet die «Domi Fighters Racing Party» am 25. November im nationalen Sportzentrum in Huttwil statt. Aber eben: russische Millionen wären halt schon besser als die Einnahmen aus einer Party.

Die Zeit drängt. Die Mechaniker wollen wissen, ob es weitergeht oder ob sie einen neuen Job suchen müssen. Es muss Material (Motorräder, Trucks, Hospitality) bestellt oder überarbeitet werden. Personal und Material für einen oder zwei Fahrer? Und in spätestens zweieinhalb Monaten stehen die ersten Tests auf dem Programm.

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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    Alle Leser-Kommentare
  • sherpa 14.11.2017 13:38
    Highlight Highlight Besser an ein Kiefer-light Team glauben und investieren, als auf russisches Geld warten und dann doch enttäuscht zu werden. Eine Geldgeber-Party ist alle mal besser und glaubwürdiger, als auf windige "Geschäftspartner" und ihr Geschwaffel zu setzen.

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Töffstar Dominique Aegerter sagt nach dem völlig missglückten GP von Katalonien, die Luft sei ihm ausgegangen. Es ist die offizielle Version und eine Lüge, die einen Skandal verschweigt.

Jammern über die Technik ist im Macho-Millieu Töff unehrenhaft. Und nicht gut fürs Geschäft. Kein technischer Ausrüster liest oder hört gerne über Mängel an seinen Höllenmaschinen.

Deshalb sagt Dominique Aegerter nach dem 17. Platz in Barcelona kleinlaut: «Die Luft ist mir ausgegangen. Ich musste auf den Geraden den Kopf heben um Sauerstoff zu bekommen. Ich konnte einfach nicht mehr. Sonst wäre wohl ein 8. Rang möglich gewesen.» Er nimmt die Schuld auf sich. So möge die Kirche im Dorf bleiben.

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