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Der 22-jährige Spanier ist eines der grössten Motorradtalente aller Zeiten. Bild: Manu Fernandez/AP/KEYSTONE

Gnadenlos und besessen: Marc Márquez ist der Mann, der einfach nicht verlieren kann

Ich siege, also bin ich. Ich siege nicht, also bin ich nicht. Seit Titan Marc Márquez (22) den WM-Titel vorzeitig verspielt hat, ist er wieder der gefährlichste Krawallbruder der Welt auf zwei Rädern. Er kann einfach nicht anders.

26.06.15, 21:02


Es gibt eine Anekdote aus dem Leben des spanischen Töff-Wunderkindes. Bei seinem ersten Rennen, noch als kleiner Bub und auf einem kleinen Bike, habe er gegen durchwegs grössere und ältere Konkurrenten den sensationellen dritten Platz geholt. Aber er habe sich nicht gefreut und sei wütend geworden. Weil er nicht gewonnen hatte. Selbst sein Vater sei ob dem kindlichen Zorn irritiert gewesen. Vielleicht ist es nur eine Anekdote. Aber mit ziemlicher Sicherheit war es so.

Und unvergessen bleibt, wie er 2012 in Katar beim ersten Moto2- Rennen der Saison den bis dahin dominierenden Tom Lüthi beim Kampf um den Sieg brutal und lebensgefährlich von der Piste rempelte und siegte (Lüthi kam noch auf Rang 5). Damit erschütterte er den Schweizer so stark, dass dieser im Kampf um die WM kein Faktor mehr war – und gewann selbst den Titel. 

Marc Márquez' Talent ist göttlich

Es gibt keinen anderen Piloten, der so kompromisslos auf Sieg fährt. 
Marc Márquez, der Gnadenlose. Um es mit Luther zu sagen: «So fahr ich und kann nicht anders.» Diese wilde Besessenheit auf der Rennpiste steht in einem faszinierenden Gegensatz zu seinem Wesen. Der gefährlichste Mann auf zwei Rädern fährt wie ein Teufel. Aber er ist freundlich und spricht sanft wie ein Engel. 

In dieser Saison läuft es für den Spanier nicht nach Plan. Bild: EPA/EFE

Sein Talent ist göttlich. Marc Márquez hat die «Königsklasse» 2013 und 2014 nach Belieben dominiert und er gewann 2013 die wichtigste Töff-WM gleich in seiner ersten Saison. Marquez schien seine jugendliche Unbesonnenheit hinter sich gelassen zu haben. Er fuhr zwar auch letzte Saison nach wie vor regelmässig über dem Limit. Vor allem im Training. Aber er gewann 13 von 18 Rennen und blieb nur einmal punktelos. 

Marc Márquez, der fahrerische Krawallbruder

Und nun ist auf einmal alles anders. Während Yamaha mit Valentino Rossi und Jorge Lorenzo bisher sechs von sieben Rennen dominierte, raste Marc Márquez von einer Niederlage zur nächsten. Während der Spanier regelmässig von seiner Honda fliegt, fährt das Yamaha-Duo der Konkurrenz davon. Valentino Rossi führt vor Assen in der WM mit einem Punkt Vorsprung auf seinen Teamkollegen Jorge Lorenzo. Marc Márquez hat 69 Punkte Rückstand. Er hat seinen Titel bereits verloren.

Symbolisch für diese Saison: Márquez ist gestürzt. Bild: EPA/ANSA

Was ist passiert? Ganz einfach: Marc Márquez hat sein Selbstvertrauen verloren, und das macht ihn wieder zum fahrerischen Krawallbruder – so hat es der legendäre Kolumnist Michael Scott formuliert. 

Es sind die fahrerischen Taten eines verzweifelten jungen Mannes. Der erste Sturz kam im dritten Rennen in Argentinien, als Valentino Rossi ihm die Führung in der Endphase des Rennens entriss. Der Weltmeister brach auseinander, er prallte zweimal gegen Rossi. Beim ersten Mal ziemlich hart, beim zweiten Mal stürzte er. Der nächste Abflug folgte in Mugello. Es war ein einfacher Sturz. Das Vorderrad rutschte weg. Dann folgte Katalonien. Wieder kam es zu einer Berührung und einem Sturz. Hier in Assen kippte er bereits im ersten freien Training wieder um.

Ich siege, also bin ich

Er kann einfach nicht anders. Nur der erste Platz ist gut genug für ihn. Daran hat er sich gewöhnt – über Jahre hinweg. Aber wer Weltmeister werden und bleiben will, muss auch einen zweiten, dritten oder vierten Platz akzeptieren können. Es gibt Umstände, technische und andere, die es unmöglich machen, zu gewinnen. Marc Márquez fehlt, um noch einmal den legendären Michael Scott zu zitieren, «das Yin zu seinem Yang». Nun zeigt sich: sein Selbstvertrauen ist noch nicht stabil genug, um Niederlagen zu verkraften. Es ist zerbrechlich wie Glas. Ich siege, also bin ich. Ich siege nicht, also bin ich nicht. 

Anfangs Mai konnten Valentino Rossi (l.) und Marc Márquez letztmals zusammen auf dem Podest jubeln. Bild: MARCELO DEL POZO/REUTERS

Diese Saison sind es technische Umstände, die dem Honda-Superstar das Siegen erschweren. Stark vereinfacht gesagt: Die Honda hat Probleme beim Kurveneingang während Yamaha – mit der besseren Gewichtsverlagerung durch den breiteren Motor – in diesem Bereich besser geworden ist. Die Honda ist zwar schneller und kraftvoller als die Yamaha. Aber Tempo und Höchstgeschwindigkeit sind nicht alles, wenn es um Rundenzeiten geht. Die Stabilität beim Anfahren der Kurven ist matchentscheidend. Dort passieren fast alle Überholmanöver. Wer in diesem Bereich Schwierigkeiten hat, ist fahrerisch verwundbar. Oder noch anders gesagt: Eine Rennmaschine ist wie ein wunderbar gestimmtes Instrument. Alles hängt von der Balance zwischen Kraft und Fahrbarkeit ab. Honda hat die Power des Motors vergrössert und dadurch diese Balance vorübergehend verloren.

Marc Márquez sagt, er sei gezwungen, über dem Limit zu fahren. Er habe keine andere Wahl. Weil er nicht verlieren kann und sich einredet, keine andere Wahl zu haben. Er weiss besser als alle Titanen, wie Rennen gewonnen werden. Aber erst wenn er lernt, Rennen zu verlieren, kann er so erfolgreich werden wie Valentino Rossi.

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