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«Ich bin geschockt, wenn ich jetzt sehe, was das alles kostet»: Die Finanzen bringen Aegerter um den Schlaf.  Bild: AP/AP

Hilferuf eines Schweizer Töffstars: «Ich bekomme den Kopf nicht mehr frei»

Renn-Crack Dominique Aegerter (27) steht vor seiner schwierigsten Saison. Er kann Geld und Geist nicht mehr trennen. Und fährt auch bei den letzten Vorsaison-Tests zur Moto2-WM hinterher.

08.03.18, 04:10 08.03.18, 08:36

Klaus Zaugg, Jerez de la Frontera



Er ist in der Winterpause mindestens um 10 Jahre gealtert. Ortstermin Fahrerlager an der Strecke in Jerez de la Frontera im Süden von Spanien. Die letzten Tests vor dem Saisonstart. Alle sind mit den Höllenmaschinen da, die sie beim ersten Rennen (18. März in Katar) einsetzen werden. Es ist der erste Moment der Wahrheit. Wer jetzt nicht parat ist, wer jetzt noch hinterher fährt, wird auch während der Saison Mühe haben.

Wer im März langsam ist, gehört meistens auch im November noch zu den Hinterherfahrern. Für Dominique Aegerter (27) ist es eine bittere Wahrheit. Er hat die bestmögliche Maschine (KTM). Aber er kommt einfach nicht auf Touren. 23. bei den ersten Tests Anfang Februar, 26. bei den zweiten Tests Mitte Februar und nun bloss 24. an diesem zweiten Tag der finalen Tests. 1,4 Sekunden hinter der Bestzeit. Bitter für einen, der die Erfahrung, das Talent und das Material hat, um in der Moto2-WM um Siege zu fahren.

Die Crux mit dem Hauptsponsor

Was ist los? Das Problem ist ein «weicher» Faktor: Dominique Aegerter sagt: «Es wird alles zu viel für mich. Ich bekomme den Kopf nicht mehr frei.» Deshalb wirkt er wie um 10 Jahre gealtert. Aus dem feschen Rock’n’Roller, dessen Markenzeichen über die Jahre eine fröhliche Unbekümmertheit war, ist ein nachdenklicher junger Mann geworden. Es geht um viel Geld.

Weil sein Team (Team Kiefer) den Hauptsponsor verloren hat, musste Dominique Aegerter zusammen mit seinem Manager Dr. Robert Siegrist über die Wintermonate die Finanzierung der Saison 2018 stemmen. Sonst wäre seine Karriere wohl zu Ende gegangen. «Wir haben rund 700 000 Franken des Gesamtbudgets von 1,2 Millionen organisiert. Wenigstens kann ich jetzt wieder schlafen. Im Dezember und Januar bin ich ganze Nächste wach geblieben. Bis zur letzten Saison war ich einfach Fahrer und musste mich sonst um nichts kümmern. Jetzt hängt so vieles an mir, dass ich meinen Bruder Kevin angestellt habe, damit er mir den Rücken freihält.» Und er werde wohl vermehrt mit einem Mentaltrainer zusammenarbeiten.

Aegerter sucht sich einen Mentaltrainer. Bild: AP/AP

Er sagt, er sei ein sparsamer Mensch und mit bescheidenem Lebensstil. «Ich bin geschockt, wenn ich jetzt sehe, was das alles kostet.» Er nimmt eine Liste hervor. Geht Punkt für Punkt durch. Übersee-Flüge, Tests, Hotels, Maschine, Ersatzteile, Mietwagen, Löhne für die Mechaniker und so weiter und so fort. Um solche Dinge hatte er sich früher nie gekümmert. Dafür war das Team zuständig.

«Ich bin geschockt, wenn ich jetzt sehe, was das alles kostet.»

«Jetzt muss ich für diesen Aufwand mit meinen persönlichen Sponsoren aufkommen.» Auch die 250 000 Franken, die er mit dem erfolgreichsten Crowdfunding unserer Sportgeschichte eingesammelt hat, kommen in den Topf. «Wenn wir nicht noch einen Hauptsponsor für unser Team finden, dann verdiene ich diese Saison nicht einen Franken.»

Müde, bevor die Saison angefangen hat

Statt mit Fahrwerkseinstellungen und Linienwahl muss sich Dominique Aegerter mit Geldfragen beschäftigen. Er kann Geist und Geld nicht mehr trennen. Erschwerend kommt dazu, dass sich immer wieder Leute mit ungebetenen guten Ratschlägen melden. «Ich werde meine Handy-Nummer wechseln müssen, um etwas mehr Ruhe zu haben.»

In der Moto2-WM haben alle die gleichen Motoren, die gleichen Reifen. Nur die Fahrwerke sind unterschiedlich. Das führt zu einer extremen Ausgeglichenheit. Wer den Kopf nicht frei bekommt kann nicht schnell sein. Aber der Erfolgsdruck ist hoch. Ein Platz in den ersten fünf der WM-Schlusswertung und dieser oder jener Podestplatz werden erwartet.

Wann kann Aegerter wieder jubeln? Bild: AP/AP

Zwei KTM-Piloten (Sam Lowes, Iker Leguona) stehen auf der Rangliste nach diesem zweiten Testtag auf den ersten beiden Plätzen. «Das macht es für mich noch schwieriger» sagt Dominique Aegerter. «Nun fragen alle: was ist los? Du hast doch auch eine KTM. Dass wir jetzt noch nicht das 2018er-Modell haben, interessiert niemanden.»

Draussen ist es inzwischen dunkel geworden. Dominique Aegerter wirkt müde. Und dabei hat die Saison noch nicht einmal richtig angefangen. Den Mut, den Kampfgeist hat er nicht verloren. Aber er ahnt, er weiss, dass er vor seinem schwierigsten Jahr steht. Er muss den letztjährigen WM-Schlussrang (12.) verbessern. Sonst könnte seine Karriere nach dieser Saison zu Ende sein. Dabei hat er die besten fünf Jahre als Rennfahrer noch vor sich.

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    Alle Leser-Kommentare
  • acove 08.03.2018 10:16
    Highlight Absolut unair, wie es Domi zur Zeit ergeht, Da chrampft er was gisch was häsch, damit er das nötige Minibudget zusammen bringt und am Schluss ist er es, welcher sich auch noch um den Rest des Teams zu kümmern hat. Wo ist denn sein Manager geblieben, welcher sich nun tatsächlich um die Finanzabrechnungen, Sponsorenvereinbarungen und deren Betreuung etc. kümmern sollte Da wolle alle, dass Domi eine Topleistung bringen soll, lassen ihn alle aber einfach mal hängen. Mit allen meine ich nicht die treuen Fans, sondern all jene, welche sich wichtig machen und Vorteile suchen.
    6 2 Melden
  • ShadowSoul 08.03.2018 07:39
    Highlight Ich verstehe ihn und seine Sorgen, aber so wie es ihm geht, geht es im "normalen" Leben ganz vielen Leuten wenn sie z.B. den Job verlieren...weiterhin alles Gute.
    51 1 Melden
  • Therealmonti 08.03.2018 04:51
    Highlight Aegerters Manager hat es verkackt!
    21 6 Melden

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