Sport

Die Frage nach seiner Zukunft raubt Dominique Aegerter den Schlaf. Bild: AP/AP

«Sleepless in Rohrbach» – Dominique Aegerter und seine schwierigste Entscheidung

Dominique Aegerter (26) tut sich schwer mit der schicksalsschwersten Entscheidung seiner Karriere. Bleiben wo er sich wohlfühlt oder dorthin wechseln, wo er schon einmal unglücklich war?

15.09.17, 19:19

Dichterfürst Goethe schrieb einst «die Leiden des jungen Werthers». Die Geschichte einer unglücklichen Lieben mit tragischem Ende als ein Stück Weltliteratur. Aufs Töffbusiness des 21. Jahrhunderts übertragen sind es die Leiden eines jungen Töffhelden aus Rohrbach am unteren Rand des Emmentals.

Dominique Aegerter ist der einzige Siegfahrer auf Weltniveau ohne Vertrag für nächste Saison. Er hat zwei Optionen: im bisherigen Team bleiben, wo er sich wohlfühlt, aber die technische Betreuung wegen chronischem Geldmangel diese Saison nicht optimal war. Oder zurück ins letztjährige Team von Fred Corminboeuf, wo er sich ganz und gar nicht wohlfühlte und mit Donnerhall schied, wo aber nächste Saison mit KTM exzellente Technik zur Verfügung steht.

Eskil Suter hat nicht die gleichen Ressourcen wie KTM. Bild: KEYSTONE

Ein langes Gespräch mit seinem bisherigen Töff-Lieferanten Eskil Suter in Turbenthal und die anschliessende mehrstündige Sitzung mit seinem Manager und Freund Robert Siegrist in Zürich brachten keine Klärung. Eskil Suter ist zwar bereit, technisch nachzurüsten – aber er hat nicht die gleichen Ressourcen wie KTM.

Allerdings wäre Dominique Aegerter bei KTM nicht die Nummer eins – die Werksfahrer Brad Binder und Miguel Oliveira haben beim österreichischen Werk Vorrang. Im Kieferteam wäre der «Rohrbach Rossi» weiterhin die unumstrittene und umsorgte Nummer 1. Bei einer Rückkehr zum letztjährigen Team hätte er mit dem britischen Bruchpiloten Sam Lowes einen ehrgeizigen teaminternen Konkurrenten.

«Ich habe in letzter Zeit kaum geschlafen.»

Dominique Aegerter

«Ich weiss wirklich noch nicht, wie ich mich entscheiden soll» sagt Dominique Aegerter ziemlich ratlos. «Ich habe in letzter Zeit kaum geschlafen. Nicht nur wegen der Feierlichkeiten nach meinem Sieg in Misano. Auch die anstehende Entscheidung über meine Zukunft bringt mich um den Schlaf…» Der Einwand, er sei doch ein Glückspilz, er habe sogar zwei Angebote während Dutzende von Piloten meilenweit für nur ein einziges Angebot eines Moto2-WM-Teams gehen und blind unterschreiben würden, tröstet ihn auch nicht.

Wird «Bruchpilot» Sam Lowes der neue Teamkollege von Dominique Aegerter? Bild: EPA/EPA

«Sleepless in Rohrbach» – was die Entscheidung so schwierig macht: nicht nur sein aktuelles Team (Kiefer) hat Geldsorgen. Inzwischen kommen Zweifel auf, ob im Team von Fred Corminboeuf tatsächlich alles Gold und Geld ist, was glänzt. Tom Lüthi (steigt nächste Saison in die Königsklasse auf) nimmt nämlich die wichtigsten Geldgeber plus das beste technische Personal mit. Neues Geld und neues Personal ist weit und breit nicht in Sicht.

Inzwischen hat Dominique Aegerter die Verträge von beiden Teams unterschriftsbereit vorliegen. Der Kontrakt mit dem bisherigen Team ist okay, den könnte er eigentlich signieren. Das Angebot von Fred Corminboeuf bezeichnet Manager Robert Siegrist hingegen als «finanziell nicht akzeptabel.» Vor allem stösst Siegrist ganz sauer auf, dass Fred Corminboeuf unverhohlen eine Mitfinanzierung des Teams fordert. «Das kommt auf gar keinen Fall in Frage.» Dem stimmt auch Dominique Agerter zu. Ihn stört zudem, dass der Teamchef  in allen technischen Fragen (wie Personal) das letzte Wort haben will. Nun soll nachgebessert werden.

Bis zum nächsten Rennen (am übernächsten Wochenende in Aragon) wird, muss der Entscheid fallen. Erst tendierte Dominique Aegerter zum Wechseln, inzwischen eher zum Bleiben und er seufzt: «Es steht etwa 51:49 fürs Bleiben…»

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    Alle Leser-Kommentare
  • stony1185 15.09.2017 23:15
    Highlight Ich möchte erlich gesagt nicht an seiner stelle sein diese entscheidung ist sehr sehr hart ...das eskil in der lage ist schnelle bikes zu bauen ist ja bekannt, ob es gegen ein team mit den ressourcen von ktm reicht wird sich leider erst nächste saison zeigen ich würde mich im moment eher fürs bleiben entscheiden da er im kiefer team die nötige ruhe und unterstützung hat die er braucht ...
    12 0 Melden
  • Avalanche89 15.09.2017 19:43
    Highlight Schwierige Entscheidung. Ich würde aber zu KTM wechseln. Ich denke bei Kiefer hat er keine Siegchance.
    4 8 Melden
    • Therealmonti 16.09.2017 08:45
      Highlight Keine Siegchance? Jetzt hat er doch grad einen Sieg eingefahren! Ich denke, er sollte nicht zu KTM wechseln.
      3 1 Melden
    • Avalanche89 16.09.2017 10:23
      Highlight Ja im Regen...
      2 0 Melden

Nix mit den Millionen – Aegerter kriecht einem Hochstapler auf den Leim

Die Millionen aus Russland fliessen nicht. Dominique Aegerter kann die Moto2-WM 2018 nur fahren, wenn er eigenes Geld investiert. Möglich, dass auf «Alteisen» von Eskil Suter gefahren wird.

Der Flug war gebucht. Ein Hotelzimmer reserviert, der Champagner kalt gestellt: Dominique Aegerter und sein Manager Robert Siegrist wollten morgen Donnerstag nach Wien fliegen und dort mit dem ehrenwerten David Pickworth die Verträge unterzeichnen.

Pickworth ist der neue Besitzer des Rennteams von Aegerter und er hatte blühende Landschaften versprochen. Millionen aus Russland, KTM-Höllenmaschinen aus Österreich und auch sonst alles nur vom Feinsten.

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